Varroatoleranz und Populationsgenetik

  • Vorteilhafte Kombinationen im Genpool einer Population herauszubilden und zu stabilisieren - das ginge sogar in weniger als 10 Jahren, vermute ich.

    Garantiert nicht, so schnell geht es nicht einmal mit Zucht und die ist schneller als Evolution! (Hinweis: Auch von den viel gerühmten Gotlandbienen lebt heute keine mehr...) - Wichtig: Das Ziel ist ja nicht eine paar Völker zu erhalten, die Varroa zwei oder drei Jahre überleben, Ziel muss es sein das sich diese Eigenschaft erbstabil etabliert!

    Und von welchem "Genpool" (oder von welcher "Population") sprichst Du? Den gemeinsamen Genpool aller Apis Mellifera Herkünfte dieser Welt, den der Deutschen Carnica, oder den der jeweils regionale Landbiene? Zweites Problem, Deutschland ist keine abgeschottete Insel und es gibt auch kein Gebiet innerhalb von Deutschland, das eine total abgeschottete Regionen ist, was Voraussetzung wäre das sich eine regionale Untergruppe stabilisieren könnte.

    Hast Du Dich schon einmal mit der bekannten Vererbung der bekannten Varroaresistezmechanismen auseinandergesetzt und verstanden? - Offenbar nicht, sonst wäre Dir die damit verbundene Problematik ersichtlich...

  • Da stellt sich allerdings die Frage, warum dass dann in 40 Jahren nicht gelungen ist.

    ..., weil die, die alles wissen, es nicht schaffen.


    Und die dümmsten Bauern ...

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Ich versuche echt mich nicht mehr hier aktiv zu beteiligen. Aber manchmal überkommt es mich einfach.

    Nehmt es als eine menschliche Schwäche....


    Wenn schon irgendwelche toleranten Gene.... wie auch immer... vorhanden wären, wäre vor 40 Jahren die Wahrscheinlichkeit dafür am größten gewesen. Es gab, als die Varroamilbe sich verbreitete viele Völker mit unterschiedlichen Herkünften und die genetische Breite insgesamt war viel höher als jetzt.

    Da gab es auch noch vermehrt "wilde" Völker. Wenn also da ein tolerantes Volk etc. gewesen wäre, hätte diese Genetik zu einem evolutionären Vorteil geführt. So dass sich diese Gene deutlich besser hätten verbreiten können.

    Aber nein, dazu kam es nicht.

    Bei der Hygiene hingegen hat man einen Ansatz.


    Leider kommt aber bei der Varroa ein großes Problem zutage, was eine Toleranzzucht oder sogar Resistenzzucht deutlich erschwert, bzw. unmöglich macht.

    Varroa ist nicht sofort tödlich.

    Das heißt, Völker, egal wie "tolerant" sie sind. Können mindestens einmal schwärmen und mindestens eine Saison lang Drohnen produzieren. Und damit wird ihre Genetik weitergeben und zwar völlig unabhängig von einer Varroatoleranz.


    Wäre Varroa sofort ein Todesurteil für das Volk, würden genau die Völker überleben, die einen genetischen oder anderen Vorteil haben. Damit hätte man schnell und effektiv einen Zuchterfolg. Alles was nicht passt, fliegt raus.


    Leider ist es aber so, dass selbst ein mässig Varroatolerantes Volk bei einer hohen Varroalast zusammenbricht und dann aus dem genetischen Pool verschwindet. Dagegen kann ein überhaupt nicht Varroatolerantes Volk schick überleben, wenn die Umgebung die richtigen Vorraussetzungen bietet.


    Problem ist auch die Toleranz überhaupt zu beschreiben. Bei der Hygiene wird ein bestimmtes Verhalten überprüft.


    Es ist alles nicht gold, was glänzt und man muss sich darüber im Klaren sein, dass in jeder Generation 50% Erbgut von der Mutterseite kommt und 50% von der Vaterseite und man bei der Biene zunächst nur die Mutterseite zu einem guten Stück beurteilen kann, aber die Drohnen erschwert sind. (Ausnahme ist die ein Drohnbesamung).

  • .... na, Manne, ich denke, korrekter wäre: "... die, die glauben, alles zu wissen ...." .... und dazu kommt noch: Niemand will mehr schwitzen, obwohl doch die Götter vor dem Erfolg den Schweiß gesetzt haben ....

    Hallo Gerold, herzlichen Dank dafür, dass Du schreibst, was ich meine.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Guten Abend Night Shadow .


    Wenn aus deiner "menschliche Schwäche" noch weitere solche präzis zutreffende Berichte kommen, dann lass deiner "Schwäche" mehr Raum....Zumindest dieser Beitrag, zeigt das "Problem" sehr genau.


    Lg Sulz.

  • Züchter und Mutter Natur sind doch kein Gegensatz!?

    Sollten es nicht sein und sind es vermutlich manchmal auch nicht.

    Aber - ich habe eigentlich gelernt:

    Die Anpassungen der Natur geschehen über viele zig oder tausende Jahre und länger. Sind dann (dadurch) aber auch dauerhaft gefestigt.

    Die Zucht des Menschen ist - laut meiner bescheidenen Meinung - eigentlich nur kurzfristig wirksam und oft nur auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet.

    Dauerhaft sind sie garantiert nicht, aber ich lebe auch erst >60 Jahre.

    Die ganzen Auswirkungen der menschlichen Zucht kann der Mensch garantiert nicht überblicken ...


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Die Anpassungen der Natur geschehen über viele zig oder tausende Jahre und länger. Sind dann (dadurch) aber auch dauerhaft gefestigt.

    Eigentlich nicht, hinter Deinem Satz steht die Annahme das sich die Umwelt langsamer verändert als die Anpassung der Art auf diese neuen Umweltänderungen benötigt - nur dann überleben Arten. Varroa ist hier aber schneller gekommen und damit hat sich zumindest eine Umweltbedingung von einem auf das andere Jahr verändert...

    Die Zucht des Menschen ist - laut meiner bescheidenen Meinung - eigentlich nur kurzfristig wirksam und oft nur auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet.

    Das stimmt im Allgemeinen, aber bei der Biene sehe ich hier eine Ausnahme. Wanderimkerei wurde das erste mal vor ~5000 Jahren dokumentiert und der älteste Leitfäden zur Bienenzucht den ich kenne, stammen aus dem 16. Jahrhundert - also bei der Honigbiene wird schon lange "gezüchtet" und ausgelesen... - also wenn die Honigbiene durch Zucht, trotz Varroa, die nächsten paar Jahrhunderte überleben könnte, würde mir das schon genügen... ;-)

  • Würden wir bei "unseren" Bienen eine natürlich hervorgerufene Varroatoleranz bekommen, dann hätten wir diese schon lange. Am Anfang wurde nicht behandelt!


    Es gibt ein paar wenige Forscher die in Mitteleuropa die These der Wildpopulation vertreten. Bsp. in einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete, dem Kobernaußerwald-Hausruckwald in Oberösterreich liest man befände sich eine Wildpopulation. Weil da findet man wilde Völker in Bäumen, die andersfarbig seien (bunter) wie die lokalen grauen Bienen ... Ich wohne nicht sonderlich weit weg. Und tja, ich kenne das in den Texten erwähnte Gebiet und das ist ein Waldtrachtwandergebiet, außerdem stimmen die Aussagen der lokalen Imker nicht, dass da nur graue Bienen gehalten würden. Außerdem stehen da lokale Imker mitten im Wald verteilt das ganze Jahr über. Klar sieht man die Völker nicht gleich, aber wenn man die Forststraßen alle abfährt, dann stolpert man über sehr viele Stände. Rund um das Waldgebiet sind mehrere Imkervereine mit nicht ganz sooo wenigen Imkern. Dazu hunderte Völker mitten im Wald während der Trachtzeit. Die Völker in den Bäumen sind schlicht und ergreifend Schwärme der lokalen Imker und der Wanderimkereien ... und so wird es überall sein.

  • ..... Weil da findet man wilde Völker in Bäumen, die andersfarbig seien (bunter) wie die lokalen grauen Bienen ....... Dazu hunderte Völker mitten im Wald während der Trachtzeit. Die Völker in den Bäumen sind schlicht und ergreifend Schwärme der lokalen Imker und der Wanderimkereien ... und so wird es überall sein.

    ...das klingt doch sehr interessant und dort sollte - genügend Völker im Wald vorausgesetzt - doch hervorragend für Varroatoleranz-Zucht geeignet sein. Man muss es nur probieren.... und einen langen Atem haben. Dann sollte das klappen.

  • Der Link verweist doch nur auf eine deutsche Übersetzung des Artikels der hier (#410) erwähnt wurde: Varroatoleranz und Populationsgenetik

    Dort wurde doch noch nicht einmal untersucht, ob diese wild lebenden Bienen tatsächlich Wildbienen sind oder ob die nicht doch "sehr verwandt" mit den Bienenvölkern der Imker aus der Umgebung sind. Auch wurde die Milbenlast dieser Völker nicht ermittelt. Oder habe ich da was übersehen?

    Man könnte jetzt die Beiträge #411 bis ca. #419 wiederholen... - Aber, wenn es wirklich so viele Wildbienen gibt, sammle doch ein Volk ein und züchte/vermehre die weiter, dann hast Du bestimmt bald Bienen die mit Varroen klar kommen.... (an so einem Vorgehen sind aber schon ganz andere gescheitert...)