Steuerliche Befreiung für alle Berufsimker gefordert

  • Hallo, mich stört viel mehr, dass zu wenig dAgegen getan wird, dass Honig aus Staaten importiert wird in denen die AFB mit Antibiotika behandelt wird. Zumindest höhere Importzölle wÄren hier hilfreich um unseren Wettbewrbsnachteil auszugleichen. Jeder Bauer bekommt 230€/ha egal was er darauf macht. Da wären 193€/Volk mehr als gerecht!

    VG

    Und zwar nicht nur für Berufsimker 😁

  • Die Bauern sollen mehr Subventionen für Landschaftspflege und Naturmassnahmen bekommen. Viele landwirtschaftliche Betriebe bekommen eh schon die Hälfte ihres Einkommens durch Subventionen, ob das in Ordnung ist sei mal dahin gestellt.

    Fakt ist doch das der volkswirtschaftliche Nutzen (Bestäubung etc.) der Imker absolut nicht vergütet wird.

    Stellt Euch doch aber mal vor es würde eine Prämie pro Volk gezahlt werden was dann los wäre. Erstmal würden dann alle Hobbyimker Geld fordern (wo jetzt alle immer behaupten es würde ihnen nicht um`s Geld gehen) und es würden sehr schlechte Nebeneffekte entstehen.

    Schaut Euch doch mal an wie es den Landwirten mit den Subventionen geht.

    Gut geht`s da den Wenigsten und Bürokratie ohne Ende die auch viel kostet. Ferner würden sehr schnell sehr viele ihre Völkerzahlen erhöhen und sich nicht mehr um die Honigerzeugung kümmern. Auch würden dann Etliche die Imkerei als Subventionseinnahmequelle sehen und sich erschließen.

    Außerdem müssten die Subventionen ja irgendwo herkommen und das Geld würde dann wo anders abgezogen werden.

  • Hallo zusammen,


    die Argumentation mit dem "volkswirtschaftlichen Nutzen" ist ganz, ganz gefährlich. Es gibt nähmlich auch das Gegenteil: "volkswirtschaftlichen Schaden". Wollte man das in einem Steuersstem einbauen, dann müsset jeder, der Holz zu Hause verbrennt oder den Grill anmacht die daraus folgende Feinstaubbelastung gegen seinen "volkwirtschaftlichen Nutzen" rechnen. Jeder Kilometer Autofahrt, jeder Flug, erhöhtes Unfallrisiko bei mehr als Tempo 130, Landschaftsverbrauch durch Wohnen im Eigenheim usw. usf. Die Liste können wir jetzt gefühlt endlos verlängern. Und - machen wir uns nichts vor - da werden massig Dinge auf der Liste stehen, die die meisten von uns "gar nicht so schlimm" finden...


    Davon abgesehen sind Volkswirte bei solchen Berechnungen wie dem volkswirtschaftlichen Nutzen einer Tätigkeit eher großzügig, was die Genauigkeit angeht; beim Schaden genauso. Da kommt es auch ein paar 10 Millionen hin oder her nicht an. Sind alles nur Nachkommastellen. Die zugrundeliegenden Zahlen ändern sich dauernd und Experten streiten darüber, ob der Berechnungsweg korrekt sei oder ob man nicht noch x oder y berücksichtigen müsse. Sowas möchte ich nicht als Grundlage für meine Steuerberechnung haben...


    Es hat schon einen Grund, warum das Steuersystem den "Gewinn" (Unternehmemerischen Gewinn, Lohn/Gehalt von Arbeitnehmern) als Besteuerungsgrundlage heranzieht. Und das sollte es bei allen Steuerpflichtigen gleichermaßen tun.


    Grüße

    Asimov


    PS: Das Problem sind wohl eher die "Ausnahmen" im Steuersystem, die es ermöglichen den Gewinn kleinzurechnen.

  • Guten Morgen,

    asimov hat natürlich in Vielem recht. Wir sollten hier auch nur die Erwerbsimkerei betrachten, die ist hier im Forum wohl in der Minderheit. Verglichen mit der Bauernschaft sind die Erwerbsimker unterprivilegiert. Bei mir in der Börde ist ein Feld größer als ein durchschnittlicher Betrieb im Algäu. Diese Agraindustrie bekommt aber trotzdem noch Subventionen. „Gemessen an der außereuropäischen Konkurenz geht es und ganz schlecht“ sagt mein Bauer, der 1.000ha unterm Flug hat mit Bodenwerten so um die 90! Ich kenne such einen Erwerbsimker hier im Landkreis der 800 Völker bewirtschaften lässt. Aber der Gewinn ist nach seinen Angaben bescheiden. Zur Erwerbsimkerei gehört m.E. viel Mut und Idealismus und sie sollte gemessen an dem volkswirtschaftlichen Wert eine viel größere Lobby haben. Meine wenigen Völker halte ich als Hobby und das kann auch etwas kosten. VG aus der Börde

  • Georgie

    OK, Du hast sicher recht, dass die Bauernschaft mehr Privilegien genießt als die (jetzt explizit professionelle) Imkerei.


    Ich finde, man muss sich dem Thema aus einer größeren Perspektive nähern.

    1) Wie wollen wir unsere gesamte Wirtschaft / Produktion organisieren? Zentral gesteuert, also planwirtschaftlich (meine ich jetzt nicht als Kampfbegriff!) oder marktwirtschaftlich? Wir haben uns hier in D für marktwirtschaftlich entschieden. Kann man kritisieren - ist aber eine gesetzte Rahmenbedingung.


    2) Landwirtschaftliche Produduktion (ohne Subventionen) lohnt sich in einer Markwirtschaft aus verschiedensten Gründen in D nicht. Folge wäre u.a. Abhängigkeit von ausländischen Hersteller, keiner kümmert sich um die Landschaft, Transportkosten etc. pp.


    3) Weil wir diese negativen Folgen als Gesellschaft nicht wollen, tun wir etwas, was der Marktwirtschaft (Jeder Unternehmer handelt auf eigenes Risiko!) völlig wiederspricht: Wir bezahlen Subventionen für Landwirte, damit es sich für sie wieder lohnt, ihre Produkte herzustellen - und nebenbei die o.g. negativen Folgen abzuwenden oder wenigstens abzumildern. Das lassen wir uns als Gesellschaft RIESIGE Beträge kosten.

    Leider führen Subventionen auch zu unerwünschten Nebenwirkungen (steigende Betriebsgröße, gefühlte Ungerechtigkeit wie "Geld fürs Brachliegenlassen / Nixtun" etc.).


    4) Frage: Wenn es keine heimischen Berufsimker mehr in D gäbe (weil sich das alles nicht mehr lohnt), welcher Schaden der dann entstünde, wäre so groß, dass uns das als Gesellschaft Geld wert ist? Achtung: Es gibt noch andere bestäubenden Insekten, es gibt viele Hobby-Imker ...

    Wahrscheinlich würde eben kein gravierender Schaden für die Gesellschaft eintreten, wenn es keine Berufs-Imker gäbe, jedenfalls keiner, der uns ein paar Mrd. EUR im Jahr wert ist.


    Ergebnis: Berufsimker bekommen keine Subventionen, Landwirte die Feldfrüchte anbauen oder Milchkühe halten schon (oder jedenfalls sehr, sehr viel höhere Subventionen). Ich verstehe, dass sich das "ungerecht" anfühlt, es ist aber letztlich das Ergebnis einer stringenten Argumentation. Das die jeweilige Lobby damit durchkommt ist Folge der Stringenz der Argumente, nicht von Geld / Lautstärke o.Ä.


    Im eingangs genannten SAT1-Beitrag geht es ja um eine Benachteiligung der Berufsimker gegenüber den Hobby-Imkern. Problem für Berufsimker verstehe ich. Aber die Lösung dafür heißt eben nicht "Steuerbefreiung für Imker" = "Subventionen für Berufsimker". Wenn man daran etwas ändern wollte, dann müssen die Hobby-Imker (wie ich) gefälligst ihren Gewinn ermitteln und darauf Steuern bezahlen.

    Nur: Warum hat man diese Steuerbefreiung bei <30 Völkern eingeführt? Weil es dem Finanzamt nur einen haufen Arbeit macht und am Ende in einem Großteil der Fälle rauskommt, dass kein Gewinn erwirtschaftet wurde, ergo 0 € Steuer. Im Gegenteil: Da man dann auch die Kosten ansetzen können müsste, würde bei den Hobby-Imkern jedes Jahr(!) ein Verlust rauskommen und der würde dann das zu versteuernde Einkommen (aus anderen Tätigkeiten oder Einnahmen) senken!!! Das wäre ein echtes Verlustgeschäft für den Staat.


    VG

    Asimov

  • ...

    2) Landwirtschaftliche Produduktion (ohne Subventionen) lohnt sich in einer Markwirtschaft aus verschiedensten Gründen in D nicht. Folge wäre u.a. Abhängigkeit von ausländischen Hersteller, keiner kümmert sich um die Landschaft, Transportkosten etc. pp.

    ...

    Und wie läuft es damit im Produktionsabschnitt der Imkerei?

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

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    2) Landwirtschaftliche Produduktion (ohne Subventionen) lohnt sich in einer Markwirtschaft aus verschiedensten Gründen in D nicht. Folge wäre u.a. Abhängigkeit von ausländischen Hersteller, keiner kümmert sich um die Landschaft, Transportkosten etc. pp.

    ...

    Und wie läuft es damit im Produktionsabschnitt der Imkerei?

    sorry, ich stehe auf dem Schlauch... Kannst Du das für mich bitte nochmal ausführen? Was ist damit gemeint?

  • Wäre es nicht Sinnvoller nur noch AFB Sporren freien Honig importieren zu lassen?


    Gäb nur Gewinner langfristig.

    Staat, Natur, und Imker.

  • Gibt man den Bauern über Subventionen Geld kommt es im Gesammten dem Endverbraucher billiger.

    Müste der Bauer das doppelte Verlangen, würde der Zwischenhandel dadurch mehr draufschlagen sowie zuletzt mehr MwSt drauf kommen.

    Lieber 1€ Subvention gezahlt per Steuer die auch richtig ankommen sollten (nicht bei Lufthansa und Co) als 2 € mehr im Laden bezahlt.


    Oder hab ich da Denkfehler drin?

  • Wie wir sehen, wie auf anderen Gebieten auch, eine sehr komplexe Angelegenheit, noch viel komplizierter als hier im Forum sehr fundiert vorgetragen. Freier Handel ja aber dann zu fairen Bedingungen! Bei den Verhandlungenn zu den Freihandelsabkommen fällt Honig unter ferner liefen. Andererseits „artige Kinder verlangen nichts, artige Kinder kriegen nichts“.


    Übrigens würde ich gern mein negatives Betriebsergebnis bei der Est-Erklärung geltend machen, geht aber nicht, da bei 6 Völkern die Gewinnerzielungsabsicht nicht darstellbar ist.

    VG

  • Der Beitrag von SAT1 ist irgendwie mal wieder etwas verschoben...
    Beim DBIB liesst sich das irgendwie deutlich nahcvollziehbarer.
    https://berufsimker.net/2019/0…-fordern-steuerbefreiung/

    OK, jetzt verstehe ich, was der DIB will. Aber - ganz ehrlich - das ist Unfug. Wenn eine Berufs-Imkerei gemeinnützig ist, dann sollen die Erwerbsimker sich als gemeinnützige Vereine organisieren. Problem ist nur, dass sie dann keine Gewinnerzielungsabsicht haben dürfen - denn sie hielten dann ja Bienen, um der Gemeinschaft zu dienen und nicht um Gewinn zu erzielen. Leute / Gruppen, die Gewinn erzielen wollen sind Unternehmer / Unternehmen und die müssen ihre Gewinne versteuern, UM DAMIT der Gemeinschaft zu dienen (Grundgesetzt: Eigentum verpflichtet).


    Häusliche Pflege ist auch "gemeinnützig" und trotzdem sind die Pflegedienste Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht und keine Wohltäter, die der Gemeinschaft dienen (=gemeinnützig). Wenn man den Imkern mit dem Argument des Dienstes an der Gemeinschaft die Steuern erlässt, dann finde ich 100% auch eine Argumentation, warum ich als Selbständiger in der IT auch der Gemeinschaft diene. Und jedes Waffenhersteller / anderes Unternehmen auch. Willkommen in der steuerfreien Marktwirtschaft.


    Wenn man mit dem Argument der Gemeinnützigkeit Subventionen verteilt, dann gibt es m.E. viele Bereiche, die der Gemeinschaft sehr viel mehr "dienen" als Berufsimker. Wo bleibt da das "unfinanzierbare" bedingungslose Grundeinkommen für Eltern (zukünftige Rentenzahler) etc.


    Der DIB kann vom Glück sagen, wenn er damit beim Finanzministerium nur ausgelacht wird. Wenn es dumm läuft, bekommen der DIB und seine Vertreter dort in den nächsten 10 Jahren keinen Termin mehr. Das ist ein echter Bärendienst. :rolleyes::rolleyes::rolleyes::rolleyes:


    *Kopfschüttelnd* Asimov