Verdrängung dunkle Biene durch Carnica

  • Hallo,


    mich würde interessieren ob jemand irgendwelche Quellen weiss aus denen hervorgeht mit welchen Argumenten seinerzeit die Einführung der Carnica und Verdrängung der Mellifera begründet wurde.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Rainer! "Die beste Biene, das ist klar, das ist und bleibt die Carnica".Mit solchen und ähnlichen Sprüchen wurde etwa ab Mitte der 30er Jahre für die Carnica geworben.Nach den Anschluß Österreichs ernannte der "Reichskörmeister" Götze die Carnica zur "deutschen Biene",damit kam der Stein ins Rollen. Gut beschrieben steht das alles in der Broschüre "Von Dzierzon bis Bruder Adam",Autor ist Wolfgang Golz.Enthält sehr gute Beschreibungen einiger wichtiger Imker-Persönlichkeiten und Nachdenkenswertes über Imkerei und Zuchtwesen.Wie ich finde, eine Broschüre, die man gelesen haben sollte! Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Schon früher wurde dir dunkle Biene verdrängt. In einem Buch von 1873 wird ein Loblied auf die "Italienerköniginnen" gesungen - fruchtbar, friedlich und schön anzuschauen.
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    wenigstens in meiner Heimat wurde die Dunkle Biene nicht von der Carnica verdrängt, sondern von der damals sog. „Italienerbiene“.
    Wie man in alten Imkerbüchern und Vereinsaufzeichnungen sehen kann, begann um 1890 herum eine massive Einfuhr von Ablegern und Königinnen, vor allem aus Italien. Diese wurden damals in den höchsten Tönen als „sammeleifrig“
    und vor allen Dingen, man kann es heute kaum glauben, „schwarmfreudig“ angepriesen.Ich sehe da einen gewissen Zusammenhang mit einer großen Einwanderungswelle in unsere Gegend aus Italien; die Leute wurden hier für den Eisenbahnbau und später für die Eisenindustrie gebraucht. Sicher brachte so mancher "seine" Biene mit.
    Diese Importe liefen zuminderst bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich habe persönlich mit alten Imkern gesprochen, die noch bis nach dem 2.Weltkrieg Zuchtmaterial aus Italien bezogen haben wollen.
    Aus dieser Biene entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Landrasse, die sich vor allem durch eines auszeichnete, nämlich eine fast nicht mehr in den Griff zu bekommende Aggressivität.
    Ich selbst kann mich in meiner Jugend an Besuche auf Bienenständen erinnern, bei denen selbst der „Hausherr“ trotz Schleier und Pfeife nach dem Ziehen der 5.oder 6. Wabe fluchtartig den Rückzug antrat.
    Erst in den 50er Jahren, wohl auch bedingt durch die politische Situation im damaligen „Saargebiet“ begann nach und nach eine Verdrängungszucht mit der Carnica; in manchen Gegenden wurde bis in die 70er Jahre noch mit der „Italiener – Landrasse“ gearbeitet.
    Vielleicht nützt Dir ja dieser Beitrag ein wenig, auch wenn er nicht genau die Fragestellung trifft.


    Grüsse


    Michael



    _________________
    http://www.imkerei-plein.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Michael am 2002-05-29 13:25 ]</font>

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
    die Frage stammte nicht von mir, sondern eine der Deinen ähnliche Antwort.
    Mir scheint, daß die Einführung der Carnica ein Rettungsversuch war, nachdem das Ligustica-Mellifera-Chaos angerichtet war.
    Viele Grüße, Thomas

  • Die Ligusiica spielte Ende des 19. Jahrhunderts in der Bienenzucht eine größere Rolle bei uns.Mit den Nachlassen des Hetzerosis-Effekts ließ auch das Interesse an ihr nach. Einige Unentwegte einmal ausgenommen...Im Saarland könnte ich mir das Festhalten an der Ligustica mit den französischen Einfluss auf das Gebiet nach den beiden Weltkriegen erklären. Der Einfluss der Ligustica auf die Landbiene ist nicht so stark wie oft angenommen wird. Einen weit aus größeren Einfluß hat die "Heidebiene" mit ihren schlechten Eigenschaften (Schwarmfreud igkeit,Agressivität usw.) auf die Landrasse genommen. Sie wurde zu Tausenden jährlich als nackte Völker verschickt. Gelbe Ringe und Ecken stammen nicht immer von Ligustiga-Einkreuzungen.Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

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