Anweisung zur Tötung seuchenkranker Bienenvölker vom Verwaltungsgericht bestätigt.

  • Der Amtstierarzt erteilte ausschließlich mündliche Anweisungen und untersagte es dem Imker, einen fachlichen Beistand/Zeugen bei seinen Besuchen dabei zu haben.

    Na Mensch, das klingt aber transparent.

    Ist eine solche Weisung ein Verwaltungsakt? Die müssen nämlich schriftlich erfolgen.

  • Der Amtstierarzt erteilte ausschließlich mündliche Anweisungen und untersagte es dem Imker, einen fachlichen Beistand/Zeugen bei seinen Besuchen dabei zu haben.

    Na Mensch, das klingt aber transparent.

    Ist eine solche Weisung ein Verwaltungsakt? Die müssen nämlich schriftlich erfolgen.

    ja, das war ein weiterer Baustein der zu diesem Verfahren geführt hat. Alles mündlich und selbst bei der Kontrolle drei Tage später hatte er nichts schriftlich dabei...und war fassungslos dass der Imker nur die klinisch kranken abgetötet hatte und auf schriftlichen Bescheid beharrte (ohne den die TSK vermutlich eh nicht leisten würde).


    M.

  • Mich belastet das Berliner AFB-Problem nicht sehe aber in der Hype der "Bienenrettung" das Problem der Auffindung der AFB-Quelle.

    Aber das Problem der AFB-Quelle aufzufinden sind eben die unregistrierte Balkon- und Kleingartenimker. Ich möchte hier nicht disqualifizieren sonder meine damit die Einvolk Bienenhalter. Bienenhaltung auf dem "flachen" Land bleibt nicht lange verborgen da ja die Grundstücke frei zugänglich sind.

    Habe mal in Facebook reingeschaut was die "Hobbyimker", oft ohne Anfängerkurs, von sich geben da ist es ein Wunder dass Bienenhaltung überhaupt noch möglich ist.

  • Clas Lehmann Das stimmt, dass Erwärmen hatte ich vergessen. Doch wurde mir vom Labor gesagt, dass trotzdem sehr oft noch Fremdkeime die Proben überwuchern und daher die Anzahl der beimpften Agarplatten hoch gesetzt wurden, damit immer ein Aussagekräftiges Ergebnis gegeben werden kann. Früher hätte das Labor bei uns noch unterschieden, wie viele Kolonien entstanden waren. Dann wurde es in Graden eingeteilt.


    Na ja, mit dem Eintragen bei Volltracht hast du recht und auch mit der Räuberei. Doch habe ich da noch Fragen, es gibt ja immer Futtereintragungsringe und man sieht es auch schön an dem Problem der verhonigten Brutnester, dass die Bienen immer Brutnest nah versuchen zunächst einzulagern. Wenn wir ein Volk annehmen, dass aus der Volltracht kommt, nur noch vereinzelt also etwas findet, dann aber auch mit einigen Sammlerinnen ein betroffenes Volk plündert, da also Sporen aufnimmt. Dann wird das eingetragene doch deutlich verdünnt und auch Brutnester fern eingelagert? Ich habe bei dem Stand als letztes geerntet, und da ich nur einen Brutraum bewirtschaftet, habe ich theoretisch mit dem Honig und die eingetragenen Sporen entfernt? Wie siehst du das?

    Das nach der Ernte gefundene Nahrungsangebot war anscheinend Sporen frei, trotzdem habe ich aus dem Grund alle ausgeschleuderten Honigrähmchen zu einem Aufarbeiter für Seuchenwachs gegeben. Sicher ist sicher.


    Und noch eine Frage. Uns wurde vom BSV gesagt, dass die Hauptgefahr der Ansteckung im Propolis wäre, dass die Bienen ebenfalls abtragen würden und dadurch ins Volk einbringen. Ist das wirklich so? Wenn ich mich richtig erinnere hatte bei einem Vortrag Guido Eich gesagt, dass die Sporen im Propolis nicht mehr auskeimen können. Aber kann sein, dass ich das falsch abgespeichert habe.


    Bei uns wurde vermutet, dass die Erkrankung durch einen Neuimker eingetragen wurde, der zwei Völker ohne Gesundheitszeugnis gekauft hatte, der Verkäufer war zwar nicht in einem Sperrbezirk, doch nicht weit entfernt davon.

    Ich habe mich auch entschieden, obwohl ich nur im Kontrollbereich stehe und negativ getestet wurde, im Frühjahr eine FKP nochmals zunehmen. Eigentlich verkaufe ich immer auch ein paar Völker nach Überwinterung, doch das werde ich wohl auch unterlassen. Erst einmal abwarten.

  • Der Amtstierarzt erteilte ausschließlich mündliche Anweisungen und untersagte es dem Imker, einen fachlichen Beistand/Zeugen bei seinen Besuchen dabei zu haben.

    Na Mensch, das klingt aber transparent.

    Ist eine solche Weisung ein Verwaltungsakt? Die müssen nämlich schriftlich erfolgen.

    Wer sagt, dass Verwaltungsakte schriftlich erfolgen müssen?

  • In dem Beschluss soll es heißen:

    "...Maßnahmen zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut müssten stets das ganze Volk und den damit im Zusammenhang stehenden Bienenstand des Imkers umfassen, sofern diese – wie hier – eine epidemiologische Einheit bildeten. Sei die Amerikanische Faulbrut in einem Volk amtlich festgestellt, gälten alle Völker des Bienenstandes im Hinblick auf die Bekämpfungsmaßnahmen als seuchenkrank.

    Da versteht das VetA sein Handwerk nicht.


    1. Seuchenkrank heißt: a) klinische Anzeichen von AFB (das führt zum Verdacht auf AFB, Auslösen der Meldepflicht, Veränderungssperre usw.) und b) Sporennachweis in FKP (= Bestätigung des Verdachtes).


    2. Im hier diskutierten Fall liegen weder a) noch b) in den jeweils einzeln und zwar bereits doppelt beprobten Völkern des Standes vor. Sie sind im naturwissenschaftlichen Sinne nachweislich nicht erkrankt.

    Eine Rechtsgrundlage für eine Anordnung von deren Abtötung fehlt daher völlig und ist weder vom Wortlaut des § 9 BienSeuchVO noch anders gedeckt. Der Wortlaut des § 9 BienSeuchVO erlaubt nur die "Tötung der seuchenkranken Bienenvölker", nicht aber die Tötung des `seuchenkranken Bienenstandes´, wie das VetA irrig meint. Einen ´seuchenkranken Bienenstand´ kennt die BienSeuchVO nicht.

    https://www.gesetze-im-internet.de/bienseuchv/__9.html


    3. Die AFB-Infektionsquelle liegt bei diesem Befund eindeutig außerhalb des Bienenstandes (Räuberei, AFB-verseuchte Restmüllabfälle o.ä.). Epidemiologisch entscheidend ist es, diese Quelle zu finden und auszumerzen. Die grundlose Abtötung nachweislich gesunder Bienenvölker hilft dabei kein bisschen, im Gegenteil: Es schreckt Imker davon ab, ihren Meldepflichten nachzukommen. Das wäre bei Unbelehrbarkeit des VetA ein triftiger Grund für eine Dienstaufsichtsbeschwerde als letztes Mittel, die Zuständigen in die offenbar dringend nötige Fortbildung zu bringen.

  • Da versteht das VetA sein Handwerk nicht.

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    3. Die AFB-Infektionsquelle liegt bei diesem Befund eindeutig außerhalb des Bienenstandes (Räuberei, AFB-verseuchte Restmüllabfälle o.ä.).

    Hallo,

    ich kann ja Deine Interpretation der bienseuchV ja noch nachvollziehen.

    Aber lehnst Du Dich bei Ziff 3, erster Satz, Deines Beitrages nicht ein bischen sehr weit aus dem Fenster?

    Ich meine im Sinne der Vorbeugung war die Anordnug des VetAmtes richtig. Was das VetAmt natürlich nicht davon befreit die Suche nach weiteren Herden im Umkreis des Standes aktiv zu betreiben.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Nach den hier im Faden genannten Tatsachen liegt die Seuchenquelle außerhalb des Standes: Nur 2 Völker waren infiziert (inzwischen abgetötet), die anderen sind bislang gesund und sauber. Woher sollen sich die erkrankten Völker die Infektion also geholt haben, wenn nicht von außerhalb? Dabei gehe ich davon aus, daß der Imker zuverlässig arbeitet, schließlich erfüllte er vorbildlich seine Meldepflicht und tötete ohne weiteres Zögern die erkrankten Völker ab, obwohl die Anordnung noch nicht einmal schriftlich vorlag. Er wird also selbst eigene Infektionswege innerhalb des Standes bereits geprüft haben - ebenso wie das VetA. Dabei sind offenbar keine weiteren Hinweise auf andere Infektionsquellen gefunden worden, sonst hätte es diese absurde und rechtswidrige Begründung der Tötungsanordnung gesunder Völker (´seuchenkranker Bienenstand´ als epidemiologische "Éinheit") ja nicht gegeben.

    Ein Schelm denkt jetzt mglw., daß das VetA durch besonders hart-"konsequente" Haltung fehlende fachliche Kenntnisse überspielen und sich als tatkräftiger Epidemie-Bekämpfer darstellen will. Aus dieser Ecke sollten man die überforderten Mitarbeiter herausholen, warum nicht auch unter Gesichtswahrung - das zahlt sich ggf. in der künftigen Zusammenarbeit aus...


    Hohen Neuendorf kann Genanalysen durchführen (Auftrag müßte vom VetA kommen) und empfiehlt dies auch dringend, da nur so der Nachweis der Infektionsquelle sicher geführt werden kann. Frau Prof. Dr. Genersch ist seit Jahren bemüht, ein entsprechendes bundesweites genanalytisches Monitoring aufzubauen. Leider ist das am Widerstand mancher Fachkollegen gescheitert, aber mittlerweile ist da Bewegung in Sicht. Genanalysen würden mglw. auch ein ganz anderes Licht auf die jährlichen Bienenimporte werfen...

  • Das mit der Typisierung ist ein guter und wichtiger Hinweis! In Reinickendorf wütet schon seit rund einem Jahrzehnt noch immer selbe Genotyp...und noch immer nicht gefunden und beseitigt trotz amtlicher Bekämpfung....

    Hier noch unsere aktuelle Stellungnahme zu dem Fall zusammen mit dem LV:


    https://imkerverein-reinickend…r-Abtoetung-Bienen-Pankow


    Grüsse in die Runde

    M.

  • Das ist ein toller Beitrag Melanie !!!


    Genau das ist es nämlich: Es wird erwartet, dass wir Imker kooperieren und FKP machen und melden usw. Wenn dann aber der Vet. mit der Keule kommt, sinkt die Bereitschaft dazu noch weiter. Wer hat denn ernsthaft ein Interesse an einem offenen Umgang, wenn er die Tötung aller Bienen dafür in Kauf nehmen muss.

  • Sehr gut! Ich habe gleich alle Mitglieder meines Imkervereins darüber informiert. Dieses Beispiel sollte Schule machen!

    Gruß Ralph

  • Hatte Guido Eich beim letzten Berliner Imkertag nicht einen Vortag über die aktuelle Stand der AFB-Sanierung gehalten? Ich musste leider an dem Wochenende arbeiten.

    Beim BSV-Lehrgang ist nur von standweiser Sanierung inklusive des gesamten Materials die Rede und nicht von Unterscheidung wenig oder nicht besporten Einzelvölkern, die ausgeklammert werden.

    Schön reden können ja viele, aber wer ist bereit mehrere Arbeitstage bei Kollegen die Sanierung mit zu machen unter Aufsicht vom Vetamt bzw BSV, die es in Berlin noch nicht mal gibt! Solange dieser Schritt dem Vetamt nicht überzeugend verkauft werden kann, gehen die den Weg der totalen Lösung mit weniger Arbeit und Entschädigung.

    In MV werden von der TSK aktuell Wabenschmelzpartys angeboten, vielleicht auch eine Idee das Berliner Gesundheitsmobil einzuweihen.