Varroatoleranz im Laufe der Zeit

  • Eine solche Zuchtlinie würdest Du auch (noch!) nicht unter's Volk bringen, oder?

    Der Punkt ist doch offenbar: die Zucht ist eben noch nicht fertig, das/die Merkmal/e noch nicht stabil, die variablen Umgebungsfaktoren noch zu wichtig.

    Hm, wirklich schwierig zu verstehen. Offenbar streiten da zwei unterschiedliche Konzepte, die für eine Stabilisierung für nötig gehaltene Lufthoheit zu gewinnen:


    a) Verbreitung über speziell ausgewählte Imker, die sich den bisherigen beengten Begattungs- und Vermehrungsmöglichkeiten anschließen und unterordnen müssen (vom absolut unverständlichen Schweigegelübde wollen wir der Einfachkeit halber hier absehen) oder


    b) Verteilung der (nach den Berichten) bereits nach 6 ... 7 Jahren stabilisierten Genetik möglichst weit und in großen Gebieten, um Schritt für Schritt die Lufthoheit für die neue Genetik einzunehmen.

    Zucht ist doch eigentlich nie "fertig", immer werden neue, höhere Ziele angestrebt.


    Für den züchterischen Laien erscheint a) als unnötig selbstlimitierendes System, das den Erfolg in der Fläche verzögert. Da fragt sich auch der Gutwillige: Warum? Daß bei der Suche auf Antworten hierauf die Spekulationen ins Kraut schießen, kann und darf nicht verwundern.

  • Ich überlege schon seit Tagen, ob ich ich hierzu etwas schreiben soll oder nicht. Doch auf die Gefahr hin die virtuelle Keule als Leugner und Ignorant abzubekommen, aber ich bin da bei rase , bzw. habe das gleiche Vertsändnisproblem.


    Züchten, Belegstelle und selber bspw. das Hygieneverhalten auszählen...das könnte ich nicht neben den vielen anderen Verpflichtungen. Generell scheiden da glaube ich 99% der Hobbyimker aus. Mir fallen spontan nur 2 ein, die daran überhaupt die Bereitschaft und auch das fachliche Grundwissen dazu hätten. Dafür ist der Kreis der Hobbyimker zu schlecht bzw. anders ausgebildet und bringt nicht das nötige Interesse mit.

    Nur so sehe ich dann kein Land. Vielleicht ist es auch nur ein Verständnisproblem.


    Schaut doch mal in die Vereine, wer versteht denn da was von Zucht, wer etwas von Vermehrung und wer behandelt wirklich in Richtung eines schadschwellenorientierten Verfahren und nicht pauschal genauso wie immer und zur Sicherheit noch ein weiteres mal? Bei den mir persönlich bekannten Imkern würde ich sagen 2%.

    Was in die Breite zunächst müsste, wäre ein Trend zur Behandlung nach Schadschwellen. Eine Windeldiagnose, oder maximal noch eine CO2/Puderzuckermethode. Ab da scheidet der große Rest aus, da braucht man erst garnicht mit einer Auszählung von Brutwaben kommen.

    Anders als Ralf sehe ich die Varroa noch immer als Geißel der Imker. Die Vereinssitzungen und auch die Fortbildungsangebote drehen sich noch immer überproportional um die Milbe, trotz langjähriger Konzepte. Das treibt die dollsten Blüten von Räucherstreifen für den Smoker aus Osteuropa, "Kräutermischungen" für den Varomor, Pülverchen aus China und MS-Sprühbehandlungen bei Durchsichten im Brutraum ab Juni. Den Schrecken der Milbe nehme ich noch immer war.


    Was ich eigentlich vor hatte, war eine überschaubare Investition in eine hygiene-sensitive Königin. Warum? Weil es ein für mich überzeugendes Zuchtziel ist. Den Unterschied zu VSH meine ich aber zu kennen. Meine Erwartungshaltung ist auch nicht, dass die unbedingt unbehandelt aus dem Winter kommen, erst recht nicht deren F1. Doch mein Gedanke war die Gene durch Weiselzellen/Königinnen/Drohnen zu streuen und vielleicht reicht es, dass die notorischen Spätbehandler mitte August nicht im Frühjahr vor leeren Kisten stehen, wenn die Virenlast gedrückt ist und etwas VSH-Eigenschaft dabei sein sollte...mehr nicht. Doch es wäre ein Puzzlesteinchen.


    Das es die Insellösungen gibt, das streite ich nicht ab. Nur die Aussagen tut euch zusammen, nehmt etwas Geld in die Hand (wofür genau?, Königinnen scheinen es ja nicht zu sein, die kann man ja nicht kaufen), und dann klappt das schon...das klingt mir zu einfach. Da würde ich lieber einen Bondtest machen, dass klingt für mich stimmiger. Kauft bei XY und die Varroa ist gegessen, ist mir aber auch zu einfach.

    Probiere mal Königinnen von Z, beobachte folgendes genau und entscheide dann...das klingt logisch und mehr kann man auch nicht erwarten meiner Meinung nach. Ich erwarte nicht den Stein der Weisen für 35€ zu kaufen und die Varroa ist gegessen. Ein Stückchen vom Puzzle, ein Fragment, das wäre doch schonmal etwas. Eine Differenzierung am Markt findet nicht statt. Auch ohne Belege und wissenschaftliche Studien kann ich ganz ganz dolle SMR-Königinnen kaufen, seriöse Quellen gibt es aber nur unter der Hand (nein ich erwarte keine wissenschaftlichen Studien, Erfahrungsberichte wären doch auch schon etwas, vielleicht auch vom Ralf). Aber das DAS öffnet Trittbrettfahrern Tür und Tor, denn der Wunsch ist da, auch wenn die Hoffnungen und Erwartungen möglicherweise größer sind als die Realität - da muss natürlich auch mal ein Kopf geradegerückt werden.


    Nur so bleiben wieder Kisten im Frühjahr leer und die Völkerverkäufer mit funktionierendem Varroamanagment freuen sich. Erst wenn die Verkäufer aber auf ihren Völkern sitzen bleiben, weil die nötige Bildung oder die nötigen Gene durch Zuchtstoff, Weiselzellen, Königinnen, Drohnen, oder eben etwas ganz anderes in der Breite ankommt, kann der Teufelskreis der ewigen Behandlerei durchbrochen werden. Bis dahin ist es bestimmt ein weiter Weg, der Zeit kostet und vor allem auch Arbeit und Einsatz einiger weniger.


    Wenn die Zuchtprogramme noch nicht soweit sind, sondern es noch an "marktreife" fehlt, dann sehe ich das nicht als Makel, sondern als ehrliche Aussage. Dann warte ich einfach weiter, taste mich weiter an die Schadschwellen und werfe gelegentlich ein Auge auf "interessante" Völker. Mehr kann ich ja nicht tun. Aber dann brauche ich mir auch nicht anzu hören, mit der richtigen Genetik unter Freunden klappts. In diesem Faden haben für mich gefühlt die "Nichtbehandler" deutlich mehr verbal ausgeteilt. Nachdem, was ich in den vielen anderen Fäden gelesen habe, sei es ihnen gegönnt und vielleicht ist das ja auch ein gutes Zeichen für die Zukunft.

  • ChrisAusEssen :


    Ja eine gute Frage: Was kann man als "Otto-Normal-Imker" tun, der schon mit dem Zeitaufwand die Völker normal zu führen, ausgelastet ist. Mir geht es ja nicht anders, ich hab einfach keine Zeit heruntergebissene Milben unterm Mikroskop zu zählen.


    Was fällt mir hierzu also spontan ein was ich machen könnte?


    - Sommerbehandlung ohne Varroamittel sondern mittels Brutpause/Schwarm/Brutentnahme etc. um keine "Varroazucht" zu betreiben.


    - Spätsommer / Herbst nur nach Bedarf. Und hier sollten sich dann schon die Völker zeigen die Nachzuchtwürdig sind.


    - Im folgenden Jahr Auffuhr der ausgewählten Völker auf Toleranzbelegstellen (ich gebe zu: das ist Aufwand)


    - Einzelaufstellung um Verflug zu verhindern


    - Keine Waben tauschen


    - Schwächlinge hart selektieren.


    Damit könnte ich persönlich gut leben, sicher der ein oder andere auch.

  • Ich auch!

    Außer dem Besuch einer entsprechenden Belegstelle arbeite ich in die gleiche Richtung.

    Doch mit so wenigen Völkern?!

    Was müsste noch getan werden?

    Und wer gibt dem „Imker Normalverbraucher“ die Beurteilungskriterien und die vergleichbaren Parameter an die Hand?

    Ohne vergleichbare Aussagen wird sich wenig bewegen lassen.

  • Hallo ELK,

    Denk doch bitte daran , dass es auch noch welche gibt, die da erst ein Wörterbuch brauchen. 😎

    Gleich eine Übersetzung bitte! 😴

    Bei längeren Texten genügt ja oft eine kurze Zusammenfassung.

    Und es trägt auch dazu bei, sich klar im Deutschen auszudrücken 🧐

    Es bedankt sich schonmal

    Harald

  • Ja eine gute Frage: Was kann man als "Otto-Normal-Imker" tun, der schon mit dem Zeitaufwand die Völker normal zu führen, ausgelastet ist.

    Zuchtmutter oder F1 Königinnen beim Züchter bestellen, in der Hoffnung, das die das besser hinbekommen. Die geben sich alle Mühe die angestrebten Eigenschaften aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern, und davon können alle profitieren und wie rase sagt "in die Fläche bringen". Die Varoa werden wir erst mal nicht los, aber es wäre ja schon schön, wenn in Zukunft immer weniger Behandlung nötig ist. Zeitaufwändige Eigenbrödelei wird nicht viel bewirken, im Gegenteil, da entstehen eher noch die Varoa-Schleudern!

  • Zeitaufwändige Eigenbrödelei wird nicht viel bewirken, im Gegenteil, da entstehen eher noch die Varoa-Schleudern!

    Für den einen ist es zeitaufwändige Eigenbrödelei, für den anderen, ist es eine genetisch unabhängige Varroa resistente Biene. Letzteres ist ein Schatz, der unsere Bienen auf Dauer vor genetischer Verarmung schützen kann.

    Zeitaufwändig ist das sicherlich, sicherlich ist es auch ein Weg, den nur sehr wenige, sehr ausdauernde Naturen gehen können. Es sollte also gut überlegt sein, wenn man sich auf diesen Weg macht.


    Aber Varroa-Schleudern als Argument gegen eine solche Initiative mag ich einfach nicht gelten lassen.

    Luffis Mantra 'Zählen - Zählen - Zählen' erlaubt nicht nur, nach Schadschwellen und mit minimalen Medikamenteneinsatz die Varroa zu 'managen'. Es erlaubt auch, auf einen Eintrag von Außen zu reagieren.


    Das ist etwas, worauf sich jeder Imker einstellen muss, denn es gibt 1000 Gründe, warum bei einem Kollegen in der Nachbarschaft einmal Völker wegen Varroa zusammenbrechen. (Und in den meisten Fällen, steht das Problem am eigenen Stand)


    Gruß

    Ludger