Jetzt noch 2. MS oder auf OS in vier Wochen setzen

  • Hi,

    ich habe einen Problemkasten, aus dem 25 Vm/Tag fielen, den ich vor 5 Tagen einsprühte mit 15% MS und nach 48 Std. ca. 1000 rausfielen. Ein bischen Rundmaden, Stifte und je 100 verdeckelte Zellen waren auf einer Wabe. Viele Zellen habe ich mit einer Gabel geöffnet ... aber wohl nur 2/3. Ein paar Vm werden sicher durchgekommen sein.

    Frage:

    würdet ihr morgen nochmal Sprühen, also die übliche 2. MS oder besser auf Mitte/Ende Dez. und die "übliche" OS-Behandlung warten? Sept., Okt. keine Frage, aber jetzt ...

    Und es ist nicht so angenehm, bei 9°C nass gemacht zu werden ....

    juli

  • Du solltest auf alle Fälle noch einmal behandeln. Gegen MS ist nichts einzuwenden, solange es nicht draußen friert und man zügig arbeitet. MS ist im allgemeinen auch verträglicher als OS-Träufelung.


    Wenn nach der 2. MS-Behandlung dann weniger als 1000 Milben fallen, würde ich es dabei belassen.

  • Wenn du einmal mit MS angefangen hast, würde ich das auch weiter durchziehen und noch 1-2x sprühen, jeweils mit 7 Tagen Abstand. Wobei die Milben in den paar Brutzellen in diesem Fall wohl eher eine sekundäre Rolle spielen - wenn da jetzt wirklich 1.000 Milben gefallen sind, frage ich mich ob da überhaupt noch was zu retten ist oder ob schon ein Kreuz an die Kiste gehört... :(

  • Hallo Juli,

    ich würde bei den jetzt fallenden Temperaturen keine MS-Behandlung mehr machen. In drei/vier Wochen OX.

    Was wurde vor den beiden MS-Behandlungen gemacht?

    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • Ja, Ihr Dauerpessimisten, so ein Volk kann durchaus zu retten sein.

    Zweimal Milchsäure sprühen noch. Über 2 Grad geht das gut, wenn man zügig arbeitet und nicht noch nach Brutzellen stochert oder Milben sucht. Nicht patschnass, silbrig benebelt. Nicht bei stärkerem Wind, dann wird es auch zu kalt. Keine OS mehr träufeln.

    Das habe ich auch schon gemacht. Wenn das Volk groß und stark ist, dann schafft es das wahrscheinlich. Ist halt mehr Arbeit, man muss tüddeln, aber mit wenig Völkern macht man das ja gerne. Und man lernt daraus. Dass solche Ausreißer vorkommen können, dass man das vielleicht schon früher hätte sehen und auffangen können, dass man im Frühjahr weiter genau hinschaut und ggf. die Königin austauscht. Dass dreimal mit MS besprühen zwar nicht gerade angenehm für ein Volk ist, aber möglicherweise besser als ein langsames Verrecken an der Varroa während des Winters. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Tag, den die Milben früher rauskommen, ein Gewinn für das Volk ist. Daher nicht bis Ende Dezember warten.

    Und: Dringend Mäusegitter davor, Mäusebesuch kann einem angeschlagenen Volk dann doch noch den Rest geben!

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 an der Lahn.

  • Wenn nach der 2. MS-Behandlung dann weniger als 1000 Milben fallen, würde ich es dabei belassen.

    Der Schweizer Bienengesundheitsdienst empfiehlt in der Rubrik Winterbehandlung/Sprühen bzw. Sublimieren mit OX eine Behandlungswiederholung, wenn behandlungsbedingt mehr als 500 Milben binnen 2 Wochen auf die Windel rieseln. Diese Grenze kann man ohne weiteres auf MS-Winterbehandlung übertragen bzw. müßte sie wegen der vergleichsweise schlechteren Wirksamkeit von MS sogar herabsetzen (MS ca. 60%, OX über 90%).


    http://www.bienen.ch/fileadmin….3.1_spruehbehandlung.pdf

  • Eure Tendenz geht also in Richtung Behandlung. Ich zweifel(t)e nur etwas, weil MS eben doch belastet, zu lesen hier: <http://www.beeventure.de/imker…rroamilbe/milchsaure.html>. Das könnte man vermeiden, bzw. würde ich gern vermeiden.

    Nach dem letzten Sprühen haben sie sich alle summend unter der Folie "versammelt", also ihren Sitz bzw. ihr Nest aufgegeben - kurzzeitig natürlich.


    Sind mit diesem Sprühen *aller* Bees nicht 90% der Varroen raus? Und vermehren sich die Varroen denn jetzt noch? Klar sind sicher noch ein paar im Kasten, aber das Gro ist raus - und mit den sich nicht vermehrenden könnten sie nicht noch einträchtig vier Wochen leben?



    @Eisvogel

    > ... Was wurde vor den beiden MS-Behandlungen gemacht?

    zwei AS-Durchgänge (á 3x), allerdings nur die letzten beiden richtig Dosiert, davor *unterdosiert* (Flachzarge als halbes Volumen berechnet). 33 ml AS at us. ved. hatte ich ins Tuch geträufelt, die letzten Male dann 39-40 ml.

    Ein größerer "Kommerzimker" hier dosiert grundsätzlich wesentlich höher als die vorgeschlagenen 22 ml für eine Liebig-Zander-Zarge, irgendwas mit an die 30 ml. Ein Teil sitzt bei ihm danach vor der Kiste. Das hatte ich noch nie.


    juli

  • Sind mit diesem Sprühen *aller* Bees nicht 90% der Varroen raus? Und vermehren sich die Varroen denn jetzt noch?

    Hallo Juli,

    bei einer einmaligen Sprühbehandlung (bei absoluter Brutfreiheit) geht man von 80% Wirksamkeit aus. Erst bei 2 maliger Sprühbehandlung werden 90% erreicht.


    So lange die Bienen brüten, vermehrt sich auch die Varroa.


    Wenn du jetzt mit Milchsäure weiterbehandelst (Erfolgskontrolle mit CO2, Puderzucker) würde ich überlegen, auf die Winterbehandlung zu verzichten. Du machst im Prinzip eine vorgezogene Notfall - Winterbehandlung.


    Gruß
    Ludger

  • Bei Fall von 1000 wären meine Völker schon tot, aber ich denke, wir haben hier mehr Viren als Du.

    Ich würde die Brut rauskratzen, auch die grossen Rundmaden (da sitzen die Varroen schon unter den Maden), und wenn sie dann in den kalten Morgenstunden eng sitzen, Ox träufeln. Aus der Brut kommt bei der Varroabelastung nix Gutes mehr raus und Du hast die Winterbehandlung dann erledigt. Schön warm und mäusesicher einpacken, es sei denn, sie sollten noch stark sein.

    Falls Du noch varroaarme starke Völker hast, die noch brüten, kannst Du von denen noch 2 Brutwaben zur gesunden Verstärkung geben. Vorzugsweise obere Zarge unter der Folie, da ist es wärmer.


    Viel Glück! Jan

  • Falls Du noch varroaarme starke Völker hast, die noch brüten, kannst Du von denen noch 2 Brutwaben zur gesunden Verstärkung geben. Vorzugsweise obere Zarge unter der Folie, da ist es wärmer.

    Warum für schlechte Völkchen jetzt noch gute BrW opfern - von der massiven Störung von beiden Brutnestern ganz abgesehen? Im Spendervolk werden die 2 Zentralwaben des Wintersitzes herausgerissen, im Empfänger die Waben mit Brut sogar über dem vorhandenen Restbrutnest platziert (üblicherweise mit Honigkranz-Absperrung dazwischen), so daß das ohnehin schwächelnde Volk nicht nur zusätzliche Brut wärmen, sondern sogar 2 Brutnester übereinander pflegen und beheizen muß. M.E. ist das keine gute Idee.

  • 1000 Milben auf der Windel sind echt ein Wort.

    Wie stark ist das Volk? Reden wir hier von 5000 oder 10000 Bienen? Man muss sich überlegen, dass diese Milben auf den Bienen saßen und diese geschwächt haben. Also bei 5000 ist jede 5 Biene angepickst oder bei 10000 jede 10. Und dass wäre schon schlimm, aber viele der Bienen haben in ihrer Entwicklung einen Schaden durch diese vielen Milben erhalten.


    Selbst wenn jetzt die Milchsäure optimal wirkt, hat man noch 100 Milben drin.


    Aber auch wenn man alle Varroen entfernt, ist der Schaden an den Bienen weiterhin vorhanden. Natürlich erholen sich ein paar Bienen. Doch je nach Winterverlauf werden die geschwächten Bienen früher oder später sterben. Jetzt ist erst Winterbeginn.


    Die Schädigung durch die Milchsäure ist bei einem gesunden Volk vernachlässigbar. Doch nicht bei stark geschädigten Bienen, da spielt das immer auch eine Rolle. Dabei ist es egal, welche Säure man verwendet, kranke Bienen vertragen einfach weniger Stress, weniger Säure..... etc.


    Jetzt können wir an der Situation nichts mehr ändern, nur hoffen und die Bienen können auch so etwas überstehen.

    Aus meiner Erfahrung mit Milchsäure, würde ich mindestens eine Woche warten, bei so einem geschwächten Volk auch zwei Wochen um dann noch einmal mit Milchsäure zubehandeln.

    Warum ich den Abstand eher verlängere? Weil die stark geschwächten Bienen nach der ersten Behandlung zum Sterben ausfliegen. Nach 1-2 Wochen sehe ich eine Tendenz und die anderen Bienen hatten eine Erholungszeit.


    Es ist Glücksache mit so einem Befall durch den Winter zukommen, es ist aber möglich. Und ich drück die Daumen.

  • Danke


    > ... Aus meiner Erfahrung mit Milchsäure, würde ich mindestens eine Woche warten


    ja. Hätte ich machen sollen.

    So effektiv war das vorgestrige Sprühen nicht: 119 VMilben lagen nach 48 Std. auf dem Brett - damit hätten sie evtl. sogar noch vier Wochen leben können ...


    Und so richtig "erholt" vom letzten Sprühen sahen sie mir vorgestern nicht aus. Ich wähnte mich unter Zeitdruck, weil es vorgestern def. kälter wurde ich da nicht mehr die Kiste auseinandernehmen wollte.


    Mal sehen, wie sie Sylvester zur OS-Behandlung aussehen ...


    Gruß, Juli

  • Zwei Wochen warten, natürlichen Milbenfall bestimmen und DANN, FALLS selbiger immer noch zu hoch sein sollte, entscheiden, ob noch eine Behandlung stattfinden muss. Ich würde nur noch Milchsäure verwenden und nicht noch OS träufeln. Overkill.


    :!:Achtung, wenn es richtig kalt ist, fallen die Milben eher sparsamer, möglicherweise weil sie in der Wintertraube festhängen. Wenn dann ein warmer Tag kommt, an dem sich die Traube auflockert, kommt all der Müll auf einmal runter. Im Winter sind daher die Zählergebnisse einzelner Tage mit großer Vorsicht zu genießen.

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 an der Lahn.