Varroatoleranz und Populationsgenetik

  • https://www.tandfonline.com/do…X.2018.1430999?src=recsys


    In diesem Artikel werden zwei Wege zur Varroa-Resistenz/Toleranz beleuchtet: der züchterische und der natürliche. Als ein Vorteil der natürlichen Auslese wird der Erhalt der genetischen Vielfalt gesehen, die den Bienen auch bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen hilfreich sein könnte.

    Unterscheidung zwischen vertikaler und horizontaler Verbreitung des Parasiten: der natürliche Prozess ist die vertikale Weitergabe. Letztere unterstützt die Entwicklung wechselseitiger Anpassungen. Imkerliche Eingriffe tragen zur horizontalen Verbreitung bei. Einzelaufstellung und Schwärmen-lassen helfen bei der Vermeidung horizontaler Durchmischung.


    Gruß vom Harry

  • Wild lebende Honigbienenvölker in Deutschland


    https://bienen-nachrichten.de/…nigbienen-deutschland/526


    Kohl PL, Rutschmann B. 2018. The neglected bee trees: European beech forests as a home for feral honey bee colonies. PeerJ 6:e4602 https://doi.org/10.7717/peerj.4602


    Die beiden Autoren der Studie haben nach wild lebenden Bienenvölkern gesucht. In beiden untersuchten Gebieten – Nationalpark Hainich und Biosphärenreservat Schwäbische Alb fanden sie in naturnahen Buchenwäldern im Durchschnitt 0,13 Kolonien pro Quadratkilometer. Dabei ist die Ausbreitung der Völker von Häufigkeit und Aktivität des Schwarzspechtes abhängig. (Dem Schwarzspecht genügend alte Bäume stehen zu lassen würde also auch den Bienenvölkern mehr Habitate bescheren.) Aufgrund der Verteilung der Standorte im Wald schlussfolgern die Autoren, dass die wilden Honigbienenvölker nicht in direkter Linie von Imkerbeständen abstammen. Die Zahl der wildlebenden Honigbienenvölker in Deutschland wird auf 4.400 bis 5.600 geschätzt.

    Für die Autoren können Honigbienenvölker sowohl als domestizierte, als auch als wild lebende Lebewesen angesehen werden, wobei es den wilden Populationen an Schutz mangelt, da die Honigbiene ja als Nutztier und nicht als Wildtier gilt.

    Die Untersuchungen fanden bereits 2016 und 2017 statt und werfen für mich noch mal ein ganz neues Licht auf den Status von Apis mellifera. Möglicherweise haben wir varroa-angepasste Populationen direkt vor unserer Haustür…

  • Möglicherweise haben wir varroa-angepasste Populationen direkt vorunserer Haustür…

    Ein allzukühne Schlussfolgerung. Wahrscheinlicher ist, dass die Völker nur ein bis zwei Jahre überstehen und dann ein Schwarm - relativ varroafrei - den nächsten Zyklus des baldigen Untergangs startet.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Kommt auf die Sichtweise an.

    Aus biologischer Sicht kann 1-2 jähriges Überleben mit Abgang von Schwärmen, die dann wiederum den Zyklus durchlaufen, das Überleben einer Population bedeuten. Fände ich schon ziemlich varroa-angepasst. Bin mal gespannt, ob weiter geforscht wird und was dabei raus kommt

    Gruß vom Harry

  • Kommt auf die Sichtweise an.

    Aus biologischer Sicht kann 1-2 jähriges Überleben mit Abgang von Schwärmen, die dann wiederum den Zyklus durchlaufen, das Überleben einer Population bedeuten. Fände ich schon ziemlich varroa-angepasst. Bin mal gespannt, ob weiter geforscht wird und was dabei raus kommt

    Gruß vom Harry

    wenn die Völker selber schwärmen - hättest du recht. Das könnte eine überlebende Population sein, welche sich auf Dauer vermutlich sogar noch weiter stabilisieren würde.


    So wie ich WFLP verstehe, befürchtet er aber, dass der Scharm ein fremder Schwarm ist. Also irgendwo bei einem Imker in der Nachbarschaft (relativ varroafrei, weil gut gegen Varroa behandelt) aus- und im Reservat wieder einzieht. Einmal bewohnte Nester ziehen Bienen nahezu magisch an.

    Das könnte man nicht als überlebende Population bezeichnen.


    Sollte man untersuchen ... wäre schön, wenn es tatsächlich eine echte überlebende Population wäre. Und wenn es tatsächlich so wäre, fände ich spannend zu wissen, ob man die Resistenzmechanismen, die zum Überleben führen benennen kann.


    Gruß
    Ludger

  • Frage: Wenn man Gotland, Arnot Forrest oder Avignon nimmt - weiss man da sicher, dass die Bienen eine erfolgreiche Selektion hin zu Varroaresistenz/-toleranz durchlaufen haben? Oder war es vielleicht auf Seiten der Milbe eine erfolgreiche Selektion hin zu weniger tödlicher Vermehrungsrate - sozusagen hin zu einer Melifera-tolerenten Milbe?

  • Oder war es vielleicht auf Seiten der Milbe eine erfolgreiche Selektion hin zu weniger tödlicher Vermehrungsrate - sozusagen hin zu einer Melifera-tolerenten Milbe?

    Die Frage steht schon länger im Raum. Theoretisch sollte die Selektion auf beiden Seiten wirksam werden.


    Wenn ich das richtig Verstanden habe ist eine genetische Anpassung auf Seiten der Biene deutlich wahrscheinlicher, da die Varroa durch die Inzucht-Fortpflanzung genetisch sehr stabil sein soll.

  • An anderer Stelle hatte ich bereits berichtet, dass ich in diesem Jahr wie auch 2018 schon nur sehr vereinzelt Milben auf den Windeln finde. 2019 war dagegen eine Katastrophe. An der Genetik liegt es nicht, an den Maßnahmen der biologischen Bekämpfung und dem Einsatz von TAM liegt es wohl auch nicht. Der einzige mir erklärliche Grund ist die starke Vermehrung (2-3 Ableger pro WV), welche ich In diesem Jahr auf Bestellung realisiert habe. Da frage ich mich, kann es sein, dass hierdurch die Milben der Völkervermehrung hinterherlaufen? Die Miniplus habe ich dreimal geteilt, dort sehe ich auch keine Varroa, ohne jeglichen Einsatz von TAM. Gibt es zu dieser Vermutung wissenschaftliche Untersuchungen? VG Jörg

  • Wenn ich das richtig Verstanden habe ist eine genetische Anpassung auf Seiten der Biene deutlich wahrscheinlicher, da die Varroa durch die Inzucht-Fortpflanzung genetisch sehr stabil sein soll.


    Ja, die Varroa ist hier als genetisch sehr arme Population angekommen. Andererseits gehört eine ganz enge Inzucht sowieso zu ihrer natürlichen Lebensweise. Organismen ohne sexuelle Fortpflanzung (zB sich teilende Bakterien) machen einen solchen Mangel an von außen reingetauschter Diversität unter anderem durch erhöhte Mutationsraten wett. Ich vermute, dass auch die Varroen in dieser Hinsicht über einen Ausgleich für ihre faktisch beinahe asexuelle Vermehrung verfügen.


    Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Varroen über mehrere Generationszyklen pro Jahr verfügen, während bei den Bienen eine Generation ein Königinnenleben lang dauert.

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 an der Lahn.

  • Was ist bei einer verstärkten Ablegerbildung zu einer TBE prinzipiell anders.

    Wenn ich aus einem WV 3 Ableger mache, verwende ich pro Ableger 3x Brut- und 1x FutterWaben DD oder wie ich dieses Jahr LS.

    Das bedeutet ich habe einem WV 9 Brutwaben entnommen?

    Kommt das nicht einer TBE gleich?

    Jedenfalls habe ich die Ableger jetzt auch auf 8 Waben LS, doch Milben sind sowohl im Ableger als auch Muttervolk. Diese in nicht zu verachtender Größenordnung, dh über der Behandlungsschwelle.


    Ob man vom WV dann noch als solches sprechen kann, ist auch fraglich.

    Klar konnte ich ein paar Waben aus dem 2. HR schleudern, aber das war's dann auch.

    Wie hast du die Ableger gebildet?

    Ich habe das Volk quasi auf 2x 12LS Bruträume über Brutdistanzierung anwachsen lassen und danach den 2. BR kurz vor Schlupf der ältesten Brutwabenreihe einfach auf 3 Ableger aufgeteilt.


    Das Muttervolk schwächelt allerdings etwas, kann aber noch als gut bezeichnet werden.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.