Varianten der Völkervermehrung

  • Hallo,


    Bin gerade am kalkulieren was ich für das nächste Jahr an Zargen benötige und frage mich in wie weit man das beurteilen kann.


    Kunstschwarm, Ableger, Sammelbrutableger, TBE, Saugling, Flugling, Schwarmvorwegnahme.... über alles hab ich schon gelesen nur leider fehlt mir noch die Erfahrung vorherzusehen was ich wann und wie mache.


    Deshalb würde mich interessieren wie Ihr vorgeht:

    Plant Ihr schon dass ihr nächstes Jahr aus den Völkern Ableger macht? Oder dass Ihr sicher Kunstschwärme und Sammelbrutableger macht? Was führt euch dazu eher die eine Variante zu wählen statt die andere?


    Über maximale Völkermehrung habe ich hier auch schon einiges gelesen – aber was ist denn die Bienenverträglichste und gleichzeitig ökonomischste Art und Weise die Völker zu vermehren?


    Viele Grüße


    Christian

  • Hmm, eine interessante Frage, auch für mich als blutigen Anfänger.
    Wir haben dieses Jahr aus 2 Sammelbrutablegern von 2017 insgesamt 6 Völker gemacht.
    2 als Sammelbrutableger beim Imkerverein zusammen mit den anderen Kollegen.

    2 weitere als Ableger mit eigener Königinnennachzucht durch das Volk.
    Die Entwicklung verlief zum Teil sehr unterschiedlich... von stark bis schwächer, aber besser wie der eine Ableger aus dem letzten Jahr. Also sind wir doch zuversichtlich.

    Wenn ich mir die Varroasituation ansehe, dann denke ich, dass ich nächstes Jahr mal zumindest bei einem Teil der Völker "Teilen und Behandeln" machen werde.

    Eigentlich hatten wir ja vor nur 4 Völker zu halten, jetzt sind es halt 6...
    Aber meine Montagen sind halt nicht planbar und der größte Arbeitsanfall in der Firma ist in den letzten Jahren immer in den Sommermonaten gewesen... (also das ist auf jeden Fall ein limitierender Faktor.)

    Trotz allem bin ich jetzt durch die lange Brut und Flugtätigkeit etwas verunsichert, wieviele der Völker werden wohl den Winter überleben? Ich zwinge mich jetzt schon auf den 1.12. zu warten um zu wiegen....

    Trotzallem denke ich, dass du, mit Honigeinbußen, aus einem starken Volk im Mai Juni alle 14 Tage eine Brutwabe entnehmen kannst (Im Rahmen der Schwarmverhinderung) um daraus Nachzuziehen.

    Teilen und Behandeln würde ich dann im Herbst aber nicht mehr machen.


    Viele Grüße


    ULI


    mal sehen wie das die erfahrenen sehen....8|

    Genieße das Leben.

    Sei Dankbar und Glücklich.

  • Tja, was soll man zu so einer weitschweifigen Frage schon gross antworten? ;) Als Anfänger habe ich (v.a. hier im Forum) bislang als Faustregeln für mich mitgenommen:

    • sich auf ein Konzept festlegen und nicht wild alles durcheinander würfeln;
    • am einfachsten geht es, wenn man Königinnen zukaufen kann;
    • falls man selbst vermehrt, ist es sinnvoll, die Königinnenvermehrung von der Völkervermehrung zu trennen.

    Mit dem letzten Punkt meine ich im Grunde einfach, dass die Vermehrung über Brutwabenableger in aller Regel weniger gute Ergebnisse wie eine Königinnenvermehrung lege artis liefern dürfte. Ich für meinen Teil ziele für nächstes Jahr eine moderate Vermehrung nach ungefähr folgendem Schema an: Ein Volk wird gezielt von Beginn der Saison an für die Königinnenvermehrung ausgesucht (Sammelbrutableger lohnen sich für mich nicht; will ich auch nicht). Ich brauche nur einen Zyklus. Danach wird das Volk in Begattungseinheiten aufgeteilt. Nach der Ernte verwende ich die nun begatteten Königinnen zusammen mit «überschüssigen» Bienen aus den Wirtschaftsvölkern, um Kunstschwärme zu erstellen und so meine Völkerzahl am Ende der Saison zu erhöhen. Aber das ist einfach eines von hundert möglichen Konzepten.


    Der Materialbedarf ist übrigens immer höher, als man denkt. Und viel flüssiges Futter hilft viel.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Hallo Hodor,


    in der Imkerei gibt es so viele Wege wie Imker :)


    Kunstschwarm, Ableger, Sammelbrutableger, TBE, Saugling, Flugling, Schwarmvorwegnahme.... über alles hab ich schon gelesen nur leider fehlt mir noch die Erfahrung vorherzusehen was ich wann und wie mache.

    Mache nur das, was dir gefällt! Was dir nicht taugt, das mache nicht. Und arbeite MIT den Bienen, nicht GEGEN sie.


    Das ist mein Grundsatz und damit fahre ich recht gut. Daher breche ich auch keine SZ aus sondern nutze einfach den natürlichen Schwarmtrieb zur Vermehrung.


    Ich konnte nie verstehen, wieso man mit sehr viel Mühe und aufwand wöchentlich Zellen zerstört und damit die Bienen zwingt, sich nicht zu vermehren, wenn sie es wollen.

    Nur um dann gleich darauf mit Brutableger etc. die Bienen zu zwingen, sich zu vermehren - auch wenn sie es gar nicht wollen.
    Ein Irrsinn der Imkerei, wie ich finde.


    Darum mache ich meine wöchentlichen Kontrollen und - sobald ich Zellen finde - unterstütze ich den Schwarmtrieb durch Entnahme der alten Königin. Das ist dann mein Altköniginnen-Ableger. Bis zum Jahresende ist das wieder ein Wirtschaftsvolk und bringt in guten Jahren vielleicht sogar noch ein bischen Honig.


    Im "alten" Wirtschaftsvolk ergreift eine junge Königin die Macht. Man muß nur verhindern daß es Nachschwärme gibt (Stichwort Singer-Vorschwarm). Das ist ein bischen kniffelig.

    Sobald die Junge in diesem Volk legt hat man keine Arbeitmehr mit Schwarmkontrollen.

    Kann sein daß ich damit ein paar Kilo Honig weniger ernte. Das ist mir egal. Man könnte auch argumentieren daß es mehr Honig bringt, weil weniger Brut zu pflegen ist usw.

    Wie gesagt: mir völlig Jacke wie Hose.


    Da früher oder später jedes Volk mal Zellen zieht erreiche ich damit jedes Jahr fast eine Völkerverdoppelung. Und die Bienen haben ihren Willen bekommen.

    Eine stärkere Völkervermehrung ist mir nicht möglich (Platzprobleme!) und ich habe das Problem, jedes Jahr zu viele Völker zu haben.


    In der Materialplanung rechne ich für jedes Wirtschaftsvolk also mit einem Altkö-Ableger - und evtl. noch mit dem einen oder anderen Schwarm, falls ich doch mal eine Zelle übersehe.


    Kunstschwarm, Sammelbrutableger usw. usf. - es gibt für mich keine Notwendigkeit dafür. Sie sind - meiner unbedeutenden Meinung nach - nur Maßnahmen die gegen den natürlichen Zyklus der Bienen arbeiten.


    Servus,


    Alex



  • Darum mache ich meine wöchentlichen Kontrollen und - sobald ich Zellen finde - unterstütze ich den Schwarmtrieb durch Entnahme der alten Königin. Das ist dann mein Altköniginnen-Ableger. Bis zum Jahresende ist das wieder ein Wirtschaftsvolk und bringt in guten Jahren vielleicht sogar noch ein bischen Honig.


    Hallo!

    Dazu habe ich zwei Fragen:

    1. Wie viele Rähmchen entnimmst du dann mit der alten Königin für den Altköniginenableger?

    2. Wie lange nimmst du die Alte mit? Weil im nächsten Jahr, ist diese ja schon 2-3 Jahre alt. Irgendwann hast Du ja ein Altvolk mit einer sehr alten Königin. Oder tauschst Du diese Königinnen dann zum Herbst eh aus?

  • In Summa und grob über den Daumen gepeilt zur eingangs gestellten Materialplanungsfrage:

    Angestrebte Völkerzahl -> Beutenzahl incl. HoRe + diesselbe Beutenzahl für Ableger + noch einmal diesselbe Beutenzahl für unvorhergesehene Fälle (ungeplante Schwärme o.a.) + zusätzlicher Materialbedarf für TBE o.a. (je nach Konzept selbst auszurechnen). Und es wird trotzdem noch Engpässe geben (vorletzter Satz in #3).


  • Dazu habe ich zwei Fragen:

    1. Wie viele Rähmchen entnimmst du dann mit der alten Königin für den Altköniginenableger?

    2. Wie lange nimmst du die Alte mit? Weil im nächsten Jahr, ist diese ja schon 2-3 Jahre alt. Irgendwann hast Du ja ein Altvolk mit einer sehr alten Königin. Oder tauschst Du diese Königinnen dann zum Herbst eh aus?


    Hallo PaBa.


    zu 1.: Ich entnehme die Brutwabe auf der die Königin gerade ist plus eine Futterwabe plus Leerwabe. Wenn ich es sehr gut mit ihr meine kriegt sie 2 Brutwaben.

    Plus Bienen von 2 oder mehr Waben zugeschüttelt, da ich den Ableger am selben Stand lasse. Fleissig füttern.


    zu 2.: Bei mir dürfen sie alt werden. So lange bis die Bienen sie selbst entsorgen. Ich mag auch Völker mit alten Königinnen...
    Ich mag das Abdrücken der Alten nicht. Und was ich nicht mag .... siehe oben ;)


    Ciao,


    Alex

  • Da hacke ich mich gleich mal ein:

    Ich habe dieses Jahr mit drei Ablegern auf Liebig-Zander angefangen und habe drei Beuten je zwei Zargen, wobei die Ableger momentan einzargig überwintern. In meinem Bienenstand passen vier Völker mit max. vier Zargen rein. Plane nächstes Jahr mindestens zwei neue Ableger durch Brutwaben zu erstellen. Hätte jetzt als weitere Anschaffung 10 Zargen und je 2+ Böden / Deckel / Absperrgitter eingeplant. Damit kann ich die drei dann-Altvölker mit vier Zargen betreiben und hab für die Ableger noch genügend. Geht die Rechnung auf oder soll ich mir gleich noch mehr Material zulegen. Auf Dauer sollen es so 4-6 Völker bleiben.

  • Bienenhummel


    Hallo Alex,
    danke für die Einstellung Deines Post #4. Diese Variante der Völkervermehrung ist für mich als Anfänger ebenso neu, wie auch interessant. Vielleicht ist diese Methode aber auch in der Fülle der Informationen für Neuimker bei mir Untergegangen.

    Ich halte diese Art der Völkervermehrung für mich und an meinem Bienenstand für umsetzbar und relativ leicht praktizierbar, weil so die Ableger am Stand bleiben können.

    In wieweit wird sich bei diesem Verfahren die Minderleistung an Honigertrag, geschätzt wohl bei dem Volk, welches sich eine neue Königin ziehen muß, auswirken?


    Ist es ratsam, diese Methode im zeitigem Frühjahr oder erst später zu realisieren?

    Grüße aus Cuxhaven
    Bernhard

  • .....Plus Bienen von 2 oder mehr Waben zugeschüttelt, da ich den Ableger am selben Stand lasse. Fleissig füttern.

    Hallo Alex,


    wenn du Bienen zuschüttelst und den Ableger dann am gleichen Stand lässt, fliegen die zugeschüttelten Bienen dann nicht direkt wieder in die alte (jetzt königinlose) Beute?

    Danke dir!

    VG Axel

  • Hallo Cuximker,

    Ich halte diese Art der Völkervermehrung für mich und an meinem Bienenstand für umsetzbar und relativ leicht praktizierbar, weil so die Ableger am Stand bleiben können.


    Diese Methode gilt eher als verpönt. Man glaubt, damit nur "Schwarmteufel" hervor zu bringen, weil man ja natürliche Schwarmzellen verwendet. Daher wird nicht darüber geredet, aber von erfahrenen alten Hasen erfährt man sowas :)


    Zitat

    In wieweit wird sich bei diesem Verfahren die Minderleistung an Honigertrag, geschätzt wohl bei dem Volk, welches sich eine neue Königin ziehen muß, auswirken?

    Kann ich nicht sagen. Die Volksstärke läßt natürlich einige Wochen später nach, aber bis dahin ist die Frühtracht eh schon vorbei. Für Spättrachtimker ist es dann wohl eher nicht so günstig.


    Die Sammelleistung müsste anfangs jedoch steigen, weil die Bienen immer weniger Brut pflegen müssen. Die Brutpause wirkt sich dann auch hemmend auf die Varroavermehrung aus.


    Zitat

    Ist es ratsam, diese Methode im zeitigem Frühjahr oder erst später zu realisieren?

    Du hast das Verfahren noch nicht so ganz verstanden.

    Nicht du gibst den Zeitpunkt an sondern die Bienen. Diese Methode wird erst angewendet, wenn ein Volk Schwarmzellen zieht. Ist es nicht in Schwarmstimmung, dann kannst du diese Methode nicht anwenden.


    Ok., man könnte die Alte auch rausnehmen bevor sie in Schwarmstimmung sind. Die Bienen schaffen dann nach. Das verstehe ich aber nicht unter "mit den Bienen imkern" sondern eher "gegen die Bienen imkern", weil du sie zwingst etwas zu tun.


    Die Bienen wissen besser als der Imker, wann ein günstiger Zeitpunkt für die Vermehrung ist. Wenn das Volk "reif" ist, dann klappt das auch.
    Macht man zur unzeit Brutableger, kann es auch schief gehen.


    Viele Imker habe ich schon jammern gehört, daß ihre Brutableger nichts geworden sind usw. usf. Dieses Problem hatte ich noch nie. Der Altkö-Ableger wird IMMER was, man muß halt füttern. Das Wirtschaftsvolk wird meistens was, es könnte aber passieren daß die Junge den Hochzeitsflug nicht schafft. Bemerkt man dies beim Wirtschaftsvolk erst spät, dann bricht die Volksstärke natürlich noch mehr ein.




    Servus,


    Alex

  • Hallo Axel,

    ja, genau das tun sie. Aber nur die Flugbienen. Jungbienen und Pflegebienen bleiben dann bei der alten Königin. Darum muß man auch genügend Bienen zuschütteln, weil mindestens die Hälfte wieder zurück fliegt.


    Alternative: du bringst den Ableger an einen anderen Standort.

    Nachteil: man braucht einen anderen Standort ;)

    Weiterer Nachteil: ist der Schwarmdusel schon weit fortgeschritten, könnte es passieren daß die Flugbienen samt Königin auch am anderen Standort mit einem Mini-Schwarm noch abschwärmt. Ist mir schon passiert...


    Am gleichen Standort passiert das nicht, weil die Flugbienen verloren gehen - und einen Schwarm ohne Flugbienen gibts nicht.


    Servus,

    Alex

  • Hallo Alex,

    danke für Deine ausführliche Erklärung an mich! Ja, Du hast recht - erst jetzt habe ich den Sinn dieses Handelns verstanden. :!::D
    Manchmal dauert es bei mir halt ein bischen länger. Davon können auch andere "Hilfegeber" hier aus dem Forum berichten. ;)


    Ich werde diese Methode jedenfalls mal ausprobieren, sollten sich bei mir Schwarmzellen zeigen. In diesem Jahr war es halt nicht so.

    Gruß
    Bernhard

  • Diese Methode gilt eher als verpönt. Man glaubt, damit nur "Schwarmteufel" hervor zu bringen, weil man ja natürliche Schwarmzellen verwendet.

    Anmerkung: Der Demeter-Berufsimker Günter Friedmann vermehrt so, und hat nach eigenem Bekunden auch über mehrere Generationen keine erhöhte Schwarmlust feststellen können. Wenn ich es richtig entsinne, gab er den Anteil seiner schwarmtriebigen Völker mit 10-15% an.