Einzarger oder Mehrzarger ?


  • Auch würde ich die Einzargige Arbeitsweise nie einem Anfänger empfehlen.

    Hallo Ede,
    warum würdest du genau dem Anfänger davon abraten?

    Wäre es nicht genau für den eine Erleichterung, nur zehn oder 12 statt der doppelten Menge an Rähmchen kontrollieren zu müssen?

    Als "Fortgeschrittener" mag das ja mit der Kippkontolle funktionieren aber als Anfänger wohl nur bedingt.

    Danke und vg

    Axel

  • Hallo Ede,
    warum würdest du genau dem Anfänger davon abraten?

    Für eine zweizargige Völkerführung gibt es Literatur, Blogs, Homepages und Videotutorials...alles gut dokumentiert und abrufbar. Dank Smartphone auch vor Ort am Stand. Für eine einzargiger Führung in DN oder Zander wird es deutlich überschaubarer - da ist Frust vorprogrammiert.


    Womit startet aber ein Anfänger? Häufig mit einem einzargig überwintertem Ableger oder mit 10/12 Waben Volk im April. Dann wird der zweite Brutraum aufgesetzt und im Mai wundert man sich über nicht angenommene Honigräume und zwei Wochen später kommt die Frage nach der verschwundenen Königin trotz Kippkontrolle. Dazwischen liegt eventuell noch ein lustiges Spielchen aus umgehängten Waben, Brutnestöffnungsverfahren, angeritzten Futterkränzen,...

    Nächstes Jahr versucht er es einzargig, kommt aber immer zu spät...Honigraum zur Kirschblüte gilt dann halt nicht mehr. Wieder Schwärme...


    Meine Erfahrung und im Verein zeigt mir persönlich, Anfänger fahren einzargig einfacher, besonders wenn sie einzargig aus dem Winter kommen. Wer zweizargig startet, da sieht es aber anders aus. Da wäre es vielleicht tatsächlich zweiräumig einfacher. Wer nie mit zwei Bruträumen geimkert hat, der tut sich auch einzargig deutlich leichter.



    Ich muss damit meinen Kommentar dabei erweitern. Dieser Bezog sich nur auf DNM.

    Es war nicht damit gemeint, dass 1,5 DNM, Dadant oder andere Grosswaben in der Betriebsweise irgenwie negativ sind. Ganz im Gegenteil, die großen Brutflächen und andere Dinge daran gefallen mir ausgesprochen gut.

    Wieso jetzt 6 Waben DD/DN1,5/ZaDant + DR + Schied was anderes sind, weiß ich aber nicht.

    Ich habe sowohl Zander Einzargig, als auch ZaDant mit Schied. ZaDant finde ich für Naturbau angenehmer, warum auch immer. Trotzdem überlege ich davon wegzugehen, da einräumig Zander mir noch einfacher vorkommt.


    Das Thema ist mir immer wieder ein "besonderes Anliegen", da ich mich an meinem Opa erinnere, wie er sich in bemühte, die Bienen von dem schwärmen abzuhalten.

    Heute haben wir dagegen paradiesische Zustände.

    Ist es nicht schön vom Fortschritt der Züchter zu profitieren?;)


    Grüße

  • ....Meine Erfahrung und im Verein zeigt mir persönlich, Anfänger fahren einzargig einfacher, besonders wenn sie einzargig aus dem Winter kommen....

                                                                     

    ChrisAusEssen , dein Fazit also: Anfänger mit einzargig überwinterten Ablegern oder Jungvölkern sollte diese auch einzargig weiterfahren. Auch wenn es dafür nicht ganz so viel Literatur, Videos, erfahrene Ratgeber gibt.

    Richtig?

  • AX_EL  

    Ja und nein.

    Anfänger, die in der Lage sind und die Motivation haben sich gezielt danach Infos suchen - bspw. hier - ja.
    Anfänger, die Kochrezepte suchen - nein.

    Anfänger, die bspw. mit Dadant starten wollen, es aber in ihrer Region nicht verbreitet ist - ja. (wie ich)

    Anfänger, die bspw. im ersten Jahr Probleme mit Nichtannahme HR, Kippkontrolle, Schwärmen hatten - ja.

    Anfänger, die bereits zweizargig gestartet sind und irgendwie zurecht kamen - nein - noch nicht, vielleicht auch garnicht.
    ...

    Die Liste ist fast beliebig erweiterbar.


    Die Entscheidung für eine Völkerführung ist in Teilen einen bindende, ich würde heute nicht mehr auf 12er Dadant wechseln - würde aber vielleicht rückblickend damit anfangen, einfach um den HR um 90° zu drehen. Erfolgreich kann man aber mit jeder Betriebsweise sein, die Wirtschaftlichkeit spielt ja für die meisten nur eine untergeordnete Rolle.


    Für den erfolgreichen Start eines Anfängers ist nur ein Faktor entscheidend - er selbst.

    Wo und wie tief bezieht er seine Informationen und ist er in der Lage das in einem Volk zu erkennen und auch umzusetzen...bspw. Zellen brechen. Ich betreue Anfänger, denen traue ich es zu alle Zellen bis auf eine zu brechen, bei anderen fahre ich lieber erstmal selber vorbei und zeige es. Bienenhaltung ist auch ein stückweit Handwerk, das kann man lernen, muss es aber lernen wollen. Kochrezepte ala Thermomix gibt es aber auch und die funktionieren manchmal durchaus.
    Ein Pate kann da nützlich sein, aber spätestens wenn die eigene Betriebsweise von der des Paten abweicht, wird es häufig leider düster. Was nicht funktioniert ist ein Kochrezept auf ein anderes System zu übertragen.


    Wer mit seiner Betriebsweise/Völkerführung zufrieden ist und die Völker über den Winter bringt, der soll es weitermachen. Es funktioniert ja.
    Irgendwann kommt aber vielleicht der Punkt, an dem man mal über den Tellerrand schauen möchte, weil man selber Schwächen der Völkerführung erkennt, oder aber der wirtschaftliche Aspekt rückt in den Fokus, oder der Rücken ruft nach Flach- und Halbzargen im HR - ab da kann man sich mit einer anderen Völkerführung auseinandersetzen.
    Das muss dann ja auch nicht DN/ZA-einzargig sein. Ich kenne ältere Imker, die jetzt die Golzbeute wiederentdeckt haben und sich an die Gegebenheiten der Beute anpassen.

  • Die Entscheidung für eine Völkerführung ist in Teilen einen bindende, ich würde heute nicht mehr auf 12er Dadant wechseln - würde aber vielleicht rückblickend damit anfangen, einfach um den HR um 90° zu drehen.

    Du kannst auch bei Zander oder DN einen um 90° gedrehten HOnigraum aufsetzen.

    Bei Zanderbrutraum mit DeutschNormal als HR

    Bei DeutschNormalbrutraum mit Zander HR


    Bei meinen Zander 1,5 Völker habe ich Deuschnormal als HR!


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • z.B. bei Dandant oder Zadant, DN 1,5 wenn der BR nur reichlich halb voll mit Waben ist.

    Da können die Bienen im HR auf den Waben bis zur anderen Seite gelangen, ohne die Waben zu wechseln. Wenn der HR auch im Kaltbau ist füllen sie die erstmal nur übern Brutnest.

    Ich hoffe, ich habe es halbwegs verständlich ausgedrückt.

  • Wenn der BR nur halbvoll mit Waben ist, füllen die Bienen in erster Linie nur die Waben im Honigraum über den Waben im Brutraum, da sie ungern die Waben im Honigraum über dem leeren Bereich im Brutraum wechseln. Gehört ja quasi nicht mehr zum Stock dazu.

    Wenn du die Waben im HR um 90° gedreht zu den Waben im Brutraum aufsetzt, haben die Bienen die Möglichkeit über die Waben im Brutraum auf jede Wabe im Honigraum zu kommen. Diese Waben im Honigraum laufen sie auch bis zum Ende durch, die Honigwaben werden nahezu gleichmäßig gefüllt.

    Ich umgehe das Problem, indem ich den Honigraum (DN1,5 mit HR in DN und DN0,5) um 180° drehe, wenn ich feststelle, dass der HR einseitig befüllt ist.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Boahh, das ich damit hier solch eine große Diskussion auslöse hätte ich nicht gedacht, aber sehr informativ. Danke für eure beherzten Hinweise und Tipps.

    Ich für meine Variante werde ich nächstes Frühjahr mit einem Volk auf 1 BR ZaDant (1,5) gehen und mit Zander normal die HR aufsetzen. Wenn das alles gut läuft kann ich ja nächstes Jahr auch auf diese Variante gehen.


    Viele Grüße

    Chris

  • Hallo Axel,


    Du hast eine berechtigte Frage gestellt und bekommst auch von mir eine Antwort.


    Kürzlich hat ein Berufsimker zum Thema Anfänger gesagt:

    Er nimmt 3-4 Anfänger auf und betreut sie mindestens drei Jahre.


    Viele Verein gehen den anderen Weg und geben in gewissen Zeiträumen Kurse, die den Anfänger durch das Jahr begleitten. Meiner Meinung nach reicht das aber alleine nicht, um einen Anfänger einen ausreichenden Start zu ermöglichen. Leider stehen dann die Jungimker vor ihrer Bienenbeute und werden von den Ereignissen überrascht und geben leider teilweise resigniert auf. Es fehlt einfach der Support zwischendurch.

    Mit der Einraumbetriebsweise im Brutraum schafft man für den Anfänger einen limitierten Brutraum. Dieser Raum muss also optimal genutzt werden. Der Neue kennt aber die Jahreszeitlichen Abläufe nicht. Macht er einen Fehler, stehen den Bienen und dem Jungimker keine Ausweichflächen zur Verfügung.

    Ich bin zum Beispiel immer wieder fasziniert davon, wie die Völker im Frühjahr regelrecht explodieren. Auch müssen die Grundsätze: Vorräte vor Eiablage in der Praxis bei Massentrachten erlebt werden. Geht der Raps in Blüte, lagern gerne die Bienen den Nektar in dem Brutraum ab. Die Königin hat dann weniger Fläche zur Eiablage. Auch gehöre ich zu Imkern, die den Bienen gerne bis zu einem gewissen Grad einen Honigkranz im Bruraum lasse. Nach dem Schleudern hat das Volk immer eine Reserve, um in Trachfreien Zeiten über die Runde zu kommen. Ferner verfügt ein Neuling nicht über die Vorauschau, was er im Zeitablauf benötigt. Er imkert mit unausgebauten Mittelwänden, es fehlen Rähmchen und Zargen etc. Ich habe ja noch unten Luft und kann dann während der Woche Nachschub besorgen. Eine Woche kann dann sehr lang werden, wenn die Reserve fehlt.

    Wird der Raum zu eng, fehlt plötzlich Futter oder die Kiste wird sehr schnell so voll, dass der Schwarmtrieb einsetzt.

    Ich selber tue mir das auch nicht mehr an.
    Auf dem oberen Brutraum sieht das ja häufig wie folgt an dem Beispiel einer Segeberger Beute aus.

    Auf Platz 1 und 11 zum Beutenrand hat man dann die Pollenwaben.

    Auf Platz 2 und 10 sind bei mir immer die Baurahmen für die Drohnen.
    Der Rest wird dann mit Brut belegt. In der Hauptsaison habe unter der Brut im Raum 1 Kugelförmig in Brutraum 2 Brut. Die Bienen haben immer einen zusätzlichen Platz um sich dort aufzuhängen. Das können sie ja nicht sehr gut auf vollen Honigwaben.
    Nicht vergessen, wenn wir im T-Shirt und kurzer Hose die Bienen bearbeiten sind ca 1/3 der Damen im Aussendienst. Das Argument 22 Waben durcharbeiten zu müssen, lass ich nicht gelten. Das mache ich nur, wenn ich Weiselzellen finde.

    Ich ziehe eine Randwabe mit Pollen, schiebe dann mit dem Stockmeissel Rähmchen nach Rähmchen in die frei Lücke. Dabei ist auch immer der Blick nach unten auf die Rähmchenoberkante des unteren Brutraums gerichtet. Findet man nichts, ist alles ok. Finder man sogenannte Spielnäpfchen, zieht man die meist zwei, drei Rähmchen und kontrolliert, ob diese belegt sind. Ich breche dann die Spielnäpfchen auch wenn sie nicht belegt sind. Das muss aber nicht und schwubs wieder in die Kiste damit. Den unteren Brutraum fasse ich damit so gut wie nie an.

    Ein kleiner Strauß von Argumenten, warum ich nicht einem Anfänger eine Einraum Betriebsweise im Brutraum empfehle und ich auch es selber nicht tue.

    Hierfür benötigt man meiner Meinung nach gute Kenntnisse der imkerlichen Praxis und ein Gefühl für die Bienen, Wetter und dem Verlauf der Ereignisse.

    Sicherlich habe ich etliche Argumente vergessen, muss aber wieder an meinen Schreibtisch.
    Was ich da auch über andere Betriebsweisen angemerkt habe, hängt von den Rahmenbedingungen ab.
    Sollte dein Imkervater ein excelenter Dadant Imker und hast du das absolute Vertrauen dazu haben, ist das auch eine Argument mit Dadant anzufangen.
    Einer 1,55 Meter Dame ist auch eine andere Betriebsweise zu empfehlen. Wie soll die bitte eine Honigzarge, bei einem Volk mit 4 Zargen von oben wuchten, der die Hälfte ihres Gewichtes darstellt.
    Wenn ich 300-500 Völker bewirtschaften müsste und gleichzeitig Sortenhonig ernten will, wäre ich wahrscheinlich Dadant Imker, wie die meisten Berufsimker.

    Ich wünsche dir viel Spass beim imkern. Wäge deine eigenen Argumente ab und lass dich nicht abhalten.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Wenn man von Anfang an in einem ausreichend großen Brutraum lernt, hat man im Kopf keinerlei Probleme damit, alles erschließt sich logisch. Damit meine ich nicht einzargig DN oder einzargig Zander, sondern Dadant, Zadant, DN 1,5, Zander 1,5 und ähnliche Volumina, die ausreichend Platz zum Reagieren lassen. Wenn man sucht, findet man auch jemanden, der es einem beibringt. In einem reinen Zweizarger-Umfeld muss man mit dem (neg.) Exoten- bzw. (pos.) Pionierstatus zurechtkommen. Wir sind inzwischen vier im Verein...


    Einen banalen, aber wichtigen Unterschied sehe ich zwischen ein- und zweizargig: Einzargig muss ich acht Monate des Jahres nichts schwereres als Beutendeckel heben. Imker(innen) mit geringer Körpergröße, minderer Armkraft oder Rückenproblemen sind mit einzargiger Völkerführung sicher besser dran.


    Ansonsten ist es wie mit vielen Dingen: Die einen bevorzugen eine 1:1-Anleitung, die anderen denken lieber eigenverantwortlich. Fehler machen die einen wie die anderen, hoffentlich lernen alle daraus.

  • Auf dem oberen Brutraum sieht das ja häufig wie folgt an dem Beispiel einer Segeberger Beute aus.

    Schöne Beschreibung - wenn's gut läuft.


    Wenn's schlecht läuft und Schwarmstimmung auftritt, bist halt am suchen: Jede Wabe abschütteln, Zellen brechen und wieder platzieren. Das für 20 Waben oder - wenn sie doch in die randständigen Pollenwaben stiften und WZ bauen für 22 Waben.


    Ein BR auf DN oder ZA geht mit nicht allzu starken Völkern (Erfahrung).


    In einem Sommer wie dem letzten hat man durchaus Probleme mit der "in house logistic", wegen des massenhaften Nektareintrags. Ich füge mal ein Bild aus dem Mai an - kurz vor der Ernte:


    imkerforum.de/attachment/11212/


    Einraumbetr.weise DN1,5; Kö Elg/Bf-Mix, weiß; Schied Febr. 5 Wb., April auf 6 korrigiert; dann nicht mehr verändert. Die unteren beiden DN-HRe waren Notmaßnahme wg. Wildbau mit Nektareinlagerung hinter dem Schied. Im BR sonst keinen Nektar vorzufinden. Solche Völker benötigen mehr Platz - stimme ich Dir zu.


    Die DD-Beute dahinter mit 2 HRen, die komplett auszubauen waren (wg. Umstellung auf DD); die haben dann im Sommer ihren "Soll" erfüllt... keine Schwarmstimmung, was m.E. eher an der Genetik liegt, nicht an der Beute.


    Es führen viele Wege nach Rom.

  • Ich muß es euch einfach nochmal schmackhaft machen.

    Bei einem Brutraum DNM 1.0 und Buckfast F1 Königinnen läuft das bei mir kurz gefasst so:


    -Im März werden Zweizarger auf eine Zarge reduziert und Baurahmen gegeben.

    -Im April werden die Drohnenrahmen rausgenommen und eingeschmolzen.

    -Von Mai bis August kann ich dann das Absperrgitter drauf lassen, das Brutnest also völlig unangetastet lassen, und die Königinnen werden nicht beunruhigt oder gefährdet, weitere Drohnen dürfen und sollen gerne im Volk bleiben.

    -In den 2-4 Zargen darüber wird fast wöchentlich Honig geerntet und bei den stärksten Völkern werden dabei Bienen für Kunstschwärme zusammengefegt... und das sind einige, denn ich will nicht im Honig ertrinken. Das trägt allerdings sicherlich auch dazu bei, das meine Bienen nicht schwärmen. Und dann gibt es doch wieder viel Honig...


    Wie schön ist das eigentlich !?! :)