Varroa Ernährung vom Fettgewebe der Biene und nicht von der Hämolymphe !?!

  • Und wo findet man die Dissertation von Herrn Ramsey?

    Das 3min-Video ist ja ganz nett, aber eigentlich soll diese Art von Vortrag doch als 'Teaser', als Werbung für ein Thema bzw. eine Arbeit dienen. Aber außer diesem Video findet man nicht viel.

    Ein PDF wäre gut.


    Grüße,

    Robert

  • Bedeutet das, das verkrüppelte Flüge und andere Deformationen evtl nicht durch einen Virus, sondern durch die Schädigung des Fettkörpers herbeigeführt werden?

    Indirekt bedeutet es das schon, jedenfalls laut der Arbeit von Dr. Ramsey: Der Fettkörper ist nämlich unter anderem auch für ein funktionierendes Immunsystem zuständig. DWV u.a. Plagen gab es auch schon vor der Varroa, Ramsey's These ist, dass der Fettkörper durch den Fraß der Milbe (und durch die von der Milbe dabei injezierten Verdauungssäfte, die das Gewebe auflösen) soweit geschädigt wird, dass das Immunsystem die Viren oder Bakterien nicht mehr in Schach halten kann, diese geraten "out of control". Schaut euch die 1:15 h ruhig mal an, nicht nur die 3 min! ;) Auf jeden Fall interessant.

    Den Vergleich mit der Leber meinte er glaube ich auch eher exemplarisch oder bildlich, nicht so sehr als 1:1 Pendant. Aber man muss ja was zum Vorwerfen haben... "Er hat Jehova gesagt!" 8o

  • Das ist eine fantastische Forschungsarbeit - sehr aktibisch gemacht und aufwendige Experimente. Alleine schon die Leistung, Varroa-Milben zum Saugen an künstlichen Larven-Dummys zu bewegen, die man aus Parafilm gebastelt hat...ganz großes Kino!

    Letztendlich wurde mir dadurch klar, dass der Schaden durch die Milben auch an den adulten Bienen vermutlich höher ist als bisher gedacht. Stelle mir dieses ständige "Angefressen-werden" schon wesentlich schädigender vor...Mückenstiche sind lästig aber Bremsen tun schon ordentlich weg um das mal auf den menschlichen Erfahrungshorizont einzunorden.


    Letztendlich auch mal interessant zu sehen, dass diese Milben wirklich oft unerkannt bleiben wenn sie immer an der linken Seite hocken...kein Wunder, dass man die nicht so oft findet...


    M.

  • Leider kein freier Zugang bis April 2024:

    https://drum.lib.umd.edu/handle/1903/21012


    Ev. mal anschreiben?



    M.

  • ...Schaden durch die Milben auch an den adulten Bienen vermutlich höher ist als bisher gedacht.

    Die Fotos von den offenen Fraßwunden mit tlw. "anverdautem" Bienengewebe veranschaulichen neben den Schäden am Fettkörper als lebenswichtigem Organ, wie sich Varroazide, auch die 3 zugelassenen organischen Säuren, auf solche Wunden auswirken müssen und wie sie auch über diese Wunden in den Körper angefressener Bienen gelangen können. M.E. könnte das zumindest die These stützen, daß Träufel- bzw. Sprühapplikationen v.a. von varroabelasteten Völkern schlechter vertragen werden - klebrig oder flüssig aufgebrachte Säuren bekommen durch ihre Konsistenz einen intensiveren Kontakt zur gesamten Wundfläche und lassen sich von Bienen sehr schlecht und nur mit sehr hohem zeitlichen Aufwand vom Körper bzw. aus den Wunden entfernen.

  • ... dass der Schaden durch die Milben auch an den adulten Bienen vermutlich höher ist als bisher gedacht.

    Dieser Aspekt wirft auch für mich neues Licht auf die Varroa.


    In der Diskussion nach dem Vortrag stellt Ramsey die Hypothese in den Raum, dass v.a. starke, gesunde Bienen (will sagen: großer, proteinreicher Fettkörper) eine attraktive Beute für die Varroa darstellen.


    Weitergedacht sind das ca. ab August im Volk ausgerechnet die Winterbienen, die sich durch einen besonders gut entwickelten Fettkörper auszeichnen.

    Doch damit nicht genug: im Fettkörper von Ammen- und Winterbienen wird das Protein (Hormon) Vitellogenin gebildet, welches wiederum die Bildung des sog. Juvenilhormons unterdrückt, das Bienen altern lässt. (siehe hierzu S. Spiewok: "Lang lebe die Winterbiene", Dtsch. Bienenjoernal 10/2018).


    Der Mechanismus könnte also lauten:


    Winterbienen mit ihrem ausgeprägten Fettkörper werden als Nahrungsquelle von der Varroa bevorzugt. Dabei kommt es nicht nur durch Verletzung als solche zu einer Schwächung der Winterbienen, sondern auch durch den Wegfall des die Alterung unterdrückenden Hormons Vitellogenin zu einer schnelleren Alterung (=Kurzlebigkeit) der Winterbienen.


    Die Konsequenz (wie oft beobachtet und daher eigentlich bekannt): eine Winterbehandlung mit OX allein, sei sie auch noch so effizient im Töten der Milben, kommt im Sinne der Überwinterungswahrscheinlichkeit zu spät.


    Schönen 4. Advent, Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • "was im Dezember noch lebt kommt bis zur Weidenblüte durch",

    eine Winterbehandlung mit OX allein, sei sie auch noch so effizient im Töten der Milben, kommt im Sinne der Überwinterungswahrscheinlichkeit zu spät.

    ...aber gerade recht um bis zur Sommer-Ernte gut imkern zu können.

  • Schon klar, Ralf; gemeint hatte ich damit, dass die Schädigung der Winterbienen durch die Varroa dann eben schon abgeschlossen ist.


    Sie mögen die Weide noch sehen, haben aber durch die Schädigung des Fettkörpers nur noch eine sehr kurze Lebensdauer, sobald sie zu Flugbienen werden (dann schaltet sich nach Spiewok das Alterungsprogramm ein), so dass die Durchlenzung schlecht geschafft wird. Das sind dann die Mickerlinge, die im Frühjahr nicht richtig aus dem Kreuz kommen und ggf. abgefegt werden ... So stelle ich mir eine mögliche Hypothese vor.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Guter Denkansatz.

    Allerdings wird es schwierig sein herauszufinden, woran ein Volk tatsächlich im Frühjahr eingegangen oder wie du schreibst, nicht aus dem Kreuz gekommen ist.

    Da spielen viele Faktoren wie Einwinterungsstärke, Vitalität des Volkes und der Kö, Bruteinschlag, Futtersituation und Klimabedingungen am Stand eine Rolle.

    Ich bin mir aber ziemlich sicher, mindestens so ein Volk schon gehabt zu haben, welches eigentlich gut eingewintert wurde, ordentlich Futter hatte (zumindest keine Not) und trotzdem im Frühjahr nicht aus dem Quark kam. Hab ich natürlich in erster Linie auf die Kö geschoben und weniger auf die Varroa.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Ich will da mal ganz unwissenschaftlich meinen Senf dazu geben. Eine gesunde Winterbiene lebt etwa 6 Monate. Eine Bienen deren Fettgewebe verkleinert bzw. beschädigt wird, lebt kürzere Zeit. Siehe Sommerbiene (Trachtbiene) etwa 6 Wochen, weil sie wenig Fettgewebe hat.

    Also für mich eine plausible Erkenntnis, die da gefunden wurde.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)