Wieviel Bienen pro Standort?

  • Liebe erfahrene Imker,


    hier mal wieder eine Neulingsfrage: Wie kriege ich raus, wieviele Bienen(völker) ich an einem Standort unterbringen kann, so dass alle noch bestens versorgt sind, und wir gleichzeitig möglichst viel Honig bekommen?


    Die Trial & Error Methode "stell einfach die doppelte Menge Völker auf und guck, ob's funktioniert" tut's nicht - da fehlen uns noch ein paar Völker für :smile:


    Gibt es irgendeine 'einfache' Formel á la "pro Volk 5 Trachtbäume jeder Sorte" oder sowas?


    Zum Beispiel im Moment: Bei 19 riesigen alten blühenden Linden fühlen sich unsere beiden Völker (jeder hat mal klein angefangen :smile: sicherlich im Bienenparadies, aber wieviel mehr Völker könnten da jetzt Lindenhonig rausholen?


    Wieviele Akazienbäume müssen in einem kleinen Mischwald stehen, damit z. B. 4 Völker zu ihrem Recht und viel Honig kommen?


    Herzlichen Dank vorab für eure Hilfe


    Hedwig

  • Hallo,


    glaube mal bei einem Vortrag von Herrn Dr. Büchner (Leiter von Kirchhain) gehört zu haben, daß ein Bienenvolk als Ernährungsgrundlage einen Umkreis von ca. 500 m braucht, keine Massentrachten und Monokulturen an Bienenweide vorausgesetzt.

    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft

  • Zitat Anfang:
    Ernährungsgrundlage einen Umkreis von ca. 500 m braucht,


    Lieber Dieter,


    das wären 78,5 ha!
    Zitat Ende. lt. Friedhelm!


    Ich will ja nicht den Schullehrer spielen, aber ein Umkreis von 500 m sind 2.500 m/2. das sind 1/5 ha - im Gegensatz dazu sind 78,5 ha - 7850000 m/2. Die Bienendichte ist laut vielfältigen Untersuchungen mit 20 Völkern pro Standplatz, wenn ein normales Trachtangebot herrscht, die oberste Grenze, dabei ist nicht der Nektarertrag die Grenzbemessung, sondern die Pollenvorkommnisse, z. B ist ist von einem Lindenbaum im Mittel der Nektareintrag höchstens 700 - 1000 gr pro Baum zu bemessen, es werden dies mit Sicherheit Zahlen sein, die angezweifelt werden, aber es stehen wissenschaftliche Untersuchungen hinter den Zahlen. Es gibt natürlich auch andere Arten der Bienendiichte beim Waldhonig, soviele Völker könnte man nicht in den Wald stellen, dass bei einer Waldtracht die Gefahr bestünde, dass die Bienen den ganzen Nektar abtransportieren könnten. Aber der Normalfall ist, dass ich an 2 Standplätzen mit je 20 Völkern mehr geerntet werden kann, als bei einem Standplatz mit 40 Völkern, also bei normaler Vegetation kann man 20 Völker als Obergrenze betrachten.

  • Hallo Franz Xaver,
    ich schätze deine Meinung als Imker sehr, aber halte dich bitte auch an deinen Einleitungssatz und versuche nicht den Schullehrer zu spielen, vor allem nicht als Mathematiklehrer.
    1 ha = 10 000m2 -> 2500 m2 = 1/4 (nicht1/5)
    Die Flächenformel für die Kreisfläche ist: r*r*pi -> Nemmen wir die Angabe von 500 m als r ergibt r*r 250 000 m2. Das Ganze noch mal der Kreiszahl pi ergibt wie, es Friedhelm richtitg errechnet hat, eine Fläche von 78,5 ha.
    Wäre es nicht so, hätte unzählige Generationen falsch gerechnet.
    Was mathematisch überlegt werden könnte, ist die Frage sind die 500 m der Durchmesser oder der Radius des Kreises, aber es bleibt eine mathematische Spielerei.
    Richtig ist sicher, dass die vorhandene Vegetation im Umkreis eine wesentlichere Rolle spielt. Hier wäre eine Aufstellung interessant, welche Pflanzenanzahl oder -fläche eine Bienenvolk ernährt.
    Nichts für ungut


    Werner Egger

  • Liebe Imkerfreundinnen und Imkerfreunde,


    die 500 m sind bestimmt aus dem Zusammenhang genommen.


    Denn bei den meisten Deutschen und EU Verordnungen geht man davon aus, dass Bienen nur 500 m weit fliegen können und nicht höher als 500 m fliegen würden. Die amerikanischen können aber 800 m, in der ehemaligen DDR 1500 m! Weil ich in meinem Leben schon zuviel mit diesen Verordnungen zu tun hatte, und selbst diese Flugdistanzen nicht glaube, wäre ich froh, wenn die Imkerverbände doch ehrlich zu sich selbst wären. Man sieht aber daß in anderen Staaten die Bienen flotter sind!:smile:


    Es kann doch wohl nicht sein, daß die Distanzen bei Futtergrundlage, Reinzucht und Feuerbrandverordnung unterschiedlich sind.


    Als Wissenschaftler lernt man dann, Verbände lassen grüßen!:sad:


    Gruß FB

  • Hallo zusammen, bei der Frage, wieviele Völker ein Bienenstand verträgt, würde ich mir zuerst die nähere Umgebung ansehen. Mischgebiete vertragen mehr Völker als reine Ackerflächen. Auch die Zielausrichtung der Imkerei ist mit zu berücksichtigen. Eine Haupt- oder Nebenerwerbsimkerei wird auf einem Standplatz mehr Völker aufstellen wie ein Hobbyimker, schon wegen der Fahrtkosten. Ich halte vier bis zehn Völker in meiner Umgebung für angemessen.Woanders und bei Massentrachten wird das anders aussehen. Aus älteren Berichten habe ich aber auch schon angaben von bis zu Hundert und noch mehr Völkern gelesen.Zu Fragen des Flugkreises sind mir Angaben bis zu sieben km bekannt, die sich in der Honigernte bemerkbar gemacht haben solen. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Imkerkollegen,


    freut mich, daß mein Beitrag eine so lebhafte Diskussion verursacht hat.


    Hier noch eine Ergänzung zu meinem Beitrag:


    Ein Thema des Vortrages von Herrn Dr. Büchner war das Leben des Bien unter natürlichen Voraussetzungen, Beispielsweise ein Schwarm, der auszieht und sich in freier Wildbahn sesshaft macht. Welche Voraussetzungen müssen vorhanden sein, damit dieser Schwarm im hessischen, waldreichen Mittelgebirge überleben kann. Nicht in Betracht gezogen wurden die Varroa, oder bestimmte Bienenrassen, nehmen wir also einmal die "deutsche Landrasse" an. Auch nicht in Betracht gezogen wurden Massentrachten wie Raps oder Sonnenblumen.


    Der wichtigste Punkt bei allem ist wohl die Durchlenzungsphase. In Dorf- oder Stadtnähe mit vielen Bauern- oder Vorgärten finden die Bienen reichlich und vor allem anhaltend von Menschen unbewußt bereitgestellte Nahrung. In der Feld- Wald- und Wiesenflur sieht das aber ganz anders aus. Welche Strecken müssen die Bienen zurück legen um ihre erste Brut ernähren zu können - je größer die Strecken, um so höher die Bienenverluste, je höher die Bienenverluste, um so niedriger der Schnittpunkt, je niedriger der Schnittpunkt, um so größer die Ausfälle bei ungünstiger Witterung etc.


    Wir sollten diese Diskusion konstruktiv fortführen um auch den interessierten Nichtimkern zu zeigen, daß nicht nur Wabenmaß, Bienenrasse und Beutenart, die wichtigsten Punkte in einer Imkerei sind.




    _________________
    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: drohne2000 am 2002-06-10 22:18 ]</font>

    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft

  • Als letztes Jahr im Nord-Schwarzwald die Tanne honigte da waren an jeder Ecke Bienenstände. Manchmal über 300 Völker auf einem Haufen, und die hatten alle was drin. Es kommt doch ganz darauf an welche Tracht genutzt werden soll. Honigt die Akazie gut dann reicht mit Sicherheit ein einziger Baum für ein einziges Volk. Honigt sie aber nicht so ist jedes Volk zuviel am Platz. Wird dann noch schlampig an den Bienen gearbeitet und kommt Räuberei auf, dann gibt es schnell böses Blut und die anderen Imker sind dann keine Kollegen mehr.

  • Liebe Imkerfreundinnen und Imkerfreunde,


    man hört soviel über Nachhaltigkeit. Übertragen auf unsere Bienen wäre es schön, sie könnten an allen Standorten ganzjährig überleben. Das setzt aber eine Futtergrundlage voraus.


    Interessant wären die Biennedichten vor 1946 / ha im Vergleich zu heute. Wieviele Bienenstände mußten aufgegeben werden nach Einführung der chemischen Unkrautbekämpfung. Die agrarische Schadensschwelle ist nicht 0/m2. Trotzdem blüht in den Getreidebeständen nichts und Landwirte bei denen was blüht, werden in den sozialen Zwang der Berufskollegen genommen!


    Gruss FB

  • Hallo,


    zwischen den Flächen, die Bienen befliegen können und den Flächen, die sie brauchen, sind große Differenzen. Aus den Untersuchungen von T.D. Seeley geht hervor, daß Bienenvölker auf einer Fläche von fünf bis sieben Kilometern Radius sammeln (das entspricht Lothars Angabe). Er hatte seine Völker aber bewußt in trachtarme Gegenden gesetzt. Geht man dagegen von den Honigerträgen verschiedener Pflanzen aus, ergibt sich ein anderes Bild.
    Werte aus G. Pritsch: Bienenweide:
    Raps: 32 - 60 kg/ha
    Steinklee: 250 - 600 kg/ha
    Himbeere: 39 - 109 kg/ha
    Ahorn: 200 - 550 kg/ha
    Schlehe: 25 - 40 kg/ha
    Robinie: 195 - 1.000 kg/ha
    Sonnenblume: 50 - 80 kg/ha.
    Für die knapp 100 kg Honig, die ein Volk pro Jahr braucht, würde also schon ein Hektar reichen. Leider ist es unmöglich, den Jahresbedarf innerhalb zweier Wochen Tracht einzubringen (z. B. bei Monokulturen). Und, wie schon erwähnt, sind in unserer heutigen Landschaft Trachtflächen dünn gesät - Futtergräser, Zierrasen, Getreide- und Kartoffelfelder, Beton- und Teerflächen, Thujahecken und Zierpflanzen, denen die Nektarien und Staubgefäße weggezüchtet wurden. Brachen und Äcker mit reichlich Wildkräutern - wo gibt es die noch.


    Friedhelm, die Änderung der Bienendichte seit 1946 ist kein Anhaltspunkt für den Einfluß der Agrarchemie. Der große Zusammenbruch der Völkerzahlen geschah im Osten nach der Wende, als die Imkerei sich nicht mehr lohnte.


    Grüße, Thomas

  • Lieber Imkerfreund Thomas,


    die alten Imker erzählen immer von idealen Bedingungen vor 1946 und vollen Honigräumen auch im Sommer durch Ackerunkräuter!


    Ob das Imkerlatein ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich damals noch nicht auf der Welt war.


    Leider haben wir zu wenige Imker aus dieser Zeit, die man noch fragen könnte!


    Gruß Friedhelm

  • Guten Tag, Friedhelm,


    die chemische Unkrautbekämpfung ist sicher ein Faktor, da hast Du absolut Recht. Dazu kommt dann noch, wenigstens hier bei uns, die Mechanisierung der Landwirtschaft und vor allen Dingen die sog. „Flurbereinigung“. Es ist seit dem 2. Weltkrieg der ganze Stolz von Generationen von Bürgermeistern, ihre Ackerflächen zu arrondieren, mit einem möglichst befestigten Wegenetz zu versehen und möglichst große durchgehende Flächen ohne störende Bäume und Gebüschinseln zu schaffen. Wer einen 8-scharigen Pflug am Schlepper hat, wendet nur dann, wenn er unbedingt muss.
    Eine strukturierte Landschaft mit Hecken, Büschen , Baumbeständen usw. kannst Du in diesen Gegenden lange suchen.
    Ebenso arm ist dort die Tier- und Pflanzenwelt.




    Grüsse


    M.



    _________________
    http://www.imkerei-plein.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Michael am 2002-06-11 13:08 ]</font>

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-