Schwarm gefangen, und nun?

  • Hallo Imkerfreunde,
    ich habe gestern einen Schwarm eingefangen.
    Ich habe ihn in einen kleinen Ablegerkasten (6 Waben) gefegt. den Kasten habe ich mit 1 ausgebauten Wabe, 4 Mittelwänden und einem Baurahmen "bestückt".
    Was kommt nun? Wie gehe ich weiter vor und was muss ich beachten?
    Muss ich füttern? (glaube nicht, eigentlich haben "Schwarmbienen doch genug Honig im Gepäck).
    Muss ich den Schwarm irgentwie "behandeln"? Oder lasse ich ihn in ruhe "wachsen und gedeihen"?


    Über wertvolle Tipps und Ratschläge bin ich immer dankbar!

    ... werterhin erfolgreiches und zufriedenes Imkern ! ...


    Marco

  • Hallo Marco
    auf gar keinen Fall füttern!
    Das ist das sicherste Mittel, das er dir wieder fliegen geht.


    Einen 6-W-Ablegerkasten halte ich für zu klein. Die Bauwut und der Fleiß eines Schwarms ist enorm. Am besten logierst Du ihn schnell in eine normale Beute um und gibst Mittelwände und Baurahmen im Wechsel.
    Nutze den Bautrieb eines Schwarms aus und beschaffe dir dadurch rückstandsfreien Naturwabenbau. Du kannst die Baurahmen auch drahten, dann wird der Naturbau stabiler.
    Anfangsstreifen sind nicht erforderlich, wenn du Mittelwände im Wechsel gibst.
    Wenn die ausgebaute Wabe noch nicht bestiftet ist (wahrscheinlich nicht)dann nimm sie wieder heraus. Die Bienen sind von der Natur "programmiert" einen kompletten Wabenbau neu zu erstellen.
    Viel Spaß und Erfolg mit Deinem Neuzugang
    --- Harry ---

  • Also soll ich den Schwarm am besten "in Ruhe lassen". Evtl. hin und wieder neue Mittelwände geben und sonst nichts weiter!?
    Muss ich Ihn regelmäßig durchsehen? Oder ist es besser, ihn so wenig wie möglich zu "stören".Kann ich ihn ruhig mal 2-3 Wochen "machen lassen"?

    ... werterhin erfolgreiches und zufriedenes Imkern ! ...


    Marco

  • Hallo Marco
    das kommt auf deine Trachtverhältnisse an.


    So wie es aussieht, hast Du sie in ihrem 6W-Ablegerkasten gelassen.
    Wenn Du keine Tracht hast, ist der mitgebrachte Futtervorrat spätestens morgen aufgebraucht.
    Am besten schaust Du morgen oder am Donnerstag mal in den Kasten. Wenn alle Waben ausgebaut sind und schon Stifte vorhanden sind, dann bringe sie in eine richtige Beute. Laß die 6 Waben als Block zusammen und gib ihnen die weiteren 11 Waben in Form von Mittelwänden oder MW/LW.
    Den Zugang zum Honigraum verschließt Du mit einem Schied o.ä. Jetzt kommt es darauf an, ob Du ein Trachtangebot hast oder nicht.
    Wenn Du nicht sicher bist, laß den Honigraum mittels Absperrgitter offen und stell eine Schüssel mit 1 Kg normalen Kristallzucker hinein. Schau am nächsten Tag nach, ob sich ein "Bienenpelz" auf der Zuckerschüssel befindet. Wenn Ja, mußt Du sie füttern, am besten mit Sirup 3:2, wenn nicht, dann hast Du genug Tracht und kannst den Honigraum schließen. Trockenzucker wird von den Bienen nur bei Trachtlosigkeit angenommen.
    Ohne Futter/Tracht kein Wabenbau. Schwärme sind eigentlich Selbstversorger, da sie über genug erfahrene Trachtbienen verfügen. Wenn sie nun aber keine Tracht finden, werden sie sehr neugierig an den Fluglöchern deiner anderen Standvölker schnuppern. Da diese wahrscheinlich gerade beim Verarbeiten und Eindicken der Frühtracht sind, weht dort ein sehr verführerischer Honigduft aus den Fluglöchern. Schwarmbienen sind nicht sonderlich zimperlich, wenn es um das Überleben geht und eine Räuberei wäre sicher.
    Viel Grüße --- Harry ---

  • Zitat


    Harry schrieb am 2002-05-13 13:29 :
    Hallo Marco
    auf gar keinen Fall füttern!
    Das ist das sicherste Mittel, das er dir wieder fliegen geht.


    Ich habe da im Imkerkurs gelernt, dass man den Schwarm zuerst einmal für ein bis zwei Nächte im kühlen Keller lassen soll. Die Bienen beruhigen sich dadurch und man geht zugleich nicht die Gefahr, dass sie's gleich wieder aus dem Loch hauen. Dafür muss man dann aber mit 3-5l Zuckerwasser füttern.
    Ich jedenfalls pflege diese Praxis seit bald fünf Jahren (solange bin ich schon dabei), und habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.
    Aber so hat halt jeder seine Traditionen.

  • Hast Du das vielleicht mit Kunstschwärmen verwechselt? Die sollte man für 1-2 Tage in "Kellerhaft" nehmen und gefüttert werden müssen sie natürlich auch direkt.
    Ein Kunstschwarm muß erst zu einer Volksgemeinschaft - dem Bien - zusammenwachsen, das erreicht man durch Dunkelheit und Kälte. Sie ziehen sich zu einer Traube zusammen und gewöhnen sich dadurch leichter aneinander.
    Ein Naturschwarm braucht sich nicht aneinander zu gewöhnen, sie gehören von Anfang an zusammen.
    Das hat auch wenig mit "Tradition" zu tun, sondern gehört zum kleinen 1x1 des Imkern´s :grin:
    Schöne Grüße und volle Honigtöpfe --- Harry ---

  • Zu diesem Thema noch eine Frage:


    Gehört zu einem Schwarm immer eine
    befruchtete Königin?


    Wenn eine Weisel schlüpft und weitere Weiselzellen (Schwarmzellen?) vorhanden sind: Findet zuerst der Hochzeitsflug statt oder das Schwärmen?



    Gruß, Heinz

  • Hallo Heinz
     
    einen Kunstschwarm kannst Du auch mit einer unbegatteten Jungfer bilden. Das ist auch die gängige Methode ein EWK oder MWK zu beweiseln. Ein der größe entsprechend kleiner Kunstschwarm wird im EWK/MWK mit einer Jungfer beweiselt und zur Belegstelle gebracht.


    Geht der Vorschwarm mit der Altkönigin ab, schlüpfen kurz danach die anderen Königinnen. Jetzt kommt es darauf an wie stark und Schwarmwillig das Volk ist.
    Ist es ein "Schwarmteufel", so schützen die Arbeiterinnen die Königinnen voreinander und halten sie getrennt und/oder sie schützen die übrigen Weiselzellen. Es gehen ein oder mehrere Nachschwärme ab. Jeweils mit einer Jungfer. Bei dem dabei herrschenden Chaos kommt es gelegentlich vor, das zwei oder mehrere Jungfern sich dem gleichen Schwarm anschließen. Dann kommt es zu Kämpfen innerhalb der Schwarmtraube, bis nur noch eine Königin lebt. Die Schwärme ziehen sehr schnell weiter und halten sich im Gegensatz zu den Vorschwärmen auch nur sehr kurz als Traube auf. Auch sind sie durch die unbegattete und voll flugtüchtige Königin wesentlich schneller als die Vorschwärme mit ihren "abgespeckten" Altweiseln. Die Heideimker fangen die Schwärme deshalb direkt beim Auszug am Flugloch ab.


    Ist es ein Volk mit nicht ganz so stark ausgebildetem Schwarmtrieb, so bekämpfen sich die gleichzeitig geschlüpften Königinnen in der Beute und stechen sich ab bis nur noch eine übrig ist. Die Siegerin öffnet dann die restlichen Weiselzellen durch seitliches Aufnagen und ersticht die Puppen/Jungfern. Diese Königin wartet dann in Ruhe ihre Brünstigkeit ab und geht dann auf Hochzeitsflug.


    Ist die Altkönigin kupiert (beschnittener Flügel) so kehren die Vorschwarmbienen in ihre Beute zurück. Sie warten nun den Schlupf der ersten Schwarmzelle ab und schwärmen dann mit dieser unbegatteten Königin als sogenannter "Singervorschwarm" ab. Ein oder mehrere Nachschwärme können auch hier folgen.


    Viele Grüße --- Harry ---