Steuerliche Befreiung für alle Berufsimker gefordert

  • Bienen sind natürlich sehr wohl sehr wichtig - nur die Honigbiene allein kann in Sachen Bestäubung eben nicht mit über 560 Wildbienen und noch mehr Fliegen, Käfern & Co. mithalten. Das ist nun inzwischen umfangreich belegt.


    Natürlich ist sie als Umweltbildungsträger, Symbol einer schwindenden Vielfalt, unersetzlicher Honigproduzent und als wohl am besten erforschtestes Insekt ausgesprochen wichtig aber eben wohl kaum ausreichend um Steuerfreiheiten für Imkereien (egal welcher Größe) zu rechtfertigen. Nur darum ging es mir in meinem Beitrag.


    M.

  • Einleuchtender finde ich da z.B. die Forderung nach pauschalen Bestäubungsprämien. Da gibt es nämlich wirklich einen public benefit.

    Die Imker sollten gründlicher darüber nachdenken, was sie von der Gesellschaft fordern. Dann wird das auch weniger peinlich und vielleicht fänden sie auch mehr Unterstützung.

    Abgesehen davon, dass niemand den genauen Bestäubungsanteil der Honigbienen und den der anderen Insekten und des Windes ermitteln kann, sollten die Bestäubungsprämien nicht von der Gesellschaft gefordert werden. Jedem Imker bleibt es unbenommen mit den Landwirten, Obst- und Gemüsebauern im Flugkreis seiner Bienen Bestäubungsprämien auszuhandeln.

  • Das ist eine absolut schwachsinnige Forderung. Mit dem Argument dass ihre Arbeit von zahlreichen anderen Menschen als Hobby betrieben und dadurch die Gewinnchancen der "Profis" geschmälert werde, könnte fast jede Berufsgruppe (außer Zahnärzten) eine Steuerbefreiung fordern.

  • Die Honigbiene ist selbst in Kulturen nicht systemrelevant. Gibt zahlreiche Publikationen dazu und alle zeigen, dass es eben der gesunde Mix ist, den es braucht...und dass man dabei auf die Honigbiene sogar am ehesten verzichten kann.

    Da wäre ich aber auch etwas vorsichtiger.

    Honigbiene nicht systemrelevant im Sinne, dass es auch ohne Honigbiene weiter geht stimmt sicher. Bei Wildpflanzen erst recht.


    Bei Kulturen geht es aber nicht nur um "überleben, weitervermehren der Planzenarten", sondern vornehmlich um a) ErtragsSTEIGERUNG und b) Qualität der Früchte


    Und genau bei diesen beiden Punkten leistet die Honigbiene Dinge, die die anderen Insekten nicht leisten können. Das alles aufgrund der speziellen Struktur als staatenbildendes Insekt, ihrer Sammelstrategie und dadurch, dass sie als Vollvolk überwintert und sofort "voll da ist", wenn die Saison beginnt.


    Viele Früchte bilden sich z.B. nur in voller Qualität aus, wenn sie wiederholt bestäubt werden. Für den Menschen ist das von großer Bedeutung und es passiert durch Bienen viel sicherer. Für den Baum tut's ein verkrüppelter Apfel natürlich auch, der durch einmaligen zufälligen Besuch einer Fliege entstanden ist.

    Auch die Witterung spielt eine große Rolle. Es mag Frühjahre geben, wo es ohne Bienen auch halbwegs gut gelaufen wäre. Und andere, in denen nur die Biene in der Lage war, kurzfristige Wetterfenster effizient zu nutzen.


    Oder denkt an großflächige Kulturen wie Raps und andere - hier nutzen Wildinsekten gar nichts, einfach, weil sie in so großen Monokulturen gar nicht mehr vorkommen und nicht annähernd so weite Flüge machen, wie es die Bienen tun.


    Ich bin auch dafür, dass nicht mit Übertreibungen und Märchen argumentiert wird wie z.B. "ohne Biene ist alles nichts, ohne Biene stirbt der Mensch" und ähnlichen Blödsinn.

    Aber deswegen sollten wir auch nicht ins Gegenteil verfallen und die Leistungen der Biene nun weiter herunterspielen als es der Realität entspricht.


    Für die Natur ist die Biene eine von vielen. Auch für den Menschen ist sie nicht überlebenswichtig, aber finanziell sehr nützlich und ich meine nicht die Imker!


    Gruß

    hornet

  • Schade für Dich, das Du aktuell nicht kostendeckend arbeitest. Schade auch das Dein imkerlicher Horizont anscheinend nur bis zu Deiner Nasenspitze reicht , denn ansonsten würdest Du nicht von Dir auf alle anderen nichtgewerblichen Imker schliessen.

    Nun, wenn ich meine aufgewandte Arbeitszeit mit einreche, dann arbeite ich als Hobby-Imker auch nicht kostendeckend. Muss ich auch nicht. Ist mein Hobby, da lasse ich mir Zeit für die schönen Dinge und automatisiere/optimiere nur die eher lästigen Arbeiten. Das trifft auch auf so ziemlich alle (Hobby!-)Imker in meinem Bekanntenkreis zu. Insofern reicht mein imkerlicher Horizont dann wohl auch nur bis zur Nasenspitze. Zum Glück ist die wenigstens recht groß.


    Übrigens ein sehr schöner Beitrag zum hier viel beschworenen Thema sich nicht auseinander dividieren lassen... So weckt ihr sicher keine Unterstützung für euer Vorhaben - jedenfalls nicht bei mir.

  • Momment Honigbienen machen etwa 70% der Bestäubungsleistung aus.


    Es stimmt zwar das Wildbienen wesentlich effektiver sind, jedoch darf man nicht den Felher machen und Effektivität mit Bestäubungsleistung verwechselt (einer der beliebtesten Fehler in den Arbeiten und vor allem in Zitationen). Eine Solitärbiene mag zwar teilweise die Zehnfache Bestäubungseffektibität haben, trotzdem Honigbienen treten mit 10k+ Individuen auf.

    Des Weiteren sind dir meisten Wildbienen sehr stark spezialisiert und haben wesentlich kleinere Flugradien.


    Honigbienen sind wenig spezialisiert, machen aber die Defizite durch ihr massenhaftes Auftreten wett. Das ist ihre Stärke.

  • Also die Honigbiene soll es ja seit wieviel von Millionen von Jahren geben ? Den grössten Teil dieser Zeit lebten sie unabhängig von Menschen. Damit sind sie im ökologischen System der Erde natürlich systemrelevant, denn ansonsten würde es sie nicht mehr geben.

    Vergessen sollte man auch nicht den gesundheitlichen Nutzen für die zu bestäubenden Gewächse durch die Übertragung von Mikroben von der Biene auf die Pflanzen bei der Bestäubung. Das hat Bernhard Heuvel in Weimar in seinem Vortrag sehr gut erklärt. Die Grösse der Früchte hängt von diesen Mikroben ab und dient gleichzeitig als eine Art Impfung für die Pflanzen.

  • Guten Abend Saxonius, habe erst jetzt Deinen netten Beitrag #124 gelesen. Zu Deiner Information,, ich habe 20 Jahre im Nebenerwerb geimkert, Habe damit oft mehr eingenommen als einige andere in nichtselbsständiger Arbeit. Im Übrigen war ich im Beruf erfolgreich und will und kann nicht mehr als max. 6 Völker bewirtschaften, aber das gehört hier eigentlich nicht her. Meine Vermutung beruht auf der Tatsache, dass das FA davon ausgeht, das unter 30 Völker kein nennenswertes Nettoeinkommen erzielt wird. Die Mehrzahl der Hobbyimker hält weniger als 30 Völker, macht ergo keine betriebswirtschaftlichen Gewinne (man muss hier Umsatz und Gewinn unterscheiden) So sind die Fakten. Es war nicht meine Absicht Dein imkerliches Können oder das anderer in Zweifel zu ziehen, wüsste auch nicht weshalb. Bleib gesund und alles Gute.

    VG aus der Börde

  • Um die Honigbienen brauchen wir uns wohl auch kaum Gedanken machen. Es gibt viele Imker und Züchter. Viel mehr Gedanken sollten wir uns über die Wildbienen und Insekten machen. Diese Arten haben eine viel geringere Lobby. Selbst wenn die Honigbienen nicht "systemrelevant" wäre, wo sind den aktuell die Wildbienen und Insekten zum Bestäuben? Sie sind eben kaum noch da. Die sind vor einer hochsubventionierte Agrarindustrie geflüchtet.

  • Hallo Georgie, die Steuerfreiheit für bis zu 30 Völker ist einfach eine politische Entscheidung , so wie zB. die Möglichkeit der Geltendmachung der Kosten für die Fahrt zur Arbeitsstätte als Nichtselbstständiger.

    Natürlich ist es ein Unterschied ob ich den Honig von 6 oder von 30 Völkern ernten will.

    Gehe mal von 50 kg Honig aus, da kann man 1,5 t Honig eben nicht mit einer 4 Waben Handschleuder ernten. Da musst man schon vorher in Technik investieren. Das weisst Du als ehemaliger Nebenerwerbsimker bestimmt am besten. Auch dehalb bin ich für die Abschaffung dieser Steuerfreiheit für die ersten 30 Völker.

    Wenn wie in Berlin mittlerweile 6 Völker auf dem km2 gemeldet sind + ein paar weitere nicht gemeldete+ die Wanderimker die die Berliner Linde ernten wollen, dann braucht das "Hobby" Imkerei nicht mit einer Neuimkerprämie gefördert zu werden. Das Geld wäre als Bestäubungsprämie für Imker besser investiert.

    Mein Vorschlag die Greeningprämie für Landwirte in den entsprechenden Trachten an das Aufstellen von Bienenvölkern zu koppeln geht ebenso in diese Richtung.


    Viele Grüsse in die Börde

    Tom

  • Hallo Saxonius, Du kannst auch unter 30 Völker eine Nebenerwerbsimkerei beim FA anmelden und versteuern. Und wenn Du Dich im Steuerrecht auskennst, wirst Du gegen die Erlöse den Aufwand rechnen, dann kommt dabei in der Regel kein nennenswerter Gewinn zustande. Du kannst aber es auch so rechnen, dass Du brav Steuern abführst, aber wer zahlt gerne Steuern. Stell mal einen Businnessplan auf oder lade Dir ein Muster aus dem Netz runter und schick mir Dein Ergebnis ab wieviel Völker ein nachhaltiger Gewinn zu erzielen ist. Beachte dabei die Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns. Der Fiskusse weiß warum er Hobbyimker unter 30 unbehelligt lässt. Deshalb muss da auch garnichts abgeschafft werden, weil es nichts zu besteuern gibt. Frag Deinen Steuerberater oder geh mal zum FA die beraten Dich gern. VG

  • Die Umstellung von Windbestäubung auf Blülenbestäubung durch Dritte in der Natur muss ja eine systemrelevante Bedeutung gehabt haben, sonst wäre sie nicht in dem Umfang erfolgt.

    Viele Blütenpflanzen haben umgestellt auf Bestäubung von Insekten, Vögeln etc und nutzen für Ihre Verbreitung auch Säugetiere. Dabei weisen sie unterschiedlichste Spezialisierungsgrade auf. Manche haben sich hochradig an Kolibries oder spezielle Insekten wie Ameisen angepasst und andere nutzen die breite Masse wie Käfer, Bienen, Hummeln und Co. Sie sind also austauschbar. Substitute. Daher ist es eine Milchmädchenrechnung da irgendwelche Werte abzuleiten. Das kann man wenn überhaupt nur von Pflanze zu Pflanze in einer Range im Verhältnis zum Insektenaufkommen ermitteln.

    Fakt ist also, unsere Bienen leisten einen von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich hohen Beitrag zur Bestäubungsleistung insbesondere unter der Prämisse das die anderen Bestäuber in unserer industrielll geprägten Umwelt immer weniger werden.

    Zudem liefern sie gerade bei Massenblüten aufgrund der Masse eines Bienvolkes durch die hohe Individuumanzahl einen ungleich höhere Leistung als andere nicht Staatenbildende Insekten. Tautz Superorganismen.

    Das können sie nur durch Arbeitsteilung und Vorratshaltung.

    Das kann jeder selber mal Feststellen, wenn er sich mal in einem blühenden Rapsfeld oder einer Linde und und und stellt. Man schaue einfach mal wieviel Bienen oder ander Bestäuber sich dort tummeln.

    Da kann man schon behaupten, der Imker hat über seine Bienen schon Einfluss auf die Bestäubung.

    Gott sei Dank haben wir unsere Umwelt noch nicht ganz so zerstört, dass die Bestäubung nur noch von Bienen abhängt, die der Mensch einbringt. Schaut man sich einfach mal die Mandelplantagen in Amerika an. Ausser Mandelbäume die in einer wüstenähnlichen Gegend nur über Bewässerung am leben erhalten werden, ist dort alles zerstört. Hier ist man auf Berufsimker angewiesen, die mit ihren 60 Tonnern voll Bienen die bezahlte Bestäubungsleistung erbringen.

    Wollen wir das.auch?

    Solange der.Landwirt nicht gezwungen ist, für die Leistung zu zahlen, wird er es nicht tun. Nur dann kann aber auch ein Berufsimkertum in grösseren Umfang entstehen.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Leider waren alle Studien im Ergebnis genau andersrum: Viel mehr Pollenübertrag vielleicht aber eben keine gute Bestäubung ( = Fruchtansatz).


    Das ist weltweit so (Garibaldi et al., 2013, Science) und auch so diversen Nutzkulturen (Kürbis, Erdbeeren, Kirschen...ev. auch mehr) nachgewiesen. Selbst in Mandeln geht es mit Wildbienen signifikant besser (Brittain et al., 2013).


    War für mich auch überraschend weil man ja immer so menschlich massentypisch denkt: Je mehr, desto mehr. Ist aber wie beim Imkern: Mehr Völker machen mehr Arbeit aber nicht unbedingt genauso viel mehr an Honig...


    Nun ja, Honigbienen sind halt einfacher: Die bestellt man sich. Und findet sich kein Imker/keine Imkerin dann ordert man halt Hummeln oder Wildbienen per Post. Leider auch alles Käse und zu kurz gedacht - der gesunde Mix macht es und genau der geht uns gerade rasant verloren.... wenn die Honigbiene genau das den Leuten verklickert; sei es durch Zuschauen, durch Selber-Imkern oder Biene Maja, dann leistet sie tatsächlich einen gewaltig-wichtigen Beitrag zur Sicherung der Bestäubung!


    M.