Varroatoleranz und Populationsgenetik

  • Liebe ForumsimkerInnen,


    es gibt Länder, Inseln und Regionen in denen behandlungsfrei mit A. mellifera geimkert wird. Dazu kommen vereinzelte wilde Populationen (die möglicherweise nur deshalb vereinzelt sind, weil es an natürlichen Unterkünften wilder Bienenvölker flächig mangelt). Informationen hierzu wurden vielfach zusammengetragen, z.T. auch hier im Forum. Ich persönlich glaube, dass auch einzelne Imkereien - Manne und Werner und andere ImkerInnen in Deutschland/Europa oder auch in den USA behandlungsfrei imkern.


    @ Georgie: Was ich sagen will – bzw. was ich mich selbst frage, ist: Gibt es einen Weg dahin (jenseits mehr oder weniger zufälliger Fügungen)? Wie sieht es mit den Randbedingungen aus? (Inseln scheinen ja klar im Vorteil zu sein).


    Meine Einschätzung bis hier her ist: Je größer die Ausgangspopulation desto besser die Erfolgsaussichten. Die genetische Vielfalt spielt eine Rolle. Der Einfluss benachbarter Populationen sollte nicht allzu groß sein. (Und natürlich: Nicht-Behandeln)


    Meiner Meinung nach wird durch eine hohe Behandlungsintensität, bei der möglichst alle Völker überleben oder zumindest nicht an der Varroa, sondern eher an der Behandlung sterben, das Gegenteil von gegenseitiger Anpassung von Milb und Bien erreicht.


    Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin Behandler. Bisher geht bei mir nur Bienen halten und Behandeln, denn bei Nicht-Behandlung keine Bienen.


    Das hindert mich aber nicht daran, mir so meine Gedanken zu machen. Und vielleicht werde ich ja irgendwann einmal einen stabilen Zustand mit geringerer Behandlungsintensität oder ganz ohne Behandeln erreichen.


    Gruß vom Harry


    PS: Stechlustige Völker hatte ich im Laufe von 3 Jahrzehnten immer mal wieder. Im Nachhinein hat sich meistens herausgestellt, dass die anders gelagerte Probleme hatten. Ich fürchte, dies wird manchmal mit genetischen Ursachen (Landbiene! Drohnen!) verwechselt. Auch die anderen gezüchteten Eigenschaften werden m.M. nach überschätzt. Es gibt Untersuchungen, dass bspw. der Honigertrag stärker von der Betriebsweise als von der Genetik abhängt.

  • Und dann ist da noch die Tracht, die Anzahl der konkurrierenden Völker und das Wetter. Es gibt sicher viele Faktoren, sonst wäre es doch zu einfach.

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Har, bei isolierten Populationen mag es möglich sein, dass apis meliera Resistenzen gegen Varoa entwickelt und ich gebe Dir recht, dass nur große Populationen eine Chance haben. Diese Population müsste zudem über eine möglichst große genetische Vielfalt verfügen. Des Weiteren muss ein gutes Trachtangebot übers Jahr vorhanden sein. Jetzt „Spinne“ ich mal weiter: In Mittelamerika schafft es die afrikanisierte melifera ohne Behandlung. Wäre es nicht einfacher, diese Biene so weiterzuzüchten, dass sie überwinterungsfähig wird? Da auch die Afrikaner zur westlichen Honigbiene gehören, dürfte das doch möglich sein. VG

  • Hallo,

    ich denke mal „naiv“: Die Bieneninstitute müssten da zumindest einen groben Überblick haben.

    Aber wenigstens ein Gebiet kennen, in dem sich wildlebende Völker befinden.

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • @ Rase:

    Wilde Bienen: Arnot forest (USA), Waldgebiete in Frankreich


    Imkerbienen: Südafrika, Ostrussland (Primorski)


    Inselbienen: Antigua, Barbados, Gotland


    einzelne Imkereien in Frankreich und Schweden https://link.springer.com/article/10.1051/apido/2010011


    In Teilen Südamerikas und Afrikas haben sich scheinbar mangels flächiger Behandlung Gleichgewichte zwischen Bien und Milb eingestellt. https://www.mellifera.de/blog/…ie-zukunft-der-biene.html

  • Sagenhaft. Dann muß ja nur jemand dahinfahren und all unsere Probleme sind gelöst.


    Das verhindern bestimmt 'die Institute' und die Pharmaindustrie. Damit sie weiterhin davon profitieren können. Oder die Illuminati. Was weiß ich denn....

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Aber die Illuminati sind doch hinter dem Papst her, oder?

    Und einzelne Imker in Frankreich, dafür sind sie ja bekannt, die Franzosen. Ob ich denen glauben würde? Aber hat letztlich nicht ein Astronaut erklärt, er hätte varroafreie Bienen auf der Rückseite des Mondes gesehen? Von Gotland habe ich auch schon was ganz anderes gelesen. Aber gut, selbst im Internet gelesen bedeutet ja nicht, man hätte es gesehen und es wäre wirklich so.

    Viele Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Wilde Bienen: Arnot forest (USA), Waldgebiete in Frankreich


    Imkerbienen: Südafrika, Ostrussland (Primorski)


    Inselbienen: Antigua, Barbados, Gotland


    einzelne Imkereien in Frankreich und Schweden https://link.springer.com/article/10.1051/apido/2010011

    Ja, nur leider zeigte sich, dass die Bienenvölker schnell an der Varroa zusammenbrachen, als sie in andere Regionen verbracht wurden.

    Das haben auch Bieneninstitute schon ausprobiert.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Guten Morgen Har, sehr interessante Publikationen auf die Du verweist. Ich lese es wohl, allein es fehlt der Glaube! Ja irgendwie beschleicht mich das Gefühl, da stimmt nicht alles, es wäre ja schön, wenn es diese varoatollerante Europäische Biene gibt. Es ist ein Wort, was den Zweifel auslöste: „wesensgemäß“! Die wesensgemäßeste Imkerei die ich kenne, ist die Korbimkerei. Hier könnte es sein, dass die Biene die Varoa in der Vermehrungsrate übertrifft, ihre bei der Toleranz angestrebten Eigenschaften wie Erkennen und Ausräumen der befallenen Brut wird dabei nicht besonders gefördert. Also wesensgemäße Bienenhaltung bringt es m.E. nicht. Wenn es die in Rede stehenden Stämme gibt, warum werden die nicht durch künstliche Besamung stabilisiert und vermehrt? Weil das nicht wesensgemäß wäre?

    Sorry, dass ich derart zweifele. VG aus der Börde

  • Har Es ist, wie WFLP sagt. Bringt man Völker aus dem Gebiet, sterben die Völker schnell ab.


    Das heisst, es gibt zwar einen Faktor, der in der Gegend für das Überleben der Völker sorgt, doch ist es ein externe, äußerer Faktor.

    Dieser Faktor begrenzt sich leider auf das Gebiet und sorgt dafür, dass sich Völker nicht darüberhinaus ausbreiten können.

    Wäre es ein genetischer Faktor, würden sich durch überlebende Schwärme die Gene ausbreiten und damit hätten wir unsere resistente Biene.


    Problem wird sein, dass sich das Klima ändert, und damit vermutlich die äußeren Faktoren ändern. Dies kann förderlich für das Überleben der Bienenvölker sein, oder auch, was meistens passiert negativ. Damit würden dann die resistenten Inseln verschwinden.

    Natürlich könnte Trachtangebot etc ebenso dieser Faktor sein, doch variiert das Trachtangebot jedes Jahr. Somit wird es sehr schwierig, diesen äußeren Faktor zu benennen. Ich bin gespannt, wie das enden wird. Meistens erkennt man solche Faktoren erst, wenn sie wegfallen. Hier würden dann die Völker einfach versterben.

  • Wir glauben, dass die Faktoren das sind, was wir und wie wir es empfinden. Doch das ist nur unsere subjektive Interpretation des Augenblicks. Somit ist unser Wissen eine trügerische Wahrnehmung im jeweiligen Augenblick.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Wir glauben, dass die Faktoren das sind, was wir und wie wir es empfinden. Doch das ist nur unsere subjektive Interpretation des Augenblicks. Somit ist unser Wissen eine trügerische Wahrnehmung im jeweiligen Augenblick.

    Das war jetzt aus dem Esoterik-Grundkurs, oder? :/