Weisellos- vereinen oder warten?

  • Oft merkt man ja erst im Frühjahr, dass ein Volk weisellos ist.

    Durch die Kontrolle der Windeln bei einem meiner stärker varroabefallenen Völker habe ich aber vor ein paar Tagen sehr deutlich ein Heulen bis zu 4 mtr weg gehört.

    Sie waren sehr laut. Am nächsten Tag habe ich die Königin tot auf dem Gitterboden gefunden. Das Volk ist noch immer lauter als die anderen. Nicht annähernd so laut wie kurz nach Weiselverlust, aber hörbar lauter.


    Frage: Ich könnte es mit einem anderen Volk vereinen, ( aufsetzen) sobald die Restentmilbung abgeschlossen ist, aber alle meine Einzarger werden 2 zargig überwintert und sitzen zur Zeit auch alle auf 2 Zargen. Dann hätte ich einen 4 Zarger....macht das Sinn?


    Andererseits hätte das Volk den ganzen Winter Stress ohne Weisel, das möchte ich ihnen auch nicht antun...


    Was denkt Ihr?


    Danke, Bettina

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Jetzt ist es doch noch warm genug für einen Umzug von Bienen, die sich nach einer Kö. sehnen (hier zumindest). Ich würde die einfach einem weiselrichtigen Volk aufsetzen. Ihre Restentmilbungsdosis haben sie ja bereits abbekommen.

    a) umständliche Variante bei 5 Grad oder etwas weniger):

    Wenn keine oder kaum Bienen in der oberen Zarge des weiselrichtigen Volkes sitzen (z.B. am Morgen), dann würde ich dessen oberste Zarge abnehmen und das gut eingeräucherte weisellose Volk direkt aufsetzen mit der Zarge, in der die meisten Bienen sitzen*. Dann die FuZ des Weisellosen (mit evtl. Restbienen) darüber. Falls der Futtervorrat knapp ist: - LeerW + FuW. Das ergibt eine Beute mit max. 3 Zargen.

    Die dritte Zarge bzw. die dann bienenleere und futterarme Mittelzarge kann man abnehmen, wenn alle Bienen sich nach unten zur Kö. gezogen haben, also meist 1 Tag später. Futter muß selbstverständlich genügend vorhanden sein - ansonsten gleich beim Aufsetzen unterste Zarge entsprechend vorsichtig umsortieren (- LeerW, + FuW an den Rand des Wintersitzes vom weiselrichtigen Volk) und nach dem Umzug der weisellosen Bienen in die unterste Zarge ->darüberstehende zweite Zarge mit FuW ausstatten oder gegen FuZ austauschen.

    Möglichst keine Bienen von den Waben abfallen lassen, die verklammen sonst.


    b) *einfachere Variante: Wird es sehr warm (über 10 Grad), könnte man sie auch direkt auf die FuZ des weiselrichtigen Volkes aufsetzen. Die Bienen ziehen schnell nach unten zur Kö. des weiselrichtigen Volkes und werden da bestimmt auch gut aufgenommen, da sie infolge der vorherigen Rauchgabe nicht leer wie die Räuber, sondern mit guten Gaben in ihrem vollem Honigmagen kommen wie weiland die heiligen drei Könige. So erspart man sich und den Bienen die v.g. Umsortiererei und nimmt dann nach 1 Tag nur noch die obere 3. Zarge wieder weg.

  • Rauch wenn sie nicht fliegen können ist nix. Einfach irgendwo drauf. Oder, wenn sie mittig sitzen auf den zwei Zargen, ein hier und eine dort drauf. Da passiert nix.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Saugen sich voll bis zum Anschlag, und können dann ggf. wochenlang nicht aufs Klo?

    Hmm, klingt erstmal logisch. Aber ist ein voller Honigmagen für die Bienen wirklich ein Problem? Bekommen die Bienen nicht erst Probleme, bzw. das Bedürfnis abzukoten, wenn nach der Verstoffwechselung noch zu viel übrig bleibt und der Verdauungstrakt hinter dem Ventiltrichter überfüllt wird?


    Dass es nicht viel bringt, sei dahingestellt. Weswegen ich den Raucheinsatz auch nicht empfehlen möchte. Was nichts bringt, soll man lassen. Aber ...


    Gruß
    Ludger

  • Rauch empfahl ich u.a. deshalb, weil das Volk wegen der Weisellosigkeit ziemlich unruhig ist/sein wird. Bienen, die bei jetzigen Temperaturen unvorbereitet sind (d.h. sich nicht auf über 40 Grad für einen Kurzflug hochgeheizt haben) und beim imkerlichen Eingriff von den Waben abfallen oder kurz auffliegen, verklammen dann; angeräucherte tanken erst einmal auf und bleiben eher auf den Waben - so dachte ich mir.

    Ich gebe zu, daß das von hier aus ohne Blick auf das konkrete Volk ziemlich theoretisch ist.

    Ganz kurze Reinigungsflüge haben wir hier heute gehabt und für die nächsten beiden Tage sind noch höhere Temperaturen vorhergesagt.

  • Vielen Dank für die ganzen Antworten. Wieder etwas gelernt. Aber jetzt ist es vielleicht ja gar nicht mehr nötig bei dem Angebot des Siegeners.Ich melde mich bei Dir per pm.

    Danke an alle!

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • So, jetzt kommt nochmal eine zugegebenermaßen ziemliche Anfängerfrage.




    Ich habe jetzt eine Königin vom Siegener.

    Der gab aber noch zu bedenken, dass es ja auch sein könne, dass das Volk still umgeweiselt habe und die beiden Kö relativ lange noch nebenher gelebt haben. Und jetzt die alte tot, aber trotzdem noch eine im Volk sein könne. Dies habe ich erstmal als unwahrscheinlich angesehen, da das Volk an diesem Abend so extrem laut war und an ein paar Tagen später auch lauter als die anderen, wenn man das Ohr dran hielt.


    Allerdings hat sich das in den letzten Tagen gegeben, ich dachte, sie haben sich vielleicht an ihre Weisellosigkeit gewöhnt. Können ja nicht den ganzen Winter so durchheulen, wie sie es anfangs taten.


    Jetzt war ich doch ziemlich verunsichert und wollte das Leben der Kö nicht aufs Spiel setzen. Der Siegener empfahl zur Sicherheit eine Durchsicht, dagegen sträubte sich in mir alles, aber heute knallte die Sonne vom Himmel , am Stand in der Sonne waren es gut 12° und es herrschte reger Flugverkehr bei allen Völkern , und so habe ich es doch gewagt. Ging gut, Volk war total friedlich und ruhig. Was mich auch irritierte, spätestens beim Öffnen heulen sie doch i.d.R wieder, wenn sie weisellos sind?

    Und ich fand keine Kö und keine Brut, aber das Volk ist sehr stark und ich bin nicht gut beim Finden einer nicht gezeichneten Kö, die zudem ggfs nicht mal begattet ist....

    Und dann habe ich in die obere Zarge gut erreichbar mitten in die Traube eine WP eingehängt mit einem kleinen Rähmchen mit jüngster Brut aus dem Apidea, aber sie werden sie im Winter wahrscheinlich gar keine Weisel ziehen?

    Jedenfalls wäre das logisch, das fiel mir dann auch ( zu spät )ein, aber logisch sind die Bienen ja in mancher Hinsicht auch nicht immer, wenn sie z.B Ende Oktober noch still umweiseln, obwohl es kaum noch/ keine Drohnen gibt ( hier schon passiert)


    Vielleicht hätte ich es einfach so lassen sollen, aber ich war unsicher, wollte das Volk auch nicht über Winter ohne Kö lassen, aber auch nichts riskieren....

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Die ist nicht im Käfig. Die ist im kleinen Apidea Volk und hat da ein kleines Brutnest. Im Apidea hätte er sie eh überwintert. Damit hat er gute Erfahrungen ( der Siegener)

    Wie gesagt, eigentlich wollte ich sie einweiseln, aber jetzt bin ich mir eben nicht mehr so sicher..

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Normalerweise ist eine legende Kö. für die Bienen (bei Dir im Apidea) weitaus attraktiver als eine nicht vorhandene/mglw. unbegattete/jedenfalls derzeit nicht legende. Außerdem hat die neue Kö. nicht nur ein Brutnest (nicht auseinanderreißen!), sondern einen funktionierenden und sie schützenden Bienenstaat, noch dazu mit persönlicher Leibgarde. Die dürfte m.E. aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gefährdet sein, wenn man sie in ihrem gewohnten Brutnest zum Zielvolk dazuhängt. Solange es die Außentemperaturen noch erlauben, würde ich das kurz, schnell und schmerzlos erledigen und nicht lange mich in Selbstzweifeln quälen.

    Was ist die Alternative? Abwarten bis zum Frühjahr oder bis zu den für Januar erwarteten Kalttemperaturen? Das würde ich hier nicht tun.

    http://www.langfristwetter.com/langfristprognose.html


    Mein Imkerpate hat mir versucht beizubringen: Erst nachdenken, dann imkerlich handeln. Er hatte die Angewohnheit, mich vor dem Öffnen einer Beute zuerst theoretisch abzufragen: Welche Zustände könnten rein hypothetisch zu sehen sein und wie wäre jeweils darauf zu reagieren? Erst wenn alle Möglichkeiten, auch die unwahrscheinlichen, hinreichend besprochen worden und die Vorbereitungen für alle daraus ableitbaren Handlungsmöglichkeiten getroffen waren, durfte ich an die Bienen heran. Er wollte mich vor unvorbereiteten Überraschungen und nicht genügend überlegten ad hoc-Entscheidungen bei geöffneter Beute bewahren. Manchmal erwische ich mich heute noch, wie ich gegen seine Grundsätze verstoße und gelobe mir dann selbst Besserung...

  • Du hast ja so recht <X.

    Ich weiß aber nicht , ob nicht vielleicht eine legende Kö in der Brutpause drin ist. Die wäre dann ja attraktiver .

    Ich war fest von Weisellosigkeit ausgegangen. Und nur durch die Ruhe im Volk und eine weitere Imkermeinung jetzt unsicher geworden.

    Ich habe auch noch kein weiselloses Volk im Winter gehabt.


    Ich muss einfach noch viel lernen.

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....