Oxalträufelung 2 x 25 ml stat 1 x 50 ml?

  • Hallo zusammen,


    Jürgen Binder propagiert die Winterträufelung mit Oxalsäure zwei mal mit halber Dosierung (25 ml) binnen weniger Tage zu machen, weil er dann verschiedene Bienen besser erreichen könne.


    Was haltet ihr davon? Gute Idee, wirkungslose Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder besser nicht nachmachen, weil "zwei mal ist einmal zu viel"?


    Danke für eure Meinungen im Voraus

    Stefan

    5 Wirtschaftsvölker Dadant in Holzbeuten

  • 1. Binders These läßt mit derselben Wahrscheinlichkeit die Gegenthese zu: Bei der zweiten Behandlung besteht durchaus das Risiko, die bereits schon einmal beträufelten Bienen ein zweites Mal zu beträufeln. Er gattert ja schließlich bereits beträufelte Bienen nicht ab. Eintrittswahrscheinlichkeit für These und Gegenthese also allenfallls 50 : 50.


    2. Man kann die Gegenthese außerdem damit begründen, daß die klebrigen Bienen sich wohl erst ins Innere der Traube zurückziehen können und dürfen, wenn sie einigermaßen sauber abgeschleckt sind.


    3. Völlig unabhängig davon ist das Beträufeln die Applikationsform, die die Bienen am schlechtesten vertragen. Freiwillig nehmen Bienen keine Zuckerlösung auf, die mit OX befrachtet ist (Fütterungsexperiment von IF Brüning - Bericht 1 S. 3 Abs. 1):

    http://www.varroamilbe.ch/bericht1-new.pdf

    Der Imker zwingt sie durch das Beträufeln dazu. Selbst wenn sie nicht daran versterben, so verkürzt OX mit Zuckersirup ihre Lebensdauer, vermindert ihr Leistungsvermögen, führt zur Aktivitätsminderung + eingeschränkter Kommunikation und stark erhöhtem Wasserbedarf (Dissertation Saskia Schneider).

    https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/5556

    Das sollte man bei jeder Träufelung und der Festlegung ihres Zeitpunktes mit bedenken. Bei 2 Träufelschritten würde das Zeitfenster noch weiter eingeschränkt um eines Effektes mit allenfalls 50 : 50iger Wahrscheinlichkeit willen.


    4. Wieviele Jahre praktiziert Herr Binder schon die Träufelung in 2 Schritten?


    => Es spricht m.E. mehr gegen Binders These als dafür.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von ribes ()

  • Ergänzend muss man sich auch die Frage stellen, ob bei der Hälfte der Dosis, die gewünschte Wirkung, das Abtöten der Milben sicher zu einem annehmbaren Prozentsatz erfüllt wird. Auch wenn einige Tage später eine zweite Dosis gegeben wird, ist es oft so, dass Gift in kleinen Dosen deutlich weniger Schaden verursacht. Wir wollen aber den Schaden an den Milben und durch Versuche wurde die vorgegebene Menge als effektiv gegen die Milbe, aber noch nicht tödlich für die Biene erprobt.


    Chemotherapien und Strahlenterapien arbeiten mit dieser Methode um die tödliche Dosis für den Menschen überlebbar zumachen.

    Auch ist es ähnlich, wenn man nur die Hälfte eines Antibiotikums einnimmt. Es sterben dann zwar auch eine Masse an Bakterien ab, aber nicht ausreichend und so wird die Infektion nicht eingedämmt. Beim Antibiotikum steigt dann die Wahrscheinlichkeit auf eine Resisitenz, was natürlich bei Oxalsäure so nicht entstehen kann. Trotzdem bleibt es ineffektiv, die Dosis zuteilen, weil man die Wirkungen mehr als halbiert.

  • Selbst wenn sie nicht daran versterben, so verkürzt OX mit Zuckersirup ihre Lebensdauer...

    Was das besonders für Frühträufler bedeutet kann man sich gut vorstellen...

    Diese 50 ml Angabe sollte man auch nicht pauschal als, "das überleben die Bienen gerade so" betrachten. Das trifft vielleicht auf sehr starke Völker zu, aber schwachen gibt man damit den Rest!


    Man muß nicht jede Erfahrung selber machen, auf diese hätte ich gerne verzichtet:

    Oxalsäure Behandlung

    Oxalsäure Behandlung

    Denn es gibt bessere Alternativen:

    Oxalsäure Behandlung

  • Ich frage mich immer warum es eine Gebrauchsanweisung gibt, alles andere ist doch Blödsinn. Entschuldigung. ;(:sleeping:||

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Also auch ich werde NUR einmal Träufeln, denn wer 2x träufelt, träufelt 1x zu viel.


    Wie ist das eigentlich dann mit "Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% (m/V) ad us. vet., Lösung und Saccharose- Pulver"

    Kann ich die angerührte Lösung länger verwenden oder muss ich jedes Jahr neue kaufen? Ich frage deshalb da ich noch nicht so viele Beuten habe, als daß die 0,5 L aufgebraucht werden. Könnte sie nur an Kollegen verschenken. ;)


    Gruß

    Chris

  • [...] Resistenz, was natürlich bei Oxalsäure so nicht entstehen kann.

    Wieso ist das „natürlich“? (Und wieso kann es nicht entstehen?) Bislang weiß ich nur, dass noch keine Resistenzbildung beobachtet wurde.


    Resistenz gegen Arsen, Salz, etc. gibt es ja auch, an der „zu einfachen Verbindung“ kann es also nicht liegen.

  • Na ja, es gibt einige Anpassungen auch gegen Säuren und Laugen auch im Tierreich. Doch leben diese Arten immer fortwährend in diesem Millieu. Die Anpassung ist gut von Darwin in seinem Buch erklärt worden.

    Dafür müssen aber die Voraussetzungen passen. Abgegrenzte Population - die haben wir nicht, da es immer wieder zu einem Austausch kommt von Milben zwischen den Bienenvölkern. Aber eingeschränkt bei der Milbe, da sie im Grunde Inzucht betreibt, aber nicht typische Inzucht Probleme hat. Männliche Milbe und Tochtermilben stammen immer von der gleichen Mutter ab und so weiter.

    Wenn man mit Oxalsäure behandelt, steigt in sehr kurzer Zeit die Konzentration an, die Milbe sitzt auf den Bienen und kann der Oxalsäure genauso wenig wie die Bienen entkommen. Die Menge der tödlichen Dosis ist aber alleine schon beim Größenverhältnisse zwischen Milbe und Biene unterschiedlich. Nimmt man den Wirkungsgrad 95 % an. Überleben nur 5%, bei diesen 5% ist eigentlich nicht klar, warum sie überleben, vielleicht ist das eine Anpassung, doch dann wären alle darausentstehenden Milben angepasst, da sich die Milbe so vermehrt würde eine Anpassung sehr schnell in der gesamten Population, die ja genau aus diesen angepassten Milben entstanden ist, verteilen und die Wirkung wäre nach den langen Jahren der Benutzu

    ng nur noch sehr gering bis gar nicht vorhanden. Das Problem mit Perizin, die resistenten Milben überleben und können sich vermehren. Doch bisher ist der Wirkungsgrad von Oxalsäure gleich und viele verwenden auch das Sublimieren mehrfach in einer Saison, was eine Anpassung begünstigen würde. Doch sie behandeln mit weiterhin gutem Erfolg.

    Daher ist das eigentlich der Nachweis für die Nichtanpassung, Doch theoretisch wäre ein leichte Oxalsäuremileu, mit über Jahre hinweg langsam steigender Konzentration in der Beute eine Möglichkeit um Bienen und Milben zu selektieren und eine Anpassung zu erzeugen. Das macht hoffentlich keiner😉

  • Resistenz gegen Arsen, Salz, etc. gibt es ja auch, an der „zu einfachen Verbindung“ kann es also nicht liegen.

    Diese "Resistenz" vermindert die Schädigung des menschlichen Organismus bei andauernder niedrig dosierter Exposition, nicht jedoch bei punktuell hoch dosierter Zufuhr.

    Die Art der Verbindung ist bei Arsen für die Giftigkeit entscheidend.

    Die im Mittelalter zeitweise versuchte "Gewöhnung" wichtiger Leute an niedrig dosiertes Arsen um Giftanschläge überleben zu können hat nicht funktioniert.


    Bisher sind keine Resistenzen der Varroamilbe gegen Oxalsäure, Milchsäure oder Ameisensäure bekannt.


    Die klassische Resistenzentwicklung durch Selektion bei zu niedrig dosierter Anwendung ist auch von der Vermehrungsrate abhängig - da trennen Welten die Varroamilben von Bakterien.
    Dennoch sollten auch aus diesem Grunde die Anwendungshinweise beachtet werden ("2x 25ml?").

  • Hallo Pinky

    Wenn du die richtige Wage hast, funktioniert das abmessen sehr gut und genau. Den Rest der manchmal auch bei mir übrig bleibt, mische ich mit etwas mehr Wasser und benutze es zum besprühen von Schwärmen im Frühjahr. Das klappt sehr gut wenn sie sehr breit in die Beute einlaufen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)