Brutfrei im November

  • Na, das ist jetzt aber ein bisschen gar schwarz-weiss beschrieben, Franz ( honigmayerhofer ). Ich bin an und für sich ganz und gar Deiner Meinung und bin unter anderem (wie rall0r ) extra deshalb von der Träufel- auf die bei uns erlaubte Verdampfungsmethode (keine Blockbehandlung) umgestiegen, weil ich die Beuten im Spätherbst nicht mehr öffnen will. Der Plan für dieses Jahr war wie Deiner: An Weihnachten wird einmal behandelt, fertig. Beuten bleiben zu bis März, April.


    Nun hatten wir aber hier einen extrem milden Herbst. Zeitgleich folgten Berichte von unterschiedlichen Standorten über eine komplette Brutfreiheit der Völker. Ist es da so komplett falsch, wenn ein Imker einmal bei 15–20 Grad Celsius im Schatten (!) die Kisten öffnet, drei Waben zieht und sie dann in der gleichen Reihenfolge wieder in die Beute setzt? Ich kann nur sagen, dass ich lediglich je drei Waben gezogen habe, dass die Verkittung nicht stärker ausgeprägt als im späten Sommer gewesen ist und dass es keine Aufregung bei den Bienen gegeben hat. Dafür wusste ich dann ganz genau, dass gerade eine komplette Brutfreiheit bei allen Völkern herrschte. Ich konnte also ganz gezielt einmal Oxalsäure verdampfen. Und nun haben die Völker ihre wohlverdiente Winterruhe, ohne dass ich an Weihnachten (bei um 15–20 Grad Celsius kälteren Temperaturen) nochmals irgendwas rumwursteln muss. Hat doch auch was, nicht? :)


    Der Diskussion ist es jedenfalls nicht zuträglich, wenn man diese Vorgehensweise konsequent, obwohl mehrfach detailliert so beschrieben (!), ausblendet und dem «haben wir schon immer so gemacht» quasi ein Horrorszenario gegenüberstellt, das sich wohl bei keinem, die hier berichtet haben, so abgespielt hat (Wintersitz verändert, mehrfaches Öffnen etc.). Und als Schlussgedanken möchte ich noch anfügen: Das Klima hat sich in den letzten Jahren (zumindest bei uns) verändert. Darauf wird man irgendwann reagieren müssen, ob man will oder nicht.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Die alten Imker hätten dir so auf die Finger gehauen, wenn du im späten Oktober oder November noch an der Bienen gearbeitet hättest.

    D.h. für mich so wie es die Natur vorgibt.

    Bei den "alten Imkern" war es aber nicht von Anfang April bis in die zweite Novemberhälfte frostfrei... bei uns jedenfalls stehen noch die Kübelpflanzen draußen, die vor dem Frost rein müssen.

    'Die Natur' (z.T. durch den Menschen global verändert) gibt jetzt halt andere Dinge vor als früher.


    Die Bienen sind da durchaus flexibel. Solange die Temperaturen hoch genug sind und es etwas zu sammeln gibt fliegen sie. Und solange genug reinkommt brüten viele Völker auch. Nicht alle, diese Vielfalt im Verhalten schützt die Gesamtpopulation vor Wetterkapriolen.



    Grüße,

    Robert

  • Bei den Altimkern😀 gab es noch keine Varroa, die überhaupt ein Eingreifen im Winter notwendig machte.


    Wenn ich das lese, fühle ich mich so jung😉

    Ich wusste, dass sofort Kontra kommt, wenn ich das so schreibe, aber jeder muss seine eigenen Völker durchbringen und so lange ich da keine Probleme habe und im Frühjahr starke Völker bin ich zufrieden.


    Jeder Eingriff muss überlegt werden. Und ich denke, ein grossen Eingriff, der mir eine gute Behandlung ermöglicht, wird deutlich besser vertragen und bringt Erfolg, gerade bei dem derzeitigen Temperaturverlauf.

    Alle paar Tage zu Sublimieren ohne zu wissen, wie der Stand ist und das Volk damit fortwährend zu stören und trotzdem die Milben nicht sicher rauszubekommen, da würde mir mein damaliger Imkervater gezielt und mit voller Wucht auf die Finger hauen. Sein Motto war, erst überlegen in Ruhe, dann vorbereiten in Ruhe und dann sauber und schnell am Volk arbeiten. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Zielsetzung sollte doch eine gute Reduktion der Milben sein? Sonst bräuchte man die Völker gar nicht zustören.

    Mein Imkervater hatte seine Hochzeit ohne Milben erlebt und hat dann, zunächst wie die meisten Imker, den Meldungen nicht getraut. Die Varroa kommt nie in seine Völker, hier ist es zu kalt etc.... Bis dann die ersten Völker bei den anderen Imkern in seiner Gegend zusammenbrachen. PlötzlIch war die Varroa da und natürlich war es zum Winterbeginn, als die Völker auch von ihm in die Knie gingen. Er hatte geschlossene Böden und konnte nicht kontrollieren. Am Ende des Winters hatte er 70 % verloren. Alle Imker standen vor einem neuen Problem und alle gingen in verschiedene Richtungen und folgten unterschiedlichen Empfehlungen. Ihm kam es vor, wie ein grosses Experimentieren. Ein paar Mal dachte er, dass er genau das richtige Mittel, genau das richtige Schema habe. Aber jedes Mal, gab es nach einigen Jahren wieder Verluste, trotz tollem Mittel und Schema. Bis er sich nach den Witterungseinflüsse richtete und kein festes Schema, keine feste Methode nutzte. Das brachte er mir und anderen bei, sich nicht festzulegen, sondern nach den Gegebenheiten sich zu orientieren. An der Volksstärke, Vorhandensein von Brut, Temperaturverlauf und die Kenntnis der verschiedenen Methoden, deren Schwächen und Stärken.


    Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich damals mitgenommen hat. Doch ich Thor machte zunächst die gleichen Fehler und sucht nach dem besten Mittel und bestem Schema.... Dass liegt wohl in der Natur des Imkers. ☺


    Ich freue mich auf Freitag und bin gespannt, ob sie brutfrei sind. 7 Wochen kompletter Bienenentzug machen sich bemerkbar. 😶

  • Alte Imker schleuderten auch munter aus dem Brutraum was geht.
    Alte Imker hatten das Gefühl, je dunkler die Wabe, desto besser.

    Alte Imker haben noch nie 20 °C im November erlebt.

    Also ich bin ein solcher "alter Imker" und ich kann deshalb mit Bestimmtheit sagen, dass zumindest Deine ersten 2 Aussagen falsch oder doch in eine falsche Richtung gehen.

    Und wenn man es ironisch sieht, sollte man vielleicht in Anbetracht der Gefahr aus den Wachsverfälschungen und den Anreicherungen von Pestiziden im Wachs heutzutage nach diesem, den Alten Imkern untergeschobene Gefühl, handeln.

  • Solange ich die drei Fragen beantworten kann ist alles klar.


    Wer bin ich?

    Wo bin ich?


    Was mach ich hier?


    Man ist immer nur alt, wie man sich anfühlt....


    :u_idea_bulb02::oops:

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Wer und Wo geht noch ziemlich lange. Die Königsdisziplin ist dann noch den Tag, den Monat und das Jahr hinzubekommen. Und wenn das noch klappt ist definitiv alles im grünen Bereich!:D

  • Zum Teil liest sich dieser Thread wie ein Bienen-Gruselkabinett...

    Was ihr jetzt noch mit Euren Bienen macht, da graust mir beim Lesen.


    Ich habe schon ein schlechtes Gewissen wenn ich die Windel rausziehe und es mal etwas klemmt und ruckelt...


    Aber naja, jeder wie er mag.


    Der Imker ist seiner Bienen Glückes Schmied...

  • Jupp. Und ich bin jetzt mit der Winterbehandlung durch. Brutfrei bei knapp 10 Grad. Die haben jetzt bis zum Frühjahr Ruhe. Noch weniger kann man nicht stören.


    Ist schon mal wem aufgefallen, dass dieses gebetsmühlenhafte Wasmanimwinterzutunundzuunterlassenhat immer mit beinhaltet, dass man die Beute sechs Monate nicht öffnet. Also definitiv nichts weiß, was man aber auch nicht braucht, weil es schon immer alle so gemacht haben. Nichtwissen gehört zum Konzept und wird idealistisch überhöht... Sorry, das ist Religion, aber nicht 21. Jahrhundert.


    Danke all denen, die diesen Faden zum eigentlich vorgesehenen Zweck genutzt haben!:p_flower01::u_idea_bulb02::daumen:

  • Ich habe in den letzten 6 Jahren so spät im Jahr nie in die Völker geschaut, um zu sehen, ob sie noch brüten. Was bitte hier nicht als Wertung aufgefasst werden soll, sondern als reine Information. Ich hatte im Kurs gelernt, dass man das nicht macht und mich daran gehalten.

    Die ersten 3 Jahre habe ich immer geträufelt, sobald es kalt genug war. Ohne Befallskontrolle vorher. Dann kam ich auf Alternativen , habe Liebigs Verdampfungsmethoden und Hintergründe gelesen und Befallskontrolle vorher gemacht, meist Ende November , wenn es vorher mal kälter war.

    (Hier friert es i.d R nicht vor Januar/Februar)

    Bei Befall 0.5 /Tag oder mehr habe ich eine Bedampfung durchgeführt und den Abfall danach kontrolliert.

    Sind in den ersten 3 Tagen mehr als 100 Milben gefallen, was erst ein einziges Mal vorkam, habe ich nach 1 Woche wiederholt. Danach nichts mehr unternommen.

    Es sind alle gut ausgewintert. Ich hatte insgesamt in den 6 Jahren 3 Völkerverluste. Alle zu Beginn meiner Imkerzeit. Die waren aber alle bereits im November tot.

    Und im Juli schon auffällig. Da hätte ich damals anders und früher handeln müssen.


    Wenn ich aus dem Urlaub zurück bin, werde ich die Windeln einschieben.

    Soviel zum OT.


    Hier noch was zum Thema -so sieht es im Ruhrgebiet aus:

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Kikibee : Sag bloß, das war´s? Ich nahm an, der Zweck bestand darin, eine Tendenz abzulesen oder gar Schlußfolgerungen für etwaig zu verändernde Betriebsweisen abzuleiten oder wenigstens neue Argumente für die Zulassung von OX-Sublimation zu eruieren. Nicht mal bunte Diagramme soll es geben?