Werbung mit gesundheitsbezogenen Angaben bei Presshonig

  • Ich habe eben im Internet die Website eines Kollegen gefunden, der seinen Presshonig mit gesundheitsbezogenen Angaben bewirbt. Allerdings nur indirekt:

    "Dieser besonderer Honig wird gerne von Pollenallergikern gegessen, weil sie eine Linderung ihrer Allergie erleben. Diese Wirkung wird uns immer wieder berichtet."

    "Weitere Schilderungen von Menschen sprachen von Anregung des Stoffwechsels, gesteigerte Vitalität und besserem Allgemeinbefinden."


    Ist das zulässig?

    Er macht das natürlich insofern geschickt, als er die Aussagen Dritter nennt und keine direkten eigenen trifft.

    Würde mich aber wundern, wenn da ein Gericht Nachsicht übt. Wettbewerbsrecht hat einen teilweise recht schikanösen Charakter.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ein Nachtrag nach eigener Recherche:

    Das OLG Hamm (Urteil vom 09.08.2012, I-4 U 22/12) urteilt

    "...dass der Begriff der Verwendung gesundheitsbezogener Äußerungen Dritter im Bereich der Werbung für Lebensmittel nicht voraussetze, dass sich der Werbende deren Aussageinhalt zu eigen mache, sondern es vielmehr ausreiche, dass solche zur Werbung geeigneten Äußerungen Dritter im Rahmen einer Werbung unmittelbar wiedergegeben oder zitiert würden, wenn die Äußerungen in einer Weise mit der Werbung verbunden seien, dass aus der Sicht des Verbrauchers ernsthaft der Eindruck entstehe, dass das Produkt die Wirkung zeitige, wie mit der Äußerung suggeriert worden sei."


    Und noch deutlicher:

    "Der Begriff der Verwendung gesundheitsbezogener Äußerungen Dritter im Bereich der Werbung für Lebensmittel setzt nicht voraus, dass sich der Werbende deren Aussageinhalt zu eigen macht. Es reicht vielmehr aus, dass solche zur Werbung geeigneten Äußerungen Dritter im Rahmen einer Werbung unmittelbar wiedergegeben oder zitiert werden oder dass bloß auf sie hingewiesen wird, wenn die Äußerungen in einer Weise mit der Werbung verbunden sind oder werden, dass aus der Sicht des Verbrauchers ernsthaft der Eindruck entstehen kann, das gerade beworbene Mittel könne vom Dritten angesprochene Krankheiten verhüten. Auch dann besteht nämlich die Gefahr, dass der Selbstmedikation Vorschub geleistet wird, was die Vorschrift verhindern will. (...) Dabei ist es (...) nicht entscheidend, ob der Werbende bei der Verwendung der Drittaussagen geplant und zielgerichtet vorgeht. Eine Wertung oder Einordnung der Äußerung braucht der Werbende selbst dabei nicht vorzunehmen. Es würde für eine Verwendung der Äußerung (...) sogar ausreichen, wenn die Beklagte es geduldet hätte, dass im Rahmen einer reklamehaften Anpreisung ihrer Produkte in einer Sendung Werbeaussagen Dritter so einbezogen würden, dass bei den Verbrauchern der Eindruck entstünde, die Aussagen seien Teil der zu vermittelnden Werbeinformation." (OLG Hamm, Urteil vom 26.07.2005, 4 U 182/04).


    Das scheint mit ziemlich eindeutig. Dem Kollegen werde ich wohl mal freundlich Bescheid gaben. Wäre ich nicht so ein netter Mensch, wäre da wohl eine kostenbewerte Abmahnung drin.


    Wolfgang

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  • Ja, halte ich auch für kritisch - vor allem weil der ganz konkret auch drin steht, dass die Betroffenen "eine Linderung erleben". Damit wird faktisch ein Versprechen getätigt.

    Ich habe auch immer wieder Kunden, die an die Tür kommen und mir davon erzählen aber auch dann könnte ich beim nächsten Kunden allenfalls sagen, dass andere Kunden der Meinung seien, es habe ihnen geholfen.


    Allerdings kann ich die Aussagen der Kunden ja nun kaum überprüfen noch die Interpretation der Kunden bestätigen. Daher also immer schön der entsprechende Hinweis dazu, dass das reines "Hörensagen" ist und allesamt ohne Gewähr oder gar Zusicherung! Und keinesfalls pauschal auf die Website...


    Finde das auch ziemlich übel wie da manche auftreten - auf einer großen Messe hier in der Gegend war über viele Jahre ein Händler mit aggressivem Marketing, der seinen Honig mit minimalen Mengen an Gelee Royal u.a. panschte und das offensiv als Honig mit allerlei gesunden Versprechungen bewarb.

    Wurde zwar inzwischen abgemahnt und hat vermutlich dafür ordentlich gelöhnt aber in Summe dürfte das mehr als aufgegangen sein bei den Preisen auf der Messe und den vielen Käufern.


    M.

  • Das ist definitiv nicht zulässig.

    Sagt eine, deren täglich Brot die Abgabe von Arzneimitteln ist.

    Viele denken sich nichts dabei, ihr Produkt so zu bewerben. Aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

    Wieder andere kalkulieren ganz kühl, dass wo kein Kläger, da kein Richter. Nach dem Motto, wem schadet meine Werbung finanziell schon, der Arzneimittellobby ganz bestimmt nicht.

    Allerdings sollte ja heutzutage auch mitbedacht werden, dass sich so mancher findige Anwalt allein mit Abmahnungsklagen seinen Porsche finanziert hat.

    Grundsätzlich finde ich, dass man als seriöser Imker so eine Art Werbung doch wohl überhaupt nicht nötig hat.

    Es reicht doch völlig aus, auf die ausserordentliche Qualität und Zusammensetzung der Bienenprodukte hinzuweisen und genau das zu betonen. Damit weiss jeder Konsument, dass er sich und seiner Gesundheit Gutes tut, ganz ohne Heilversprechen.

  • Es reicht doch völlig aus, auf die ausserordentliche Qualität und Zusammensetzung der Bienenprodukte hinzuweisen und genau das zu betonen.


    Das sehe ich auch so!


    Als Hinweis wäre es völlig ausreichend gewesen, die korrekte Angabe dorthin zu setzen, dass dieser Honig aufgrund seiner andern Art der Gewinnung einen im Vergleich viel höheren Pollenanteil hat als herkömmliche Honige. Und wer besonderes Interesse habe, mehr Pollen imHonig zu sich zu nehmen, zu diesem hier greifen sollte.

    (Aus welchem Grund auch immer)

    Üblicherweise fängt man nicht auf seiner Seite die Pollenallergiker mit dieser Info zum Kauf ab, sondern die lesen sich das woanders an und suchen dann danach.

    Der Rest mag dann auch im Interesse geweckt worden sein. aber gesundheitsbezogene Werbung wäre dann keine da.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Üblicherweise fängt man nicht auf seiner Seite die Pollenallergiker mit dieser Info zum Kauf ab, sondern die lesen sich das woanders an und suchen dann danach.

    Das ist auch meine Erfahrung mit dem Presshonigangebot.

    Es fragen Heilpraktiker an und Menschen, die schon Erfahrungen gesammelt haben mit dieser Art der Desensibilisierung. Ich bestätige dann, dass ich schon positive Aussagen zur Wirkung hatte, hüte mich aber, Empfehlungen auszusprechen.


    Das ging mir jüngst am Marktstand auch mit Propolistinktur so. Ich hatte ein paar Fläschen ohne Etikett und halb versteckt da stehen, weil gelegentlich Nachfragen kommen. Die Leute erspähten die Fläschchen und kauften.


    Wolfgang

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  • Ist das dann auch schon unlautere Werbung im obigen Sinne ?

    Ja. Wie das OLG Hamm (s.o.) sagt:

    "Der Begriff der Verwendung gesundheitsbezogener Äußerungen Dritter im Bereich der Werbung für Lebensmittel setzt nicht voraus, dass sich der Werbende deren Aussageinhalt zu eigen macht."


    Es reicht aus, dass Du fremde Aussagen in Zusammenhang mit Deinen Angeboten platzierst.


    Wolfgang

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  • Darf man dann wissenschaftliche Studien zitieren?

    Die Begründung des Verbots ist ja immer die fehlende wissenschaftliche Belegbarkeit (richtig?). Aber die sollte in einer Studie oder Veröffentlichung einer Uniklinik ja gegeben sein... ?!

  • Die Sache ist ein bisschen komplizierter.

    Seit 2012 gibt es dazu in der EU die Health Claims Verordnung. Es sind danach nur Angaben zur gesundheitlichen Wirkung zulässig, die nach dieser Verordnung erlaubt sind (Positivliste).

    Krankheitsbezogene Angaben (und darum geht es ja bei z.B. Allergien) sind nur zulässig, wenn das entsprechende Mittel als Arzneimittel zugelassen ist.

    Ein Sonderfall wären Diätlebensmittel (z.B. für Diabetes oder Zöliakie).


    Fazit: Auch mit Verweis auf wissenschaftlichen Studien darf nicht geworben werden, es sein denn es geht um zugelassene Mittel.

    Ich würde von solcher Werbung bei Honig grundsätzlich die Finger lassen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hätte, hätte....


    Evidenced based only!!


    Und immer schön gucken, wer da was gemacht hat. :cool:


    Und dann ist es immer noch Werbung. Würde ich nicht drauf ankommen lassen

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich biete unter anderem auch Kittharz auf dem Markt an. Es gibt Kunden welche nach dem Zweck von Kittharz fragen. Meine Antwort: Manche Leute nehmen dieses Kittharz gegen …… ein. Aktive Werbung mache ich allerdings nicht sondern beantworte nur die Frage. Der Hinweis auf eine mögliche Allergie vergesse ich nie.

  • Vielleicht OT, aber wenn es so einfach wäre, hätte keiner Heuschnupfen mehr (außer Babies, die keinen Honig essen dürften).

    Kevin Pfeiffer - Übersetzer, Betreiber der Kleinimkerei zu Gunsten Familie und Freunden

  • Als ehemaliger Extremallergiker, der mindestens 7 Monate des Jahres richtig starke Probleme hatte, und das seit dem 20 ten Lebensjahr, vor ca 12 Jahren Entfernung von Polypen aus Kiefer- und Stirnhöhlen, kann ich sagen, dass ich seit meinem 5 ten Imkerjahr allergiefrei bin.

    Lag bestimmt nur am Leitungswasser.

    Werbung mache ich damit nicht. Aber wenn Honigkunden mich auf so etwas ansprechen, oder von ausländischen Honigen reden, bringe ich das ins Gespräch.

    Kein Cortison, keine Tabletten, keine Sprays. Mir geht es gut.


    Gruss

    Ulrich