Varroatoleranz und Populationsgenetik

  • Es wird irgendwie bei der ganzen Diskussion die Hoffnung geschürt, dass man am Ende einfach Königinnen aus erfolgreichen Linien kaufen könne, und das Problem Varroa wäre vom Tisch. Dabei wird von erfahrenen Vertretern der "Behandlungsfreien Imkerei" gesagt, dass man nur vor Ort selber auslesen oder in unmittelbarer Nachbarschaft Zuchtstoff tauschen könne und solle (z. B. Kefuss).

    Also das Vorgehen ist hier anders, unterschiedliche Linien mit einer längeren Historie bzgl. VSH/SMR. Vermehrung aus diesen Linien, Standbegattung. In den Folgejahren selektiert man weiter, frischt ggf. noch mal auf.
    Es geht nicht darum, einfach die Ergebnisse von zugekauften fremden Königinnen zu propagieren.

  • Es wird gesagt das es nicht erwartet werden soll von jemanden einfach eine Königin/Volk zu nehmen und das war's dann.

    Die Erfahrungen dahingehend waren bisher sehr oft negativ behaftet.


    Ziel ist jedoch eine gewisse Standort übergreifende Varroafestigkeit zu erreichen. Wie könnte es sonst möglich sein, das Königinnen eines hervorragenden Toleranzüchters Völkchen bei mir vor Ort schaffen, die vergleichbare Verhaltensmuster haben.

    Oder oft werden Königinn- und Drohnenlinien in den lokal unterschiedlichen VSB Projekten benutzt, die nicht aus der Region stammen und gerade in der SMR Auszählung gute Werte hervorbringen.


    Klar reduzieren wir die Erwartungshaltung dahingehend das mit dem Kauf einer ungetesteten und unzertifizierten VSB Nachzucht die Probleme nicht erledigt sind.

    Wir sind auch noch nicht soweit VSB Wirtschaftsköniginnen in Masse auszuschütten, denn wir arbeiten weitestgehend an der Isolierung des VSB Phänotyp im großen und ganzen unabhängig seiner sonstigen (Buckfast)Eigenschaften. Haben wir diese erbstabilen Phänotypen, dann wird innerhalb der verschiedenen Linien verstärkt auch auf die anderen Eigenschaften geachtet bzw. eine "alte" Leistungslinie in einer Kombination mit den VSB Phänotyp angereichert.


    Eine gekaufte VSB Nachzucht könnte dem VSB Phänotyp entsprechend der absolute Knaller sein, aber als imkerlich bearbeitbar nur den Daumen verdienen.


    Nicht in allen Publikationen sind alle Wahrheiten enthalten. Es ist eine jahrelange Arbeit, da sich erst mal ein Überblick zu verschaffen, dann nochmal so lange um es zu verstehen und damit zu arbeiten.

    Und dann wird man evt, wenn man so wie ich kein Überflieger ist, wieder nur in einem Teilsegment des stetig wachsendem Gebiet sich spezialisieren und tätig sein.

    Und dann verliert man evt auch wieder den Gesamtüberblick, da man auf Grund der Themengefangen/befangenheit nicht mehr alle Gebiete im Blick hat oder die Zeit dafür hat und zu sehr mit seiner Arbeit ausgelastet ist.


    Um es nochmal zusammenzufassen: Es muss nicht am anderen Standort klappen, es ist aber eins der Ziele.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Zum Thema Standortfaktoren las ich kürzlich eine Publikation (finde es momentan leider nicht), die den Einfluss von dauerhafter, hochwertiger Eiweißversorgung in Form von Pollen auf die Varroastabilität von Völkern publizierte. Demnach sind gut versorgte Völker signifikant stabiler gg. den dort auch vorhandenen Varroabefall und das über längere Zeit. Man erklärte sich das durch eine höhere Stabilität der Immunmechanismen in den Bienen infolge eines gut mit Protein versorgtem Immunsystems.


    Dass dies nur ein Mosaikstein im Gesamtgeschehen ist, versteht sich von selbst.


    Insofern ist die Schaffung von Blühpflanzen in der näheren Umgebung für eine ganzjährige Versorgung sicher hilfreich. Das wussten die Alten aber auch schon...

  • Zum Thema Standortfaktoren las ich kürzlich eine Publikation (finde es momentan leider nicht), die den Einfluss von dauerhafter, hochwertiger Eiweißversorgung in Form von Pollen auf die Varroastabilität von Völkern publizierte. Demnach sind gut versorgte Völker signifikant stabiler gg. den dort auch vorhandenen Varroabefall und das über längere Zeit.

    Das ist meiner Meinung nach nur eine Auswirkung, aber das ist keine Varroaresistenz.


    Man erklärte sich das durch eine höhere Stabilität der Immunmechanismen in den Bienen infolge eines gut mit Protein versorgtem Immunsystems.

    Das ist viel einfacher - die Varroen zehren am Fettkörper der Bienen, Eiweisversorgung baut diesen wieder auf. Folge, Bienen die stetig Ihren Fettkörper aufbauen, neigen dazu das es länger dauert bis der Fettkörper verdaut oder zu stark geschädigt ist und die Biene sterben muss. Das hat wenig mit Varroaresistenz zu tun.

  • Helmut, das ist ist auch meiner Meinung nach sowieso das größte Einfallstor, durch das neben Bakterien und Viren auch Varroabehandlungsmittel aller Art in die Biene eindringen.


    Diese teilweise Pollenunterversorgung bzw. einseitige Pollenversorgung ist jedoch einer der Stressoren für die Gesundheit der Völker. Wir können natürlich nicht mit einer VSB diesen Mißstand "wegzüchten" da wir in VSB Völkern ja ein latenten Milbenbefall brauchen.

    Vor allem bei der Auslese und Selektion ist zu schauen, das die Völkchen auch in einem "Versorgungsparadies" stehen.

    Auch Überlebensvölker Oasen in der Pampa aufzustellen, wo nix ist

    , hat da meines Erachtens schon schlechte Startbedingungen.

    Ich bin eher ein Vertreter für die gemischte Haltung.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Moin Bernd, ich habe auch einen Überlebensstand mit magerer Pollenversorgung. Diesen habe ich aber nur gewählt weil keine anderen Bienen im Flugbereich sind. Zusammenbrechende Völker sind das größte Problem/ die größte Herausvorderung an einem Überlebensstand. :oops:

  • Brutscheunen auch;(

    Finde ich gar nicht, die verteilen doch NUR Varroen an die umliegenden Völker. Bei einem Überlebensstand werden sich die Völker, die am besten mit der Varroa über die Saison gekommen sind, bei den zusammen brechenden Völkern, nicht nur deren Vorräte holen. Durch diese blinden Passagiere werden die "guten Völker" dann derart belastet, das man sie nicht mehr herausfindet. Dadurch gehen dann viele Zuchtkanditaten verloren. ;(

  • sag ich doch, ich hab auch nen Überlebensstand,(meine eigene Belegstelle) da gibts wenige Probleme, stehen die Vsb am normalen Stand in der Reihe, gilt es sogar aufzupassen. Besonders wenn in der Nähe Brutscheunen von Kollegen stehen. Paul Jungels sagte mir, das am Tag bis zu 500 Biester von aussen eingetragen werden können....

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Hier gibts was Gutes zu lesen

    http://www.pedigreeapis.org

    Eure Pedigrees, könnt ihr ab sofort hier problemlos u. fachlich geprüft im Original eintragen

  • ... und auch die Völker von ihren Nachbarn trennen. Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Distanz ist m.M.n. eine nicht unwesentliche Bedingung.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Ich habe schon gehört das VSB Völker Varroamagneten sein sollen, gerade dann wäre es doch eigentlich gut, wenn sie die Milben der umliegenden Völker wegputzen. Ich zitiere jetzt nicht wörtlich Dieter, was kratzt eine VSB eine Milbe, wenn sie sie "wegputzen" kann. ;)

    Ich weiß Dieter ich bin gemein.


    Verstehen kann ich es noch nicht, warum, könnte mir aber vorstellen, das die Attraktivität eines solchen Volkes bei den Bienen höher ist, dadurch ein ständiger Zustrom von verseuchten Bienen ein ständiges Ankämpfen und Brut Ausräumen verursacht und sich der Phänotyp verändert, da weniger eigenes Bienenmaterial zu Lasten Fremdmaterial erbrütet wird.

    Damit ist die Volksentwicklung weniger dynamisch und Völker kommen nicht in die Puschen.

    Aber:

    Nur warum sollten zusammenbrechende Völker der Umgebung nur in dieses Volk und nicht in die 6 anderen daneben/drumherum stehenden fliegen?

    Das glaube ich dann doch weniger.

    Ziel ist, VSB Völker müssen in Deutschland auch in gemischten Umgebungen überlebensfähig sein.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • ..weil gesunde Völker attraktiver sind als schwächere. Eine Milbe ist sicher kein Problem, aber tausende, die dann auch noch Viren im Schlepptau haben, knacken fast alles. :cursing:

    Die Zusammenbrechenden Völker verteilen die Milben nicht nur in dieses eine Volk. :( Allerdings könnte dieses eine Volk, ohne die ganzen Milben der in der Umgebung zusammenbrechenden Völker, die Genetik haben, die gesucht wird. :roll: