Impfung gegen Faulbrut?

  • Und man könnte ja auch örtlich begrenzt und im Bedarfsfall statt rettungswürdige Völker zu töten wie in der Ex-DDR Antibiotika zulassen.

    Hm? Bist du durch ein Zeitloch aus dem letzten Jahrhundert hier reingefallen?


    Man kann "rettungswürdige Völker" problemlos auch ohne Impfung und ohne Antibiotika retten. Nennt sich z.B. "Offenes Kunstschwarmverfahren".


    Das Problem sind Amtsveterinäre, deren Wissen über Seuchenbekämpfung irgendwo vor fünfzig bis hundert Jahren stehengeblieben ist und die deshalb glauben, ganze Stände abschwefeln zu müssen...


    Grüße,

    Robert

  • Hm? Bist du durch ein Zeitloch aus dem letzten Jahrhundert hier reingefallen?

    Stimmt, seit da habe ich schon Bienen. Mit einigen Unterbrechungen seit 1986.


    Außerdem schrieb ich was von sanieren.


    Die erkrankten Völker werden wie vorher abgetötet oder saniert um die Infektionsquelle zu liquidieren.

    Die entsprechende Frage verkneif ich mir jetzt.


    Man kann "rettungswürdige Völker" problemlos auch ohne Impfung und ohne Antibiotika retten. Nennt sich z.B. "Offenes Kunstschwarmverfahren".

    Kunstschwarmverfahren dürfte das eigentlich nicht heißen! Sondern richtigerweise Hungerschwarmverfahren. Und hier stimmen wir fast überein: wenn unsere amtstollen Vets dieses Verfahren unmittelbar mit winterbereiten Völkern im September/Oktober durchführen lassen, weil die Testreihen so lange gedauert haben. Man kann sich vorstellen, wieviel % da noch auswintern, wenn teilweise die Fetteiweispolster runter gehungert sind.

  • ...Hungerschwarmverfahren...Man kann sich vorstellen, wieviel % da noch auswintern, wenn teilweise die Fetteiweispolster runter gehungert sind.

    Bei der Kunstschwarmsanierung geht es nicht darum, ddie Fetteiweißpolster abzuhungern, sondern nur der unverdaute Honigvorrat soll vollständig von erwachsenen Bienen verstoffwechselt und so die AFB-Sporen von den Bienen selbst unschädlich gemacht werden.


    Die Larven und auch die Königin werden von Ammenbienen gefüttert, die Sporen im Futter müssen nicht unbedingt aktiv werden, somit würde bei einer geringen Sporenkonzentration doch eine Impfung erfolgen, damit würde aber automatisch sich die Infektionsausbreitung stoppen, wenn es effektiv wäre. Damit würde sich jeder Faulbrutausbruch selbst an der Verbreitung hemmen und wir hätte eigentlich kein Faulbrutproblem.

    Bei ungeimpften Völkern keimen die Sporen zu Stäbchen aus, sobald sie in die Larve gelangen und vermehren sich enorm. Die Stäbchen selbst sondern ein Antibiotikum ab (Paenilamicin) und hemmen damit andere Mikroben im Darm der Larve, durchbrechen ihn und zersetzen schließlich die gesamte Larve von innen. Auch eine geringe Sporenkonzentration führt also unweigerlich zum starken Anstieg der Infektion, da stoppt bisher nix automatisch - außer der Sozialhygiene der Ammenbienen, wenn sie geschädigte Larven rechtzeitig erkennen und ausräumen, bevor deren Außenhaut zersetzt ist und Stäbchen freigibt.

    Die Impfung beruht offenbar darauf, daß das Auskeimen bzw. die Vermehrung der AFB-Keime in den infizierten Larven gehemmt wird und dieser Impfschutz von der Kö. bereits dem befruchteten Ei mitgegeben wird. Genauere Informationen liefert ggf. der Patentantrag. Den kenne ich aber nicht.

  • ...man könnte ja auch örtlich begrenzt und im Bedarfsfall statt rettungswürdige Völker zu töten wie in der Ex-DDR Antibiotika zulassen.

    Die Antibiotika können gegen die Dauerform der AFB (Sporen) nichts ausrichten, nur gegen die Vermehrungsform ("Stäbchen"). Und genau deswegen gibt es so oft den AFB-besporten Honig aus Ländern, in denen die AFB mit Antibiotika "behandelt" wird. Antibiotika verdecken das AFB-Problem nur, sind aber keine Lösung, auch nicht örtlich begrenzt.

  • ribes Doch natürlich wird es gestoppt, wenn die Larve entsprechend alt ist und sich das Darmrohr öffnet bevor die Faulbrutbakterien durch die Darmwand einwandern können. Daher ist die Sporenmenge für eine Infektion der Larve unterschiedlich und es braucht nur wenig, wenn die Larve noch sehr jung ist. Doch eine Larve, die kurz vor der Verdeckelung steht braucht Unmengen an Sporen, um zu erkranken. Natürlich hat dies auch mit dem Wachstum zutun. Doch wesentlich bleibt, dass die Larve mit Öffnung des Darmrohres eine Überlebenschancen hat und damit trotz Infektion nicht verstirbt. Weshalb die afrikanisierte Biene durch die deutlich verkürzte Entwicklungszeit von 18 Tagen einer Arbeiterin, eine Resistenz gegenüber der Faulbrut aufweist.

    Also wenn man doch davon ausgeht, dass sowohl Larven, als auch die Königin gut gefüttert werden, wird die Königin automatisch mit Sporen und Bestandteilen der Stäbchen in Berührung kommen, diese aufnehmen und die Stift, die dann gelegt werden impfen.... Doch das sehen wir nicht. Bei der schnelleren Form sterben die Larven vor der Verdeckelung und die Bienen räumen vor dem Durchbruch der Sporen, diese Zellen aus. Daher kann eine Infektion mit diesem Typ sehr lange im Volk vorliegen ohne das der Imker das bemerkt. Dort müsste aber eine Immunisierung der Königin zu einem Stopp der Infektion führen, stattdessen weiß man, dass entweder durch die Zwangsbrutpause im Winter oder ähnliche Brutpausen, das Volk die Infektion überlebt oder es doch zum Einbruch kommt.

  • ...Hungerschwarmverfahren...Man kann sich vorstellen, wieviel % da noch auswintern, wenn teilweise die Fetteiweispolster runter gehungert sind.

    Bei der Kunstschwarmsanierung geht es nicht darum, ddie Fetteiweißpolster abzuhungern, sondern nur der unverdaute Honigvorrat soll vollständig von erwachsenen Bienen verstoffwechselt und so die AFB-Sporen von den Bienen selbst unschädlich gemacht werden.

    Ja sicher! Erzähle das bitte manchen Vets! Da muss der Boden des Kastens durchgängig mit vor Hunger gestorbenen Bienen bedeckt sein, bevor die Freigabe kommt. Das wird bei jedem Volk separat festgestellt. In jedem Falle werden vorhandene Fettpolster reduziert. Deshalb sollte man dies nicht vor dem Winter machen. Warst Du schon mal bei so was dabei?

    ...man könnte ja auch örtlich begrenzt und im Bedarfsfall statt rettungswürdige Völker zu töten wie in der Ex-DDR Antibiotika zulassen.

    Die Antibiotika können gegen die Dauerform der AFB (Sporen) nichts ausrichten, nur gegen die Vermehrungsform ("Stäbchen"). Und genau deswegen gibt es so oft den AFB-besporten Honig aus Ländern, in denen die AFB mit Antibiotika "behandelt" wird. Antibiotika verdecken das AFB-Problem nur, sind aber keine Lösung, auch nicht örtlich begrenzt.

    Dasselbe Trifft ja nun auch auf die Impfung zu, oder nicht?

    Antibiotika würden aber im Gegensatz, zum direkten Töten der Völker sowie der Sanierung zur UNZEIT, was ja fast ner Tötung entspricht, Die Völker wenigstens vorerst retten und Zeit gewinnen für ne spätere Sanierung.

  • Antibiotika würden aber im Gegensatz, zum direkten Töten der Völker sowie der Sanierung zur UNZEIT, was ja fast ner Tötung entspricht, Die Völker wenigstens vorerst retten und Zeit gewinnen für ne spätere Sanierung.

    Beim offenen Kunstschwarmverfahren müssen die Bienen nicht hungern. Geht natürlich nicht jetzt im Dezember.

    Aber laut Celle besteht auch nicht unbedingt Grund zu solcher Eile. Soweit ich weiß gibt es Verfahren, Völker auch ohne Antibiotika zu retten, solange bloß noch genug Bienen im Volk sind. Die Details müsste man z.B. in Celle erfragen.


    Grüße,

    Robert

  • Dasselbe trifft ja nun auch auf die Impfung zu, oder nicht?

    Der entscheidende Unterschied: Die Impfung rettet Brut, befähigt sie, AFB-Sporen der Vernichtung zuzuführen (aktiver Selbstschutz), Antibiotika nicht (eingeschränkter Passivschutz mit Resistenzgefahr).

  • :) Was glaubst Du was die Vets auf die Meinung irgendeines Bieneninstitutes geben?! Ist leider so. Der allein entscheidet wie und was. Wenn der verhungerte Bienen sehen will.....

    Bezüglich Zeitpunkt hat ein betroffener Imker Ende September schon mal gesagt bekommen, dass knapp 4 Wochen vorher auch so verfahren wurde.


    Dasselbe trifft ja nun auch auf die Impfung zu, oder nicht?

    Der entscheidende Unterschied: Die Impfung rettet Brut, befähigt sie, AFB-Sporen der Vernichtung zuzuführen (aktiver Selbstschutz), Antibiotika nicht (eingeschränkter Passivschutz mit Resistenzgefahr).

    Mal ein Bild: die geimpften Völker in einem (fiktiven) Sperrgebiet werden kontrolliert (Futterkranzprobe) und sind teilweise positiv. Bei Öffnung werden teilweise Faulbrutzellen festgestellt. Ist ja trotz Impfung möglich und steht auch so im Artikel.

    Also wie verfährt Deiner Meinung nach der Vet, wenn noch keine Ausnahme für geimpfte Völker im Gesetz verankert ist? Und das mit einer totalen Impfpflicht die Faulbrut ausrotten, ist auch nicht zu erwarten, denn Sporen kommen immer wieder neue rein.

    Ich habe das einmal mit ansehen dürfen und hoffe inständig, dass es meine Bienen niemals trifft.

    Aber was solls! Ich denke das Thema ist für mich jetzt durch. :)

  • Was glaubst Du was die Vets auf die Meinung irgendeines Bieneninstitutes geben?! Ist leider so. Der allein entscheidet wie und was. Wenn der verhungerte Bienen sehen will.....

    Bezüglich Zeitpunkt hat ein betroffener Imker Ende September schon mal gesagt bekommen, dass knapp 4 Wochen vorher auch so verfahren wurde.

    Und wie lange wurde dann ausgehungert? Normalerweise sagt man ja, nach etwa 3 Tagen fallen die ersten verhungerten Bienen ab.

    Ich hätte jetzt geschätzt, dass die Eiweisspolster der Winterbienen kaum genug schnell verstoffwechselt werden können, zumal die ja für die Brutaufzucht(Futterdrüse) gedacht sind und nicht zum zehren.

  • Bin eigentlich durch gewesen.

    Aber wenn Du als Imker schon nicht glaubst, dass die Winterbiene niemals nich hungern darf, wundert mich bei den Vets das eigentlich nicht mehr.

    Glaubs oder lass es. Die Biene hat danach einen Klapps weg!!!:!:

  • AFB oder eine positive FKP- der Kelch ist seit 60 Jahren an unserer Familie vorbei gegangen, aber mein Vater musste als BSV schon zu DDR-Zeiten auch Stände abfackeln. Wir machen jährlich die FKP.


    Das Impfen wird es nicht einfacher machen, auch wenn die Brut über die aktuelle Lage nicht klinisch wird, sind die Sporen in überkritischer Menge vorhanden- es muß also doch das Material saniert/desinfiziert werden, man würde nur Zeit gewinnen.

    Das erreicht man mit zweifelhaftem Erfolg in den USA- die Antibiotika wie auch Glyphosat stören die Darmflora der Bienen.

    Auf Grund des absoluten Verbots der Anwendung von Antibiotika bei Bienen dürfte ein Nachweis dieser bei FKP oder im Honig dem Imker mehr Streß als eine Tötung oder Sanierung bereiten!


    Bienen hungern bereits, wenn sie keine Vorräte haben- bei der Sanierung wird auch bei Tracht abends der Wabenbau mit dem eingetragenen Nektar vom Vortag wieder entfernt. Ja - es geht nicht ganz ohne tote Bienen.

  • Bin eigentlich durch gewesen.

    Aber wenn Du als Imker schon nicht glaubst, dass die Winterbiene niemals nich hungern darf, wundert mich bei den Vets das eigentlich nicht mehr.

    Glaubs oder lass es. Die Biene hat danach einen Klapps weg!!!

    Aber sie müssen "hungern"... Das animiert ja genau den Putztrieb, um allfällige Sporen im Kleid los zu werden!

    Deshalb nochmal die Frage: Wie lange hatte man denn die bei dir hungern lassen?

    Und man hat auch im Herbst nie eine homogene Masse an "Winterbienen". Die Erwartungshaltung wäre ja auch dann, dass erst die restlichen Sommerbienen hungernd absterben.

  • Daß AFB-Sanierung im Kunstschwarmverfahren ein Volk belastet, ist ja unstreitig. Ebenso, daß die Regenerationsbedingungen für das betroffene Volk im Winter ungünstiger sind, die Nebenwirkungen länger anhalten als im Sommer, wo der "Grundumsatz" mit den generell kurzlebigeren Sommerbienen sehr viel höher ist. Schillbee : Was ist jedoch die Alternative? Erkranktes Volk an AFB eingehen lassen oder abfackeln zur Minderung der Ansteckungsgefahr?


    Die Folgen einer AFB-Erkrankung für das betroffene Volk, für den ganzen Bienenstand und für die benachbarten Imkereien sprechen m.E. nicht gegen, sondern für eine Impfung (sobald sie ausgereift und allgemein - auch preislich -verfügbar ist). Ob und wie man die Impfung dann in die Fläche bringt (Impfpflicht?) und wie man FKP-Analyse-Ergebnisse von geimpften bzw. ungeimpften Völkern bewertet, sind Fragen, die wohl erst anstehen, wenn die Impfung wirklich vor der Marktreife steht.