Wohin geht die Reise? ...ohne Mittelwände, ohne Medikamente, ohne Reinzucht, ohne DNM, ohne Schleuder...

  • Wir reden hier unter uns Imkern, nicht mit Kunden.

    Da sollte man präzise sein und sich so fachspezifisch (und damit Mehrdeutungsfrei) ausdrücken, wie möglich.

    Und selbstverständlich rede ich gegenüber Kunden auch bei Ameisensäure und Oxalsäure von Medikamenten. Allerdings sage ich auch, welche das sind. Die meisten Kunden können tatsächlich selbst beurteilen, was problematisch ist, und was nicht. Die sind meist auch nicht dümmer, als wir.

    Ich hätte tatsächlich das Gefühl meine Kunden anzulügen, würde ich - gefragt, ob ich Medikamente einsetze - dies verschweigen.


    Gruß
    Ludger

  • Ich hätte tatsächlich das Gefühl meine Kunden anzulügen, würde ich - gefragt, ob ich Medikamente einsetze - dies verschweigen.

    In der tatsächlichen Verkaufspraxis wirst Du aber nicht nach "Medikamenten" von Deinen Honig-

    Kunden gefragt, sondern nach Deiner " Behandlung / Behandlungsmitteln" - oder ?

    Wie viele Deiner Kunden über die Jahre weg sind das, die so genau nachfragen ?

    3 von 100 ?

    5 von 100 ?

    Ich schätze : 1 von Hundert oder weniger.

    Ich würde mich glücklich schätzen, wenn´s in meinem Hauptberufs Verkaufsbereich , wenigstens die

    statistischen 3-5 % wären, die es genauer wissen wollten.;(

  • Ich kanns auch von der anderen Seite hergehen:

    die organischen Säuren werden nur deshalb juristisch als Medikament angesehen, um Behandlungen regulieren zu können.

    Nicht nur - sie sind veterinärmedizinisch Arzneimittel. So ist Deine Aussage frei von Moral; danke - finde ich viel besser !

  • Also wenn ich diese ganzen Maßnahmen durchführen müsste, möchte ich kein Imker mehr sein. Ich bin der Meinung, weniger in den Völkern rumoren, ist oft mehr.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Reinhard,

    so kurz kann mans fassen. Sehr schön. Denn es geht doch darum: Welche Verfahrensweise ist gangbar.

    Weniger in den Völkern rumoren?

    Ist 2x AS-Blockbehandlung mit zweifelhaftem Ausgang und OX träufeln weniger?

    Sicher erscheint die beschriebene Methode umständlich.

    Aber wenn es ohne Säure geht, dann bitte!

    Muss ja nicht jeder.

    Ich werde es probieren und dann vergleichen.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Guten Abend Drobi, das liest sich wie „ wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass»! Wenn jemand medikamentenfrei Imkern möchte, muss er mit mehr Eingriffen arbeiten als jemand der sich auf die bewährten Medikamente verlässt. Im Übrigen sollte man Eingriffe kombinieren. Wenn ich eine Fegling mache ist die Völkervermehrung und Varoabekämpfung in Einem erledigt. Wenn Du das meinst, gebe ich Dir recht.

    VG aus der Börde

  • Ja, die Kunden sind nicht doof und verstehen deutlich den Unterschied zwischen der Behandlung mit organischen Säuren und beispielsweise Antibiotika.

    Das Wort Medikament nimmt man tunlichst nicht in den Mund. Alles was mit Arzneimittel und Heilmittel zu tun hat, wird bei mir umschifft.

    Damit erspare ich mir unnötigen Ärger.


    Mich interessiert eher das Thema Naturbau als Medikamente.

    Ich hatte hierzu mal mit Waldfrau gefachsimpelt.

    Hintergrund:

    Als ich letztens bei einem Wachsumarbeiter war, habe ich Wachsblöcke gesehen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Wie bekommt man Wachs so dunkel hin?

    Nach der Zugabe von Säuren wird zwar auch der Wachs wieder "gelb", aber der Mist bleibt ja drin.

    Daher möchte ich lieber auf teilweise Naturbau umstellen, bis ich genug Wachs für die Eigenumarbeitung zusammen habe. Nebenbei verteile ich ja noch ein paar reinrassige Drohnen in der Nachbarschaft....:* gelb, orange, grau, schwarz geringelt.


    Vielleicht hat jemand da einige Erfahrungen die er teilt.


    Im Voraus vielen Dank.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Um noch ein drittes "Wort" in die Runde zu werfen, mein Amtsvet hat gerade Briefe verschickt! Im Anhang ein Blatt mit dem Titel:

    "Bestandsbuch über die Anwendung von Arzneimitteln"

    Das soll man jetzt für die letzten 2 Jahre ausfüllen und zusenden, allerdings mit der Erklärung im Anschreiben: "Dabei handelt es sich ausschließlich um apothekenpflichtige Arzneimittel."

    Also werden sicherlich 99,9% der angeschriebenen Imker leere Blätter zusenden dürfen, zum Glück auch per Mail, immerhin wird so nicht noch mehr Porto und Papier verschwendet...

  • Ich denke mal, wenn Ameisensäure die Varroamilbe tötet, dann tötet sie sicher auch andere nützliche Mitbewohner im Bienenvolk.

    Und zum anderen bin ich mir sehr unsicher bezüglich der richtigen Dosierung und wie viele Völker unbemerkt durch Medikamenten-/Säurebehandlung geschwächt und im Nachhinein getötet werden, weiß eigentlich auch niemand genau. Das erinnert mich alles ein wenig an den übermäßigen/prophylaktischen Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht oder die Spritz-und Beizmittel in der Landwirtschaft. Nee, nee, die 3x9-Methode erscheint mir sehr sympathisch und verspricht auch, kaum Bienenmasseverlust zu verursachen. Wie gefährlich Milchsäure für den Bien ist, weiß ich nicht, sonst würde ich sie vielleicht bei brutlosen Einheiten anwenden.

    Was das Honigpressen betrifft - es hat mir Spaß gemacht die Waben auszuschneiden, das geht fixer als das Entdeckeln, kann man vielleicht schon vor Ort am Volk machen, in ein großes Gefäß mit Deckel klatschen lassen und Leerrähmchen gleich wieder einhängen (Wabenrest als Anfangsstreifen stehen lassen) - muss ausprobiert werden. Die Waben hatte ich mit einer Obstpresse ausgepresst, aber nächstes Mal zerkleinere ich erst die Waben und lasse sie über Nacht abtropfen, bevor ich den Rest ausquetsche. Auf diese Weise kann ich verhindern, dass meine Völker nicht an Schadwachs zugrunde gehen.

    imkerforum.de/attachment/11420/

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  • @Bee-geistert

    Betr.: 3x9-Methode

    Ob sie im Einzelnen so funktioniert, muss ich erst in der Praxis gesehen haben. Ich habe mir den Artikel immer wieder durchgelesen, um die Abläufe zu verstehen:

    Also, die Königin wird Ende Juli/Anfang August in den Honigraum gesperrt und legt dort ein kleines Brutnest an, während im Brutraum gleichzeitig sämtliche Brut verdeckelt wird.

    Nach 9 Tagen werden die Waben mit der verdeckelten Brut (in denen sich jetzt die meisten Varroen befinden) in eine leere Beute gepackt (Brutscheune, da aus mehreren bis zu 4-5 Völkern gesammelt) und die Waben mit Stiften und offener Brut aus den Honigräumen werden als Fangwaben hinzugegeben. Jetzt kommt die Königin wieder in den Brutraum mit Leerwaben und Mittelwänden (in meinem Fall mit Leerrähmchen) zurück und das Volk wird nach (!) dem Abschleudern für den Winter aufgefüttert.

    Nach weiteren 9 Tagen werden die Fangwaben aus der Brutscheune entfernt und eine neue Fangwabe wird hinzugegeben. Sämtliche Fangwaben, in denen sich jetzt die allermeisten Milben befinden werden, werden vernichtet.

    Nach weiteren 9 Tagen wird die Brutscheune aufgelöst, die Bienen werden den schwächeren Völkern zur Verstärkung vorgefegt und die Fangwabe mit den Restmilben wird vernichtet (d. h. eingeschmolzen). Ich würde mir noch überlegen, ob ich anfallende Weiselzellen noch nach neuseeländischer Methode für späte Begattung in die Doppelvölker zur Umweiselung reinquetsche, wie es den Bienen beliebt.

    Und wenn man das alles bei 30.000 Völkern durchgeführt hat, hat man ein erfülltes Leben gehabt und kann in Ruhe sterben.

  • ManfredT Das TBE alleine nicht reicht wirst du schon merken, wenn`s so einfach wäre würden es sicher alle so machen... Das du dich durch den 3x9 Text mehrfach durchgelesen hast, kann ich verstehen, da sind auch ungereimtheiten drin wie z.B. "Eine zweizargige Brutscheune fasst die Waben von vier bis fünf Völkern." Hä? Das ist dann aber keine vollständige Brutentnahme. Egal, das ganze Konzept scheint mir sehr fragwürdig, denn erst im August mehrmals alle Brutwaben wegnehmen und dann angeblich trotzdem super starke Völker einzuwintern wird sicher nicht überall funktionieren.

    Deine ganzen Ideen, wie du die Imkerei angehen willst sind aber nicht schlecht, immerhin hast du so jedes Jahr einen Punkt, wie die Imkerei noch verbessert werden kann.

    Ich gebe dir maximal 3 Jahre, bis du doch eine Schleuder haben möchtest...;)

    Viel Spaß beim Neuanfang mit den Bienen!

  • Ich hab das 3x9 Konzept jetzt auch noch ein drittes mal gelesen. ( ManfredT Du brauchst auf jeden Fall mindestens Mittelwände... ) Da steht ja, das er seit 2012 angeblich so klarkommt ohne weitere Behandlung. Nun ist der Text aber von 2014, das heißt also nur, das es zwei Winter lang funktioniert hat, mehr nicht. Interessant wäre die Meinung des Autors heute zu dem Thema.


    Wenn du dich für TBE mit Fangwabe interessierst solltest du hier mal diesen Faden durchlesen:

    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler

    Das Thema wurde übrigens interessanter Weise auch 2014 gestartet.

    Vielleicht hat Kleingartendrohn damals auch gehofft, so auf jede andere Behandlung verzichten zu können. Zumindest die Winterbehandlung ( Eine "Probebedampfung" oder am besten mit etwas Abstand zwei nacheinander um die Restmilbenzahl auszurechnen... ) war aber immer vorgesehen.


    Inzwischen scheint TBE aber wieder ein bisschen aus der "Mode" gekommen zu sein, wegen der Materialschlacht und viele sind auf den Trichter gekommen, das man durch Blockbehandlung oder noch besser durch künstliche Brutfreiheit z.B. mit dem Scalvinikäfig auch im Sommer effektiv und Bienenschonend ohne Ameisensäure die Milben loswerden kann. Wenn du also tatsächlich ohne Mittelwände auskommen möchtest, solltest du dir diese Methoden mal genauer ansehen.

  • @Bee-geistert

    Verstehe ich auch so. Die Praxis wird es zeigen.

    Die Königin bestiftet im Honigraum ein paar Waben (in meinem Fall Dadant-Blatt 15,9 cm), die dann als Fangwaben dienen. Ich denke nun, dass der Honig bei der Entnahme der verdeckelten Fangwaben entnommen werden kann. Mit einem Obstmesser kann man, wenn man den Honig für sich retten möchte, wunderbar die Honigkränze wegschneiden, bevor man den Rest einschmilzt.

    Übrigens sind für mich flache Wabenrähmchen im Brutraum kein Problem. Die Bienen haben mir gezeigt, dass sie gern unter den Rähmchen weiterbauen, so dass ich eventuell sogar ganz auf Brutraumrähmchen verzichten könnte. Ich habe durch den Kauf von 2 Völkern zum einen DNM-Rähmchen mit Draht an Dadant-Oberträger befestigen müssen und zum anderen waren einige Zanderrähmchen dazwischenzuhängen. Die Zwischenräume wurden dann einfach ausgebaut. Der Schwarm hatte sich sein Nest direkt in Leerrähmchen mit Anfangsstreifen eingebaut. Nur der Kunstschwarm in der TBH hat mir was gehustet und strahlenförmig in Richtung Flugloch quer über die Oberträger gebaut.

    Ach ja, bevor das gefragt wird, ich habe alle Rähmchen gedrahtet, und man kann den Honig schön an den Drähten entlang ausschneiden.