TBE mit Fangwabe ohne 2. Sommerbehandlung

  • Hallo Profis,


    wie mancherorts behauptet wird reicht eine TBE mit Fangwabe bis zur Winterbehandlung aus.

    Kann das jemand bestätigen ?

    Laut Varroasimulator ist ein Volk, das mit 100 Varroen im Januar startet trotz optimistisch angenommener 95% Behandlung im Juli trotzdem Mitte Oktober bereits tot.


    1.) Funktioniert TBE + Fangwabe alleinig ?

    2.) Welche realistische Varroazahl kann man denn für Januar annehmen, wenn Oxalsäureträufeung im Dezember durchgeführt wird ?


    DANKE!

  • Also ich schmelze seit ein paar Jahren alle Waben des Brutraums im August bei den Völkern ein. Fangwabe find ich zu aufwändig, Brutwaben werden komplett eingeschmolzen.

    Im November-Dezember 1 bis 2 Bedampfungen mit Ox das war`s an Behandlungen. Drohnen schneide ich seit Jahren nicht.

    Verluste dies Jahr etwa 5%, der Rest ist noch wohl auf.

    Bis jetzt klappt`s ganz gut.

    Ich hab aber auch relativ wenige Imker im Flugkreis.

  • Hier kann man in aller Ausführlichkeit nachlesen, daß und warum TBE mit zwei FangW zuverlässig funktioniert ganz ohne TAM. Man kann sogar die vermilbte Brut in den FangW des Brutsammlers noch retten und daraus ein überwinterungsfähiges Volk aufbauen - allerdings mit TAM nach Schlupf bei Brutfreiheit - nicht nur theoretisch, sondern nach mehrfacher praktischer Erfahrung(#148, 155, 160, 286):


    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler


    Dr. Radtke hat ein etwas anderes Konzept mit TBE + 1 FangW + TAM entwickelt und bereits als Student praktiziert (also seit vielen Jahren). Es kann auch im Mai mit dem zusätzlichen Effekt der Schwarmverhinderung eingesetzt werden. Ausführlich ist es beschrieben in seiner Dissertation bzw. in seinem Vortrag zur "Hohen Neuendorfer Betriebsweise" etwas knapper, dafür mit bunten Schemata (jeweils Variante 5):


    https://d-nb.info/1025135512/34

    https://www.bioland.de/fileadm…tke_Varroabekaempfung.pdf

  • Hallo Soapp,


    zu 1.) TBE + Fangwabe, sauber durchgeführt, ersetzt in meinen Augen mindestens eine gut funktionierende Sommerbehandlung (z.B. Langzeit mit Ameisensäure) Ich habe auch Zwei Linien, bei denen ich damit (Dieses Jahr - bis auf 2 Ausnahmen) bis zur Winterbehandlung auskomme. (Eine aus dem VSH Projekt Buckfast NRW, eine "normale" Buckfastlinie) Bei meiner zweiten Buckfast Herkunft, komme ich damit definitiv nicht aus und ich muss zwischendurch Maßnahmen ergreifen. Und ja - insbesondere dieses Jahr, kann ich diese Unterschiede ziemlich deutlich den Herkünften zuordnen.


    zu 2.) Wirksamkeiten werden immer in % angegeben. D.h. im Umkehrschluss auch, dass die Restzahl der Milben nach Behandlung, von deiner Ausgangssituation vor der Behandlung abhängig ist. In der Schweiz werden 50 Milben als tolerabler Rest nach Winterbehandlung angegeben. Wenn wir - wegen der Sicherheit - eine 90% Wirkung für die Träufelung annehmen, sollten also bei der Winterbehandlung nicht deutlich mehr als 500 Milben fallen, um diesen Wert annehmen zu können.


    100 Milben als Startpopulation ist definitiv ein hoher Wert für deine Simulation. Ich rechne üblicherweise mit 30. Aber auch dann, sollten in den meisten Simulationen die Völker nicht mit einer Einzelbehandlung von 95% Wirksamkeit auskommen. Du kannst aber in den Simulator von Randy Oliver (scientificbeekeeping.com) auch noch Bienenspezifische Faktoren z.B. zur Unterdrückung des Milbennachwuchses einfließen lassen. Da kannst du mal "Was wäre wenn - Spiele" durchführen.


    TBE + Fangwaabe - wie alle Milbenbehandlungen - ist keine Garantie dafür, dass du auf jede weitere Behandlung bis zum Winter verzichten kannst. Aber bei guten Völkern funktioniert das. Wie bei jedem Verfahren muss man die Milben weiter im Blick behalten.



    Gruß
    Ludger

  • Ich kann nur von meinen Erfahrungen als Hobbyimker mit TBE mit EINER Fangwabe berichten, das ich seit mehreren Jahren anwende. Lediglich bei einem meiner Völker, bei dem ich eine gute Genetik bzgl. VSH vermute, konnte ich in diesem Jahr auf eine Sommerbehandlung mit TAM verzichten, ohne dass der natürliche Varroafall zum Herbst stark anstieg; dieses Volk hatte als letzte TAM-Behandlung AS im Sommer 2017. Einige andere Völker wiesen nach TBE im August einen relativ geringen Varroafall auf,was mich veranlasste, auf eine Sommerbehandlung zu verzichten. Im September stieg der Varroafall für mich unerwartet drastisch an, was mich zu einer "Notbehandlung" mittels MS-Blockbehndlung veranlasste. Eines dieser Völker hat sich inzwischen, wohl mit Varroaschaden, verabschiedet. Meine persönliche Schlussfolgerung ist, dass nach TBE mit einer Fangwabe in den meisten Fällen noch eine Sommerbehandlung mit AS oder - sofern zugelassen - OS erforderlich ist.

    Mittelfristig hoffe ich auf genetisch verankerte VSH-Eigenschaften.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Welchen Varroa-Simulator meinst du?

    Ich kenne nur den von den Honigmachern und da gibt es keine TBE sondern nur Drohnenbrut schneiden (Frühjahr), AS (Sommer) und OX (Winter).

    Entscheidend ist auch nicht, was ein Simulator sagt, sondern, wie sich ein Volk im Laufe eines Jahres entwickelt und sich die Kö macht. Hier spielt auch Genetik eine große Rolle.

    Ralph/Kleingartendrohn hat sich viele Gedanken dazu gemacht (siehe ribes link) und auch viel selbst erfahren und ausprobiert.

    Ich denke, dass das Verfahren schon recht durchdacht ist und wenig Fehler aufweist.

    Aber nicht jedes Volk entwickelt sich gleich und nicht jedes Volk kommt mit den Milben gleich gut klar.

    Und wenn der hinter der Kiste Fehler macht, bzw. nicht sich konsequent an das Vorgehen hält, kann es schnell zu komplett zusammenbrüchen kommen.

    Ich halte mich da auch eher an TBE mit FangW plus Oxamat. Da werden kleine Fehler noch ausgebügelt.

    Also auf deine Frage:
    Ja, TBE plus Fangwabe alleine funktioniert.

    Bei der OX-Träufelung kommt es ja auf die Wirksamkeit an. Also pauschal mag ich die zweite Frage nicht beantworten.

    Was ich aber aus den letzten Beiträgen in den verschiedenen Fäden gelesen habe, sind eine Fallzahl von max. 400 bis 500 Milben im Winter, was die Schadschwelle angeht, womit ein Volk noch leben kann.

    Umgedreht, wenn man von einer 90% Trefferquote ausgeht, verbleiben bei 400 bzw. 500 Milben, die gefallen sind, ca. 40-50 Milben im Volk.


    Ok, ihr wart schneller;-))

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: