Schaden für die Winterbienen??

  • Hi @all,

    einer der Neulinge hat mal wieder eine Frage die ich mit Logik nicht selber beantworten kann und ich auch im WWW keine so richtige Antwort finde...


    Also ... es geht ja in der zweiten Jahreshälfte zu einem ordentlichen Teil darum, dass man genügend Winterbienen züchtet. Bei den selbigen schaut man drauf, dass sie nicht mehr viel Arbeit mit Futter umwandeln usw. haben, damit diese möglichst unverbraucht in den Winter gehen und diese dann ihre komplette Kraft verwenden um zum Einen den Stock zu betreuen und Andererseits die neuen Arbeitsbienen für den Frühling ziehen.

    Soweit ist das mir klar ...

    Normal wird es aber im September kühler, im Oktober wird es in der Nacht schon recht kalt und auch tagsüber bis auf wenige einzelne Tage nicht mehr besonders warm, es gibt also kaum noch Flugtage ...

    Dann ist das ganze so wie heuer. Wir haben gut Mitte Oktober, ich war den ganzen Tag im Freien, nur mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet, und in meinem Garten fliegen Bienen umher, man könnte meinen, es ist Frühling. In der Nacht kühlt es kaum unter 10°C ab.


    In wie fern schaden diese Temperaturen unseren Winterbienen. Fliegen diese nun auch aus und tragen Futter heim oder haben die Hausarrest und schonen sich für den Zweck für den sie gebohren wurden?

    Ist dieses Klima schädlich oder spielt es keine Rolle??


    Weiters frage ich mich auch, welche Auswirkungen diese hohen Temperaturen im Sommer bei euch hatten!?!? Spielt dies auch keine Rolle, war es schlecht oder eher positiv!?


    Lg und Danke vorab :thumbup:

  • Hallo Happygerd!


    Ich würde die sogenannte Erzeugung von Winterbienen nicht all zu stark heraus streichen. Die Bienen haben die letzten paar Millionen Jahre ohne dem Mensch überlebt. Die wissen schon was sie tun.


    Wichtig ist nur, dass sie bienengemäß gehalten werden und dass sie gesund sind, sprich frühzeitig im Jahr gut mit Futter versorgt werden und ehestmöglich von der Varroa befreit werden. Alles andere pendelt sich von selbst ein. Dauert die Schönwetterperiode übermäßig lang in den Herbst hinein, dann gehen die Sommerbienen etwas später ab und es entstehen die Winterbienen eben auch etwas später. Das Grundprinzip lautet, dass viele Sommerbienen nur wenig Winterbienen versorgen müssen und somit langlebiger werden.


    Da gibt es eine schöne Studie zu dem Thema, zumindest zu der Lebensdauer der Honigbiene.


    http://www.imker-ostbelgien.be…Lebensdauer-der-Biene.pdf


    MfG

    Honigmaul

  • Hi Honigmaul,

    danke für die rasche Antwort.

    Unterm Strich also so, dass es keine Rolle spiel wie lange der schöne Herbst noch dauert!?

    Die Queen sorgt weiterhin für Nachwuchs und wenn es kälter wird beginnt der Zyklus wie es sein muss ... ok :)


    Zum Thema sehr warmer und trockener Sommer, hat das eine Rolle gespielt?


    Lg

  • Bei uns gab es bisher noch keinen ernsthaften Frost. Das wiederum bedeutet, dass noch viele Wiesenblumen und Herbststauden blühen und die Bienen weiterhin Pollen sammeln können.

    Mit Pollen ist alles gut, selbst wenn sich jetzt Winterbienen vorzeitig abarbeiten sollten, so würden neue aufgezogen.


    In Kalifornien z.B. gibt es auch (ursprünglich aus Europa stammende) Honigbienen. Die haben da noch viel weniger Winter als hier, aber so richtig durchbrüten können sie auch nicht, wohl wegen Pollenmangel im 'Winter'. Klappt trotzdem. Berufsimker, die zur Mandelblüte starke Völker haben wollen, füttern allerdings Eiweißfutter. Auf der Webseite von Randy Oliver scientificbeekeeping.com findet man da recht interessante Infos.


    Ich weiß nicht wie es in deinem Dreiländereck aussieht, aber bei uns Berlin gehe ich davon aus, dass die Bienen für ihren eigenen Wasserbedarf immer genug finden. Notfalls Gartenteiche, Vogeltränken etc.

    Die Pflanzenwelt hat allerdings dieses Jahr sehr gelitten, und ich vermute, dass es dadurch in vielen Gebieten schon weniger Pollen gibt als normal. Und weniger Pollen bedeutet weniger Brut und mittelfristig weniger Bienen.


    Grüße,

    Robert

  • Hier geht gerade der Senf auf und die Bienen verhalten sich wie zur Rapsblüte.
    Mit den Winterbienen habe ich kein Problem. Die Völker sind so stark wie noch nie im Oktober. Ich sehe eher das Problem, dass durch die viele Brüterei das Gewicht der Beuten in den letzten Wochen überdurchschnittlich abgenommen hat. Wer jetzt zu knapp eingefüttert hat, kann dann im Frühjahr ein Problem haben.
    Ich persönlich habe reichlich Futter gegeben und sehe das entspannt.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Ich habe die Tage auch nachgefüttert, weil mir das Gewicht nicht mehr gefallen hat. Solange es warm ist, nehmen sie bei mir auch gut ab.

    Es ist diesmal so entspannt, wenn man die Beuten nicht mehr öffnen muss, weil man das Gewicht vor dem Einfüttern ermittelt hat und so ganz gut nachwiegen kann, was jetzt aktuell mehr drin sein muss.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Um die Winterbienen mache man sich keine

    Sorgen - das regelt der Bien schon selbst. Hauptsache, die Futtermenge passt; denn momentan verbrüten sie schon einen substanziellen Teil.


    Und zum Sommer, der in NO-Deutschland von April bis Ende Juli gerade mal 3 - 4 Regentage brachte - es hat den Bienen hier gut getan. Volle Kisten, volle Honigeimer von außerordentlicher Qualität bei Wassergehalten < 17 % und wer in seiner Umgebung ausreichend Spätblüher gepflanzt hat, muss sich um die Pollenversorgung und damit um die Winterbienen keine Gedanken machen.


    Solche Jahre mögen die Bienen anscheinend - Sonnenvöglein 😏.

  • Solche Jahre mögen die Bienen anscheinend - Sonnenvöglein 😏.

    zum Teil sehen die Völker räudig aus. Die Stände mit genug Pollen gehen, aber Stände monatelang ohne Pollen aber mit reichlich Blatthonig machten volle Eimer, aber das kostet Substanz. Die kommen jetzt, oder auch nicht mehr. Und das Gelaber von wegen 'heißer Sommer, wenig Milben' kostet aktuell auch vielen Völkern das Leben. Hier nicht, aber was man so hört. Jetzt noch 'ne satte Oktobervolltracht und es wird duster. 'Die Bienen kommen schon seit tausenden Jahren klar', klar, aber seit wann gibt es Massentrachten im Oktober/November? Wie natürlich ist das? Abgerechnet wird jedenfalls erst im April.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Offensichtlich ist es regional unterschiedlich und bei Dir ist ebenfalls ausreichend Pollen vorhanden; hier ist es nun mal so.


    Und zum Thema "heißer Sommer reduziert Milben" - den Zusammenhang sehe ich auch nicht. Habe einige Kandidaten mit höherer Belastung; man muss wohl dranbleiben...


    Im Großen und Ganzen sieht's aber gut aus.

  • Ich denke auch, dass der heiße Sommer den Bienen nicht´s macht.

    Den Milben macht es auch nicht´s, außer dass die Bienen weniger Probleme haben die Brutnesttemperatur auf konstant hohem Niveau zu halten.

    Ob das messbar bei der Entwicklung der Milbe ist weiß ich nicht, aber es hat sicher nicht geschadet.

    Ich denke die Zeit von Trachtbeginn bis Trachtende mit einhergehender Sommerbehandlung ist entscheident.

    Später Trachtbeginn -> Schadschwelle wird spät erreicht.

    Zeitiger Trachtbeginn -> Imker muss auf der Hut sein.

    Das kann regional sehr unterschiedlich sein.

  • Ich bin da auch skeptisch, ob ein heisser Sommer wenig Milben macht. Vielleicht weiss jemand mehr dazu?


    Doch glaube ich, dass das Wetter im Winter einen Einfluss auf die Varroabelastung haben könnte.

    Es ist nur eine Vermutung, aber wenn es ein langer Winter mit tiefen Temperaturen ist, ohne Brut, dann wirkt die Winterbehandlung gut und es kommen nur wenig Milben durch.

    Wenn der Winter relativ gleichmässig warm verläuft, gibt es mehr Brut, daher mehr Milbenvermehrung. Da muss man dann aufpassen, die Winterbehandlung wird dann auch schlechter greifen, da keine Brutfreiheit besteht.

    Die meiner Meinung nach schlechteste Kombi ist allerdings ein abwechslungsreicher Winter. Wobei die Bienen immer wieder anfangen zu brüten und sich da abarbeiten, jedoch nicht die Menge an Jungbienen erzielen und trotzdem eine Vermehrung der Milbe zustande kommt.


    Für die Milbenbelastung im Sommer ist unter anderem die Überlebenszahl der Milben im Winter sicherlich ein Faktor.


    Wie bereits gesagt, dass ist nur eine Vermutung von mir. Ich passe im Frühling und Sommer nach einem milden Winter immer etwas mehr auf und behandle auch mal früher.