Varroabekämpfung aus USA

  • Varroabekämpfung aus USA


    In der Revue Suisse d’ Apiculture wurde eine natürliche Varroabekämpfung vom Tierarzt Petro Rodriguez vorgestellt und zur Anwendung empfohlen.


    Flüssige Vaseline gegen die Varroa


    Wir brauchen dazu:


    Reine Baumwollschnur 4 – 5 mm dicke. ( 1 m Länge pro Volk ).
    225 g Bienenwachs
    225 g Honig
    5 dl Vaseline. (Flüssige Vaseline ohne Geruch, Dichte 0,86, erhältlich in Drogerien.)
    1 dl Wasser
    1 Pfanne
    1 Rührholz


    So geht man vor


    - Sobald das Wasser kocht, das Wachs in kleine Stücken beigeben
    - Wenn das Wachs geschmolzen ist, die Vaseline beigeben
    - Durch ständiges Rühren das ganze gut mischen. Den Honig dazurühren
    - Temperatur zurückstellen und die Schnüre mit Holzstab in die Mischung drücken
    - Abkühlen lassen und die Schnüre aus der Masse ziehen
    - In verschliessbare Dose aufbewahren
    - Oder, die 1m lange Schnur in Serpentinenform auf die Völker legen
    - Die Bienen machen sich an das Reinigen der Schnur und nach einem Monat soll nur noch die Schnur auf den Völker liegen
    - Nach dem Bericht sollen viele Milben auf die eingeschobene Unterlage fallen.


    Mit der oben erwähnten Menge kann man ca 50 Schnüre herstellen.



    Mich interessiert, was bewirkt die Vaseline auf die Milben?
    Wer hat mit dieser Anwendung Erfahrung gemacht?


    Mit Imkergruss
    Edmond











    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Edmond am 2002-07-06 07:57 ]</font>

    Schritt für Schritt hinterlasse ich Spuren, sie verwehen wieder so wichtig sind sie nicht. Aufgeschnappt in der Sahara.

  • Hallo,


    Zitat


    Edmond schrieb am 2002-07-06 07:55 :


    In der Revue Suisse d’ Apiculture wurde eine natürliche Varroabekämpfung vom Tierarzt Petro Rodriguez vorgestellt und zur Anwendung empfohlen.
    ...
    Mich interessiert, was bewirkt die Vaseline auf die Milben?
    ...


    Eine verhälnismäßig aktuelle Veröffentlichung zu diesem Thema fand ich unter:


    http://www.beedata.com/beebiz/files99/beebiz13-april2002.pdf


    Mfg
    Imkerfreund

  • Testergebnisse aus einer Imkerschule in Spanien ergaben, dass Nahrungsmittel-Mineralöl ein sehr wirksames, ökonomisch und rückstandfreies Acaricid ist. Die Qualität des Honigs wird nicht verändert.
    Nahrungsmittel-Mineralöl, die geruchlos und farblos sind, werden aus Erdöl gewonnen. Es wird allgemein in der Lebensmittelindustrie und in der Medizin als Träger und als Schmiermittel verwendet. Die Anwendung von Vaselin als Acaricid, ob verdampft oder als Emulsion gilt als in hohem Grade vorteilhaft.


    Die Wirksamkeit des Vaselin basiert auf verschiedenen Faktoren:


    A) Morphologische und biologische Eigenschaften der Milben.
    Der Körper der Varroa ist flach und volumös, das macht sie bei der Behandlung mit Ölen verletzbar.
    Mineralöl blockiert die Luftwege der Milbe, die ihren Tod durch Ersticken verursachen. Die viel grösseren Atmungswege der Honigbiene werden nicht betroffen, somit ist es möglich, Mineralöl als Acaricid zu verwenden, ohne die Honigbienen zu schädigen. Auch der Körper der Milben wird durch Poren umfaßt, die Milben verwenden, um Feuchtigkeit für ihren Wasserbedarf aufzunehmen. Diese Poren werden ebenfalls durch das Mineralöl blockiert, das folglich einen anderen biologischen Prozeß der Milben behindert.
    Die Milbe Varroa haften auf dem Körper der Bienen. Während der Anwendung des Mineralöls, in der Dampf- oder Emulsionform, wird ein feiner Film des Öls auf den Körpern der Bienen niedergelegt, dadurch fallen die Milben von den Bienen herunter.


    Gesundheitliches Verhalten der Honigbienen (Putztrieb): Honigbienen fangen an, die Emulsion beschichteten Schnur sofort zu entfernen und im Prozeß werden ihre Beine mit Mineralöl überzogen, das später auf ihre Körper gebracht wird, wenn sie sich kämmen.


    Unter Qualitätshonig versteht man rückstandfreien Honig, das heisst Honig ohne Zugabe von Fremdstoffen durch den Imker. Gehört Vaselin in ein Bienenvolk? Ist gesetzlich Vaselin als Varroa-Bekämpfungmittel zugelassen? Gibt es Toleranzgrenzen für Vaselin-Rückstände in anderen Lebensmitteln? Wie hoch ist der Wirkungsgrad dieser Methode? Es gibt Quellen die sprechen von bis 90%. Wurde dies zuverlässig getestet? Wann und wie lange muss man behandeln? Vaselin erreicht die Brut nicht. Wie wirkt Vaselin auf die offenen Bienenbrut? Wie gross ist die Dosierung? Ist Vaselin abbaubar? Was geschieht mit dem Vaselin auf dem Wachs beim Einschmelzen? Ist alles gut was in der USA angewendet wird? Dort wird Faulbrut mit Antibiotika behandelt. Wer kann solche kritische Fragen beantworten?

  • Lieber Imkerfreund Hanspeter


    Mit Interesse las ich deinen Beitrag. Viele Fragen sind noch nicht beantwortet.
    Weil ich sehr Neugierig bin, habe ich Vaselinschnüre hergestellt und an 11 Völker aufgelegt.


    Nach 7 Tage kontrollierte ich die Unterlagen und zählte die gefallenen Milben.


    Die Auswertung:


    Volk
    1. 9
    2. 17
    3. 23
    4. 5
    5. 32
    6. 171
    7. 34
    8. 48
    9. 17
    10. 25
    11. 14


    Unter den gefallenen Milben waren welche von dunkelbrauner und hellgelber Farbe, was sicher auf ihr Alter hinweist.


    Dieser Test beweist noch nichts, jedoch auffallend ist der Milbenfall von Volk 6. Genaue Zählungen der Milben und weitere Beobachtungen sind unerlässlich.


    Mit Imkergruss
    Edmond

    Schritt für Schritt hinterlasse ich Spuren, sie verwehen wieder so wichtig sind sie nicht. Aufgeschnappt in der Sahara.

  • Lieber Edmond


    Die Auswertung Deiner heruntergefallenen Milben, ausser dem Ausreiser Volk Nr.6, entsprechen in meiner Gegend den Juli-Resultaten des natürlichen Milbentotenfall. Daraus folgend muss ich annehmen, dass die Behandlung nichts bringt.
    Wenn man einen solchen Test durchführt, muss man zuerst den natürlichen Milbenfall kontrollieren, erst dann den Behandlungstest durchführen. Dann müssen die heruntergefallen Milben während der Behandlung mit dem nat. Milbentotenfall vor der Behandlung verglichen werden. Zum Schluss muss mit einem anderen sicheren Mittel (bis jetzt Perizin) behandelt werden. Erst anhand der heruntergefallenen Milben bei dieser Behandlung erkennst Du den prozentualen Erfolg oder Misserfolg der Versuchsbehandlung. Erschwerend kommt noch dazu, man möchte auch noch wissen, ob das getestete Mittel in die Brut wirkt oder nicht. Auch möchte man wissen, ob ein Mittel sofort oder erst über mehrere Tagen wirkt. Diese Prozedur musst Du bei mehreren Völker gleichzeitig durchführen.
    Du erahnst sicher, ohne professionelle Unterstützung eines Bieneninstitut kannst Du einen solchen Test kaum zuverlässig durchführen, aber Tendenzen kannst Du herauslesen.
    Gruss Hanspeter

  • Hallo Edmond,
     
    mit der Methode von Dr. Rodriguez beschäftige ich mich (bisher nur gedanklich) seit einiger Zeit. Zu deinem Artikel wäre hinzuzufügen,daß die Emulsions-Rezeptur für die Schnüre nur ein Teil des Gesamtkonzeptes ist. Der Hauptbestandteil der Methode ist die Behandlung der Völker mit einem propangasbetriebenen Burgess Zerstäuber, mit dem die flüssige Vaseline (im engl. Orig. "fgmo= food graded mineral oil" in 14-tägigem Turnus ca. 4-5 Sek als feiner Nebel durch die Flugöffnung in das Volk geblasen wird. Die Behandlung erfolgt das ganze Jahr über, also auch während der Trachtzeit, mit Ausnahme der Frostperioden. Die Wirksamkeit ist den Untersuchungen von Dr. Rodriguez zufolge über 99%. Die Methode wird in Nord- und Südamerika inzwischen an tausenden von Völkern angewendet. Sie erscheint mir vor allem deshalb interessant, da damit der Varroenbefall anscheinend ganzjährig auf einem sehr niedrigem Niveau gehalten werden kann, und der Konflikt zwischen dem Ausnützen einer späten Tracht und gleichzeitig im Sommer sprunghaft steigender Varroenzahl(bei sinkender Bienenzahl) nicht auftritt. Auch scheint sie äußerst bienenverträglich zu sein.
    Soweit so gut. Was leider in den Veröffentlichungen von Dr. Rodriguez (nachzulesen unter www. beesource.com)kaum angesprochen wird, ist die Frage der Rückstände im Honig, evtl. auch im Wachs. In der Veröffentlichung über eine an der Imkereischule im spanischen Guadaljara durchgeführten Untersuchung über die Methode heißt es unter "Chemische Analysen des Honigs" dazu lapidar: " Proben wurden gesammelt und am Ende des Experiments zu Analysen eingesendet. Die Tests ergaben, daß der Gebrauch von fgmo die Qualität des Honigs nicht beeinträchtigt."


    Flüssige Vaseline wird in der Lebensmittelindustrie in großem Umfange verwendet. Sie ist nicht giftig und beim Verzehr auch nicht gesundheitschädlich, allerdings ist sie kein Bestandteil des Honigs und soll darum auch nicht im Honig enthalten sein.
    Ich meine, daß das Verfahren auch bei uns von den Instituten untersucht werden sollte. Zumal als Alternative auch jetzt noch weithin chemische und nicht rückstandsfreie Mittel verwendet werden, oder aber starke organische Säuren, die auch bei ordnungsgemäßem Gebrauch mit den Varroen einen Teil der Bienen und der Brut zu Tode ätzen.

  • Hallo Edmond,
     
    mit der Methode von Dr. Rodriguez beschäftige ich mich (bisher nur gedanklich) seit einiger Zeit. Zu deinem Artikel wäre hinzuzufügen,daß die Emulsions-Rezeptur für die Schnüre nur ein Teil des Gesamtkonzeptes ist. Der Hauptbestandteil der Methode ist die Behandlung der Völker mit einem propangasbetriebenen Burgess Zerstäuber, mit dem die flüssige Vaseline (im engl. Orig. "fgmo= food graded mineral oil" in 14-tägigem Turnus ca. 4-5 Sek als feiner Nebel durch die Flugöffnung in das Volk geblasen wird. Die Behandlung erfolgt das ganze Jahr über, also auch während der Trachtzeit, mit Ausnahme der Frostperioden. Die Wirksamkeit ist den Untersuchungen von Dr. Rodriguez zufolge über 99%. Die Methode wird in Nord- und Südamerika inzwischen an tausenden von Völkern angewendet. Sie erscheint mir vor allem deshalb interessant, da damit der Varroenbefall anscheinend ganzjährig auf einem sehr niedrigem Niveau gehalten werden kann, und der Konflikt zwischen dem Ausnützen einer späten Tracht und gleichzeitig im Sommer sprunghaft steigender Varroenzahl(bei sinkender Bienenzahl) nicht auftritt. Auch scheint sie äußerst bienenverträglich zu sein.
    Soweit so gut. Was leider in den Veröffentlichungen von Dr. Rodriguez (nachzulesen unter www. beesource.com)kaum angesprochen wird, ist die Frage der Rückstände im Honig, evtl. auch im Wachs. In der Veröffentlichung über eine an der Imkereischule im spanischen Guadaljara durchgeführten Untersuchung heißt es unter "Chemische Analysen des Honigs" dazu lapidar: " Proben wurden gesammelt und am Ende des Experiments zu Analysen eingesendet. Die Tests ergaben, daß der Gebrauch von fgmo die Qualität des Honigs nicht beeinträchtigt."


    Flüssige Vaseline wird in der Lebensmittelindustrie in großem Umfange verwendet. Sie ist nicht giftig und beim Verzehr auch nicht gesundheitschädlich, allerdings ist sie kein Bestandteil des Honigs und soll darum auch nicht im Honig enthalten sein.
    Ich meine, daß das Verfahren auch bei uns von den Instituten untersucht werden sollte. Zumal in der Regel auch jetzt noch weithin chemische und nicht rückstandsfreie Mittel verwendet werden, oder aber starke organische Säuren, die auch bei ordnungsgemäßem Gebrauch mit den Varroen einen Teil der Bienen und der Brut zu Tode ätzen.


    Viele Grüße


    Stefan

  • Liebe Imkerfreunde


    Mit einigen Sätzen möchte ich den Versuch Vaselin schildern.


    Fast wöchentlich kontrolliere ich die Unterlagen.
    Der Milbenfall vor der Behandlung war gering, so 5 – 10 Milben pro Woche.


    In der zweiten und dritten Woche der Behandlung mit den Vaselinschnüren staunte ich, was da alles runter gefallen ist.


    Mitte August legte ich jedem Volk ein Thymovarplättchen auf, und Thymol schaffte Klarheit.
    Der Milbenfall mit den Vaselinschnüre war nur die Spitze des Eisberges.


    Ich danke allen für die Interessanten Beiträge.


    Mit Imkergruss
    Edmond