Varroatoleranz im Laufe der Zeit

  • Leider verbreitet sich im Wissenschaftsbetrieb die irrige Auffassung, man könne mangelnde Aufmerksamkeit an den Ergebnissen der eigenen wissenschaftlichen Arbeit dadurch nachhaltig steigern, indem man möglichst auffällige Thesen aufstellt oder auf sonst abartige Weise Aufmerksamkeit erregt.

  • Ich würde bezweifeln, dass man aus der Höhe der festgelegten Varroa-Schadschwellen direkt auf eine gewachsene Empfindlichkeit der Bienen gegenüber Varroa schließen kann. Genauso gut kann es sein, dass die Schadschwellen aufgrund genauerer Untersuchungen, oder aufgrund eines erhöhten Sicherheitsdenkens heute andere sind.


    Ohnehin sind Schadschwellen nur sehr grobe Anhaltswerte die Volksstärke, Brutzustand, Klima, Standort, Rasse usw. nicht berücksichtigen. Da kann eigentlich nichts Genaues rauskommen.


    In der Praxis habe ich gemerkt, dass die Überschreitung der Schadschwellen, auch um ein Vielfaches, immer wieder vorkommt und die Bienen das gut überstehen. Ich vermute deshalb, dass in den Schadschwellenwerten schon große Sicherheiten enthalten sind. Wenn man es genau nimmt, hat sicher jedes Volk seine eigene Schadschwelle. Und diese Schadschwellen streuen vermutlich über alle Völker betrachtet um mehrere 100 %.

  • Soweit grundsätzlich klar, logisch und bekannt. Nur wieviel Lehrgeld (bzw. Lehr-Schwärme) müsste man zahlen, um dahin zu gelangen und v.a. gibt es überhaupt ein realistisches "Zurück"? Die Erklärung von FranzXR bzgl. der Vererbung spricht erstmal dagegen.

    Das sehe ich anders. Auch wenn es nicht einfach ist varroaresistente Herkünfte zu selektieren und zu festigen, heißt das nicht das es nicht möglich ist - man muss aber beide Seiten selektieren, die väterliche und die mütterliche, eine alleine genügt nicht. Auch genügen ein paar dutzend Völker für die Selektion nicht.
    Dazu gibt es mehrere Projekte die auch schon zu guten Ergebnissen geführt haben. Am bekanntesten sind die verschiedenen VSH Projekte, die es in verschieden Züchtergruppen gibt...


    Gruß

    Franz

  • Soweit grundsätzlich klar, logisch und bekannt. Nur wieviel Lehrgeld (bzw. Lehr-Schwärme) müsste man zahlen, um dahin zu gelangen und v.a. gibt es überhaupt ein realistisches "Zurück"? Die Erklärung von FranzXR bzgl. der Vererbung spricht erstmal dagegen.

    Das sehe ich anders. Auch wenn es nicht einfach ist varroaresistente Herkünfte zu selektieren und zu festigen, heißt das nicht das es nicht möglich ist - man muss aber beide Seiten selektieren, die väterliche und die mütterliche, eine alleine genügt nicht. Auch genügen ein paar dutzend Völker für die Selektion nicht.

    Genau das meinte ich ja mit "spricht dagegen". Der Autor des Artikels spricht davon, die Bienen am Stand ihr Ding machen zu lassen und "natürlich" vererben zu lassen. Genau das ist ja aber beinahe undenkbar, weil ja nicht nur die Gene der Königin die Nachkommen beeinflussen sondern auch die etlicher Drohnen aus der Umgebung. Wenn da nicht alle Imker die selbe Schiene fahren, sehe ich ein "Zurück" bzw. die Vorstellung des Autors AUF DIESEM WEGE eben unrealistisch. Funktioniert also nur mit kontrollierter Zucht.

  • Genau das ist ja aber beinahe undenkbar, weil ja nicht nur die Gene der Königin die Nachkommen beeinflussen sondern auch die etlicher Drohnen aus der Umgebung

    Ahh, da hab ich Dich falsch verstanden, sorry - dann hast Du natürlich recht... - da habe ich den Bezug im Kopf wohl nicht hingekriegt ;-)

  • Genau das meinte ich ja mit "spricht dagegen". Der Autor des Artikels spricht davon, die Bienen am Stand ihr Ding machen zu lassen und "natürlich" vererben zu lassen. Genau das ist ja aber beinahe undenkbar, weil ja nicht nur die Gene der Königin die Nachkommen beeinflussen sondern auch die etlicher Drohnen aus der Umgebung. Wenn da nicht alle Imker die selbe Schiene fahren, sehe ich ein "Zurück" bzw. die Vorstellung des Autors AUF DIESEM WEGE eben unrealistisch. Funktioniert also nur mit kontrollierter Zucht.

    Was Du Dir vorstellen kannst, darauf kommt es nicht an.
    Es gibt aber ein unstittiges Varroatoleranzkriterium: Der Bien überlebt. Die Biens zeigen es dort, wo sie u.a. schon seit bis zu zig Jahren dies tun, worüber gelegentlich berichtet wird.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Hallo,

    Ich habe zu dem Thema schon einen interessanten Podcast gehört. Der Podcast heisst Bienengespräche (bienenpodcast.at) von Lothar Bodingbauer


    Die Ausgabe BG039 ist ein Live Mitschnitt von der Wiener Bienenfachtagung 2018. Darin ist einen Beitrag von Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain zum Thema Varrose zu hören (2:45:00) bei dem auch über die Varroatoleranz referiert wird. Interessant ist auch der anschliessende Beitrag von Andreas Platzer von der Südtiroler Imkerschule zum Thema Totale Brutentnahme. Es geht im eigentlichen Sinne darum wie man sich das natürliche Schwarmverhalten der Bienen zu Nutze machen kann damit die Völker gesund bleiben und nicht so intensiv behandelt werden müssen. Gerade im Hinblick auf die immer milderen Winter, in denen die Völker nicht mehr aus der Brut gehen ein guter Ansatz?!


    Grüsse

    Bulli

  • Es wird keine Varroatoleranz im Laufe der Zeit geben, solange die Behandlung gegen die Varroa im Umfeld passiert und die Genetik dieser dann Einfluss hat, auf die anderen Völker.

    Also geht das nur wieder über künstliche Besamung oder Inselbegattung.

    Rezessive Gene zur Ausprägung zu bringen, heisst eben, dass nur die rezessiven vorhanden sein dürfen . Sobald ein dominates dazwischen kommt, ist die Zucht verdorben. Um das zu erreichen benötigt man aber auch einen entsprechenden Genpool, ansonsten droht sehr schnell Inzucht. Zudem braucht man erstmal einen großen Genpool, um die seltenen Merkmale erstmal zu finden und zu lokalisieren.

    Damit dürfte klar sein, dass ein einzelner Züchter oder ein einzelnes Institut das gar nicht leisten kann.

    Also ist eine Toleranzzucht jahrelange Arbeit am besten im Internationalen Umfeld, wobei alle Beteiligten offen und klar zusammen arbeiten müssen.

    Wer soll.das bezahlen?

    Können Imker das überhaupt?


    Die Antwort ist rein rhetorisch......

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Können Imker das überhaupt?

    JA!

    Laut Paul Jungels und anderen ist das bereits geschafft!

    Die vorhandene Resistenz gegen Milben wird sich nach und nach gaanz bestimmt allmählich auch in der Breite durchsetzen ( KÖNNEN).

    Ähnlich der Sanftmut etc. die sich ja ebenfalls im Laufe der der Letzten Jahrzehnte mehr und mehr breit durchgesetzt hat.

    Freilich, wie schnell das geht liegt nicht mehr am Weg, der ist gefunden, nur gehen muß man wollen.

    Ohne zielgerichtete Zucht / Vermehrung gehts nun mal nicht, eben da ist Bereitschaft gefordert....

    Ja!

    Wir müßen das können wollen.

    Je mehr da anpacken, desto schneller wird es gehen!

    Also ist eine Toleranzzucht jahrelange Arbeit am besten im Internationalen Umfeld, wobei alle Beteiligten offen und klar zusammen arbeiten müssen.

    :!:

    Ich möchte noch VORBEHALTLOS;) hinzufügen.

    Der Esel ist ans Wasser geführt, saufen muß er alleine.

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Hallo,

    Franz hat nicht dagegen gesprochen. Er hat die komplizierte Weitergabe der Veranlagung aufgezeigt.

    Wieviele Schwärme / Völker es braucht? Sehr viele! Und Ausdauer!!!

    Aber ein paar Ableger mehr machen, gute Beuten und Einzelaufstellung „weit vom Schuss“ wären meiner Meinung nach ein Anfang.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • :)

    Zusammentun, LERNEN !!!, untereinander helfen, suchen, finden, vermehren.....

    Der Weg ist ganz bestimmt steinig, aber der Einzige. Soll nix gemacht werden weil es schwierig ist?

    Wie das Resistenzzüchten wirklich geht, dürfte langsam bekannt sein,

    denkt an den Esel:)

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Wie das Resistenzzüchten wirklich geht, dürfte langsam bekannt sein,

    ... wirklich? Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Es ist aber eine Frage der Zeit, ob bzw. wann man "in Rom" ankommt.

    Als ich beim Tag der offenen Tür im Jahr 2002 in Hohen Neuendorf war und mir deren Varroatoleranz-Programm angehört hatte ,war ich der Meinung (aufgrund der vorgestellten Zuchtfortschritte), dass es etwa 10 Jahre dauern würde, bis man wirklich am Ziel wäre.

    Heute (nicht erst, sondern seit Jahren!) bin ich der Meinung, dass man einen anderen Weg einschlagen sollte.


    Aus der Erfahrung heraus (kenne Völker zur Genüge, die seit mehr als 10 Jahren nie züchterisch bearbeitet wurden) halte ich von Schwärmen nichts, um Varroatoleranz zu erreichen. Man kann es - neben der klugen Auswahl von Königinnen - nur über die Kontrolle der Drohnen erreichen. Aus praktischen Gründen ist die Einzeldrohnbesamung von ca. 10.000 Königinnen nicht wirklich möglich.

    Man muß die Lufthoheit den Drohnen ermöglichen, die aus Völkern stammen, die ohne Varroa-Behandlung überleben bzw. Drohnen aus stark vermilbten Völkern ausschließen. Das geht nur, wenn wir endlich in der Fläche mutiger werden und gut beobachten und die Winterbehandlung weglassen. Dann werden zwar nicht wenige Völker im späten Frühjahr kurz vor dem Zusammenbruch stehen, aber deren Drohnen können nicht mehr begatten.


    Wir müssen wissen, was wir wollen. Und weniger ängstlich sein.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • ...Drohnen aus stark vermilbten Völkern ausschließen. Das geht nur, wenn wir endlich in der Fläche mutiger werden und gut beobachten und die Winterbehandlung weglassen. Dann werden zwar nicht wenige Völker im späten Frühjahr kurz vor dem Zusammenbruch stehen, aber deren Drohnen können nicht mehr begatten.

    ...aber sich mit aufsitzenden Milben beim Nachbarn jeden Nachmittag einbetteln.

    Wenn man keine Bienenvölker im Flugkreis stehen hat, deren Risiko von anderen Imkern getragen wird, mag das akzeptabel sein. Aber anderen Imkern auf dem Wege der Reivasionsgefahr auf diese Weise das eigene Experiment aufzuzwingen bzw. dessen Folgen ausbaden zu lassen, das ist nicht fair.

    Aus diesem Grund sind die Konzepte mit Verstellen von Milbenschleudern "außerhalb" des (eigenen) Flugkreises auch mit Argwohn zu betrachten. Sie sind m.E. entweder von gespielter oder echter Naivität gezeichnet.