Varroatoleranz im Laufe der Zeit

  • Hallo Ribes,

    und welchen Weg schlägst Du vor?

    Deine Gedanken könnten eine Bereicherung sein. Zweifel sind immer angebracht, doch helfen sie nur selten weiter.

    Ich kann nur jeden, der die Möglichkeiten hat, ermuntern,

    einen Weg mitzugehen.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Mein Weg?

    1. Mich hat das Argument zum prinzipiellen Unterschied zwischen Behandlungen mit TAM und TBE ohne TAM von Kleingartendrohn bei der Vorstellung seines TBE-Konzeptes überzeugt (PDF-Vorwort in #1):

    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler


    2. Als Anfänger habe ich generell ca. 3 x/Saison Drohnenbrut ausgeschnitten, mich aber nicht zuletzt hier im IF davon überzeugen lassen, das nicht mehr generell bei jedem Volk zu tun, sondern nur bei denen, deren Drohnen ich meinen Nachbarimkern nicht zumuten will.


    3. Ich gebe zu, daß ich die hier bestehende Allgemeinverfügung zur Behandlungspflicht gegen Varroose sehr weit auslege, wenn ich mit TBE + 2 x FangW auf TAM verzichte. Aber nicht heimlich, sondern das vertrete ich auch offen vorm Amtsvet. Der trägt das mit* und ich hoffe, daß wir die starre, auf TAM fixierte Allgemeinverfügung bald modernisieren können.

    Nur die brutfreien Bienen des Sammlers vom Sammler behandle ich mit OX, Brutspender und Brutsammler dagegen grundsätzlich nicht. Dabei erstaunt mich, wie wenig Milben durch Behandlung beim Sammler vom Sammler abfallen. In diesem Jahr waren es deutlich unter 200. Diesem Phänomen will ich noch weiter nachgehen.


    4. Auf die Restentmilbung durch Winterbehandlung zu verzichten, das wage ich noch nicht, obwohl der behandlungsbedingte Milbentotenfall das bei einigen Völkern rechtfertigen könnte, Von denen ziehe ich dann nach, behandle aber die Ableger bei Erstellung und Brutfreiheit ebenfalls mit OX.


    +und das nicht, weil ich ihn zugetextet habe. Er kann jederzeit meine täglich erhobenen Auszählergebnisse zum natürlichen Milbenfall volksgenau bekommen und sehen, daß von meinen Völkern keine Reinvasionsgefahr für Nachbarstände ausgeht.

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  • Dabei erstaunt mich, wie wenig Milben durch Behandlung beim Sammler vom Sammler abfallen. In diesem Jahr waren es deutlich unter 200. Diesem Phänomen will ich noch weiter nachgehen.

    Waren aber dieses Jahr bei meinen Völkern ohne TBE auch nicht mehr.

    (gekäfigte Königin und anschließend Ox - Behandlung und der Rest Ox - Blockbehandlung).


    Kann nächstes Jahr schon wieder anders aussehen.

  • Summe des Behandlungsabfalls von beiden Behandlungen < 200? Wirklich erstaunlich! Das würde in der Rückrechnung bedeuten, daß die Varroaausgangslast Anfang März rein rechnerisch bei nur 0,75 Milbe/Volk lag (Verdoppelung der Varroalast/Monat unterstellt).

    Bei meinem Sammler vom Sammler vermute ich (aufgrund der Beobachtungen in den Vorjahren), daß ein großer Anteil der Milben nicht auf die Windel fiel ->nicht von mir gezählt werden konnte, weil die Milben zum größeren Anteil von den Krüppelbienen auf ihrem Sterbegang mit nach draußen geschleppt bzw. auf dem Flugwege entsorgt wurden.

  • ..... Sie sind m.E. entweder von gespielter oder echter Naivität gezeichnet.

    Im Gegenteil!

    ... nur wer weiß, was er warum wie tut, kann zum Erfolg kommen. Einfach mal ein gutes Lehrbuch über quantitative Genetik lesen.


    Desweiteren: Ich habe nirgendwo geschrieben, dass man die "Milbenschleudern" außerhalb des Flugradius der eigenen "Normalvölkern" stellen sollte. Denn wer klug selektiert, wird sämtliche Völker, die man hält, gleich behandeln.


    Re-Invasion gibt es, aber hat diese wirklich massive Auswirkungen auf Nachbarvölker in einigen Hundert Metern Entfernung? Dazu gibt es nicht wenige Arbeiten.


    Und gar keine Behandlung habe ich nicht propagiert, nur das Weglassen der Winterbehandlung aus Gründen der Drohnenvitalität und -selektion. Sommerbehandlung sollte schon sein. Also auch kein Fall für Sanktionen durch den Amts-veterinär.


    Aber wie bereits gesagt: Man muß wissen, was man will. "Aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun".

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • wald&wiese : Du mußt Dich nicht angegriffen fühlen. Aber es gibt z.B. von Autoren, die für sich Autorität beanspruchen, die einschlägigen Konzepte, die wie selbstverständlich die Anweisung für potentielle Milbenschleudern enthalten: Verstellen außerhalb des Flugkreises Die sind wohl kaum naiv. Und dann gibt es die, die ihnen das Verstellen nachbeten. Von denen sind sicher einige naiv oder schlicht gedankenlos.

  • die wie selbstverständlich die Anweisung für potentielle Milbenschleudern enthalten:

    Und gerade das "sollte und muß" nicht sein!, und macht auch nicht den geringsten Sinn.

    Sowas rückt alle die die mit Herzeblut an Resistenz arbeiten in ein schlechtes Licht

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Liebe Imkerfreunde,


    als erstes freut es mich das meine Frage eine rege Diskussion nach sich zieht. Ich kann hier nicht auf alle Beiträge einzeln eingehen, aber genau mit diesen Themen habe ich mich das letzte Jahr auch eingängig beschäftigt. Ich kenne mittlerweile einige Untersuchungen zur Varroatoleranz oder -resistenz, auch kenne ich die Vorgehensweise von Dr. Büchler bei der AGT. Hier werden ja, wie schon richtig beschrieben, die Völker nur im Sommer durch Brutpause behandelt. Die Winterbehandlung entfällt, somit werden die Drohnen von stark befallenen Völkern soweit geschwächt, das sie nur noch in geringerem Umfang zur Paarung zur Verfügung stehen. Kein schlechter Ansatz meiner Meinung nach, angeblich gibt es allein durch die Vererbung durch die Vaterlinie ja schon messbare Erfolge.


    Ebenso bin ich der Ansicht, das viele imkerliche Eingriffe die allgemeine Vitalität schwächen oder die Virulenz steigern, z.B. Waben umhängen, Reihenaufstellung etc, dazu gibts ja schon einiges an Untersuchungen. Was meiner Meinung nach noch ein unterschätzter Ansatz ist: Das Beutenklima. Die dünne Magazinimkerbeute entspricht kaum dem "dicken Baum", was die Bienen zu einer verstärkten Regulierung des Stockklimas zwingt. Kann mir ebenfalls nicht vorstellen, das dies für den Gesamtorganismus vorteilhaft ist.


    Um meine Anfangsfrage auch mal aufzuklären: Genau durch diese sinkende Toleranzschwelle begann ich mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Daraus soll ein Vortrag für unseren Imkerverein entstehen, der ohne mit dem Zeigefinger zu wackeln einfach mal nüchtern die bisherigen Untersuchungen vorstellen soll. Veränderung kommt meiner Meinung nach aus der Selbsterkenntnis der Imker. Hoffentlich :D

  • Was meiner Meinung nach noch ein unterschätzter Ansatz ist: Das Beutenklima. Die dünne Magazinimkerbeute entspricht kaum dem "dicken Baum", was die Bienen zu einer verstärkten Regulierung des Stockklimas zwingt. Kann mir ebenfalls nicht vorstellen, das dies für den Gesamtorganismus vorteilhaft ist.

    zu unserem Glück konnte sich das Bruder Adam auch nicht vorstellen, hat es untersucht, und so können wir unsere Energie heute auf andere Probleme richten ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Was meiner Meinung nach noch ein unterschätzter Ansatz ist: Das Beutenklima. Die dünne Magazinimkerbeute entspricht kaum dem "dicken Baum", was die Bienen zu einer verstärkten Regulierung des Stockklimas zwingt. Kann mir ebenfalls nicht vorstellen, das dies für den Gesamtorganismus vorteilhaft ist.

    zu unserem Glück konnte sich das Bruder Adam auch nicht vorstellen, hat es untersucht, und so können wir unsere Energie heute auf andere Probleme richten ;)

    Die Untersuchungen von Adam kenne ich nicht. Ich kenne aber die von Herr Stabentheiner von der Arbeitsgruppe „Thermoregulation und Energetik“ des Instituts für Zoologie der Universität Graz. Ritter hat sich 1982 ebenfalls mit der Thermoregulation der Honigbienen beschäftigt.


    Seeley (1976) hat in einer aufwendigen Studie Baumhöhlen von wildlebenden Honigbienen untersucht. Die meisten dieser Bienen-Wohnungen waren zwischen 30L und 60L groß, also deutlich kleiner also unsere Beuten mit Honigräumen.


    Seeley hat 2013 einen Vergleich großer und kleiner Beutenvolumen im Hinblick auf Varroa und Flügeldeformationsvirus (DWV) veröffentlicht, mit deutlichen Vorteilen der kleinen Beute.


    Le Conte (1990) hat sich sogar mit dem Einfluss der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit auf die Fortpflanzungsfähigkeit der Varroa beschäftigt, die zeigt das sich die Varroa bei höherer Luftfeuchtigkeit besser entwickelt.


    Für mich klingen alle diese Untersuchungen nicht so, als hätten wir Imker den Zusammenhang zwischen Thermoregulation bzw Regulation der Luftfeuchtigkeit und der Vitalität der Bienen verstanden. Tautz hat das 2003 mal untersucht. Wenn schon kleine Temperaturunterschiede in der Brut die Lebensdauer stark verkürzt, müssen die Bienen die Temperatur im Brutnest optimal erhalten. Wäre das in einer gedämmten Beute nicht viel einfacher möglich, Sommer wie Winter? Fehlen die Bienen, die zum ständigen Temperaturregeln abgestellt sind nicht irgendwo anders?


    Nicht falsch verstehen, ich bin kein Biologe und verstehe in den Untersuchungen sicherlich das ein oder andere nicht. Was ich aber immer mehr verstehe: Wir verstehen noch zu wenig.

  • ...Zusammenhang...Thermoregulation bzw Regulation der Luftfeuchtigkeit und der Vitalität der Bienen verstanden. Tautz hat das 2003 mal untersucht. Wenn schon kleine Temperaturunterschiede in der Brut die Lebensdauer stark verkürzt, müssen die Bienen die Temperatur im Brutnest optimal erhalten.

    Man kann aus diesen punktuellen Untersuchungsbeiträgen sicherlich verschiedene Thesen oder gar ganze Theorien entwickeln. Tautz bspw. meint, daß die Verlaufsschwankung der Ausbrüttemperatur vom Bien bewußt gesteuert wird und die künftigen Eigenschaften jeder schlüpfenden Biene jeweils individuell stärker noch beeinflußt als deren Genetik. "Vitalität" der Bienen ist in diesem Sinne keinesfalls gleichbedeutend mit Langlebigkeit, im Gegenteil: Bei den Sommerbienenspezialisierungen kommt es auf Langlebigkeit gar nicht an, sondern auf besondere Vorlieben und Leistungsfähigkeit in den Spezialisierungen, für die die Biene gerade ausgebrütet wurde.

  • Was nicht wahr sein darf, kann nicht wahr sein!

    Das spielt doch alles keine Rolle!

    Das scheinbar einzige Bewertungskriterium für die Gesundheit der Bienen ist der Honigertrag und die Überwinterungsquote, unabhängig von den Maßnahmen, die dazu geführt haben. Dann hat Imker ein gutes Gefühl. Und darauf kommt es ja an!

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?