Brutfrei im November

  • Also mit "extern verdaut/verstoffwechselt" meint ihr außerhalb der Milbe, also innerhalb der Biene, richtig? Kann man sich so vorstellen wie bei Spinnen: spritzen Verdauungsflüssigkeit in das Opfer und saugen das Resultat dann aus, bei der Varroa wird halt "nur" der Fettkörper reduziert, richtig?

  • Also mit "extern verdaut/verstoffwechselt" meint ihr außerhalb der Milbe, also innerhalb der Biene, richtig?

    Richtig, in den Fettkörper Verdauungsflüssigkeit einspritzen und das Verdaute wieder aufsaugen - so wie es auch andere Milben machen...

    So simpel ist es wohl nicht. Der Fettkörper wird von der Milbe ja nicht amputiert, sondern "nur" allmählich reduziert und extern verstoffwechselt. Demnach müßten das Bienen mit großem Fettkörper eher verkraften als kleinzellig ausgebrütete oder mangelernährte Bienen

    Richtig, ich habe es verdammt vereinfacht ausgedrückt :-) ;-) - aber ich denke wenn der falsche Teil des Fettkörpers verdaut wurde dann funktioniert der ganze Stoffwechsel nicht mehr, ähnlich dem Leberversagen - dann dauert es nicht mehr lange bis die Biene zugrunde gegangen ist. Alles weitere wäre Spekulation und da halte ich mich raus... (Ich hatte einmal einen Link auf ein Video wo der Forscher das ganze erklärt hat, ist auf englisch und dauert sehr lange. Wenn ich den wieder finden sollte, liefere ich den nach)

    Helfen uns diese neuen Erkenntnisse irgendwie weiter?

    Ja, wenn man "Varroagiftmittel Hersteller" ist. Bis jetzt ging man davon aus das die Milbe die Hämolymphe anzapft und sich davon ernährt. Jetzt weis man das Mittel, die sich über die Hämolymphe verteilen, nicht helfen können und kann nach solchen suchen die sich im Fettkörper anreichern...

  • Aber es gibt ja keine Not, systemisch wirkende Mittel einzusetzen. Wie man bei den organisschen Säuren sieht, geht es auch anders.

    Außerdem werden Mittel, die von den Bienen aufgenommen werden, die Bienen grundsätzlich stärker beinträchtigen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Fatal ist, das die Bienen die Milbe nicht als Feind erkennen.

    Mag daran liegen, das diese mit der Flüssigkeit des Fettkörpers der Bienen gefüllt sind.

    Andererseits erkennen sie den Beutekäfer auch nicht; ganz anders als bei Ameisen, wo sie sofort reagieren.

  • Der Fettkörper ist halt eine unregelmäßige weiche Zellmasse,

    Nicht ganz, der Fettkörper ist ein ORGAN, ohne das die Bienen nicht leben kann und das der Speicherung und Synthese von Stoffen dient. (Es ist doch ein Unterschied ob Dir ein Schädling nur Dein Körperfett wegnimmt ala Fettabsaugung, da kannst Du überleben - oder ob Dir jemand eine lebenswichtiges Organ klaut, da überlebst Du nicht...) ;-)

    Ich hab's nur so wiedergegeben, wie es in der Zeitung steht. Ob man es nun Organ nennen will oder nicht , ändert nichts an der Aussage "unregelmäßige weiche Zellmasse".

  • Da tut sich doch ein weites Feld neuer Fragen auf, Forschungsbedarf soweit das Auge blickt, Thesen, die es zu überprüfen gilt, z.B.:


    - Müssen die Tochtermilben unbedingt einen Reifungsfraß an erwachsenen Milben durchlaufen, um sich reproduzieren zu können, wenn sie bereits in der Brutzelle genug vom Fettkörper der Bienenlarve verstoffwechselt hatten?

    - Hängt die Dauer des Reifungsfraßes an erwachsenen Bienen von etwaigen Ernährungslücken in der Brutzelle ab (zu wenig Zeit oder zu wenig Fettkörper der Bienenlarve) ab? Ist der Reifungsfraß in diesem Sinne ein "must have" (conditio sine qua non) oder lediglich komfortable Ernährungsvariante, bis die Milbe Lust verspürt, sich zu vermehren und sich in eine passende Brutzelle fallen läßt?

    - Müssen Milben etwaige Ernährungslücken zwingend am Fettkörper erwachsener Bienen auffüllen oder können sie dies auch am Fettkörper von Bienenlarven tun, die sie nach ihrem Schlupf aus der Erstzelle in einer zweiten oder gar dritten Zelle besiedeln?


    Je nach den Antworten darauf könnte sich ein ganz neuer Blick ergeben bspw. auf:

    - die immer wieder behaupteten milbenreduzierenden Effekte kleinzelliger Betriebsweisen (-> kleinere Fettkörperreserven der Bienen incl. der Larven -> Mangelernährung der Milben?)*

    - die Ergebnisse von Resistenzzuchtbemühungen

    - die durch TAM erzeugte Auslese der Milben auf möglichst kurze Verweilzeit auf erwachsenen Bienen, schnelles Abtauchen in schützende offene Brutzellen.


    *Dr. Verena Schneider hatte ja in ihrer Dissertation berichtet, daß bei Mehrfachparasitierung von Brutzellen die Vermehrungsrate der Milben drastisch absinkt. Das würde die Mangelernährungshypothese stützen (s. 14 unten/15 oben):

    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12025/1/Schneider_Verena.pdf

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von ribes ()

  • Fatal ist, das die Bienen die Milbe nicht als Feind erkennen.

    Oh, das gibt es schon und diese Eigenschaft ist sogar vererblich, nur selektieren noch sehr wenig Züchter danach - diese Eigenschaft wird auch öfters als "grooming" oder "VKF" bezeichnet und ist neben VSH wohl die Vielversprechendste. Such einmal nach "bee mite mauler", nach "bee ankle biter" oder nach "Biene VKF" in einer internet Suchmaschine ;-) :-)


    die immer wieder behaupteten milbenreduzierenden Effekte kleinzelliger Betriebsweisen (-> kleinere Fettkörperreserven der Bienen incl. der Larven -> Mangelernährung der Milben?)*

    Da könnte man auch anders argumentieren:

    • Es ist nicht wirklich bekannt wie lange es dauert bis der ganze Fettkörper so signifikant verdaut ist das die Bienen stirbt, evtl. ist der Unterschied bei verschieden großen Bienen nicht signifikant.
    • Durch kleine Zellen ist die Brutnesttemperatur im Schnitt höher und daher der Verdeckelungszyklus im Schnitt kürzer
    • Bei kleinen Zellen erzeugt die Bewegung der Milben einen anderen Ton der von den Bienen leichter erkannt werden könnte

    Was dann in der Kombination dabei rumkommt und dominanter ist wage ich nicht abzuschätzen, da bin ich raus. (Eigentlich wollte ich dazu nicht spekulieren... - jetzt hab ich es doch getan ;-( )


    (Aber ich weis das bei kleinen Zellen die Bienen allgemein robuster und gesünder sind...)

  • Zur Mangelernährungshypothese:

    Dr. Verena Schneider hatte ja in ihrer Dissertation berichtet, daß bei Mehrfachparasitierung von Brutzellen die Vermehrungsrate der Milben drastisch absinkt. Das würde die Mangelernährungshypothese stützen

    Mel Disselkoen schreibt, daß er seit vielen Jahren ohne Varroazide auskommt, seitdem er im Mai Völker vermehrt und im Juli durch Nachschaffung eine Brutpause triggert der eine für die Varroa ungesunde Mehrfachparasitierung der wenigen neuen Brut folgt:

    After the break in brood rearing, when 5-day-old larvae are again available for the fertile mite, all the mites instinctually enter the cells simultaneously and are then trapped when the cell is capped.
    The single larva isn’t enough food for all the mites trapped within the cell and all perish. The bees respond hygienically by removing the carnage from the initial brood cycle.
    The varroa population is greatly reduced by this unexpected biological assault to which it cannot become resistant.

    Hat diese Effektstärke schonmal jemand in Deutschland beobachten können?
    Hierzulande scheinen leider die varroabelasteten Völker länger zu brüten, ohne daß sich alle Milben zum letzten gemeinsamen Mahl in wenigen Brutzellen treffen.

  • Fatal ist, das die Bienen die Milbe nicht als Feind erkennen.

    Mag daran liegen, das diese mit der Flüssigkeit des Fettkörpers der Bienen gefüllt sind.

    Andererseits erkennen sie den Beutekäfer auch nicht; ganz anders als bei Ameisen, wo sie sofort reagieren.

    Hab mal was gelesen, dass so was am vorhanden Stockgeruch liegen kann. Die meisten Milben werden ja im Stock geboren. Kann aber auch über die Wachsmotten gewesen sein, errinnere mich nicht mehr genau.


    Ausserdem verstecken sich die Milben gut und klemmen sich gerne zwischen den Körperplatten der Bienen ein, wenn sie nicht in der Zelle sind.

  • Hab mal was gelesen, dass so was am vorhanden Stockgeruch liegen kann. Die meisten Milben werden ja im Stock geboren.

    Wenn ich die Forschungsergebnisse richtig im Kopf habe, brauchen die Milben keine Stunde, um beim Umzug auf eine Biene eines anderen Volkes deren Duftstoffe zu übernehmen. Ob passiv oder ob sie aktiv Mimikry betreiben, da scheint es noch verschiedene Theorien zu geben.