Wie sehr ...

  • ...achtet ihr auf die Abstammung der Drohnen, die an euren Ständen fliegen?
    Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, außer bei Besamung natürlich, daß eure eigenen Königinnen auch von euren eigenen Drohnen begattet werden?
    Mutter Natur hat die Drohnensammelplätze eingerichtet, um Inzucht zu vermeiden, oder?
    Tue ich mit sorgfältiger Auswahl der Drohnenvölker nicht viel eher meinen Nachbarn einen Gefallen als mir selbst???
    Wie kann ich einigermaßen sicherstellen, daß meine Drohnen auch meine Königinnen befliegen?
    Besamung geht nicht, Außenstände geht auch nicht, was tun?
    Ich bin wirklich gespannt auf Antworten!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    ich versuche möglichst nur Drohnen von guten bis mittleren Völkern fliegen zu lassen. Daß das auch den Nachbarn hilft ist klar. Darum wäre es mir lieb, sie würden alle auch selektieren.
    Wie Du erreichen kannst, daß nur Deine Drohnen Väter werden, weiß ich nicht. Es gibt Behauptungen, daß bei großer Drohnenzahl die Jungweisel beim Begattungsausflug nicht weit kommt, doch ich glaube nicht so recht daran. Im Stock jedenfalls wird die Jungfer von den Jungs in Ruhe gelassen. Vielleicht sind sie so fair, daß sie erst am Sammelplatz den Wettbewerb eröffnen?
    Viele Grüße, Thomas

  • Tag ihr Beiden,


    die eigenen Königinnen nur von standeigenen Drohnen begatten zu lassen, ist leider nicht zu schaffen, ja auch von der Natur nicht gewollt, sonst würde die Begattung im Inneren der Bienenwohnung stattfinden.
    Aber dadurch, dass meine „guten“ Drohnen nach und nach auch das Niveau der Nachbarimker heben, werden auch meine standbegatteten Königinnen mit der Zeit immer besser.Allerdings dauert dies seine Zeit und der Erfolg ist sehr mühsam erkauft. Zumal dann. wenn die Nachbarn nichts von sich aus dazu beitragen.
    Das Dilemma kann man m.E. nur umgehen, indem man regelmäßig seine Juffern auf sichere Belegstellen verbringt und auf das angebotene „Vatermaterial“ achtet.
    Oder ?


    Mit freundlichen Grüßen


    M.



    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Michael am 2002-06-20 12:43 ]</font>

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo zusammen, laut Bruder Adam spielen die Drohnen bei der Vererbung wegen der mütterlichen Dominanz bei der Vererbung nur eine untergeordnete Rolle. Durch Auslese bei den Königinnen erreicht man also auch schon einiges bei der Zucht. Das ist "Basiszucht" so wie sie von Wolfgang Golz beschrieben wird. Andere Beispiele dafür sind Sklenar und Müller ,die ihre Stämme 47 bzw. Hollersbach so herausgezüchtet haben. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    da hast Du vollkommen Recht - die Auswahl der Königinnen ist das A und O. Die Drohnen sind der Zusatz. Eigentlich sollte man die Drohnen fliegen lassen, deren Großmutter ein gutes Volk hatte - doch wer hat schon so ein Gedächtnis.


    Grüße, Thomas


    Korrektur vom 5.7.02
    Weiseln und Drohnen bestimmen gleichermaßen das Erbgut der Jungweisel (s. Thema "Mütterliche Dominanz"). Man sollte also auf die Auswahl der Drohnen genauso achten wie auf die der Weiseln.
    Praktisch ist die Auswahl der Weiseln jedoch einfacher. M.E. ist bei Standbegattung dies, neben einer großen Anzahl guter Drohnen am Stand, die einzige Möglichkeit, züchterischen Einfluß zu nehmen.
    Thomas


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Thomas Hädrich am 2002-07-05 08:38 ]</font>

  • Dafür braucht man kein Gedächnis...
    dafür braucht man Aufzeichnungen..
    Ich weis manchmal schon am Abend nicht mehr was ich am Morgen gemacht habe :grin: :grin: :grin:


    Wenn man dann das Drohnenwabenschneiden NUR bei den Völkern vornimmt von denen man KEINE Nachkommen wünscht, kann man für seinen eigenen Stand und der der Nachbarn schon einiges erreichen.


    Die Dominanz der mütterlichen Vererbung liegt bei ca. 60%. Wer nun aber meint, die 40% der Drohnen wären belanglos, den lade ich herzlich ein, mir von je tausend Euro die er verdient, 400 auf mein Konto zu überweisen. Schon nach kurzer Zeit werden wir wissen wie belanglos 40% sind :wink:


    Volle Honigtöpfe --- Harry --

  • Hallo, Harry,
    das ist genau das, was ich meine!!!
    Eine Mama-Dominanz von 60% bedeutet halt, daß die anderen 40% genauso wichtig sind,von wegen "untergeordnete Rolle"!, aber wie krieg ich das ohne Besamung hin?
    Meine Nachbarn werden im Dreieck springen nächstes Jahr, wenn bei mir die ersten echten Bucki-Drohnen ihre Arbeit machen; ich schätze sie sogar so ein, daß alle Königinnen, die gelbere Kinder kriegen als normal, sofort abgedrückt werden wg. "Fehlbegattung"...
    (was ja nun außerordentlich schade wäre!)
    Klar, Belegstelle wäre das sicherste, aber geht aus verschiedenen Gründen auch nicht.
    Grrrrrhhhhhhh!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne, mit mütterliche Dominanz meinte ich auch, das eine Biene zwei weibliche und einen männlichen Vorfahren hat. Das ist auch ein Unterschied zur übrigen Zucht. Aber ich möchte nicht wieder Streitigkeiten verursachen...Ich hoffe nur, Deine Imkernachbarn gehen nicht allzu gründlich bei ihrer "Vernichtung" gelbgeringelter, oder in ihren Augen "fehlbegatteter" Völker vor. Vielleicht kannst Du sie ja überzeugen, das Bienen eine Genbereicherung brauchen, so wie die Natur es uns vorzeigt, und keine Genverarmung.Meine "gelberen" Bienen machen mir auch mehr Freude als die rein grauen. Und ohne vorhandenen Anteil der dunklen Biene wäre die Carnica nach Nosema-Jahren schon "ausgestorben". Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • [quote]
    sabi(e)ne schrieb am 2002-06-20 23:20 :


    [Eine Mama-Dominanz von 60% bedeutet halt, daß die anderen 40% genauso wichtig sind,von wegen 'untergeordnete Rolle'!, aber wie krieg ich das ohne Besamung hin?]


    Schau dir noch mal meine PM vom "21.5. Re:LH97xx" an, das ist die einzigste Möglichkeit die ich kenne um sich eine eigene Belegstelle auf seinem Stand zu "basteln".


    [Meine Nachbarn werden im Dreieck springen nächstes Jahr, wenn bei mir die ersten echten Bucki-Drohnen ihre Arbeit machen;]


    Was kümmert es die Eiche, wenn sich eine Sau an ihr scheuert? :wink:


    [Klar, Belegstelle wäre das sicherste, aber geht aus verschiedenen Gründen auch nicht.]


    Eine Belegstelle ist keine Garantie gegen Fehlpaarungen, sie vermindert sie lediglich.
    Auch Inseln sind nur "relativ" sicher.
    Die Besamung ist die bislang einzigste Möglichkeit Weiseln mit ausgewählten Drohnen zu paaren. Diese Paarungssicherheit wird aber mit dem großen Nachteil erkauft, das man nie weiß welche Qualität das Sperma hat. Die für die Besamung gezüchteten Drohnen müssen sich keinerlei natürlicher Auslese stellen. Andererseits stellt sich mir die Frage, warum der "Bien" pro Saison nur verhältnismaßig wenige Drohnen produziert? Stellt der einzelne Drohn nur ein Transportbehälter für die männlichen Keimzellen der Königin dar? Dann wäre es egal welchen Drohn man nimmt, da die Königin für die Qualität des Samens verantwortlich ist. Ich glaube nicht, das bei der natürlichen Begattung immer nur der stärkste und schnellste Drohn zum Zuge kommt. Auf dem Weg zum "Drohnensammelplatz" kommt die Königin mit Sicherheit an dem einen oder anderen Drohn vorbei und der wird ihr sicherlich nicht artig bis zum "Sammelplatz" folgen um dann in einen sportlichen Wettstreit mit seinen Kollegen zu treten. Der wird die Gelegenheit nutzen und aufreiten. So kommen auch evtl. schwächere zum Zug. Fragen über Fragen.


    Viele Grüße --- Harry ---

  • Hallo Sabine,


    ein Tip, der wahrscheinlich zu spät kommt: Es gibt auch dunkle Buckis, völlig ohne Gelb, aber auch nicht grau wie die Carnica. Habe vor ein paar Wochen eine solche gesehen, sie schien mir sogar kleiner als die heute üblichen Bienen zu sein.
    Den Schrei "Wenn ich bei mir 'ne Gelbe sehe schlag ich sie alle tot!" kenne ich auch.


    Hallo Harry,
    ist es bei der künstlichen Besamung wirklich so deutlich, daß die Drohnen unterschiedliche Qualität haben? Oder liegt es auch an der Fertigkeit des Besamers?
    Der Drohn ist schon ein Transportbehälter für die Spermien, der einer Selektion unterliegt. (Wenn man den Drohn als fliegenden Gameten der Weisel betrachtet wird das Mendeln auch leichter.) Übrigens werden die Säugetierspermien auf dem Weg zum Ziel auch selektiert.
    Noch etwas - wie die Drohnen sich sammeln und die Begattung vonstatten geht scheint wirklich noch weitgehend unbekannt zu sein. Vielleicht reagieren sie nur auf fliegende Objekte? Im Stock wird sie ja in Ruhe gelassen. Zumindest aber sollten wir nicht von menschlichem Verhalten ausgehen.


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,
    _____________________________________________
    Der Drohn ist schon ein Transportbehälter für die Spermien, der einer
    Selektion unterliegt.
    _____________________________________________ich muss sagen, deine Aussage geht mir furchtbar auf den "Keks", was würdest
    du sagen, wenn dies jemand von dir sagen würde, ist doch nicht so
    abweichend, du bist doch auch ein männliches Geschöpf. Du kannst doch nicht
    eine solche Aussage tätigen, über ein Geschöpf Gottes, dessen Bestimmung wir
    Menschen immer verbessern wollen und dieses Geschöpf nur als Transportbehälter für Spermien ansehen, weil wir nicht viel mehr darüber wissen. Vielleicht haben Drohnen auch im Stock eine gewisse "Vaterfunktion"
    und sind nicht nur "Transportbehälter" für Spermien. Als Hobbyimker und
    Liebhaber von Bienen sollten wir nicht so abwertend von den Bienen reden,
    sondern ihnen mehr Achtung entgegenbringen.
    Ich bin schon für Selektion in einem gewissen Umfang, aber nur noch
    selektieren wollen und keiner, von unserem menschlichen Vorstellung
    abweichenden Norm (siehe z.B. diesen blöden Bindenindex) Platz lassen, ist
    das noch normal? Hier drängt sich schon der Vergleich wieder mit Menschen
    auf, ich weiß, dass das wieder auf wenig Gegenliebe stößt, aber ich sehe
    dies sehr oft in unserer Gesellschaft. Meine Frau arbeitet mit behinderten
    Kindern, da solltet ihr einmal mitansehen, wie die "normalen" Menschen" auf
    diese Geschöpfe schauen, ich schäme mich sehr oft meiner Artgenossen, wenn
    ich diese (Selektions) Blicke meiner Mitmenschen sehe... weitere Gedanken
    spinne ich lieber in meinem Kopf alleine weiter ...

  • Lieber Franz,


    als Christ muss ich Dir ethisch zustimmen, fachlich hat aber Thomas recht und wenn man ein guter Züchter sein will, dann muss man das zur Kenntnis nehmen und auch umsetzen! Sonst müssen wir jede Königin sich vermehren lassen! Als Hobbyimker und Hobbylandwirt kann man das vielleicht, wenn man das Geld wo anders verdient.


    Aber man hat es uns ja schon deutlich gesagt, dass wir keine Mensch-Tier Vergleiche mehr machen sollen.


    Gruss Friedhelm

  • Hallo zusammen, beim Durchlesen stellt sich mir eine Frage : Wenn man mit standeigenen Drohnen keine gewünschte Begattung erreichen kann, wie funktioniert dann eignlich eine Belegstelle? Dort stehen doch die Drohnenvölker und die Völker oder Völkchen mit den unbegatteten Drohnen auch auf den selben Stand. Zu den Drohnen als Samenträger nur ein Zitat einer bekannten Bienenwissenschaftlerin: Drohnen sind Person gewordene Spermien. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Lothar,
    genau darüber mache ich mir auch schon die ganze Zeit Gedanken!
    Auf einer Insel könnte ich es ja noch verstehen, andererseits habe ich irgendwo was gelesen von Flugradien bis zu 40km für Drohnen...
    Also: welche Drohnen begatten die Königinnen? Nur fremde, von auswärts, oder auch welche vom eigenen Stand???
    Wie immer, Fragen über Fragen!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen