Brutfrei im November

  • Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass Weihnachten ein falscher Zeitpunkt wäre, dazu muss man doch nicht jedes Jahr die Völker auf Brutfreiheit untersuchen.

    Der Beginn des Brutgeschäft hat zum einen etwas mit den steigenden Temperaturen zu tun und zum anderen mit dem Ansteigen des Tageslichts, nicht umsonst heißt es, wenn der Tag wächst, dann wächst auch das Brutgeschäft.

    Die Bienen werden an Weihnachten auch keine solchen großen Brutflächen haben, dass eine Varroadezimierung nicht ausreichend ist um die Völker bis zum Herbst zu bringen.

    Obendrein gibt es bis dahin dann noch die Möglichkeiten der Ablegerbildung, des Drohnenwabenschneides. Die Ablegerbildung ist eines der wichtigsten Komponenten einer erfolgreichen Imkerei. Jedes Bienenvolk muss einen Ableger ergeben, hierbei kann ich die Varroen im Altvolk und sowieso im Ableger entscheidend dezimieren und die wichtigen Zeitspannen für den Herbst gewinnen, denn die meisten Völker gehen im August beziehungsweise September an der Überpopulation der Varroen kaputt.

    Es ist eine Folge von Maßnahmen, die entscheidend sind ob man die Völker über den Winter, beziehungsweise über das ganze Jahr bringt.

    Imkern muss doch nicht so kompliziert sein!

    Weihnachten zu behandeln ist sicher nirgends verkehrt, denn in Hamburg wird der Tag auch nicht anders wachsen als im Allgäu oder auf der Zugspitze. Natürlich kann es Ausreißer geben, aber wie gesagt, durch die nachfolgenden Maßnahmen im Frühjahr kann man dies auch wieder auffangen und wenn man das nicht macht dann hilft manchmal auch die ganze Brutfreiheit nichts.

    Frage: Warum habt ihr, die ihr genau die Brutfreiheit überprüft dann Varroaprobleme.?

  • Was hat das mit einem Varroaproblem zu tun? In meinem Fall wollte ich die Volksstärke kontrollieren weil die 3 KS doch recht spät und nicht all zu stark gebildet wurden. Brutfreiheit hatte ich gar nicht erwartet! Es hat sich halt angeboten gleich nachzusehen. Ich hatte schon noch ein Brutnest erwartet zudem es sich um Buckis handelt.

  • Angespornt von diesem Thread und den unheimlich milden Temperaturen (gestern 15 °C hier), hab ich gester überall mal schnell reingeschaut.

    Bei mir war rund die Hälfte "brutfrei" (=keine verdeckelte Brut) und ist jetzt behandelt.

    Überall waren aber auch bereits wieder Stifte, weshalb der Rest kaum vor Mitte Dezember behandelt werden kann... Sofern der erhoffte Frost kommt.

  • Rainer/beemax (Plön) spricht jetzt schon von Brutfreiheit. Mitte November ist mir gefühlt noch zu früh.....

    ... es gab mal Zeiten, da habe ich Anfang Oktober Futterkranzproben den Völkern entnommen, weil ich sehr zeitig im Frühjahr eine Seuchenfreiheitsbescheinigung brauchte [zum Wandern und zum Völker verkaufen]. Meine Bienenstände befanden sich damals im warmen Flachland und trotzdem waren fast alle Völker auch in warmen Jahren bereits Anfang Oktober brutfrei. Ausnahmen waren nur die spät im Jahr gebildeten Kunstschwärme.

    Und anhand der Windeln konnte man erkennen, dass Völker in manchen milden Jahren schon ca. zu Weihnachten mit dem Brutgeschäft wieder angefangen hatten.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Überall waren aber auch bereits wieder Stifte, weshalb der Rest kaum vor Mitte Dezember behandelt werden kann... Sofern der erhoffte Frost kommt.

    Genau das berichten hier die erfahrenen Kollegen auch. Sie gehen davon aus, daß die meisten der Völker, die jetzt Brut in allen Stadien und Stifte aufweisen nicht noch in Brut sind, sondern schon wieder. Es handelt sich meinen Umfragen zufolge vorzugsweise um die stärksten Völker, auch TBE-Brutspender. Wenn der Witterungsverlauf bis Ende November noch vergleichbar mild bleibt, wird es hier auch keine Frostnächte geben und in diesen Völkern mit einem nennenswerten Brutnest die Wintersonnenwende begangen. Da wird es dann schwierig mit Restentmilbung in den zugelassenen Verfahren.

    Der jüngste Info-Brief der Institute weist nochmals auf die Auswirkungen von zu hohem Restmilbenbestand hin und rät, den Restmilbenbestand nicht über 250 Stck./Volk ansteigen zu lassen, wobei dabei noch eine natürliche Sterberate der Milben von 20 ... 30% durch einen ordentlichen Winter eingerechnet ist und von durchschnittlich starken Bienenvölkern* ausgegangen wird.

    https://www.apis-ev.de/files/i…nfobrief_2018_24.docx.pdf


    *Wenn man die sonst propagierte Grenze von 5% Befall dazu in Beziehing setzt, würde das eine Mindestvolksstärke von 5.000 Bienen bei der Auswinterung bedeuten.

  • Anscheins haben ich und andere Kollegen in Bayern ein anderes Klima oder eine andere Biene, wenn die bei euch " schon wieder" in Brut sind.

    Wenn es so wie bei euch wäre, dann hätte ich Jahrzehnte lang zur falschen Zeit behandelt.

  • Franz Xaver,


    Du hast den Pudels Kern erfasst.

    Wir haben hier anderes Wetter und Klima. Daher bringt es mir auch nichts, Bienen aus den Bayrischen Alpenland auf unsere 45 Meter über NN zu bringen.
    Das hat absolutnichts damit zu tun, dass eure Bienen besser oder schlechter sind. Auch haben viele Regionen immer andere Anforderungen an die Bienenvölker.
    An der Küste müssen dann wieder ganz andere Herausforderungen gemeistert werden.

    Ich glaube der beste Zeitpunkt der Winterbehandlung liegt zwischen Mitte November und Weihnachten. Der Rest ist dann abhängig von den Temperaturen vor Ort.
    Hier hat es besipielsweise nur einmal gefroren. Zudem lagen die Tagswerte immer über den zweistelligen Bereich und der Senf steht immer noch gelb in der Landschaft rum.

    Als Anmerkung kann ich noch hinzufügen. Das damit auch ein Grund erklärt ist, warum das Bedampfen hier immer mehr Verbreitung findet.

    Das Pokern um den richtigen Zeitpunkt hat dann ein Ende.
    Letztes Jahr sind hier am 29.12 die Bienen noch geflogen.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Kann die Analyse von ribes auch hier bestätigen. Habe vergangene Woche bei 15°C+ das erste mal reingeschaut. TBE-Brutspender haben (wieder?) Brut in allen Stadien, insbesondere viele neue Stifte und sammeln fleißig Pollen, Ableger sind brutfrei.


    Wenn vor Weihnachten keine Brutfreiheit eintritt, würdet ihr dann trotzdem behandeln (OX-Träufelbehandlung) und die verminderte Wirkung in Kauf nehmen? Der Milbenfall würde eine Behandlung rechtfertigen.

  • Kann die Analyse von ribes auch hier bestätigen. Habe vergangene Woche bei 15°C+ das erste mal reingeschaut. TBE-Brutspender haben (wieder?) Brut in allen Stadien, insbesondere viele neue Stifte und sammeln fleißig Pollen, Ableger sind brutfrei.


    Wenn vor Weihnachten keine Brutfreiheit eintritt, würdet ihr dann trotzdem behandeln (OX-Träufelbehandlung) und die verminderte Wirkung in Kauf nehmen? Der Milbenfall würde eine Behandlung rechtfertigen.

    Moin,


    es wurde gezeigt, dass im Winter auch bei kleinem Brutnest der Großteil der Milben auf den Bienen verbleibt, und somit eine Behandlung der Bienentraube per Beträufelung wirksam ist. Ich verzichte dabei auf Wabenziehen, Gemülldiagnose oder die im Norden beliebte Spökenkiekerei, und setze die Beträufelung ab drei Wochen nach dem ersten richtigen Nachtfrost, meist am frühen morgen, an.


    Dabei will ich gerne zugeben, dass die Verdampfung auch mir langsam immer attraktiver erscheint, zumal die erforderlichen Gerätschaften (zur Beutenreinigung :/) einfach im Fachhandel verfügbar sind.


    Beste Grüße


    Peter

  • es wurde gezeigt, dass im Winter auch bei kleinem Brutnest der Großteil der Milben auf den Bienen verbleibt,

    Welche Quelle zeigt das? Hier kamen andere Rechenergebnisse heraus (#16):

    rätselhaftes Ergebnis


    Meine bisherige Erfahrung zeigt mir ebenfalls, daß der Varroafall um diese Jahrezeit (erst) ansteigt, wenn keine offene Brut mehr als Milbenunterschlupf zur Verfügung steht. Solange wollen die Milben vorrangig eines: Sich vermehren, das ist ihr oberstes Lebensziel und -vergnügen. Dr V. Schneider hat in ihrer Dissertation übrigens erwähnt, daß die Tochtermilben innerhalb von einem (!) bis 20 Tagen wieder in Brutzellen absteigen, um sich ihrerseits zu vermehren (S. 8 letzter Satz):

    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12025/1/Schneider_Verena.pdf

    Nicht zuletzt haben wir Imker mit den TAM-Behandlungen seit vielen Jahren die Milben auf ein möglichst schnelles Wieder-Absteigen in Brutzellen hin ausgelesen.

  • Du rätst allen Ernstes, jetzt die Zentralwaben des Brutnestes herauszunehmen und zu vernichten oder zumindest bierdeckelgroße Löcher in diese Waben zu schneiden?

    Diese Konsequenz solltest Du dem Rat der Sachverständigen einmal in ihrer Bedeutungsschwere ans Herz legen und darum bitten, in D endlich die Sublimation von OX als Standardverfahren zuzulassen. Schäden an Bienen (so wie der SV-Rat befürchtet) oder am Anwender sind weder zu befürchten, noch jemals aufgetreten in den EU-Ländern, in denen die Sublimation bereits seit mehreren Jahren zugelassen ist und angewendet wird. Das letzter Kiterium hat den Rat ja 2017 bewogen zu empfehlen, OX-Sprüh aus der Apothekenpflicht zu entlassen.