Varroatoleranz und Populationsgenetik

  • Über die Frage, woher die unbetreuten Völker stammen, läßt sich viel streiten und genauer forschen. Viel einfacher ist es dagegen, deren Überlebenszeit/-rate zu messen, wie das bspw. im BEEtree-Monitoring geschieht. Der Aufwand dafür ist gering und schnell nebenbei erledigt: 3 x im Jahr das Flugloch des unbetreuten Volkes für einigen Minuten beobachten und Flugaktivität mit imkerlich betreuten Völkern vergleichen - einmal vor der Schwarmsaison (erfolgreiche Auswinterung?), einmal im Sommer nach der Schwarmsaison und einmal im Herbst vor dem Wintereinbruch (noch vergleichbarer Polleneintrag?).

    Die betreuenden Wissenschaftler des BEEtree-Monitoring haben das längst so vorgesehen, sind aber angewiesen auf die Beobachtungshilfen durch Imker in der Fläche. Leider hat das Projekt m.E. noch immer nicht genügend Resonanz in der Imkerschaft: Mit lediglich knapp 200 gemeldeten Standorten unbetreuter Bienenvölker in ganz D (Stand 2019) lassen sich schlecht wissenschaftlich seriöse Erkenntnisse zu den hier diskutierten Fragen gewinnen. Wichtig wäre es deshalb, daß sich möglichst viele Imker beim Aufbau einer Datenreihe über solche unbetreuten Bienenvölker beteiligen würden, die m.E. mindestens über 3 - 4 Jahre/Standort umfassen müßte. Hier ist der Faden dazu:

    wildlebende Bienenvölker beetree-Monitoring

  • Die Anpassungen der Natur geschehen über viele zig oder tausende Jahre und länger. Sind dann (dadurch) aber auch dauerhaft gefestigt.

    Diese Annahme stimmt so nicht. Leider ist die Quelle verschütt aber ich erinnere mich an eine Geschichte (und auch ein Foto) aus dem BioLK (vor gut 25 Jahren) zum Thema Evolution, in der es um eine Falterart in England ging, die im 19. Jahrhundert weiß mit einigen schwarzen Flecken und so zB auf Birkenrinde prima getarnt war.


    Dann kam die industrielle Revolution und in wenigen Jahren waren die Birkenstämme in entsprechenden Gegenden schwarzgrau von Russ und anderen Stäuben (kein Scherz, sowas kannten meine Großmütter noch und selbst ich habe noch Anfangs der 2000er am Balkon meiner ersten Wohnung wenig Spaß gehabt, weil in der Nähe eine Gießerei war).


    Nachdem die weißen Falter zunächst verschwunden schienen, entdeckte man nach einiger Zeit, dass es eine "neue" schwarzgraue Art gab - die sich bei näherem Hinsehen als ebendieser Falter herausstellte, nur in einem neuen Farbschlag.

    Damit nicht genug: als später die Luft und damit auch die Bäume wieder sauberer wurden, kehrte sich das Ganze recht fix wieder um.


    Der langen Rede kurzer Sinn: manchmal geht Evolution auch recht fix, v.a. wenn die Mutation in der Spezies nicht gar so selten ist (es wird immer mal 'schwarze' Schafe, ähhh, Falter gegeben haben, aber erst mit der Verschmutzung der Baumstämme war das ein Überlebens- und damit Fortpflanzungsvorteil).

    Munterbleiben!


    Erstes selbstständiges Bienenjahr mit vier WV in 12er Dadant mod.

  • keinimker ich habe in der Gegend selbst Stände, einiges an Verwandtschaft und Bekannte in der Gegend. Ja durchsetzt. Neben den Forststraßen sind da Gemeinde und Landesstraßen die durch das Gebiet laufen und vielfach am Rand der Straßen mitten im Wald eben Stände. Mehrere Kollegen haben dort schon Bienenstände kartographiert, mit der Idee mitten im Wald wird ja keiner stehen, also könnte man da doch eine saubere Anpaarung hinbringen ... denkste. Unmengen an Bienenvölkern.

  • Ich probiers noch mal - diesmal ohne Zitat - ist das so ok, Hartmut?


    https://www.naturalbeekeepingtrust.org/natural-selection


    Dr. David Heaf beschreibt sein Unbehagen angesichts der Aussicht, dauerhaft - und sei es nur mit organischen Säuren - gegen die Varroamilbe vorgehen zu müssen.

    2007 als Heaf mit den Behandlungen aufhörte war in Großbritannien ein Zustand erreicht, wo statt ursprünglich 2 Behandlungen pro Jahr bis zu 7 Behandlungen durchgeführt wurden bei Winterverlusten von über 30%.

    Trotz anfänglich schwerer Verluste hat sich bei Heaf die Verlustrate über alle Jahre dann auf 18% eingepegelt. Heaf arbeitet mit Warre und Schwarmvermehrung.

    Als Ursache für die geringen Verluste vermutet Heaf, dass in seiner Gegend – der Grafschaft Gwynedd, einem kleinen geografischem Gebiet – die meisten Imker nicht behandeln.

  • ... - Aber, wenn es wirklich so viele Wildbienen gibt, sammle doch ein Volk ein und züchte/vermehre die weiter, dann hast Du bestimmt bald Bienen die mit Varroen klar kommen....

    ... nein, so kann das nix werden!

    Dorthin, wo es "viele wilde Honigbienenvölker" gibt viele Königinnen zum Begatten aufstellen ..... und von diesen selektieren..... nur so kann es werden.

  • ... nein, so kann das nix werden!

    Dorthin, wo es "viele wilde Honigbienenvölker" gibt viele Königinnen zum Begatten aufstellen ..... und von diesen selektieren..... nur so kann es werden.

    Na dann mach das doch so und berichte über Deine Fortschritte! (Nicht "theoretisieren" sondern "handeln und berichten"! ;-) :-) )

  • Da fahre ich lieber zu einer Belegstelle oder beschäftige mich mit Sachen wie Mondscheinbegattung.

    Letzte wird wohl zukünftig zu Gunsten instrumenteller Besamung ausfallen.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.


  • Dorthin, wo es "viele wilde Honigbienenvölker" gibt viele Königinnen zum Begatten aufstellen ..... und von diesen selektieren..... nur so kann es werden.

    So einfach ist es leider nicht.

    Die Anpaarungssicherheit wurde durch einen sehr aufwändigen wissenschaftlichen Gruppenversuch (mit Drohnenmarkierung, Abfangen der Drohnen in 2,4 km Entfernung mit Fesselballonfallen und sogar genetischer Untersuchung frisch begatteter JungKö.) mit den Belegstellen Gehlberg und Hassberge untersucht: Seitdem stellt Gehlberg nicht mehr nur 29 Vatervölker auf, sondern mindestens 77* (= 100% Anpaarungssicherheit) bei Schutzzonenradius von 7 km. Kurz zusammengefaßt in dem Bericht von Prof. Dr. G. Pritsch (vorletzter Abs.):

    https://www.toleranzzucht.de/h…zucht-tagung-in-gehlberg/


    *Da in Gehlberg mehrere Geschwistergruppen als Vatervölker eingesetzt (2020: 5) und diese unbehandelt geführt werden, um eine milbengesteuerte natürliche Auslese bei den Begattungsdrohnen zu erwirken (varroabefallene Drohnen sind vermindert leistungsfähig und kommen bei der Begattung nicht zum Zuge), bemüht sich der betreibende IV Arnstadt, über 100 Drohnenvölker dort in jeder Saison vorzuhalten:

    http://www.lvthi.de/belegst/th_3.html

  • In England spielt eventuell auch DWV-A und DWV-B eine gewisse Rolle.

    Ich weiß jetzt nicht genau, welche Sorte hier in Deutschland verbreitet ist.


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Hätten Fachkräfte unseren Bienen nicht über 60 Mio. Jahre hinweg das Überleben gesichert, gäbe es sie in D schon ewig nicht mehr.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Manne : Mir ist unklar, was Dein Sarkasmus hier bezwecken soll (außer aufgeheizter Stimmung).

    Innerhalb der von Dir angesprochenen 60 Mio. Jahre haben sich durchaus verschiedene Honigbienenarten herausgebildet, manche sind auch wieder ausgestorben. Die Gefahr, daß die Europ. Honigbiene innerhalb von 1 - 2 Jahren ganz wesentlich dezimiert, in Regionen wohlmöglich ganz ausfallen würde und damit innerhalb - im Lichte der von Dir angesprochenen Entwicklungszeiträume: katastrophal - kurzer Frist ein wichtiger Faktor im Öko- und nicht zuletzt auch Ernährungs- und Wirtschaftssystem in ganz Europa sich "unnatürlich" schnell verändern würde, die siehst Du schon, oder? Dir ist auch bewußt, daß ganz einfache Behandlungsmethoden zum Schutz der Europäischen Honigbienen keineswegs in dem von Dir in dem Fokus genommenen Deutschland entwickelt wurden, sondern von Imkern viel weiter im Osten, dort nämlich, wo die Varroa viel früher von der Asiatischen auf die Europäische Honigbiene übersprang (z.B. OX-Sublimation)?

    Daß die sture Behandelei gegen Varroa eine Sackgasse ist, diese Erkenntnis dürfte sich mittlerweile soweit durchgesetzt haben, daß es Deines Sarkasmus nun wirklich nicht mehr bedarf. Über die Wege aus dieser Sackgasse kann und soll man streiten - aber sachlich, zielorientiert und mit praktischem Bezug -

    sagt einer, der eine Allergie auf ideologische Schläge "Hau den Lukas" entwickelt hat.

  • Zumal, die Honigbiene in ihrer heutigen Form, also als Volk auf Wabenwerk, unabhängig von der Außentemperatur, in Höhlen wohnend, gibt es auch erst ähnlich lang wie uns Menschen, oder? Also nix mit 50 Millionen Jahren. Da gab's nur Solitärbienen. Und seit der Jungsteinzeit machen wir gemeinsame Sache. Seit ~3.000 v.Chr. mit Wanderimkereien auf dem Nil! Das ist also eine in jeder Hinsicht gut abgehangene Beziehung.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife