Erweiterung im fortgeschrittenen Bienenjahr

  • Hallo liebes Forum,
    ich habe einen Ableger der sich überdurchschnittlich gut entwickelt hat, d.h eine Zarge randvoll mit Bienen und Brut. Wenn jetzt Mai oder Anfang Juni wäre, würde ich ihm noch eine Zarge draufsetzen. Leider habe ich aber keine ausgebauten Waben mehr. Deshalb meine Frage, gibt es um diese Jahrezeit noch einen Sinn, nur mit Mittelwänden zu erweitern (mit dem Ziel der Wabenerneuerung) ? Wenn ich nicht erweitere kann das Volk dann ordentlich eingefüttert werden ?


    Gerhard

  • Hallo Gerhard,
    Mittelwände werden deine Bienen nicht mehr ausbauen, zumindestens in unserem süddeutschen Raum ist es mit der Tracht vorbei und damit werden auch keine Waben mehr ausgebaut. Es ist auch kein Problem deinen Ableger auf einer Zarge zu überwintern, das einzige Problemchen dabei ist es, den Ableger nicht zuviel oder zuwenig Winterfutter zu geben, dieses Problem ergibt sich bei einer zweizargigen Überwinterung nicht, da man hier das Futter doch etwas reichlicher bemessen kann, weil bei der einzargigen Überwinterung bei zuviel Futter der Wintersitz auf vollen Waben sehr von Nachteil wäre.
    Aber die Überwinterung auf einer Zarge oder zwei Zargen ist sowieso auch ein heiß diskutiertes Thema, wobei es immer Vor und Nachteile hat.

  • Hallo Gerhard,


    wie an anderer Stelle im Forum erwähnt, sind für den Baubeginn zwei Bedingungen notwendig:
    1. ausreichende Tracht
    2. zu wenig freie Vorratszellen


    Mit einer fortlaufenden Fütterung mit dünnflüssigem Futter (zB. Zuckerlösung 1:1 oder Apiinvert+Wasser 1:1) kannst du deinen Bienen eine Tracht vortäuschen und sie werden die Mittelwände auch im Juli noch ausbauen.


    Nach etwa einer Woche den Ausbau kontrollieren. Wenn nur in der Mitte oder nur an einem Rand gebaut wird, dann die Rähmchen umhängen; dabei kommen ausgebaute bzw. mit Futter gefüllte nach außen.


    Nach dem Ausbau im August mit Zuckerlösung 3:2 oder unverdünntem Apiinvert auffüttern.


    Viel Erfolg
    Frieder

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Gerhard,
    dann probiers doch einfach aus und gib ihnen nochmals eine Zarge mit MW drauf, ist doch kein Risiko dabei und berichte dann bei der ersten Nachschau, ob sie ausbauen oder nicht!

  • Hallo,
    wenn sie noch ausbauen, dann einzelne MW zwischen honigfeuchten frischen Waben, aber eine ganze Zarge nicht mehr, auch bei dünnflüssiger Fütterung.
    Natürlich kann man sie "zwingen", indem man ihnen nur MW gibt, aber das Ergebnis sieht dann doch eher aus als ob ein besoffener Maurerpolier Regie geführt hätte. Nichts Halbes und nichts Ganzes.


    Grüsse
    M.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
    warum nimmst Du den aus Deinen Wirtschaftsvölkern nicht ein -zwei ausgebaute Waben/Volk raus.
    So kannst Du auch ausgebaute Waben geben.
    Und die starken Wirtschaftsvölker freuen sich wennsie noch etwas zum Bauen bekommen.
    Gruß Bobby

  • Hallo Gerhard !


    Bei fortlaufender Fütterung kannst Du Deinem Ableger ohne weiteres eine Zarge voll Mittelwände aufsetzen, dann aber auch jeden Tag eine Futtergabe ! (die MW werden dann auch einwandfrei ausgebaut). Wichtig bei der Sache ist das die aufzusetzende Zarge ausschließlich MW enthält. Bildet man einen Wabenkern aus bereits ausgebauten Waben, werden diesen noch überdemensional vergrößert und die verbleibenden MIttelwände in schlechter "Maurer" ??? - Manier ausgebaut.>>>>>>>>> "Für einen Maurer sind 10cm doch kein Maß !!!" oder "Zuerst kommen die Herren Maurer, dann die Herren Zimmerochsen !!!"


    Beste Grüße


    Frank


    http://www.imkerei-osterloh.de

  • Hallo Frank,
    ...und was die Zimmerer nicht gerade kriegen, machen dann die Gipser. Und nach denen müssen dann die Tapezierer den Rest noch irgendwie richten ...
    Doch Spaß beiseite (hoffentlich bin ich jetzt keinem auf die Füße getreten !)Ich persönlich gebe nicht gerne so spät im Jahr noch Mittelwände. Ich meine immer, ich würde die Bienen zu etwas zwingen, was ihrer Natur zuwider läuft. Außerdem habe ich auch immer das Gefühl, die Waben werden längst nicht so gut wie z.B. die aus dem Mai und ärgere mich, wann immer ich eine solche in den Pfoten habe.
    Daher ist meine Betriebsweise auch so ausgelegt, dass die späten Ableger honigfeuchte diesjährige Waben aus den Honigraumzargen der Wirtschaftsvölker erhalten, von denen habe ich ja genug. Auch arbeite ich aus diesem Grunde nicht so ganz gerne mit Kunstschwärmen.


    Grüsse


    M.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo alle Zweifler,


    fast in jedem Jahr bekomme ich Mitte bie Ende Juli (2001 bis in den August) Melezitose-Honig und davon dicke Kränze über den Brutwaben. Bekanntlich ist das Gift für die Winterbienen und ich muß den Überwinterungsraum 100 %ig melezitosefrei bekommen.


    Dazu kam mir die Idee, es mit dem Verfahren von Robert Henne zu versuchen, das er als "Offener Kunstschwarm veröffenlicht hat. Ausführlich nachzulesen in
    ADIZ, Heft 7/1996, (habe ich damals gleich mit einem Volk ausprobiert), und
    Deutsches Bienenjournal, Heft 4/1999.


    In Kürze:
    Dazu entnehme ich nach dem Abschleudern alle Waben und bilde mit den Brutwaben ohne Königin einen Zwischenableger, dessen Bienen nach dem Schlüpfen aller Brut mit dem Muttervolk rückvereinigt werden, (noch bevor die nachgezogene Jungkönigin stiftet, sie kommt weg).


    Das Volk bekommt nur Mittelwände (seitlich auch schlecht ausgebaute vom Frühjahr).
    Bei ununterbrochenem dünnflüssigen Futterstrom wurden diese einwandfrei ausgebaut (mit Zucker! statt Honig); jedenfalls gilt das für meinen "Carnica"-Landbienen-Standbegattungs-Mix.
    Bei dieser Gelegenheit kann man auch eine gekäfigte neue Königin sicher zusetzen.



    @ Michael:
    was raus kommt, wenn
    (Zitat:) "ein besoffener Maurerpolier Regie geführt" hat
    und Mittelwände mit ausgebauten Waben mischt, ist in dem hervorragenden Bändchen von LIEBIG, Einfach imkern, auf Seite 110 abgebildet,
    nämlich "Nichts Halbes und nichts Ganzes",
    womit auch die Angabe von Frank bestätigt ist.


    Von "zwingen" kann keine Rede sein, denn in den guten alten Zeiten gab es für die Vorfahren unserer heutigen Haustiere auch spät im Jahr noch Trachten und dann wurde bei Bedarf gebaut.


    Viele Grüße
    Frieder

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)