Lohnt sich ein Imkerschild an der Haustür?

  • Bei mir sieht man beim Vorbeifahren oder Vorbeilaufen (aus der einen Richtung) zunächst die Bienen auf der Wiese hinter dem Haus sehr deutlich. Dann kommt man im weiteren Verlauf der Straße nach einer Kurve wieder an der anderen Seite am Haus (also an der Vorderseite mit dem Gartentor zur Straße) vorbei. Die Straße wird von Anwohnern und am Wochenende auch von Ausflüglern benutzt und man darf nur 30km/h fahren.

    Anfangs hat sich so schneller im Ort herumgesprochen, dass man bei mir auch Honig kaufen kann. Damit kamen Kunden, die mich zumindest vom Sehen sowieso kannten. Einige kommen seitdem regelmäßig oder haben meinen Honig sogar weiterempfohlen oder verschenkt und damit weiter Werbung gemacht.

    Zusätzlich haben einige Leute wegen des Schildes geklingelt, die es sonst keine Möglichkeit gehabt hätten, das zu erfahren. Manche waren Touristen von weiter weg und kamen nur einmal, aber andere kommen regelmäßig wieder, wenn sie gerade wieder zum Ausflug in der Nähe waren.

    Ich verkaufe dank dem Schild jetzt wirklich nur ein paar Kilo mehr im Jahr als ohne, aber das Schild ja eigentlich kein Aufwand und ziert das Haus.

    Wichtig ist aber wohl, dass man dort eh vorbeiläuft oder gut halten kann und häufig jemanden antrifft. Nach spätestens zwei vergeblichen Versuchen wird wohl fast jeder künftige Neukunde seinen Honig lieber woanders holen.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich denke ein Schild ist ein "Musthave", wenn man an der Haustür verkaufen will. Da gibt es natürlich auch einige Nachteile, die man zuvor bedenken sollte (die Leute klingeln zu den unmöglichsten Zeiten und wollen häufig schwatzen was das Zeug hält ;)).

    In einem Mietverhältnis muss das natürlich zuvor abgeklärt werden und auch entsprechend auf dem Schild vermerkt werden, damit nicht die Nachbarn belästigt werden.


    Bei uns ist es so, dass wir keine Durchfahrtsstraße, sondern eine Zufahrststraße zu einem größeren Wohngebiet sind. Verkehr nicht so ganz wenig, 30er Zone.

    Anfangs tat sich mit dem Schild gar nichts, wir haben uns schon gewundert. Hat seine Zeit gedauert, dann haben die Leute gefragt. "Das Schild ist mir schon ein paar mal aufgefallen... gibt es auch Honig bei Ihnen?".

    Dann war klar: Anscheinend muss man wirklich explizit nochmal drauf schreiben, dass der Honig auch bei uns zu bekommen ist.

    Wir haben jetzt ein kleines Schild zusätzlich dran. Ich habe es beidseitig bedrucken lassen. Momentan sieht man "Honig leider ausverkauft", auf der anderen Seite dann entsprechend der Hinweis, dass wieder frischer Honig hier erhältlich ist.


    Während die meisten Nachbarn vor dem Haus Stellplätze oder Kiesgärten anlegen, habe ich letztes Jahr ein Beet mit Insektenfreundlichen Pflanzen angelegt. Das gab Gesprächsstoff in der Nachbarschaft und war beste Werbung!

    "Das will nicht sagen, daß die Imker eine Versammlung von irgendwie seelisch "angeknackten " Menschen wären. Aber wer das ist oder wer das verhüten will, dem kann ich mit gutem Gewissen raten: Schaff Dir Bienen an!"

    Edmund Herold in "Neue Imkerschule", 1965

  • Dazu vielleicht eine ergänzende Frage: Wie sind denn eure Erfahrungen, wenn man neben dem Schild noch eine Klappe mit einer Kasse des Vertrauens hat, und dort ein paar Gläser reinstellt? Klappt das, wird so etwas angenommen oder wird da zu viel geklaut?

    Dankeschön!

    Über meine Erfahrungen mit der Kasse des Vertrauens und meinem kleinen SB-Verkaufsstand habe ich im verlinkten Thread berichtet. Dort wurde auch schon die Diebstahl-Thematik recht ausführlich diskutiert. Bei mir sind es im Schnitt gute 10%, die fehlen. Sehr ärgerlich, wenn ich es Diebstahl begreife, daher sehe ich es aus Selbstschutzgründen als Vertriebskosten um mich weniger zu ärgern ;-)


    Unter dem Strich ist es aber eine gute und recht effiziente Methode, wenn man einen geeigneten Standort hat.

  • Hat seine Zeit gedauert, dann haben die Leute gefragt. "Das Schild ist mir schon ein paar mal aufgefallen... gibt es auch Honig bei Ihnen?".

    Dann war klar: Anscheinend muss man wirklich explizit nochmal drauf schreiben, dass der Honig auch bei uns zu bekommen ist.


    Erinnert mich an den Spruch einer Frau aus den Anfangstagen:


    Eine Frau erzählt sinngemäß im Gespräch:

    "Das sie als Imker Bienen halten weiß ich ja,

    aber das es bei ihnen auch Honig gibt wußte ich nicht !"


    Seitdem steht auf unserem Schild ganz groß:

    Honig und kleiner darunter erst Imkerei


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Ich wohne in einer Sackgasse außerhalb des Dorfes, daher habe ich bis jetzt noch nicht wirklich über ein Schild nachgedacht, allerdings hat mich letztens ein Pizzabote (ziemlich dunkler Teint, Turban und Rauschebart) in gebrochenem deutsch angesprochen, ob ich Honig zu verkaufen hätte.......

    Auf meine Frage woher er das denn wisse, hat er geantwortet, dass eine Kollegin im Sommer geliefert habe und die habe die Bienen gesehen..........

    Ich bin echt am überlegen ob ich nicht doch ein Schild anbringe.


    Jäger

  • Hallo,

    Ich bin echt am überlegen ob ich nicht doch ein Schild anbringe.


    Jäger


    Schaden tut es nicht ....

    .... im Gegenteil, es hebt die eigene Reputation:

    "Bienen und Imkerei" sind derzeit recht positiv besetzt.


    GrillGruß

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Ich habe ein grosses selbstentworfenes Schild vor der Haustür.

    Zu einer guten Marketingstrategie gehört es dazu. In dem Schild finden sich die Elemente meiner Etiketten wieder, die von einen Deisgner und mir entworfen wurden.


    Ich habe alleine drei Imker die verkaufen im Dorf. Mit einem gelben Schild oder dem DIB Plakat kommt man nicht weit.

    Das war auch der Grund warum ich mich gegen das DIB Glas entschieden habe.

    Es gibt hier zuviel Konkurrenz davon und man keine Chance zur individuellen Gestaltung. Nebenbei spart man sich den Stress der Etikettenbeschaffung und des Kaufs der Gläser. Die sind zudem zu teuer.

    Teile meiner ehemaligen Vereinskollegen sind jetzt gezwungen in einem anderen Verein einzutreten, damit sie die Sachen noch erhalten. Auch wenn denen auch die Lust an dem Verband gehörig vergangen ist.

    Interessant ist die Diskussion mit dem Honig verkaufen auf dem Schild.

    Diese habe ich mit Desiger auch geführt. Ich habe es nicht auf dem Schild.

    Es ist tatsächlich so, dass Imkerei nicht reicht. Ich wurde etliche.mal gefragt, ob ich auch Honig verkaufe. Ohne Kommentar.

    Ich werde mir noch ein Schild machen mit Honig zu verkaufen.

    Ob sich diese Massnahmen im einzelnen immer rechnen, wage ich zu bezweifeln.

    Nur von nichts kommt nichts und der Kundenstamm ist der Firmenwert des Imkers.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Hallöle,

    Ob sich diese Massnahmen im einzelnen immer rechnen, wage ich zu bezweifeln.

    Nur von nichts kommt nichts und der Kundenstamm ist der Firmenwert des Imkers.

    Genau das ist es.
    Marketing lässt sich häufig nicht in Zahlen bemessen.
    Deswegen finde ich das hier oft gelesene Argument "eine Homepage rechnet sich nicht" schwierig.
    Wir haben eine Homepage und einen Facebookaccount und haben in den letzten zwei Jahren einen sehr guten Bekanntheitsgrad in unserer Kleinstadt aufbauen können. Natürlich gibt es einiges an Konkurrenz, aber die kennt fast keiner - selbst ich kenne nicht alle.
    Wieviele unserer Honigkunden über die Plattformen oder das Schild kommen, kann ich unmöglich beziffern, aber wir haben einen Namen, was viel wert ist.

    Neulich wurde meine bessere Hälfte (Handwerker) von seinen Kunden angesprochen: "Wir haben gesehen, dass ihr Honig schon ausverkauft ist! Auf facebook!"
    Da waren wir beide baff, als er das Abends erzählte. Sie konnten das sogar ihm direkt zuordnen, nicht nur dem Namen nach.

    liebe Grüße
    Marie

    "Das will nicht sagen, daß die Imker eine Versammlung von irgendwie seelisch "angeknackten " Menschen wären. Aber wer das ist oder wer das verhüten will, dem kann ich mit gutem Gewissen raten: Schaff Dir Bienen an!"

    Edmund Herold in "Neue Imkerschule", 1965

  • Ich habe seit Mitte letzten jahres ein selbst gestaltetes Holzschild aufgestellt. Die Lage ist eine Siedlungsstrasse in einem Wohngebit (30er Zone), Dorf mit ca. 7000 Einwohnern.

    Im letzten Jahr hatte ich wenige Leute die aufgrund des Schildes Honig gekauft haben.

    Interessant finde ich allerdings die Zielgruppe die damit erreicht wurde:

    - eine ältere Dame, die auch "früher" - also vor zig Jahren - ihren Honig immer beim Imker gekauft hat

    - ein Nachbar - "Ihre Bienen trinken immer das Wasser aus meinem Gartenteich, bekomme ich den

    Honig jetzt günstiger " ;)

    - eine polnische Familie


    Wie bei allen Marketingmaßnahmen erreicht man m.E. nur eine bestimmte Zielgruppe mit dem Schild.

    Die Frage ist doch u.a. ob diese Zielgruppe ohne Schild überhaupt erreicht würde.

  • Die Frage wurde jetzt nicht gestellt: Ist so ein Schild möglicherweise eine "Einladung" an Kontrolletis?

    Meinen Honig sieht man sonst nicht öffentlich (außer im Internet), ich musste bisher noch nie eine Kontrolle erdulden, durch wen auch immer.