Zuchtwertergebnisse für Buckfast

  • Wenn ich es richtig verstehe ist die Zuchtwertschätzung der Versuch, die Zuchtergebnisse "berechenbarer" zu machen. Dazu werden die Beurteilungen (von 1-6 nehme ich an, lt. Zuchtordnung Buckfast) der einzelnen Züchter mit Hilfe der Mathematik über einen Kamm geschoren, um sie vergleichbar zu machen. Es entstehen Zeitreihen mit Mittelwerten. Aus diesen gemittelten Zahlen wird dann unter angenommener Normalverteilung der Zuchtwert berechnet, der sich zahlenmäßig dann irgendwo von 0 bis 120 oder so bewegen dürfte.

    Für mich erstmal graue Theorie. Spannend finde ich die Frage, ob diese Mathematik dann tatsächlich den Züchtern was bringt?

  • Spannend finde ich die Frage, ob diese Mathematik dann tatsächlich den Züchtern was bringt?

    Das ist genau die Frage. Ich fürchte, wenn ich meine bescheidene Meinung dazu äußern darf, dass die Zucht aus Kunst UND Wissenschaft besteht. Das ist dann immer eine knifflige Sache, weil sich der Kunst-Teil ganz schlecht in zahlen fassen lässt und man das ganze Thema deshalb nie komplett mathematisch durchdringen kann. Auf der anderen Seite tut sich der wissenschaftliche Teil so ganz ohne Zahlen auch schwer.

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Auf der anderen Seite tut sich der wissenschaftliche Teil so ganz ohne Zahlen auch schwer.

    Naja, manchmal steht sich die „Wissenschaft“ auch selbst im Weg. Da sitzen junge Assistenten, die sich direkt nach ihrem Abschluss irgendwelches Futter für die akademische Laufbahn aus den Fingern saugen müssen. Je nach Lehrstuhl mal besser und mal schlechter betreut. Dabei entstehen zwangsläufig Kopfgeburten.

    Ich bin ja meiner Profession entsprechend durchaus ein Freund der Zahlen, solange es Hand und Fuß hat. Wenn aber Zahlen nur noch den akademischen Geist befriedigen und praxisfern sind, kann man es auch dabei bewenden lassen...

  • Beispiel Honigertrag in kg.

    Weil dieser Wert nicht aussagt. Sind denn 40kg gut oder schlecht? Das ist ja vom Stand, dem Klima und den lokalen Trachtverhältnissen abhängig, neben der Bienenherkunft. Da ist es, vereinfacht ausgedrückt, besser einen Maßstab zu haben ob ein Volk über dem Durchschnitt war, weit über den Durchschnitt, unter dem Durchschnitt oder ein total Ausfall was im Bewertungsmaßstab 1-5 audgedrückt wird, mit der 3 als Durchschnitt... (Die 6 ist nicht Bestandteil dieses Maßstabes, wie bereits oben erklärt wurde...)

    Die Mathematischen Modelle berücksichtigen unterschiedliche Umwelten sicherlich mit einem fixen Effekt des Standorts für ein bestimmtes Jahr zudem können noch Informationen von Verwandten Berücksichtigt werden.


    Wenn man jedoch mit geringen Völkerzahlen arbeitet mag eine Benotung einfacher und zielführender sein. Dann springt es eher ins Auge welches Volk Vermehrungswürdig erscheint.


    Nur verstehe ich nicht wieso man den Aufwand treibt eine Zuchtwertschätzung für Merkmale zu betreibt, die eigentlich viel Exakter erfasst werden könnten als mit einem Benotungssystem. Sanftmut kann man ja bisher nicht anders erfassen als mit Noten. Aber Merkmale bei denen man zählen oder messen kann sollten besser mit ihren Messwerten in die Zuchtwertschätzung eingehen. Damit erhält man deutlich genauere Zuchtwerte. Man kann also genauer wissen welche Völker selektiert werden sollten und welche nicht.


    Die Nutzung von Zuchtwertschätzung bei andern Nutztieren hat ebenso zu größeren Zuchtfortschritten geführt als in den Jahren davor. Wieso sollte sich das bei der Honigbiene anders verhalten?

  • Die Nutzung von Zuchtwertschätzung bei andern Nutztieren hat ebenso zu größeren Zuchtfortschritten geführt als in den Jahren davor. Wieso sollte sich das bei der Honigbiene anders verhalten?

    Bei der Honigbiene hängt ja viel von der Umgebung oder Startbedingungen ab. Wenn man zum Beispiel "Anzahl Brutzellen am 1.5." als Kriterium nähme, müsste man die Einwinterungsstärke, den Futterstand, das vergangene Wetter etc beachten. Oder bei der Honigmenge, die Einwinterungsstärke, die Trachtangebote etc.. Mir fällt es schwer, messbare und gleichzeitig international sowie über verschiedene Jahre hinweg vergleichbare Werte zu finden. Hast Du da ein Beispiel?

    Imker seit Februar 2020
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  • Bei der Honigbiene hängt ja viel von der Umgebung oder Startbedingungen ab. Wenn man zum Beispiel "Anzahl Brutzellen am 1.5." als Kriterium nähme, müsste man die Einwinterungsstärke, den Futterstand, das vergangene Wetter etc beachten. Oder bei der Honigmenge, die Einwinterungsstärke, die Trachtangebote etc.. Mir fällt es schwer, messbare und gleichzeitig international sowie über verschiedene Jahre hinweg vergleichbare Werte zu finden. Hast Du da ein Beispiel?

    Es stimmt in der Tat, dass Umweltbedingungen die Honigbiene stark beeinflussen. Aus diesem Grunde hat Bruder Adam auch im März umgeweißelt und die Volksstärke durch umhängen von Waben ausgeglichen. Weiterhin ist der Adamstarter ideal um die Aufzuchtbedingungen der Königinnen zu anzugleichen. Er verwendete sogar die Sparsamkeit über den Winter als Zuchtmerkmal. Wenn es gelingt die Umweltbedingungen der einzelnen Völker in Bezug auf die Startbedingungen auszugleichen und dann möglicht die einzelnen Vollgeschwistergruppen gleichmäßig auf die Prüfstände zu verteilen treten die erblichen Eigenschaften deutlicher zu Tage. Der Effekt des Standes in einem Jahr kann dann statistisch korrigiert werden. Hätte man an einem Stand nur jeweils eine Vollgeschwistergruppe könnte man diesen Umwelteffekt nicht korrigieren.

  • Das ist mir klar. Buckfastzüchter sind aber über ganz Europa verteilt und um dieses Verfahren auf dieser Ebene anzuwenden, müssten in jeder Klimazone solche Vergleichsstände eingerichtet werden und um eine Zuchtmutter zu bewerten dann jeweils mehrere Töchter auf alle Vergleichsstände verteilt werden.

    Imker seit Februar 2020
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  • ...oder du wanderst die Trachtgebiete in den verschiedenen Regionen an und schaust, wie sich die einzelnen Kombinationen verhalten...

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)