Infektionsschutz im Ameisenstaat - auch bei Bienen zutreffend?

  • In der Süddeutschen war jetzt ein sehr interessanter Artikel.


    Kurzfassung: Ameisen betreiben ein effektives Infektionsschutzmanagement. Trotz intensiver Interaktionen innerhalb des Volkes vermeiden Aussenarbeiterinnen eher den Kontakt zu Ameisen im Innendienst, zu Ammen und Hofstaat der Königin haben sie gar keinen Kontakt. Erkrankte Ameisen isolieren sich aktiv selbst (schränken ihren Bewegungsradius und die Zeit innerhalb der Kolonie ein) und die gesamte Kolonie passt die Interaktionen an das Krankheitsrisiko an - auch die gesunden Aussendienstameisen verbringen weniger Zeit im Nest und die Brut wird tiefer ins Nest gebracht.


    Die Ameisen wurden mit winzigen QR-Code-Plättchen unterscheidbar gemacht und Aussendienstlerinnen gezielt mit einem Pilz infiziert. Die Reaktion erfolgte schon bevor die Ameisen sichtbar erkrankten.


    Wäre mal interessant das bei Bienen zu beobachten. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass auch so ein komplexes Infektionsschutzverhalten durch Nervengifte eingeschränkt wird und damit die Anfälligkeit eines Volkes gegen Varroa und andere Krankheiten steigt.


    Gruß

    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Bei Ameisen sind die meisten Arten deutlich langlebiger als Bienen.

    Das dürfte ein wesentlicher Aspekt beim

    Infektionsschutzmanagement sein.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Infektionsschutz bei Bienen gibt es natürlich: kranke Bienen verlassen den Stock, bleiben draussen, sterben draussen. Der größte Schutz ist Propolis mit über 400 versch. Inhaltsstoffen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Berggeist : Da hast Du aber etliches überlesen.

    Bspw. an meinem Stand kann man jedes Jahr im Juli/August beobachten, wie kranke Bienen von den Fangwaben des TBE-Brutsammlers aus der "Sammler vom Sammler"-Kiste (SaSa) sich ins Freie schleppen, um nie wieder zurückzukehren, weil sie draußen sterben. Ich gehe davon aus, daß das bei jedem SaSa so ist - noch bevor der Imker mit TAM eingegriffen hätte. Allerdings muß man rechnen können (Schlupfzeitpunkt) und die Beute aufmerksam beobachten und Geduld haben, dann sieht man den Zug: "Ave, Imker, morituri te salutant!"

  • Man kann vor allem auch regelmäßig beobachten, dass Bienen trotz Gegenwehr hinausbefördert werden (keineswegs nur Drohnen).

    Es scheint also auch ein aktives Management von Seiten der gesunden Bienen zu geben.

    Die Bienen kennen keine Quarantäne, die kennen nur Friedhof.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • kranke Bienen verlassen den Stock, bleiben draussen,

    den Beleg für dies Behauptung hat nach wie vor noch keiner hier geliefert.

    Es ist die gelehrte Meinung vieler bedeutender Imkern.

    Belege die diese Meinung mit Untersuchungen stützen findet man schnell, zum Beispiel hier.

    Was fehlt dir? Wie soll der Beleg aussehen? Warum soll hier geliefert werden?

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Warum soll hier geliefert werden?

    Weil ich schon vor längerer Zeit gefragt habe und niemand auf irgendeine Studie verwiesen hat. Nicht mal Beobachtungen. Natürlich muss niemand. Deine verlinke Studie ist interessant belegt aber auch keine Suizidbienen. Mein Zitat von Holmi war sicher etwas unglücklich gewählt.


    Natürlich kommen kranke Bienen seltener zum Stock zurück als pumperlgesunde. Aber ich zweifele nach wie vor an der Theorie, dass die Bienen zum Sterben ausfliegen. Abgewehrte Bienen belegen ja genau das Gegenteil, die wollen ja gerne wieder in den Stock. Auch werden viele tote Bienen von Kolleginnen aus dem Stock entfernt. Es dürfte ja auch nicht vorkommen, dass überhaupt jemand im Stock stirbt, wenn die Bienen darauf geeicht wären, im Krankheitsfalle zum Sterben auszufliegen. Es passt einfach nichts bei der Aussage.

    Gegner glauben uns zu widerlegen, indem sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsere nicht achten. (vom guten alten Goethe)

  • Weißt du , wie dein Beutenboden aussehen würde, wenn im Juni/Juli die alten, sterbenden Bienen nicht draußen bleiben würden??

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Weil ich schon vor längerer Zeit gefragt habe und niemand auf irgendeine Studie verwiesen hat. Nicht mal Beobachtungen. Natürlich muss niemand. Deine verlinke Studie ist interessant belegt aber auch keine Suizidbienen. Mein Zitat von Holmi war sicher etwas unglücklich gewählt.


    Ich wurde gerade fündig:

    https://onlinelibrary.wiley.co…/j.1420-9101.2010.02022.x


    Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass Bienen bei einem nahenden Kollaps oder wenns dufttechnisch nicht stimmt, gerne fahnenflüchtig werden und lieber wo anders mitmachen. Solche "Migrationsverhalten" sind ja auch bei gesunden Völkern zu beobachten (ca. 1%), während mir noch keine Untersuchung an kränkelnden Völkern bekannt ist.

  • Das ließe sich aber unschwer beobachten.

    Es sterben in der Hochsaison ja locker 1.000 Bienen am Tag.

    Wenn man da nur eine halbe Stunde am Flogloch zählen würde...

    Die Fluglochbeachtung zeigt aber, dass relativ wenig Bienen tot hinausgetragen werden.


    Wolfgang

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