Vom Winde verweht

  • Traurig aber wahr! Es ginge auch anders, gerade beim Obst, nur nicht zu den Preisen und nicht in der Optik! Ungespritztes Obst ist so gut wie unverkäuflich. Wir leben in einer glibalisierten Welt, da kommt es nicht einmal darauf an, was wir wollen, sondern was der Weltmarkt will (Freiher Handel). Aber welchen Preis zahlen wir wirklich? Die Schädigung der Bienen ist da noch das geringste Übel! Die Schäden an unser Gesundheit und möglicherweise unseres eigenen Erbgutes sind die Folgen. Dabei ist es mit der Agrochemie außerhalb der EU erst richtig krass, siehe Südamerika! Leider fällt mir zu dem Thema wenig Positives ein, leider. VG

  • meiner Meinung nach verhält es sich mit Pestiziden aller Art wie mit Kernkraft:


    Das sind Dinge, die zwar einen gewissen Nutzen, aber auch ein unkalkulierbar hohes Schadensrisiko haben und deswegen überhaupt nicht verwendet werden sollten.



    Wie so oft haben einige wirklich wichtigen Dinge wie Umwelt, Lebensraum, Gesundheit der Bevölkerung keinen eigenen, monetären Wert und werden daher ohne Hemmnis mit verbraucht. Airlines z.B. müssen die Lärm- und Abgasschäden nicht bezahlen, obwohl sie sie verursachen - schon sind Flüge viel zu billig. Das ist bei Autos, Pestiziden, Kernkraftwerken usw. nicht anders und genau da liegt der Fehler im System.



    Unerwünschte Pflanzen und Tiere direkt, z.B. mechanisch oder wie wir Imker z.B. mit Säure töten halte ich für legitim. Aber alles, was heimtückisch wirkt wie viele Pesitzide, was sich anreichert und/oder unkontrolliert weit in Luft, Boden und Grundwasser verteilt, alles was über die Zielorganismen hinaus wirkt gehört grundsätzlich geächtet.


    Klar steigt dann der Aufwand in der Landwirtschaft. Na und?

    Dann sind halt ein paar LEBENSmittel etwas teuerer. Es sind schließlich LEBENSmittel und es ist doch wohl vernünftiger, dafür mehr Geld auszugeben und etwas weniger Geld für anderes, nicht LEBENSwichtiges Spielzeug zur Verfügung zu haben, als umgekehrt, oder?


    Der Anteil der Einkommen, der bei uns für LEBENSmittel ausgegeben wird steht in meinen Augen im groben Missverhältnis zu dem Anteil, den die meisten für Schnickschnack ausgeben. Da liegt meiner Meinung nach die Krux in der ganzen Sache. Die Priorisierung ist völlig daneben und führt eben zu den üblen Auswüchsen und der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.


    Ich persönlich finde ja auch, dass wir darüber hinaus auch Verantwortung für alle anderen Lebenformen haben, selbst wenn uns diese nicht nützlich sind und nicht immer nur darauf schauen sollten, ob es für Menschen krebserregend oder schädlich ist.

    Z.B. hat Glyphosat im Bier und Brot vor einigen Jahren die Gemüter erregt, weil krebserzeugend. Dass es zuvor also schon in der Umwelt war und viele andere Organismen geschädigt hat, hat damals wie heute keine S$$ interessiert, nur das Krebspotenzial für uns Menschen wurde thematisiert. Für mich ist das alles zu kurz und verantwortungslos gedacht.

  • Ungespritztes Obst ist so gut wie unverkäuflich

    Warst Du schon mal in einem Bioladen? Oder in der Obstabteilung eines beliebigen Supermarktes?

    Es gibt heute längst schorfresistente Sorten.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Auch wenn ich deinen Ausführungen grundsätzlich zustimme hornet , halte ich die Aussage, dass Pestizide heimtückisch sind, während das Töten und Verätzen mit Säure legitim ist für eine steile These :)


    Das Folgende ist explizit nicht auf dich bezogen, aber das o.g. ist eben ein schönes Beispiel für: Tu ichs, ists ok, tuns andere, ists schlecht. Mit zweierlei Maß messen ist auch eines der chronischen Probleme unserer Gesellschaft. Deiner Denkrichtung oben folgend das Beispiel Volksbegehren: ich will gar nicht wissen wie viele der Unterzeichner nach Unterschrift zum Discounter sind und dort ihr Fleisch für 2,99€/kg holten.


    Wäre die hier thematisierte Studie vielleicht vor 10-15 Jahren durchgeführt worden, wäre sie vermutlich auch deutlich anders ausgefallen und niemand hätte große Probleme gesehen. Da wäre schlichtweg die meisten Stoffe nicht nachweisbar gewesen... Die vermeintliche Zunahme von PSM in der Umwelt verdanken wir vor allem verbesserten Messmethoden mit deutlich gesunkenen Nachweisgrenzen. Da ist überwiegend von Rückständen im Nanogrammbereich die Rede. Also 0.000000001 g.


    Tatsächlich ist es so, dass die Anzahl an zugelassenen Wirkstoffen seit Jahren drastisch sinkt. Wir kommen mittelfristig ohnehin in den Bereich einer Landwirtschaft mit zumindest deutlich reduziertem Pestizid-Einsatz. Einfach, weil vieles nicht mehr funktioniert. In vielen Bereichen sind nur noch wenige Wirkstoffe zugelassen, gegen die sich mangels Variation im Einsatz vermehrt Resistenzen bilden. In einigen Bereichen der Landwirtschaft ist das schon ein großes Problem.


    Schaut mal bei der EFSA vorbei, wie viele Wirkstoffe aktuell noch zugelassen sind im vergleich zur Zahl derer, die es mal war. Und schaut dann weiter, wie viele Zulassungen dieses und nächstes Jahr auslaufen (die verlinkte Tabelle lässt sich danach sortieren). Viele dieser Wirkstoffe haben keine oder nur geringe Chancen auf Wiederzulassung.


    Wir sind auf dem richtigen Weg. Manchen geht er zu schnell, anderen nicht schnell genug. Wie überall im Leben :)

  • WFLP , war ich, weiß ich, kauf ich. War im ersten Leben u.a. Nebenerwerbs-Obstbauer ohne Spritzmitzel. Es geht auch ökologisch, habe ich doch geschrieben. Nur ist die Masse der vermarkteten Äpfel gespritzt. Es liegt am internationalen Wettbewerb und am Kaufverhalten. Es ist aber auch eine Frage des Preises und der EU Vorschriften wie Obst beschaffen sein muss welches in den Handel kommt. Da müssen wir uns hier nicht drüber streiten. VG

  • @LIester, bin gerade an Getreidefelder mit gelben Streife vorbeigefahren, andere waren total gelb. Überdosiert oder totgespritzt. VG

    Dann fehlt hier die Auflage, die Randstreifen nicht abzuspritzen oder entspechenden Abstand einzuhalten. Vielleicht wurde sie auch einfach nicht eingehalten? Ich bin kein Landwirt und kenne aus dem Kopf heraus nicht alle Bestimmungen. Zumindest gibt es aber recht viele, die den Abstand zu bestimmten Strukturen regeln, darunter sollten eigentlich auch Ackerrandstreifen fallen.


    Wenn Autos an bestimmten Stellen zu schnell fahren, kann ich auch erstmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführen, statt sie zu gleich ganz zu verbieten.

  • Nun ja, es ist immerhin eine nachvollziehbare Reihe von Messwerten und man mache sich klar, dass 29 (!) Pestizide z. T. parallel und über Wochen in der Luft sind. Es kann auch nicht mit sog. Geringstmengen im ng-Bereich abgetan werden; denn 10.000 ng sind nun mal 10 mg; und das wurde an den mehr exponierten Standorten durch Messungen belegt bzw. eine "integrierte Belastung" von > 30 mg an Pestiziden vorgefunden.


    Was in der Studie als problematisch angedeutet wird, sind die eher unüberschaubaren synergistischen Wirkungen der einzelnen Stoffe, bspw. Fungizide und Thiacloprid oder Dreier- bzw. Viererkombinationen.


    Hier wird im wesentlichen die Wirkung auf die Nahrung und den Menschen angesprochen. Die Auswirkungen auf die Bienen standen gar nicht im Fokus, wenn ich es richtig überflogen habe. Die sind m. E. dramatisch.


    Für die am Ende genannten 5 -7 Substanzen, die an 2 - 3 Standorten gefunden wurden, nahm die Zulassungsbehörde immerhin an, dass so gut wie keine Abdrift entsteht bzw. durch Licht die Substanzen zerstört würden. Bei anderen verließ man sich auf Herstellerangaben...


    Das, liebe Immenfreunde scheint Realität zu sein; in Südtirol im Vinschgau, versteht sich. Ist ja auch Italien...;)


    Irren ist menschlich - auch bei der Zulassung von sog. Pflanzenschutzmitteln. Aber schön, dass es gemessen und v.a.D. publiziert wurde.

  • Na und?
    Dann sind halt ein paar LEBENSmittel etwas teuerer.

    :D:D:D


    Als Bewohner eines Landes mit einer bereits "entschleunigten" Landwirtschaft:

    Die Schweiz hat bereits ein verhältnissmässig lahmes Kleinbauerntum, welchem doch eine ordentliche Nachhaltigkeit nachgesagt wird.

    Trotzdem wird hier keinesfalls auf PSM verzichtet. Gefühlt ist deren Einsatz jedoch strenger geregelt.

    Um jetzt hier dem einfachen "ist dann halt teurer" mal ein paar Zahlen zu nennen:

    In der Schweiz sind die Lebensmittel im Schnitt bis zu 78% teurer als im EU-Schnitt. Alleine Fleisch ist rund 150% teurer. DE ist ca. auf dem EU-Schnitt.

    Also um rund 78% teurere Lebensmittel müsste man in DE berechnen, wollte man die Landwirtschaft ähnlich "entschleunigen".


    Das trifft aber nur zu, wenn man, wie die Schweiz, das ganze über ähnliche Importzölle finanzieren könnte. Trifft das nicht zu, kommen noch mal Kosten dazu, die zu tragen sind. Der DE-Bauer bezieht rund 23,5% seines Einkommens aus Subventionen. Der schweizer Bauer allerdings bezieht rund 63% seines Einkommens vom Staat. Diese Differenz, also rund ca. 40%, kommen dann noch mal obendrauf zu den 78%. (Diese 40% sind die ungefähren Zustüpfe, welche die Schweiz über die Importzölle erhebt) Dann sind wir bereits mal bei rund 118% Preissteigerung.

    Und das wohl verstanden noch nicht PSM-frei.


    Hierzulande gibts eine Volksinitatiative für ein Verbot synthetischer Pestizide. Die einzige Schätzung, welche ich kenne, geht hierbei von nochmal rund 30-40% gesteigerten Preisen aus. Dann sind wir irgendwo bei 148-158% Preissteigerung.


    Das ist aber immer noch nicht alles. Denn wenn die Lebensmittelpreise um 148-158% steigen, muss die Folge sein, dass alle Sozialbezüge steigen müssen. Also Rente hoch, Sozialhilfe hoch, usw. Das muss ebenfalls wieder bezahlt werden und das geschieht folgerichtig mit höheren Steuern. Hier wird die Rechnung nun recht unpräzise... Gehen wir mal davon aus, dass einem Sozialhilfebezüger rund 30% seiner Ausgaben für Lebensmittel drauf gehen, müssten 30% um die ca. 148-158% steigen. Daumen mal Pi sind das glaub so 49-53% Steigerung der Sozialausgaben, welche über höhere Steuern getragen werden müssten.


    Jetzt noch nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass damit die Kaufkraft drastisch sinkt. Das hemmt die Wirtschaft und senkt nochmal die Löhne. Wieviel in etwa wird jetzt richtig "glaskugelmässig" und ich lass das lieber.


    Aber ja: Das kann man ja wollen! Dann aber bitte das Preisschild mitbenennen, mit dem das einhergeht. Also sagen wir eine Steigerung von ungefähr 153% der Lebensmittelpreise + eine Erhöhung der sozialen Ausgaben um 51%. Mit dem Preisschild muss man mitberücksichtigen, dass wenn die Leute erst mal wieder arm sind, die Umwelt wieder völlig egal wird...


    Alternativ kann man natürlich einfach weiter billig importieren... Ist in der Schweiz schon auch ähnlich, auch wenn Billigprodukte durch Importzölle gar nicht mehr billig sind.

    So kann man die Probleme mit der Produktion gleich mit outsourcen. Dann hat man doppelt Freude: Man kann sich moralisch übermächtig fühlen und sich gleichzeitig über den Rest der Welt aufregen, wie schlecht die das dort so machen...


    Oder aber man fängt halt an, seine Zielvorstellung auf etwas realistisches zu setzen:

    Man könnte ökologischen Landbau besser (oder anders) fördern. Monätere Anreize da, wo man die Landwirtschaft hintreiben möchte. Das funktioniert! Kostet auch, siehe auch an verschiedenen Beispielen in der Schweiz.

  • Llecter , Randstreifen gibt es hier kaum, es wird unmittelbar bis an den Straßengraben bestellt. Gelb ist das Getreide selbst. Zu viel Wachstumsregler?

    Hallo Georgie,


    das weiß ich leider auch nicht. Keine Ahnung, warum man jetzt Geteide abspritzen sollte. Zu viel Wachstumsregler glaube ich nicht, Landwirte leben von ihrem Ertrag, die wissen in der Regel schon sehr genau was geht und was nicht.


    beemax schrieb:

    Irren ist menschlich

    Stimmt, denn

    Zitat

    10.000 ng sind nun mal 10 mg;

    ist leider nicht richtig- 10 000 ng sind 10 μg (Mikrogramm) und damit 0.01 mg (Milligramm). Das ist ein Unterschied um den Faktor 1000. Absolut nicht böse gemeint, solche Umrechnungsfehler passieren mir auch immer wieder. Die Vorlage war nur zu schön zum liegen lassen - Sorry :-)


    Nachtrag: Das nur als Hinweis, dass die Werte entsprechend auch um den Faktor 1000 niedriger sind und entsprechend ganz anders bewertet werden müssen. 30 mg fände ich in der Tat auch beunruhigend viel!


    beemax schrieb:

    Was in der Studie als problematisch angedeutet wird, sind die eher unüberschaubaren synergistischen Wirkungen der einzelnen Stoffe, bspw. Fungizide und Thiacloprid oder Dreier- bzw. Viererkombinationen.


    Hier wird im wesentlichen die Wirkung auf die Nahrung und den Menschen angesprochen. Die Auswirkungen auf die Bienen standen gar nicht im Fokus, wenn ich es richtig überflogen habe.

    Dem stimme ich zu. Dem hier aber nicht:

    beemax schrieb:

    Die sind m. E. dramatisch.

    Wie kommst du zu dieser Einschätzung? Bauchgefühl oder Daten? Mein Bauchgefühl sagt eher, dass das unkritisch ist. Bestäubungsimker sind ja auch im Obstbau keine aussterbene Rasse.

  • @Vivajohn:

    alles richtig, es würde Vieles teuerer werden.


    Aber eben objektiv und ehrlich betrachtet nicht insgesamt!


    Denn die Lebensmittel (ersetze beliebig durch andere Güter wie Strom, Benzin, Flüge etc.) sind ja nur deshalb so vermeintlich billig und sozial, weil die wahren Kosten auf andere, Unschuldige abgewälzt werden, die sich nicht dagegen wehren können (Entwicklungsländer, Umwelt, Flughafenanwohner, zukünftige Generationen, wir alle)!


    Also eigentlich wird es gar nicht teuerer, nur heute zahlen halt noch andere, das ist der Trick!


    Nachhaltig ist das alles nicht, weil letztlich zahlen wir oder unsere Nachkommen es spätestens in der Zukunft.


    Ich finde faire Kosten daher besser, auch wenn es bedeutet, dass wir dann eben heute auch tatsächlich die wahren Kosten und damit viel, viel mehr bezahlen müssen. Dann wäre auch allen sofort klar, wie weit wir momenten eigentlich über unsere Verhältnisse leben und dass das ja auf Dauer gar nicht gehen kann. Irgendwann wird sich das aber rächen und dann wird es halt noch teuerer.


    An der Realität kommen wir nicht vorbei. Das Problem ist nur, dass diese Kosten vermeintlich so fern und abstrakt sind, dass sie nicht objektiv und fair bewertet werden und Rechnungen wie die deine die Kritiker immer schnell mundtot machen können.


    Keine Angst, das alles ist ja nur meine Meinung und wird niemals Realität werden. Wir werden uns weiter in die Tasche lügen und unseren Nachkommen den Stinkefinger zeigen, statt irgendwann mal Verantwortung übernehmen.