Unterschiede zwischen den Bio-Verbänden

  • Guten Morgen, liebe Kollegen


    Auf der Seite der Imkerei Knabel gibt es einige interessante Informationen zu den verschiedenen Anforderungen für 'Bio'-Imkerei, aber wie ist es mit den unterschiedenen zwischen den einzelnen Verbänden?


    Ich bin besonders interessiert an den Unterschieden zwischen Bioland und Naturland. Habt Ihr da schon persönliche Erfahrungen oder könnt Ihr sagen, warum Ihr den einen Verband dem anderen vorgezogen habt?
    In einem Telefonat mit einem der Verbände war mal von 'ideologischen' Unterschieden die Rede - wie sind Eure Erfahrungen?


    Demeter geht noch ein ganzes Ende weiter als Bio- und Natur-Land, im Moment ist das noch nix für uns.


    Herzlichen Dank vorab,


    Hedwig

  • Für mich als Kleinimker ist der Biokreis das Richtige, er ist insgesamt mehr auf kleinere Betriebe zugeschnitten und ich glaube, auch die Kosten sind da niedriger. Weiß allerdings nicht, inwieweit er auch für Imker außerhalb Bayerns schon offen ist.
    Gruß
    Franz

  • Nach den Richtlinien der Verbände zu arbeiten ist jedem Imker freigestellt. Eine Kontrolle zur Zertifizierung ist nur dann nötig, wenn man Imkereiprodukte unter Begriffen wie "biologisch" oder "ökologisch" vermarkten will oder mit diesen Begriffen Werbung betreiben will.
    Erst dann entstehen Kosten und Verpflichtungen.
    Die Marke eines Verbandes (Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis z.B.) darf nur dann genutzt werden, wenn man sich von diesen Verbänden zertifizieren läßt.
    Viele Grüße
    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Bio heisst Leben - sonst nichts.
    Will man bei den Bienen eingeschränkte Arbeiten und Betriebsweisen vorgeben und diese somit als Bio klassifizieren so wären mir alle miteinander nicht Bio genug.
    Die Arbeit des Imkers wäre: die Honigentnahme im Frühjahr - und zwar nur soviel bis die Bienen sicher die nächste Tracht erreichen - und das aufstellen von Bienenwohnungen. Sonst nichts! - keine Varroabekämpfung, kein Schwarmfang usw.
    Das wäre für mich bio.
    Allein die Varroabekämpfung macht eine biologische Völkerführung schon unmöglich, da ich kein Methode kenne, die meinen Vorstellungen von Bio entsprechen würden....

  • Hallo anonymer biene.at
    Die Zeidelimkerei käme Deinem Wunsche am nächsten. Oder einfach fliegen lassen, beobachten und Marmelade aus Grossmutters Küche essen.
    Doch wir wollen Qualitäts-(Bio)Honig ernten und die Bienen möglichst wesensgerecht halten. Ich habe festgestellt, dass über dieses Thema jeder Imker seine eigene Meinung hat. Eine Hilfe sind die Richtlinien der speziellen Verbände wie Demeter, welcher hier meines Wissens am weitesten geht.
    Übriges wir halten die zwar wilden Bienen als Haustiere und sind dadurch gesetzlich (und moralisch) verpflichtet diese vor Krankheiten und Schädlinge möglichst zu schützen.

  • Hallo,


    ja, es ist wohl so wie Hans-Peter sagt, jeder hat dazu seine eigenen Meinung. Wir sollten aber auch keine begriffliche Haarspalterei betreiben. Niemand würde von einem Chauffeur wriklich erwarte, dass er tatsächlich im Auto/Bus einheizt, oder (die eigentliche Übersetzung des Wortes)?


    Ebenso verstehe ich biologische Bienenhaltung als das Führen des lebenden Organismus Bienenvolk in einer domestizierten Weise, mit dem höchsten gegenseitigen Nutzen, bei gleichzeitiger Rücksichtnahme aller Bedürfnisse (uff!).


    Sicher kommt dem ganzen eine Betriebsweise im Stülper, Weissensiefer Hängekorb oder auch im Top Bar Hive sehr nahe. Den Bedürnissen des Imkers kommen diese Haltungsmethoden jedoch nur eingeschränkt entgegen. Dieses Beispiel zeigt wie jeder abwägen muss was für ihn biologisch ist. Die Richtlinien der Verbände können da nur Richtschnüre oder Mindeststandards sein. Auch von Klimazone zu Klimazone können sich hier enorme Unterschiede ergeben.


    biene.at
    Erlaube mir etwas Polemik, leben denn deine Völker nicht? Dann sind sie doch auch Bio! Und von wegen Varroabekämpfung, es gibt auch Bienen die bei entsprechender Führung ohne Varroabekämpfung auskommen. Damit wirst du aber im .at-Land Schweirigkeiten bekommen.

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  • Hallo!
    Alo erstens: ich bin kein Anonymus - bitte nachsehen - bin registriert und wenn jemand etwas genaueres über mich wissen will so kann er auch auf der angegebenen HP vieles interessantes über mich und unsere Gegend erfahren.
    Zweitens: genau - die Zeidlerei wäre die richtige Bio-Betriebsweise aus meiner Sicht. Vielleicht sehe ich es wirklich etwas zu eng, aber bis jetzt war das was ich über bio mitbekommen habe immer nur Geschäftemacherei.
    und nochwas - ich bin sehr stolz auf meine (unsere) Bienenrasse - aber ich kann mir nicht vorstellen das hier jemand ernsthaft eine Cerana empfhielt .... auserdem ist dies wieder ein anderer Themenbereich...
    mfg
    Gruber Leonhard

  • Hallo lieber Leonhard,


    du musst ja nicht einem Bio-Verband beitreten um biologisch (im weiteren Sinne) zu imkern. Natürlich kosten die Kontrollen Geld. Aber du kannst ja auch so biologisch nach der EU-Richtlinie imkern oder dich ganz einfach von den Gedanken der Bioimker inspirieren lassen. Warum auch nicht?


    Auf deine Carnica kannst du auch stolz sein. Da wurden durchaus züchterische Erfolge erreicht. Jedoch ist die Zucht innerhalb einer geschlossenenen Population immer in ihren Möglichkeiten beschränkt. Durch Kombinationszucht können der Biene halt Eigenschaften mitgegeben werden die die ursprüngliche geografische Rasse nicht hat. Das ist das Ziel der Zucht nach Bruder Adam. Da haben wir auch in Sachen Varroatoleranz schon was erreicht, wenn auch noch nicht den grossen Durchbruch.


    In Kombination mit Massnahmen die Bioimker entwickelt haben (kleines Zellmaß, Wabenanordnung), könnte es jedoch durchaus Erfolg haben, wie die Überlebenstests seit 1999 zeigen.


    Das habe ich gemeint Leonhard, mit einer Biene die in Österreich wohl auf wenig Gegenliebe stossen wird und definitv nicht die Cerana oder auch die afrikanisierte Biene. :wink:


    Wenn du dir so das ganze Szenario der Imkerei ansiehst, kann auch nur eine Biene die von alleine mit Parasiten oder Krankheiten fertig wird in der Zukunft gehalten werden. Alles andere ist Nichtigkeit und wird keinen Erfolg bringen. Da liegt es jetzt an uns tätig zu werden und wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.


    Ich lade dich gerne mal ein meine Buckis zu begutachten und auch die "verrückten biologischen Sachen", so weit wohnst ja nicht weg von mir.

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  • Hallo Reiner
    Eine wunderbare Beschreibung von Dir?


    Du schriebst:
     Ebenso verstehe ich biologische Bienenhaltung als das Führen des
    lebenden Organismus Bienenvolk in einer domestizierten Weise, mit dem
    höchsten gegenseitigen Nutzen, bei gleichzeitiger Rücksichtnahme
    aller Bedürfnisse.


    Welche Bedürfnisse haben eigentlich Bienen? Würde gerne ein paar Gedanken von Dir hören.


    Sind eigentlich die Buckis nach der EU-Bioverordnung und den Bio-Verbänden erlaubt?

  • Hanspeter Itschner schrieb:

    Hallo Reiner
    Eine wunderbare Beschreibung von Dir?


    Welche Bedürfnisse haben eigentlich Bienen? Würde gerne ein paar Gedanken von Dir hören.


    Sind eigentlich die Buckis nach der EU-Bioverordnung und den Bio-Verbänden erlaubt?


    Hallo Hans-Peter,


    und danke für die Blumen! Der Satz kam mir da gerade so in den Sinn und wenn du auch meinst das es stimmt habe ich die Sache wohl einigermassen getroffen.


    Welche Bedürfnisse haben die Bienen? Gute Frage! Die physischen Bedürfnisse dürften klar sein. Ich denke man sollte darüber hinaus eine Betriebsweise mit möglichst wenigen Eingriffen praktizieren, dem Bien die Möglichkeit geben den "Wohnraum" so zu gestalten wie er es für richtig hält, sprich überwiegend Naturbau. Das letzte imkerliche Jahrhundert war ja eher davon geprägt die Biene in ein Korsett der auf die Biene übertragenen menschlichen Bedürfnisse zu zwängen. Das bedeutet auch dem Bien etwas von seinem Honig für die Überwinterung zu lassen (sofern tauglich dafür). Es ist ja immer ein Kompromiss und nie das Optimum, wenn ein Tier in menschlicher Obhut gehalten wird. Sonst müssten wir wrklich wieder zur Zeidlerei übergehen.


    Auch sollten wir daran denken der Biene die ursprüngliche "Kleinheit" zu gönnen, die ihr geraubt wurde und offensichtlich auch oft Schwierigkeiten bereitet. "Back to the roots" würde man wohl da sagen. Diesem Regressing gelten zur Zeit unsere Selektionsbemühungen (dazu hat aber Frieder Hummel mal hier einen grossartigen Beitrag verfasst).


    Die Buckfast-Biene ist natürlich zugelaasen, zählt sie ja unzweifelhaft zur Apis mellifera. Hat auch bei meinem Audit keine Schwierigkeiten gemacht. Bei der Zucht ist halt Insemination ausgeschlossen, ausser du bist anerkannter Zuchtbetrieb. Aber damit habe ich kein Problem.

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  • Hallo!
    Also wenns nach den Richtlinien geht -da bin ich schon lang dabei. Jetzt nicht mehr weil ja die "BioZucker Pflicht" besteht. Obwohl dieser Zucker - meiner Meinung - genau der gleiche ist, nur halt ein wenig teuerer....
    Für mich ist eine artgerechte und bienengenehme Haltung selbstverständlich. Mich würden die "verrückten Sachen" eines Bioimkers interessieren - was gibts denn da ? Wieder einmal etwas neues - vielleicht in der Varroabekämpfung?
    Ist nicht AS oder OS eine Belastung für die Bienen? Ich betreibe seit drei Jahren das Bannwabenverfahren - meines Erachtens ist dies auch nicht biologisch - ebenfalls eine große Belastung für den Bien.
    Meine Bienenrasse bleibt in diesem Themenbereich ein Geheimnis.....
    liebe grüsse
    L.