Varroatoleranz im Laufe der Zeit

  • Wen wir hier immer um den Syntax debattieren was Varroatoleranz , Varroaresistenz, Milbenauslese oder Virenresistenz ist, kommen wir kein Schritt weiter.

    Ich sehe auch in vielen Diskussionen die immer wieder zu diesem Thema in vielfältigsten Thread aufflammen eine elendig lange Kreisdiskussion, die einfach nur ermüdet.

    Zweifler, Spötter, Leute mit Hand vor den Augen, Leute mit gefährlichen Halbwissen, Altgediente, Praktiker vieler Sparten fetzen sich, wer den nun das Quentchen Wahrheit als sein eigen tutulieren kann. (mal abgesehen das das jetzt nichts Imkersepzifisches oder Varroaspezifisches ist)


    Mir ist es vollkommen egal, wie das Kind heißt und von welcher Seite der Gaul aufzäumt wird, wenn man denn um die Art und Weise der verschiedenen Wirkmechanismen sich verständigen kann.

    Im Laufe der Zeit gibt es auch immer wieder syntaktische Veränderungen für gleiche Wirkprinzipien, welches jedoch nichts daran ändert das durch Varroa allein kein Volk stirbt.


    Für mich ist auch Fakt, das TAM nicht die Lösung sein wird.


    Welche Erkenntnis zieht man nun daraus? Lass mal andere machen, ich schnorr mir dann mein Teil zusammen? Diese von mir bewusst angebrachte Extrapolarisation bringt uns auch nicht weiter, genauso wenig wie die Erkenntnis sich mal als Ketzer zu outen und Emotionparolen unter das Volk zu bringen.

    Ist das nicht reiner Popularismus?


    Wenn man jetzt das ganze Politikum weglässt bleibt die Frage im Raum, was kann man dafür tun?

    Gibt es eine Möglichkeit, wo sich jeder dahingehend einbringen kann?


    Ja die gibt es.


    Nein, Ich behandle meine Völker nicht, das ist grundsätzlich nicht der richtige Weg. (Fakt)

    Nein, ich rette als Imkerneuling die Welt mit behandlungsfreier Imkerei (Fakt)

    Nein, ein verklärter ökologischer Blick auf die Welt allein ist ein Irrweg (meine Meinung)


    Nein zum Kübelindex und der Ertrag allein dominiert alles.

    Ja zum Kübelindex, als Teil einer Fülle von Bewertungskriterien, denn gesunde Völker bringen Honig.


    Ja zu mehr Toleranz für Wege Anderer und die Stöckchen einfach mal liegen lassen

    Ja ich beschäftige mich einfach mal mit den Grundlagen, um den Nebel um die Sache etwas aufzulösen

    Ja zu mehr Miteinander zum finden von syntaktischen und inhaltlichen Konsens, denn wir reden oft inhaltlich vom selben, könne uns aber nicht verstehen weil wir syntaktisch in anderen Welten leben.

    Ja ich prüfe, in wie weit ich in der Lage bin Schwellen zu erkennen, an denen man mal nichts tun muss.

    Ja zu überprüfen, ob alte Rituale und Bequemlichkeiten nicht doch mal ausgetauscht werden sollten.


    Und wer darüber hinaus noch mehr tun will, ist herzlichst eingeladen bei vielfältigsten Methoden sich einzubringen und selbst die Kieselsteinchen mit zusammen zu tragen.


    Alles in Allem bleibt dann wohl auch die Frage, die sich jeder selbst stellen muss: "Zurück zur Natur und der alleinigen Evolutionsregulation?"

    Mit allen Pros und Kontras, die Natur ist grausam, doch wird sie sehr oft von des Auswirkungen des Wirken der Menschen übertroffen.


    Liebe Grüße Bernd

  • Zu flüchtig gelesen, aber der Rest der Frage bleibt.


    Gruß

    Werner

  • Varroatoleranz kann auf 2 Wegen geschehen. Milbentolerante Bienen oder bienentolerante Milben. Deshalb ist für mich das einzige Kriterium das Überleben der Völker.

    Wäre von Beginn an auf "Behandlungen" verzichtet worden, hätte sich schon lange ein solches Gleichgewicht eingestellt. Je intensiver in der Fläche behandelt wird, desto stärker wird der Vermehrungsdruck für die Milben. Die Behandlungspflicht verhindert einen kurzfristigen Zusammenbruch von vermutlich 98% der Völker, bewirkt aber langfristig ein immer tieferes Eindringen in die Sackgasse.

    Natürlich in Baumhöhlen vorkommende Bienenvölker waren bis zum Eintreffen der Milbe ganz normal. Dass es das jetzt nicht mehr gibt oder nur noch punktuell hat damit zu tun, dass (behandelte) Imkervölker bei Weitem in der Überzahl sind.

    Ich schätze mal, dass die Erfolgsaussichten beim Reduzieren der Behandlungsintensität nicht sehr groß sind. Aber mensch muss ja nicht unnötig viel ins Volk kippen...

    Die schärfsten Kritiker der Elche

    waren früher selber welche


  • Wäre von Beginn an auf "Behandlungen" verzichtet worden, hätte sich schon lange ein solches Gleichgewicht eingestellt.

    Sehr erstaunlich! Wie erklärst Du Dir den Siegeszug der Milbe, seit ihr der Übersprung auf die Europäische Honigbiene gelang? Welchen Zeitraum veranschlagst Du für die Einstellung des Gleichgewichtes ohne Behandlungen in einer Umgebung, in der nie Behandlungen stattfanden? Mglw. können die Inseln bzw. Länder, in denen die Varroa erst kürzlich Einzug hielt, aufgrund Deiner Wissensquellen vom Behandeln noch lange genug abgehalten werden, bis das Gleichgewicht kommt.

  • Zeitraum - schwer zu sagen, aber bei sofortigem Überleben von 1-2% der Völker und anschließenden Verdopplungen wäre nach 5-10 Jahren der Status quo ante wieder erreicht.

    Stichworte zu unbehandelten Völkern: Gotland+Primorski

    Außerdem die vereinzelten Populationen in Belgien und Frankreich(?).

    Außerdem möchte ich auch nicht alle z.B. auch hier präsenten Nicht-Behandler als Spinner abtun.

    Die schärfsten Kritiker der Elche

    waren früher selber welche

  • Zum zeitlichen Rahmen,

    schaut mal auf der Nachrichtenseite von Arista (bis zum Abschnitt Barbados Projekt scrollen). Dort (auf Barbados) ist letztlich genau das passiert, worüber ihr Vermutungen anstellt. Die Milbe ist "angekommen". Die Imker wussten nichts davon, also wurde auch nicht behandelt. In den ersten Jahren ist die Bienenpopulation massiv zusammengebrochen. Auch gefangene Schwärme sind praktisch alle eingegangen. Aber nach und nach, hat sich die Population erholt und jetzt, nach ca. 15 Jahren ist sie wieder auf dem Niveau von vor "Varroa".


    Gruß
    Ludger

  • .... Aber nach und nach, hat sich die Population erholt und jetzt, nach ca. 15 Jahren ist sie wieder auf dem Niveau von vor "Varroa".

    .... die Bundesbedenkenträger werden schon irgendein Haar in der Suppe finden bzw. herbei fantasieren .....

    Das, was in Barbados funktioniert hat, würde auch hier funktionieren, wenn wir die Bienen (und Milben) nur gelassen hätten .... und das schon vor mehr als 30 Jahren.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • So einfach ist es aber nicht. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die hier Einfluss haben. Das Klima, die Vegetation (Brutpausen), der lokale Typus der Milbe (Japan-Typ, Korea-Typ), die Betriebsweise u.v.a.m.

    Vielfach hat sich ja gezeigt, dass "varroatolerante" Völker an anderen Standorten nicht überleben.

    Nicht mal die Frage, ob es sich bei der wiedererstarkten Population auf Barbados nicht um die afrikanisierte Honigbiene handelt, scheint geklärt. Vor allem wird in dem Beitrag ja darauf hingewiesen, dass Bienen intensiv schwärmen. Auch ein Faktor, der die Milben reduziert.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • In Gotland haben 2 oder 3 von 200 Völkern überlebt.

    Es wurde wohl versucht, mit diesen weiter zu züchten, aber es ist still geworden - oder weiß jemand was aktuelles?

    Ein möglicher Grund des Überlebens könnte nicht die Varroatoleranz sondern die Virulenzabschwächung der Milbe sein. In der Natur regelt sich das Gleichgewicht durch Veränderungen bei Parasit und/oder Wirt. Und zwar eher beim Parasiten, denn wenn der den Wirt killt, dann ist er selbst raus. Weniger virulente Populationen haben im freien Spiel der Kräfte höhere Überlebenschancen, die anderen rotten den Wirt und sich selbst aus.

    Wenn es so läuft, dann nützt es wenig, mit den "toleranten Bienen" weiter zu züchten. Da müssten dann eher angepasste Milben gezüchtet und in die Völker gebracht werden. Oder mensch gibt der Natur die Chance, das selber zu regeln.

    Aggressives Bekämpfen der Milbe bewirkt möglicherweise eher das Gegenteil.

    Ich versuche es jedenfalls mit möglichst wenig Chemie. Ohne Drohnenbrutentnahme und Ameisensäure geht es aber auch bei mir bisher nicht.

    Harry

    Die schärfsten Kritiker der Elche

    waren früher selber welche

  • Es gilt vor allem immer wieder die alte Weisheit: Recht zu haben ist keine Kunst, wohl aber zu wissen warum!

    Wenn Völker mit der Varroa ohne Behandlung klarkommen, ist das die entscheidende Frage: Warum? Um das zu klären, braucht es eine wissenschaftlich fundierte Methodik. Zu glauben, man hätte varroatolerante Völker, nur weil sie überleben, ist naiv. Zu glauben, die Völker würde unter den Gegebenheiten einer anderen Region, Betriebsweise usf. dann auch überleben, noch mehr.


    Sehr empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang der Beitrag im neuen Bienen-Journal. Da bekommt man eine Ahnung davon, wie vielfältig die Gründe für das behandlungsfreie Überleben sind. Und man darf davon ausgehen, dass es noch weitere Gründe gibt, die noch gar nicht erkannt und erforscht sind.


    Schon der Begriff "behandlungsfrei" muss kritisch beleuchtet werden. Die Betriebsweise ist ja auch eine Behandlung,


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)