Varroa Ernährung vom Fettgewebe der Biene und nicht von der Hämolymphe !?!

  • Hallo,

    Könnt Ihr mir bitte sagen, ob in Deutschland die Arbeit von Herrn Samuel Ramsey bereits irgendwie wissenschaftlich Beachtung gefunden

    hat oder kommentiert wurde.

    Das Resultat seiner Forschung lässt ja eher aufhorchen: Varroa ernährt sich hauptsächlich von den Fettgeweben der Biene und nicht , wie bis dahin angenommen, von Hämolymphe.


    Seit fast 50 Jahren glauben die Forscher, dass Varroa-Milben sich von der Hämolymphe (dem "Blut") der Biene ernähren.

    DR. Samuel Ramsey, Doktorand für Entomologie an der University of Maryland, hat umfangreiche Forschungen über die Essgewohnheiten und die Ernährung der Varroa-Milbe durchgeführt, die (angeblich) einen soliden Beweis dafür liefern, dass die gegenwärtige Annahme falsch ist, und dass die aktuellen Schädlingsbekämpfungs-Methoden nicht nur wirkungslos seien, sondern gar zur Resistenz gegen unsere Behandlungsmittel beitragen.


    https://hocoba.com/samuel-ramseys-video/

    Diese Arbeit erklärt auch weshalb unsere Bienen durch die Varroa-Belastung derart vielen negativen Konsequenzen ausgesetzt sind.

    Ein Parasit von dem man glaubt(e) er würde sich mit einer kleinen Menge ihrer Körperflüssigkeit begnügen....

    LG, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Nun, wenn man weiß, dass der Fettkörper ein weiches Gewebe ist, das nur einen sehr lockeren Zellverband bildet und von Hämolymphe

    umspült wird, frage ich mich, ob da ein großer Unterschied besteht.

    Damit wird auch die These relativiert: "Since several existing systemic pesticides were formulated assuming the mites fed on hemolymph, this discover explains why these pesticides were never successful in controlling the mites."

    Es macht wahrscheinlich keinen großen Unterschied, ob die Milben am Fettkörper saugen oder direkt an der Körperflüssigkeit.

    Außerdem behauptet ja keiner, dass die Hauptschäden durch das Saugen entstehen. Selbst die These, dass die Varroaziode systemisch wirken darf, man getrost in Frage stellen.


    Und daneben wieder mal die gleiche Masche: Damit man die Entdeckung entsprechend hypen kann, wird erstmal behauptet, dass unsere Varroaziode wirkungslos sind. Haben sich die Milben totgelacht, wenn sie nach der Behandlung im Gemüll liegen?


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Danke, super Hinweis!

    Somit ist schon ein Vorwurf hinfällig, den man Ramsey macht, und zwar den Fettkörper bei Insekten mit der Leber und dem Fettgewebe von Säugetieren vergleichen zu wollen.

    Steht bei Wikipedia sehr deutlich:

    "Die Honigbienen nehmen über die Nahrung kaum Lipide auf. Zur Deckung ihres Bedarfs erfolgt die Synthese von Lipiden aus Kohlenhydraten und der Ort dieser Synthese ist der Fettkörper..."

    Wo Synthese stattfindet, ist m.E. Aktivität vorhanden. Die Behauptung von Ramsey-Kritikern, die Leber sei aktiv, der Fettkörper hingegen passiv, ist damit weg vom Fenster.


    LG, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Wo liegt nun der Zusammenhang zwischen Nahrungsvorliebe der Milbe und dem möglichen Versagen üblicher Behandlungsmittel?

    Seine These basiert auf der Annahme, dass

    a) die üblichen Behandlungsmittel systemisch wirkende Gifte sind. Also von der Biene aufgenommen werden und über die Körpersubstanz der Biene quasi als Fraßgift an die Milbe weitergereicht werden. Und

    b) diese systemischen Gifte zwar in der Hämolyphe der Biene, aber nicht im Fettkörper der Biene vorliegen.


    Dieser Weg wurde für Coumaphos (Perizin) angenommen und auch bei Oxalsäure (Träufelbehandlung) diskutiert. Um diese These zu untermauern, müsste aber zuerst untersucht werden, dass diese Gifte tatsächlich nicht im Fettkörper der Biene ankommen. Eine Annahme, der ich gerade bei Coumaphos nicht so recht folgen mag, insbesondere weil hier eine Anreicherung im Wachs beobachtet wird, eben weil Coumaphos fettlöslich ist.


    Mit dem international üblichen Amitraz kenne ich mich nicht genau genug aus, hier kann ähnliches gelten, wie bei Coumaphos.


    Insgesamt halte ich diese Schlussfolgerungen für wenig fundiert. Nichts desto trotz, ist diese Beobachtung, dass die Varroa Milbe selektiv frisst, als solche erstmal interessant.


    Gruß
    Ludger

  • Ich verstehe seine These so, dass durch die (fress)Schädigung des Fettkörpers wesentliche Funktionen des Bienenorganismus gestört würden.


    Von ihm als Funktionen des Fettkörpers genannt:

    1. Speicherung von Nährstoffen

    2. Entgiftung von Pestiziden

    3. Regulation von Hormonspiegeln

    4. "Produktion" der primären Immunantwort auf Bakterien,

    und dies seien 4 von 9 wichtigen Funktionen (welche sind die anderen?).


    Natürlich macht es für die Bekämpfung eines Parasiten einen Unterschied, ob dieser sich von Hämolymphe ernährt oder eines der inneren Organe frisst, wenn die Bekämpfung als Fressgift über den Wirt erfolgen soll (z.B. lokale Konzentration des Giftes im Fettkörper versus in der Hämolymphe?).


    Auch verändert sich für mich durch seine Hypothese der Blick auf die varroa-assoziierten Viruserkrankungen: es könnte eben nicht nur um eine generelle Schwächung der Biene durch Verlust an Hämolymphe gehen, sondern um eine direkte Schädigung der Immunabwehr.

    Das ist biologisch etwas ganz anderes ... auch wenn es erstmal imkerlich keinen wesentlichen Unterschied macht.


    Gruß, Jörg


    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo Jörg,

    Die 9 Funktionen des Fettkörpers (laut Ramsey) hab ich hier gefunden.

    Stoppen bei 1:14:36.

    Gruß, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.