• In einem Imkerbuch von 1873 habe ich mal geschmökert (Es ging um die "Dzierzon-Imkerei"). Dort wurde das Bovistieren erläutert. Mit diesem Verfahren werden die Bienen betäubt. Man verbrenne ein daumenkuppengroßes Stück Bovist (im noch schwammigen Zustand getrocknet) in der geschlossenen Beute. Die Bienen sollen von den Waben fallen und nach dem Öffnen für zehn bis fünfzehn Minuten betäubt bleiben. Die Weisel als die hartnäckigste soll meist obenauf liegen. Das Flugloch erst nach einer Stunde wieder öffnen, da die Bienen eine Zeit lang orientierungslos seien.
    Das Verfahren scheint früher recht verbreitet gewesen zu sein. Verwendet es noch jemand und kann seine Erfahrungen schildern?
    Neugierig, Thomas

  • Bienenvölker zu betäuben scheint doch noch üblich zu sein, z.B. beim Zusetzen von Königinnen. Bei Raymond Zimmer las ich kürzlich seine Empfehlung: ein Kaffeelöffel voll Ammoniumnitrat (ergibt Lachgas) in Papier wickeln, in den brennenden Smoker stecken, feuchtes Gras darüber und wenn ein süßlicher Geruch entströmt die Bienen kräftig einnebeln. Nach der Betäubung sollen die Bienen (auch der Imker?) sogar die Orientierung verloren haben und sich neu einfliegen (vielleicht ein Tip zum Verstellen über kurze Entfernungen?).


    Grüße, Thomas

  • Hallo, Thomas,
    genau das habe ich vorletzte Woche bei drei drohnenbrütigen Völkern gemacht
    Ich sah keine Möglickeit, die Afterweiseln in einem "wachen" Stock auszusortieren, um Ableger aufzusetzen.
    Hat mir nicht gepaßt, aber hervorragend funktioniert. Bei zwei Völkern, die ich gestern in regenfreien fünf Minuten durchgesehen habe, hat es hingehauen: untendrin keine offene Brut mehr, aber jede Menge mehr oben und die Königinnen sind auch noch da. Das 3.Volk habe ich wg. Sturzregen nicht mehr geschafft.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    wie erkennst Du Afterweiseln? Besonders wenn sie betäubt sind.


    Grüße, Thomas

  • Hallo, Thomas,
    gar nicht! Ich habe darauf gesetzt, daß die wachen Bienen schneller sind als ihre eingeschlafenen Kolleginnen und auch besser auf ihre Majestät aufpassen.
    Es sieht so aus, als wenn es geklappt hätte.
    Keine Ahnung, ob die Afterweiseln nach der Narkose aufgehört haben zu legen oder ob die Königin mit dem "richtigen" Geruch sie abgestochen hat, der gewünschte Effekt ist jedenfalls da...(und mehr wollte ich nicht, zu verlieren hatte ich gar nichts)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Imker


    Üblicherweise werden drohnenbrütige Völker ca. 5m vom Standort (Fluglochrichtung) entfernt abgekehrt. Die Afterweisel, meist schwerfälliger als übliche Arbeiterinnen, findet nicht mehr zum Stock zurück und man kann einen Ableger mit Königin an diesem Platz einlogieren ohne daß es zu Problemen kommt. Ich habe diese Art schon mehrmals durchgeführt und es wurde mit den restlichen Bienen ein starkes Volk.


    Gruß Walter

  • Hallo zusammen,
    als ich mich heute mit einer älteren Dame (Mitte 80.) über ihre Erfahrungen mit Bienen unterhielt, erzählte sie mir wie ihr Vater (Korbimker) Bienen mit dem Rauch von Bovisten betäubte. Interessant dachte ich, suchte im Forum und fand diese Beiträge. Bisher hat aber noch keiner wirklich auf die Frage von Herrn Hädrich geantwortet.
    Hat jemand von euch diese Methode mal verwendet? Ich frage nur interessehalber, verwenden würde ich die Methode nicht. Warum auch?! Bei den heutigen Magazinen braucht man sie ja nicht mehr! Der normale Rauch ist schon Stress genug für die Bienen.


    Interessant wäre aber, ob die Methode auch auf andere Insekten (Wespen, Hornissen) übertragbar ist und bei einer Umsiedlung Verwendung finden könnte. Ist nur so eine Idee!


    Bis denne, Schinki

    Persönlich bin ich immer bereit zu lernen, obwohl ich nicht immer belehrt werden möchte.

  • Wikipedia sagt:
    Der Name Bovist ist vom frühneuhochdeutschen Wort vohenfist (aus „vohe“ Füchsin und „vist“ Bauchwind, also „Fähenfurz“ oder „Fuchsfurz“) abgeleitet, aber bald nicht mehr verstanden und zu Bovist latinisiert. Der ursprüngliche Name nimmt Bezug auf das charakteristische Geräusch beim Entweichen des Sporenpulvers, der Name der Gattung Lycoperdon bedeutet ebenfalls „Wolfsfurz“.


    Kein Wunder, dass die Bienen davon betäubt sind... :cool:


    Welche Art Boviste soll eigentlich zur Anwendung gekommen sein? Die deutsche Bezeichnung Bovist wird für verschiedene, zum Teil nicht näher miteinander verwandte Pilze benutzt.

  • nutze ich nur CO2...aber nur bei den Vespdae,


    Melanie


    Hallo Melanie,
    das mit CO2 habe ich auch mal gelernt, durfte dann aber auch bei einer praktischen Umsiedlungs Demonstration erleben, das die Hornissen nicht wieder erwacht sind, war wohl etwas zu hoch, die Dosis.
    War daher schon kritisch eingestellt.
    Auf einem zweiten Lehrgang wurde von der Benutzung von CO2 ganz abgeraten, auch geringe Dosen bekämen der Königin nicht gut, (war, meine ich die Begründung)
    Anscheinend sind Deine Erfahrungen andere. Wie dosierst Du die CO2 ? Gehen "Deine" Königinnen nach dem Umsiedeln wieder in Eilage und erzeugen im Spätsommer neue Königinnen?


    Viele Grüße
    Hubert

  • Verräucherung eines Riesenbovisten mit dem Smoker. (Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Riesenbovist)



    Der Rauch betäubt die Bienen, also eine echte Narkose. In der alten Literatur wird davor gewarnt, daß zu viel Rauch davon die Bienen umbringt. Das hat mich bisher davon Abstand nehmen lassen. Jetzt ein Versuch im Kleinen. (Klein anfangen, bei Erfolg erweitern.)


    Da die für den Test vorgesehene Beute ist schon abgeschwärmt. Die meisten Bienen habe ich schon mit normalen Rauch verscheucht. Der Rest wurde zu Testbienen erklärt. Also Raucher an, der Pilz raucht sehr schnell. Ein eigroßes Stück reicht nicht aus. Der Smoker muß schon ganz ausgestopft werden. Selber einatmen solltest Du den Rauch nicht, er soll nicht ganz bekömmlich sein. Ich habe ein paar Züge genommen, lebe noch. (Ich esse den Riesenbovist ansonsten paniert und gebraten.) Der Geruch des Rauches ist süßlich.


    Die Zarge auf einen hohen Rahmen und einen Gitterboden stellen. Die Anleitung lautet: Räuchern bis das Aufbrausen etwas leiser wird, Zarge einmal aufstoßen und die Bienen purzeln herunter. Danach für frische Luft sorgen, also Bienen luftig liegen lassen.



    Das Ergebnis: die Bienen purzeln nur so runter, wenn sie dem Rauch ausgesetzt sind. Sie liegen dann auf dem Boden, atmen aber. Die Bienen nahe am Flugloch kriegen natürlich mehr mit als die Bienen unter dem Deckel. Deswegen fallen auch nicht alle herunter, beziehungsweise besteht die Gefahr der Überdosierung für die Bienen unten.


    In der Literatur wird 10 Minuten als Zeit angegeben, nach der die Bienen wieder aus der Narkose erwachen. Das bestätigt sich auch für den größten Teil (mutmaßlich weniger abbekommen). Die letzten Bienen haben sich nach 30 Minuten erholt. Es sind nur drei Bienen nach einer Stunde nicht wieder aufgewacht.


    Das große Aufwachen aus der Narkose.


    Naja, ob das die Methode der Wahl wird, wage ich zu bezweifeln. Aber für Notfälle? (Seuchenfall, schwieriges Herankommen im Stabilbau in Mauern oder Schornsteinen, etc.)


    Bitte liebe Anfänger der Imkerei - nicht nachmachen! Das war nur ein Experiment, mehr nicht.


    Gruß
    Bernhard

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  • Abgefahren...ob das auch mit Hornissen klappt? Na wenn das mal nicht eine neue Umsiedlungsmethode wird...aber in meinen Wirtschaftsvölkern werde ich das lieber nicht einsetzen. Weiß denn wer was der Wirkstoff ist der das verursacht? CO2 kenne ich so aber brennende Pilze? Wo bekommt mann denn Bovist überhauot her? Würde den wohl nicht mal erkennen wenn ich davor stünde.


    Danke für den Bericht!


    Melanie