Expertenfrage zur Mehrfachbegattung

  • Hallo, zusammen!
    Meine Frage ist folgende: inwieweit wird bei den Königinnen das Sperma der Drohnen vermischt?
    Wenn sie hundert befruchtete Eier hintereinander legt, haben die alle denselben Vater oder ist der bei jedem Ei ein anderer?
    Also, wird erst eine Spermienportion nach der anderen aufgebraucht, oder mischt sie das irgendwie?
    Ich weiß, daß die Frage irgendwie theoretisch ist, aber ich würd es gern halt wissen...
    Vielen Dank im voraus!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hei Sabine,


    ich habe gerade noch mal nachgeblättert.
    Man scheint sich in der Wissenschaft relativ einig zu sein, dass die Königin in ihrer Spermateka ordentlich durchmischt und daher die Reihenfolge mehr oder weniger dem Zufall überlassen bleibt.
    Allerdings glaubte ich vor Jahren die Beobachtung gemacht zu haben, dass ein und die selbe Königin nach einer Standbegattung für eine längere Zeit dunkelfarbige und dann monatelang hellere Nachkommen hatte.
    Ich weiß nicht, ob was da dran ist, vielleicht weiß ja jemand anderes besser Bescheid oder kann uns seine Beobachtungen schildern.


    Grüsse


    M

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Sabine und Michael,
    die Wissenschaftler sind sich wirklich einig, daß die Spermatheka durchmischt wird. Das befruchtende Spermium ist also stets eine Zufallsprobe aller teilnehmenden Drohnen. Man hat es z.B. mit deutlich unterscheidbaren Typen (Cordovan und Wildtyp) geprüft.
    Eine zeitliche Änderung der Färbung meiner Bienen (dunkle und gelbe) glaubte ich aber auch einmal festgestellt zu haben. Aber ich will eine stille Umweiselung nicht ausschließen.


    Man hat den Sinn der Mehrfachpaarung mal aus evolutionsbiologischer Sicht untersucht. Es entstehen ja Grupen von Vollschwestern (zehn bis zwanzig Drohnen sind an einer Paarung beteiligt), die Verwandschaft zu den anderen ist Halbschwester. Aus Sicht der Evolution macht es Sinn, die Halbschwestern von der Vermehrung auszuschließen und die Vollschwestern zu fördern. Hinsichtlich der Konkurrenz zwischen eierlegenden Arbeitsbienen (es gibt mehr als man dachte) und der Weisel wäre es bei wenigen Vätern für die Arbeitsbiene günstig, selbst Eier zu legen. Dagegen fördert bei mehr als etwa zehn Vätern die Arbeitsbiene die Vermehrung ihrer eigenen Gene am besten, wenn sie die Brut der Weisel aufzieht. (Übrigens wird der überwiegende Teil der von Arbeiterinnen gelegten Eier von den anderen Arbeitsbienen wieder ausgeräumt.)
    Hinsichtlich der Konkurrenz der Vollschwestergruppen bei der Aufzucht neuer Weiseln glaubt man eine ganz geringe Bevorzugung (Futtersaftgabe) gefunden zu haben, ist aber noch nicht sicher. Von Bedeutung ist sie auf keinen Fall.


    Wenn man jetzt annimmt, daß die Spermatheka nicht durchmischt ist, die Vollschwestergruppen also nicht gleichzeitig sondern nacheinander auftreten, gibt es zumindest Probleme beim Übergang zwischen den Gruppen. Jede Gruppe würde z.B. versuchen, während ihrer Anwesenheit Weiseln nachzuziehen. Also Schwärme im gesamten Jahr und wahrscheinlich auch Ausräumen der Weiselzellen wenn die nächste Gruppe drankommt. (Bitte keine Sentimentalität - das Vernichten der Nachkommen eines Artgenossen ist im Tierreich häufig.)


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    dein Wissen beeindruckt mich mal wieder ! Aber ich glaube zumindest, ähnliches schon einmal gelesen zu haben, nur kriege ich es so ausformuliert nicht mehr hin.
    Wenn man zugrunde legt, dass eine Arbeiterin nur dadurch der Königin (und damit dem Gemeinwesen ) dient, weil sie nur so(!)-nämlich durch die Mutter- ihre eigenen Gene weitergeben kann, dann macht das Durchmischen in der Spermatheka absolut Sinn. Homogene Völker haben im Verlauf der Evolution sicher einen Wettbewerbsvorteil.
    Nur: Dann müsste ja das einzelne Bienchen erkennen , mit welchen Spermien welches Ei befruchtet wurde?
    Fragen über Fragen.
    @ Sabi(e)ne : Da kannst du noch mal sehen, wie aus einer einfachen, scheinbar simplen Frage durch uns "Stammtischphilosophen "wieder eine Lawine ins Rollen gerät.:smile:
    Hoffentlich fallen dir noch ganz viele ein.


    Grüsse


    M.



    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Michael am 2002-06-05 11:05 ]</font>

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michel,


    danke. (Der Grinsemann mit roten Ohren fehlt in der Auswahl an Symbolen.)


    Zitat


    Michael schrieb am 2002-06-05 11:04 :


    Nur: Dann müsste ja das einzelne Bienchen erkennen , mit welchen Spermien welches Ei befruchtet wurde?


    Warum nicht? Du erkennst ja auch ziemlich sicher, wer die Eltern der Mitschüler Deiner Kinder sind.
    Die Untersuchungen hinsichtlich der Bevorzugung der Vollschwestern bei der Weiselaufzucht gehen jedenfalls genau davon aus. Warum soll eine Larve nicht den Vater erkennen lassen?


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Michael, Wenn ein Bienenvolk bei gleicher Königin mal hellere oder dunklere Bienen hat, liegt das meist an den Aufzuchtbedingungen. Die Wärme spielt bei der Farbausbildung des Chitinpanzers eine Rolle. V.H.W. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,
    Drohnen entstammen einer unbefruchteten Eizelle der Königin (keine Verschmelzung mit einer Samenzelle hat stattgefunden) und somit sind alle daraus entstehnden Zellen der Drohne haploid !
    Körperzellen der Arbeiterinnen sind diploid (da sie aus befruchteten Eizellen entstanden) und bei der Eizellenbildung findete eine Meiose (= Reduktionsteilung) statt, bei der aus diploiden Ureizellen haploide Eizellen werden. Und diese werden nicht durch Spermien befruchtet (keine Begattung mit Drohnen), deshalb sind die Nachkommen auch haploid (= Drohnen).


    Beste Grüße
    Jens