Schlimme Nachrichten

  • Hallo Zusammen,

    • ich bin gerade auf folgende Nachrichten gestoßen: Winterverluste in der USA.
    • Auch scheint es in der Nord- und Zentralschweiz starke Verluste zu geben (leider habe ich noch keine Primärquelle, nur ein Aussage aus einem Youtube-Kommentar).

    Der Winter scheint also nicht überall so glimpflich verlaufen zu sein, wie hier in Deutschland. Jedenfalls habe ich keine Infos darüber, dass hier auch massive Verluste zu beklagen wären (ich klopfe auf Holz). Meine Quote sieht ganz gut aus. Von 12 Völkern 2 verloren. Eines hätte ich erst garnicht einwintern sollen und beim anderen ist die Königin verstorben, so dass ich dieses vereinigt habe.


    Ich hoffe, dass Ihr auch gut durch den Winter gekommen seid.

    Ralf

  • Hallo Ralf, hier bei mir auch alles im grünen Bereich. Für meine Immen ist der Winter schon durch, die sind voll im Frühjahrsmodus. Wehe wenn’s jetzt nochmal richtig kalt wird! Dann muss ich sie ganz warm einpacken. Insofern ist es für eine Entarnung noch zu früh. VG aus der Börde

  • Man hört hier in unserer Region schon wieder Schreckliches.

    Ich vermute, dass der heiße Sommer Probleme bei den AS-Anwendern machte.

    Ich persönlich bin unter 10%.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Moin,


    Irgendwie kann ich dieses Mitleid mit den Ammis nur bedingt nachvollziehen.

    Vllt liege ich total falsch (klärt mich bitte auf wenn dem so ist), aber wenn man sich deren industrielle Betriebsweise anschaut dann verwundern die hohen Verluste nicht.

    Alle Reportagen oder Beiträge die ich aus den Staaten kenne liefern den Hinweis, dass hier (wie so oft bei den Ammis) alles auf Effizienz getrimmt ist.

    Ähnlich wie bei Unternehmen und Mitarbeitern, will man das Maximum rausquetschen was geht und wundert sich warum Mitarbeiter oder Bienen tot umfallen.


    Einfaches Beispiel um die amerikanische Unternehmenskultur zu beschreiben:

    Die Ammis wirtschaften in der Regel mit so wenig Eigenkapital wie möglich, im besten Fall sogar noch gehebelt, um das Ultimo aus den Ressourcen rauszuholen.

    Japaner und Deutsche dagegen wollen immer einen gewissen "Puffer" haben um schwierige Zeiten besser zu überstehen.

    Ähnlich sehe ich hier Parallelen in der Imkerei. Ich bin der Überzeugung, dass sich die Mentalität und Kultur der Wirtschaft und des Unternehmertums auch auf die Imkerei auswirken.

    1. die Imkerei ist ein Unternehmen

    2. Menschen können schlecht unterscheiden. Dh. wenn man auf der Arbeit diese Kultur hat, fällt es schwer sie im privaten komplett auszuschalten.


    Da meine Meinung etwas provokant ist und ich zugegeben auch nicht die genauen Hintergründe der Bienenhaltung in den Staaten kenne, bin ich auf Feedback gespannt.

    Insofern bin ich der Meinung solche Artikel nicht zu ernst zu nehmen.

  • Der Mann hat(te) 100.000 Völker, die er mit 35 Angestellten bearbeitet?! Und Schuld sei der ungewöhnlich warme Frühling letztes Jahr, weswegen sich die Varroa so gut entwickelt hat. Ich muss zugeben ich habe keine Ahnung wie die Varroa-Behandlung in so riesigen Betrieben aussieht und abläuft aber es scheint so, dass aufgrund der Völkerzahl eine Behandlung angepasst an das Wetter nicht möglich sei und immer dasselbe Konzept durchgezogen wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass als Reaktion darauf der Überwinterungsstandort dieses Jahr in kühleren Gefilden angefahren wird. Die sind ja auch gut geübt darin die Völker quer durchs Land zu fahren.

  • Nabend,

    also ich bin ganz stolz meine drei Völker über den winter gebracht zu haben. Sie tragen im moment Pollen ein, das ist irre. Keine Ahnung, woher sie den in der noch recht kalten Eifel bekommen, aber es ist ordentlich was los an den Fluglöchern.


    Danke für Rat und Tat Peter

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  • Die Amerikanische Imkerei darf man nicht mit der Deutschen Imkerei vergleichen.
    Es gibt in den USA zwei Arten der Imkerei, einmal die Hobby- und Honigimkerei, die eher mit Deutschland zu vergleichen ist. Dies ist der kleine Teil.


    Dann gibt es noch die Industrielle Bienenhaltung, die sich v.a. aus:

    Dem großen Teil der Bienen und Königinnenproduktion und dem größten Teil der Bestäubungsimkerei zusammensetzt.

    Vor allem mit der Bestäubungsimkerei finanzieren sich die meisten Imkereien der USA. Klar, wenn man bedenkt das man bei guter Organisation ca. 800$ pro Volk an Bestäubungsprämie verdienen kann.
    Der Großhandelspreis für Honig, lag letztes Jahr bei gerade einmal 1.20$, tendenz eher sinkend.

    Allerdings haben die USA auch historisch einige Fehler gemacht und sich dabei Probleme wie die Varoa, den Beutenkäfer und einige Krankheiten die wir hier zum Glück nicht kennen.

    AFB ist ein echtes Thema da drüben, einmal weil massiv Völker in die Mandeln gefahren werden und da alle Krankheiten austauschen, dazu kommt aber auch das erst in den letzten Jahren ein umdenken Stattfindet und AFB aktiv bekämpft wird und nicht mehr nur durch präventative gabe von Antibiotika behandelt wird. Bereits 2000 wurden in den USA Antibiotika resistente AFB Stämme gefunden und vermehren sich. Fumalgin B, wurde lange als Behandlung gegen Nosema eingesetzt und erst 2017 wurde der Import verboten.

    Heist im klartext, die Imkerei in den USA hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen, diese Wege sind aber nicht nachhaltig genug und jetzt muss ein neuer Weg gefunden werden um damit umzugehen, das passiert aber nicht von heute auf morgen (dafür hängt noch zu viel an den alten Methoden und bei neuem ist man sich nicht sicher genug, bzw. hat oft Angst umzustellen. Wäre das selbe als wenn man in Deutschland plötzlich nur noch Amitraz zulassen würde.)

    Diese Fehler müssen jetzt überarbeitet werden und sich andere Betriebsweisen (kürzere Wabenlebenszeiten, Futterkranzproben .....) etablieren.

    Solange das nicht passiert ist, werden die Probleme bestehen bleiben, so etwas nennt sich halt Umbruch.


    Die Berufsimker in den USA behandeln typischerweise mit Amitraz und oft im Winter mit Oxalsäure. Vor allem aber Amitraz macht immer mehr Probleme mit Resistenzen, die meisten anderen Akkarazide wie z.B. Perizin sind schon lange Nutzlos.

  • Die Lektüre von alten Bienenbüchern und -zeitungen zeigt:

    Massive Völkerverluste bei der Überwinterung gab es auch schon in der Vor-Varroa-Zeit. Und die ca. 10% natürlichen Völkerverluste pro Winter sind auch nur eine Durchschnitt: Es gab Winter mit wenigen Verlusten und andere mit sehr hohen Verlusten und über die Jahre gemittelt hat man dann 10% Verluste errechnet. Ergo: auf jeden "Horror-Winter" folgt ein "normaler Winter". Und in jeder Region ist es auch noch verschieden von Nachbarregionen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Kurze Ergänzung zu robirot : Oxalsäure ist in den USA erst seit 2015 (wieder, seit 1994) für die Imkerei zugelassen. Und für Antibiotika braucht es seit 2017 eine veterinärärztliche Verordnung, zumindest in NJ, aber ich glaube, das geht auf eine bundesweite Regelung zurück.


  • ...Massive Völkerverluste bei der Überwinterung gab es auch schon in der Vor-Varroa-Zeit. Und die ca. 10% natürlichen Völkerverluste pro Winter sind auch nur eine Durchschnitt

    Prof. Tautz begründet durchaus auch für Laien nachvollziehbar seine Feststellung: EIn Bienenvolk als Superorganismus lebt ewig.

    10% Verluste sind also reduzier- bzw. sogar vermeidbar. In den guten alten Zeiten gab es auch andere Prioritäten und weniger Wissen über die wissenschaftlichen Grundlagen bestimmter Bienenkrankheiten. Die alten Kollgen können noch von Zeiten erzählen, in denen es als hohe Kunst der Imkerei galt, die Völker mit möglichst wenig Winterfutter bis zum Frühjahr zu bringen - und das wirkte noch nach, als die Lebensmittelmarken auf Zucker längst abgeschafft waren. Die erinnern sich lächelnd an Zeiten, in denen sie die ganze Verwandtschaft zum Zucker einkaufen losschicken mußten, wenn sie heute im Spätsommer die Hinweise in manchem Supermarkt lesen: Abgabe von Zucker nur in haushaltüblichen Mengen. Auch der Aufbau eines lückenlos jeden Imker regelmäßig (tlw. monatlich!) kontrollierenden (ehrenamtlichen) Bienengesundheitsdienstes in der DDR hatte die Verlustraten maßgeblich senken können - sagt jedenfalls einer unserer BSV von damals. Bezogen auf AFB-Erkrankungsrate hat das Dr. Koithan in seiner Dissertation ebenfalls nachgewiesen.

    Die Höhe der Verlustraten ist also nicht abhängig vom Wetter oder Verlauf des Winters, sondern einzig vom Aufwand an imkerlicher Sorgfalt und Betreuung.

  • Die Höhe der Verlustraten ist also nicht abhängig vom Wetter oder Verlauf des Winters, sondern einzig vom Aufwand an imkerlicher Sorgfalt und Betreuung.

    ... das halte ich für ein Gerücht. Natürlich kann der Imker sehr wohl etwas für die Überwinterungsfähigkeit seiner Völker tun. Wilde Völker ohne imkerlichen Einfluß haben auf der Nordhemisphäre eine natürliche Totesrate von ca. 50% im Winter.

    Ich glaube, dass wir immer noch nicht wirklich begriffen haben, welche Parameter zur Überwinterungsfähigkeit von Völkern wichtig sind.


    Und was Tautz meint: Der Superorganismus "Bien" ist durch das Schwärmen "ewig" lebensfähig. Völker in einer Beute können auch sehr lang lebensfähig sein, wenn man sie gut pflegt. Das hat Harney (heiß der so? ...der letzte Herausgeber von "Heinrich Thie's Handbuch des praktischen Wissens für Bienenzüchter") bereits in den 1950er Jahren beschrieben. Ich glaube, seine Versuchsvölker lebten mehr als 40 Jahre (habe allerdings die Literatur dazu leider z.Z. nicht zur Hand).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."