Wohin geht die Reise? ...ohne Mittelwände, ohne Medikamente, ohne Reinzucht, ohne DNM, ohne Schleuder...

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    Nachdem ich mir letztes Jahr nach fast 40 Jahren Bienenlosigkeit wieder ein Bienenvolk zugelegt hatte, mir noch ein guter Schwarm zugeflogen war und ich im August noch ein Volk zugekauft hatte, habe ich also 3 Völker, 3 Ableger und 1 kleinen Kunstschwarm eingewintert.

    Nach vielem Lesen und Videosgucken bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:


    1. Ich werde keine Mittelwände mehr verwenden, sondern die Bienen ihre Waben nur selber bauen lassen. Das hat beim Schwarm geklappt, bei den Ablegern und beim Kunstschwarm in der TBH sowieso.

    2. Ich werde den Honig abtropfen lassen und auspressen und das Wachs verkaufen.

    3. Ich werde zur Varroabehandlung nur die 3x9-Methode anwenden.

    4. Ich werde im Februar damit beginnen, die Bruträume durch Schieden an die Legeleistung anzupassen. Schwächere Völker werde ich zu zweit in einer Beute führen, getrennt durch ein bienendichtes Schied. Lediglich die Honigräume sind gemeinsam und durch ein Absperrgitter getrennt, damit die Königinnen sich nicht begegnen können. (Ich bin beim Dadant-Blatt-Maß gelandet und werde aus praktischen Gründen nach und nach auf die Thermoplastbeuten von Nicot umsteigen.)

    5. Ich werde aus praktischen Gründen Standbegattung betreiben und ab und zu mit guten Buckfastköniginnen updaten.


    Empfehlungen (besonders für Anfänger):

    3x9 Methode

    https://www.bienenjournal.de/a…abnahme-der-volksstaerke/

    Summ mir das Lied vom Tod (Bienen und Pestizide) https://www.youtube.com/watch?v=n59BgcOzkI0

    2-Königinnen-Betriebsweise

    https://www.youtube.com/watch?v=gQCRhISukTE

    2. Teil

    https://www.youtube.com/watch?v=kdl7AmCHXzs

    Schadwachs

    https://www.youtube.com/watch?v=oTc_lJbCiIU

  • Wäre eine normale TBE nicht etwas Materialschonender da die Honigraumwaben unangetastet blieben sowie Zeitlich richtig gelegt mehr Honig reinkommt da nichts gepflegt werden muss?

    Der Bau würde dennoch komplett erneuert werden.

    Sollte die Brutscheune weiselrichtig bleiben werden Automatisch laufend frische Fangwaben erstellt und nachdem alle alte Brut über ASG ausgelaufen ist Kunstschwarm erstellen bzw Restvölker verstärken und alles Einschmelzen.


    Das Verfliegen sollte sich dadurch auch in Grenzen halten was den 2 Standort für die Brutscheune überflüssig macht.


    Hat der Honigraum dabei nur Leerwaben?

    Wurden die nicht ausgepresst oder werden dir mit Brut ausgepresst...?


    Das 3x9 System versteh ich nicht so ganz...

  • Hallo ManfredT, auch ich habe 23 Jahre im Nebenerwerb bis 1992 geimkert und im März 2018 wieder mit 3 Ableger begonnen und 6 Völker und zwei Miniplus eingewintert. Auch ich habe nur mit Anfangsstreifen gearbeitet und den Frühjahrshonig und die Robinie gepresst. Dann nach der Linde mir doch eine Schleuder zugelegt, da ich Sorge hatte, nicht genug Waben für zweizargige Überwinterung zu haben. Habe mit 18 Waben begonnen und 110 bauen lassen, davon 20 verpresst. Bei mir steckt aber noch zusehr der Erwerbsimker drinn, Naturwabenbau und Wabenpressen vermindert die Honigleistung. Obwohl ich darauf nicht angewiesen bin, packt mich hier der Ehrgeiz. Ansonsten sehe ich in einer möglichst säurefreien Varoabekämpfung durch TBE und Fangwabe auch angesichts der neuesten Erkenntnisse zu dem Ernährungsverhalten der Varoa für mich die Zukunft. Aufgrund meiner Vita überzeugt mich Dr. Liebig in seiner Betriebsweise. Auch mich interessieren Deine weiteren Erfahrungen und ich wünsche Dir viel Erfolg.

    VG aus der Börde

  • Ohne Medikamente? Ist das was besonderes? Es gibt Imker die noch Medikamente einsetzen? Die heutigen Standardkonzepte sind alle ohne Medikamente. Gut, dein 3x9 Link von 2014 erwähnt ja auch noch andere Museumsstücke wie die Schwammtuchmethode (wenn auch abwertend).


    Presshonig sowie Wabenhonig auf Naturbau (wahrscheinlich mit Anfangsstreifen) habe ich auch in Planung, aber nur als Nebenerzeugnis. Der Großteil wird geschleudert.

  • Ohne Medikamente?

    Hallo Martin,

    Auch Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure (oder gar Thymol) sind Medikamente. Ich wüsste kein Standardkonzept, welches ohne diese auskommt.

    Reine Brutentnahme/Fangwabenkonzepte werden immer noch selten propagiert. Oder ist das bei euch in Niederbayern schon anders?


    Gruß
    Ludger

  • Ludger Merkens : Ob AS, MS und OS nun Medikamente oder "Chemie" sind, kann man sich (leider) streiten. Für den Diplomchemiker ist Wasser auch ne Chemikalie, für manche sind biologische Säuren es nicht, für manche "Naturfreunde" wieder nur alles "künstliche".


    Das sind biologische Säuren, alle ohne Apothekenpflicht, ich würde sie nicht als Medikamente sprich Pharmazeutika bezeichnen. Wo würde das aufhören? Sind Zitronensäure und Essigsäure dann auch Medikamente?


    Aber lass uns bitte hier nicht den 10.000ten Meinungsstreit anfangen. Soll jeder machen wie er möchte. Ich finde es halt nur schade das wir uns nicht mal auf eindeutige Begriffe einigen können. (Soll er doch schreiben: "Ohne Medikamente und Säuren", dann wäre es eindeutiger)

  • ManfredT , vielen Dank für Deine Ideen, die Du hier mit uns teilst. Es wäre noch schöner, wenn wir wüssten wo Du Dich tummelst (Profil).


    Das Konzept "Naturbau" als eine Option auf jüngste Wachspanschereien zu reagieren, halte ich für sehr sinnvoll. Offensichtlich geht's ja nicht um Maximierung der Honigleistung, sondern um mögl. unbelastete Bienenhaltung.

    Die regelmäßige Entfernung von Drohnenbrut unterbleibt dann wohl auch, worin ich kein Problem sehe - im Gegenteil.


    Ob 3 * 9-Konzept oder TBE - es ist ja nicht so unterschiedlich und führt zu neuem Brutnest zur rechten Zeit. Ob die Milbenreduktion jedoch allein mit Fangwaben der Theorie folgt ? - ich habe da andere Erfahrungen machen dürfen; vielleicht auch wg. kleiner methodischer Fehler meinerseits. Die Notfalloption OXS halte ich nach wie vor für sehr hilfreich...


    Da bin ich sehr gespannt auf Deine Berichte.


    Viel Erfolg!


    Rainer

  • Die zugelassene Säuren werden mit dem Zusatz ad. us. vet. (ad usum vetrinarium). Daher ist die Bezeichnung Medikament / Arznei dafür vollkommen korrekt.

    Du beziehst dich auf einen juristischen Standpunkt, da hast du Recht. Um den gehts aber nicht. Es geht aber eher um eine Art moralische Wertung dahinter.

    Der heutige Mensch sieht die meisten Medikamente als hochkomplexe, synthetisch hergestellte Chemikalien, mit dessen Umgang Vorsicht geboten ist, da auch nicht unwesentliche Nebenwirkungen in Erscheinung treten. Wenn wir Imker suggerieren, wir schütten "Medikamente" in die Kiste, hat das unweigerlich eine sehr negative Beinote, die erklärungsbedürftig erscheint.

    Ameisensäure, Oxalsäure und Milchsäure sind eben keine klassischen Medikamente, wie sie der Volksmund versteht. Es sind natürlich und in vielen Organismen vorkommende Stoffe

  • Es geht aber eher um eine Art moralische Wertung dahinter.

    ...

    Ameisensäure, Oxalsäure und Milchsäure sind eben keine klassischen Medikamente, wie sie der Volksmund versteht. Es sind natürlich und in vielen Organismen vorkommende Stoffe

    ... u.a. im Honig kommt AS und OXS in kleinsten Mengen natürlich vor.


    Ob Medikament oder nicht bestimmt die Rechtslage, nicht der moralische Impetus. Es ist zwar modern, moralische Eigensichten über geltendes Recht zu stellen, jedoch ist es damit nicht richtiger. Würden wir uns alle auf eigene moralische Standpunkte verlassen, kämen wir in "Teufels Küche"; denn Moral ist für jeden ein bisschen anders. Das Recht an sich ist aber der gemeinsame Nenner und darum sehr, sehr wertvoll.


    Meine Meinung

  • Hallo Martin,

    Das sind biologische Säuren, alle ohne Apothekenpflicht, ich würde sie nicht als Medikamente sprich Pharmazeutika bezeichnen. Wo würde das aufhören? Sind Zitronensäure und Essigsäure dann auch Medikamente?

    Die eindeutige Nutzung des Begriffes würde ich bei der Definition von Medikament sehen:

    Zitat


    Ein Arzneimittel (von arznei: Heilkunde, Heilkunst, Heilmittel, Arzneimittel, Pharmazie) oder gleichbedeutend Medikament (lateinisch medicamentum ‚Heilmittel‘) ist ein Stoff oder eine Stoffzusammensetzung, der bzw. die „zur Heilung oder zur Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten“ bestimmt ist oder sich zur Beeinflussung physiologischer Funktionen eignet oder eine medizinische Diagnose ermöglicht.


    Demnach ist jeder Stoff, den man einbringt, um eine entsprechende Heil- oder Diagnosewirkung zu erzielen ein Medikament. Wenn ich also Bienen mit Puderzucker ausschüttele, um den Varroabefall zu messen - Diagnose. Ist der Puderzucker ein Medikament.


    Invertiere ich Puderzucker mit Hilfe von Zitronensäure - sind weder Zitronensäure noch Puderzucker ein Medikament, sondern Futter (vorsicht HMF berücksichtigen). Setze ich gezielt Zitronensäure zu, um über den pH-Wert eine physiologische Funktion zu beeinflussen - wird Zitronensäure selbstverständlich zum Medikament.


    Hier geht es nur um Sprache, aber vor derm Hintergrund der obigen Definition, empfinde ich eine Formulierung wie "Ohne Medikamente und Säuern" als überflüssige Verdoppelung, ja sogar für falsch, weil nahegelegt wird, dass diese Säuren, keine Medikamente wären.


    Ich erwarte tatsächlich, wenn jemand von sich behauptet, er (oder sie) würde ohne Medikamente imkern, dass auch keine organischen Säuren eingesetzt werden. (Die Puderzuckerdiagnose würde ich tatsächlich geflissentlich ignorieren)


    Ich pflichte dir bei, wir sollten eine eindeutige Sprache nutzen. Aber diese sollte sich auch an die entsprechenden Definitionen halten.


    (Redet jemand von behandlungsfreier Imkerei, fallen selbstverständlich auch alle Brutentnahmen, gezielte Ablegerbildung, Drohnenbrutschneiden etc. weg. Aber das ist dann wirklich die nächste Definition. Allerdings, kommt mir ein Veterinär mit Behandlungspflicht - würde ich tatsächlich diese Behandlungsformen anführen.)


    Also Martin - viel Erfolg beim Imkern ohne Medikamente - aber die Puderzuckermethode, oder auch alternativ die CO2 Methode, möchte ich dir (für die Diagnose) dringend ans Herz legen.


    Gruß

    Ludger

  • Ich verstehe es wie Vivajohn , mit dem Begriff " Medikament" sind in der öffentlichen Wahrnehmung

    bestimmte Assoziationen verbunden. Ob das rechtlich, moralisch , sonst wie zutreffend und gerechtfertigt ist, scheint mir unerheblich. Vom Kunden aus betrachtet, stehe ich als Imker/ in in keinem verkaufsfördernden Umfeld, wenn mein Produkt "Honig" mit "Medikament" in Verbindung gebracht wird. Darum geht´s doch, oder ?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von 08022019 ()

  • ... u.a. im Honig kommt AS und OXS in kleinsten Mengen natürlich vor.


    Ob Medikament oder nicht bestimmt die Rechtslage, nicht der moralische Impetus. Es ist zwar modern, moralische Eigensichten über geltendes Recht zu stellen, jedoch ist es damit nicht richtiger. Würden wir uns alle auf eigene moralische Standpunkte verlassen, kämen wir in "Teufels Küche"; denn Moral ist für jeden ein bisschen anders. Das Recht an sich ist aber der gemeinsame Nenner und darum sehr, sehr wertvoll.

    Es geht doch hier nicht darum, moralische Eigensichten über die Rechtslage zu stellen...

    Die Rechtslage bleibt die Rechtslage und wird herbei gezogen, wenns darum geht, Recht zu sprechen oder im juristischen Dinge zu analysieren.

    Das ändert nichts daran, wie Leute im allgemeinen Umgang den Terminus "Medikament" deuten, interpretieren und assoziieren.


    Ich kanns auch von der anderen Seite hergehen:

    die organischen Säuren werden nur deshalb juristisch als Medikament angesehen, um Behandlungen regulieren zu können.