Ein Volk gesund, eins offenbar nicht

  • Hallo zusammen, ich bin letztes Frühjahr in die Imkerei eingestiegen. Bislang lief alles ziemlich erfolgreich, nun geht aber offenbar etwas schief: Eines meiner beiden Völker ist angesichts der frühlingshaften Temperaturen bereits eifrig beim Pollensammeln, beim anderen, das vor dem Winter verglichen mit dem anderen viel stärker war, tut sich außer deutlichem Totenfall fast nichts. Ab und zu krabbelt eine sichtbar geschwächte Biene aus dem Flugloch und stirbt auf dem Flugbrett. Täglich liegen etwa 10-15 tote Bienen auf dem Flugbrett (schon seit etwa zwei Wochen), weitere innen auf dem Boden. Dort ist auch deutliche Schimmelbildung zu sehen. Beutensystem ist Dadant. Ich hatte letzte Woche auch mal vorsichtig eine Bienenflucht im Zwischendeckel entfernt, es scheinen noch viele Bienen zu leben. Angesichts der großen Stärke des Volkes hatte ich vor dem Winter acht volle Honig- und Pollenwaben im Brutraum belassen. Kann es sein, dass die Bienen trotzdem verhungern? Varroa ist unauffällig, kein sichtbarer Befall bei den geschwächten Bienen und nur wenige Milben auf der Windel. Die toten Bienen sind voll ausgebildet und nicht verkrüppelt, heute war auch eine tote Drohne dabei...


    Ist es zu diesem Zeitpunkt sinnvoll, die Beute zu öffnen, um richtig reinschauen zu können, oder wäre das der Todesstoß?


    Danke für Eure Hilfe

    Krishan

  • - Weiselrichtigkeit prüfen (Klopfprobe, wenn sich die Bienen nur schwer beruhigen -> bei warmem Wetter Durchsicht); Drohnen könnten ein Hinweis auf unfruchtbare/unbegattete/fehlende Kö. sein.

    - Gemüll täglich analysieren + Aktivität mit Nachbarvolk vergleichen

    http://www.imkerverband-sgap.c…uelldiagnose_Hysken17.pdf

    - Totenfall analysieren:

    https://www.imkerverein-greven…s-habe-ich-falsch-gemacht


    Nichts geht jedoch über den Erfahrungsaustausch mit Kollegen der Region, im Verein. Insofern solltest Du Deine Inkompatibilität zu Vereinen im eigenen und im Interesse Deiner Bienen selbstkritisch überprüfen.

  • Ist es zu diesem Zeitpunkt sinnvoll, die Beute zu öffnen, um richtig reinschauen zu können, oder wäre das der Todesstoß


    Danke für Eure Hilfe

    Krishan

    Das Reinschauen hättest Du bereits eher machen müssen.


    Ich hatte letzte Woche auch mal vorsichtig eine Bienenflucht im Zwischendeckel entfernt, es scheinen noch viele Bienen zu leben.

    Eventuell sind die am Verhungern.

    Also Öffnen und nachschauen. Als erstes die Zarge ohne Boden hochheben seitlich abstellen oder gleich auf einen anderen Boden setzen. Dann Boden saubermachen und Zarge wieder aufsetzen. Ist gleich ne grobe Gewichtskontrolle. Stichschutz nicht vergessen! Dann Deckel ab und Waben ziehen bis an den (lebenden oder toten) Bienensitz. Gehe erstmal so vor und berichte. Muss leider jetzt arbeiten.

  • ...wenige Milben auf der Windel.

    Wieviele in welchem Zeitraum? Zum Vergleich: Völker hier ließen im Winter max. 1 Milbe/Monat fallen, gestern am Frühjahrsgroßputztag bei den meisten 0 - 1, einige wenige 2 - 4. Heute morgen bereits kein Milbenfall mehr, auch heute abend erwarte ich 0 - 1 Milbe, dann nix mehr (Fertigstellung der großräumigen Putzaktion).

    Futtermangel hatte ich ausgeschlossen, da Du bestimmt einen Gewichtsvergleich mit dem Nachbarvolk bereits durchgeführt hattest; könnte aber auch gegeben sein (ggf, im Spätherbst Futterschwund durch begonnene - wetterbedingt wieder eingeschlafene - Räuberei).

  • Futterproblem --> Wiegen, wenn genug da, alles gut.

    Weiselrichtigkeit --> Klopfprobe, ist es bereits warm genug mal aufmachen und gucken ob die Flügel aufgestelt werden oder ob nur Drohnenbrut vorhanden ist.


    Den Boden einfach gegen nen sauberen Tauschen.

  • vor dem Winter acht volle Honig- und Pollenwaben im Brutraum belassen

    Melezitosehonig ist ausgeschlossen?

    heute war auch eine tote Drohne dabei

    Wie Ribes sagt:

    Drohnen könnten ein Hinweis auf unfruchtbare/unbegattete/fehlende Kö. sein

    Wo bist Du her? Falls das Wetter passt, könntest Du eine mittige besetzte Wabe kurz ziehen und die eventuell vorhandene Brut beurteilen

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Hallo zusammen, danke für die Antworten. Gestern Nachmittag, als ich die Beute öffnen wollte, waren erste Bienen des Volks dabei, sich einzufliegen, und es gab auch einige Heimkehrer mit Pollenhöschen. Kein Vergleich mit dem anderen Volk, aber immerhin... Werde gleich nochmal hingehen und dann entscheiden, ob ich reinschaue. Warm genug ist es ja heute hier im Kohlenpott.


    Melizitosehonig halte ich eher für unwahrscheinlich. Ich hatte dem Volk im Frühjahr und Frühsommer wirklich viel Zeit gegeben, den Brutraum zu füllen, dann in der Spättracht erst eine Honigzarge aufgesetzt und nach einer kleinen Ernte von knapp 9 kg auch sofort wieder entfernt.


    Windel hatte ich vor anderthalb Wochen untergeschoben. Pro Feld im „bewohnten“ Bereich durchschnittlich weniger als 1 Milbe.


    Den Gedanken mit der Weisellosigkeit hatte ich beim Fund der Drohne natürlich ebenfalls. Solte sich ja beim Ziehen eines Bruträhmchens leicht feststellen lassen.


    Räuberei halte ich angesichts der Stärke des Volks für wenig wahrscheinlich, da wäre das benachbarte Volk, das nur halb so stark war, ein leichteres Opfer gewesen. Außerdem war ich bis in den Spätherbst jeden Tag im Garten, da hätten mir doch größere Kämpfe oder Kampfspuren auffallen müssen, oder?

  • Zaudern ist hier nicht angesagt. Was zu tun ist:

    • Totenfall aus dem Boden entfernen
    • Futter abschätzen
    • Bienensitz an den Rand
    • Schieden
    • Kotspuren (Braun flatschig = Ruhr, Püntchenketten = Nosema)
    • Krabbler?

    Melde dich wieder, wenn du die Liste abgearbeitet hast, dann könnte dir geholfen werden. Falls du in einem Verein sein solltest, dann sollte es auch einen Obmann für Bienengesundheit geben, frag den oder einen erfahrenen Imker.

    Gruß Ralph

  • Tja, das war es dann wohl... Habe die Beute geöffnet, ein Außenrähmchen gezogen, und der erste Teil des Desasters wurde erkennbar: Extreme Schimmelbildung im vorderen unteren Bereich oberhalb des Fluglochs. Die drei äußersten Rähmchen (waren voll Honig) komplett leergefressen. Je weiter ich nach innen kam, desto mehr Schimmel. tore Bienen kopfüber in den Waben und Schimmel, Schimmel, Schimmel. Im hinteren Bodenbereich Berge mit toten Bienen. Abgesehen von insgesamt ca. 20-30 verdeckelten Drohnenzellen keine Brutaktivität. Auch bei sorgfältiger Kontrolle (bei aktuell noch höchstens 1500-2000 Bienen relativ schnell erledigt) keine Weisel entdeckt. Viele Zellen mit Wasser o.ä. gefüllt. Äußerstes Rähmchen auf der anderen Seite noch voller Honig, aber ebenfalls stark angeschimmelt.


    Zu einer späteren Jahreszeit würde ich ja die Rähmchen in einiger Entfernung abschütteln, damit sich die verbliebenen Bienen beim anderen Volk einbetteln können. Aber macht das hier und jetzt Sinn, oder soll ich sie einfach in Ruhe sterben lassen? Habe erstmal auf 5 Waben eingeengt und den Rest der Rähmchen komplett entsorgt.

  • Warum 5 Waben für 2000 Bienen?

    Offenbar haben die keine oder nur eine fehlbegatte Königin. Da kann man im Februar nicht helfen.

    Passiert immer mal - man steckt nicht drin. Deshalb braucht man mehr als ein Bienenvolk.

    Freu Dich über das andere Volk…

    Grüße Ralf

  • Definitiv keine Königin. Beim Einwintern hat sie noch gelebt.


    Habe vier Waben auf der rechten Seite dringelassen, weil dort weniger Schimmel war und sich die Bienen darauf verteilt haben, sowie die Honigwabe. Ob ich jetzt weiter einenge, ist doch letztlich auch egal, oder? In zwei bis drei Wochen ist es sowieso Geschichte.


    Ich frage mich nur, warum das kleinere Volk überlebt hat und äußerst agil ist. Gleicher Standort, gleiche Beute, aber kein Schimmel...

  • Königin verloren gegangen, kann passieren, dafür im nächsten Jahr einen Ableger in reserve überwintern.


    Am nächsten Tag mit 10° das Volk abgeben, so das die Kranken sterben und der Rest sich einbetteln kann.

    Die Waben direkt einschmelzen.