Flügel stutzen

  • Hallo Miteinander,
    nachdem sich gestern Mittag ein Volk zum Schwärmen anschickte, alle stürzten aus dem Stock und ich glaube der Schwarm schwebte ca. 1/2 Std. über meiner Bienenaufstellung und flog nicht weiter wurde ich stutzig und sah mich auf der schwarmverlassenen Beute um, entdeckte ich die Königin auf der Beute, wo sie die Bienen nicht bemerkten. Nachdem ich die Königin "endsorgte" flogen alle Bienen wieder brav in ihre Beute zurück. Bei diesem Erlebnis kamen mir die Vorteile eines "Flügelstutzens", das ich bisher noch nicht gemacht habe in den Sinn oder ist die "Flügelstutzerei" evtl. ein Nachteil?


    _________________
    MfG
    Franz Xaver
    www.honigmayerhofer.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: honigmayerhofer am 2002-05-09 22:54 ]</font>

  • Grüß Gott, Xaver,
    ich habs ein paar Jahre gemacht, das Flügelstutzen.Nachteile gibts nur dann, wenn man (was mir auch schon mal passiert ist)
    zuviel wegschnippelt. Dann kann es geschehen, dass das Volk seine Königin nicht mehr als vollwertig anerkennt und absticht.
    Ich bin davon abgekommen aus, na sagen wir mal ästhetisch- ethischen Gründen.Hört sich blöd an, ich weiß, aber irgendwann kam bei mir mal der Punkt, wo ich mich fragte, warum ich gerade das wertvollste Tier meines Volkes, das Tier, von dem ich nachzüchten wollte, verstümmeln sollte.
    Ich weiß, hört sich sentimental an, aber meine Entscheidungen sind nun mal nicht immer rational begründet.
    Meine liebe Frau hat übrigens heute ihren ersten Schwarm eingefangen, war ihr erster, und das Erlebnis muss für sie phänomenal gewesen sein.


    Grüsse an alle Leiterbesitzer


    Michael

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo zusammen
    Genau das selbe Thema hatten wir vor zwei Jahren schon einmal.
    Ich habe in der Zwischenzeit von der Carnica zur Buckfast gewechselt und seitdem kenne ich das Schwärmen nur noch aus alter Erinnerung an glücklicherweise vergangene Zeiten :smile:
    Meine Einstellung zum Kupieren der Weisel ist aber noch die selbe geblieben und darum kopiere ich einfach mal meine damalige Antwort hierhin.


    03.05.2000 01:09
    Hartwig Steudte
    Hallo Dirk.Beyer , Du schreibst am 02.05.2000 um 16:25


    >warum beschneidest Du nicht die
    >Flügel Deiner Weiseln?


    >Der Herr Weiß hat das in seinem Buch
    >für den Fall der Nachlässigkeit empfohlen,
    >und ich mache das so, seitdem ich mich
    >wochentags nur noch auf Arbeit rumtreibe.
    ------ schnipp ------
    >Die Königin sitzt meist noch brav vor der Beute, umgeben von einer handvoll Anhängern.



    Es ist eine weit verbreitete (Un)Sitte und 90 % der Fachautoren in Büchern und Bienenzeitungen verbreiten diese Sache in der Überzeugung das sie richtig ist.


    Wenn jemand in der Schwarmzeit nicht die Zeit hat, sich täglich um seine Bienen zu kümmern; und welcher Berufstätige hat das schon? - dann nutzt auch das Flügelschneiden nichts.
    Was passiert, wenn an einem schönen Tag um 13:00 Uhr ein Schwarm ausziehen will? Die Königin verlässt mit ca. der Hälfte der Bienen den Stock und sammelt sich ein paar Meter weiter an einem erhöhtem Punkt, (Ast, Pfahl, Strauch, Baum) Dort bleibt die Schwarmtraube mindestens einen Tag hängen, manchmal sogar zwei. Also Zeit genug, ihn am selben Tag nach Feierabend einzufangen. Hat die Königin einen verstümmelten Flügel, fällt sie nach ein paar Metern ins Gras und der Schwarm ist spätestens um 14:00 Uhr wieder in der Beute. Es gibt keinen Hinweis mehr, das ein Schwarm gefallen ist. Das beste was der Alt-Königin nun passieren kann, ist, das sie unbemerkt zertreten wird wenn ihr am Abend durch den Bienenstand geht.
    Im schlimmsten Fall überlebt sie ein bis zwei Tage und ist dann elendig verhungert oder verklammt.
    Kein schönes Ende für ein kleines Wesen mit so großer Leistung.
    Sie ist nur ein Insekt, aber hat sie Euch nicht im letzten Jahr die Hönigtöpfe gut gefüllt?
    Doch zurück zu dem schwarmlustigen Volk. Es wird nicht mit heulen und brausen auf sich aufmerksam machen, denn es ist ja nicht Weisellos. Die neue Königin ist mit dem Auszug der alten geschlüpft und hat noch am selben Tag die ersten runden um den Stock gedreht.
    Spätestens am nächsten Tag um die Mittagszeit verlässt ein Singerschwarm in gleicher Stärke wie zuvor die Beute, nur das sich die Bienen jetzt maximal ein paar Stunden in der Schwarmtraube sammeln, dann sind auf und davon und selbst wenn Ihr den Abgang der Bienen noch mitkriegen würdet, Ihr könntet sie nicht verfolgen, denn sie fliegen nicht im Schritttempo wie mit einer Schwarmkönigin. Wahrscheinlicher ist aber, das Ihr davon überhaupt nichts mitbekommt und am nächsten Tag geht noch ein Nachschwarm ab, und dann vielleicht noch einer und Euch bleibt am Ende eine Handvoll Bienen in einer riesigen Beute die Ihr am besten einem anderen Volk zufegt.
    Urteilt selbst: Hat das Flügelschneiden mehr Vorteile oder mehr Nachteile?


    In jedem Imkerverein gibt es doch mindestens einen Vereinskollegen der sich intensiv mit der Königinnenzucht beschäftigt und hochwertigen Zuchtstoff abgeben kann. Zieht Euch jedes Jahr ein paar neue Königinnen und weiselt sie im Herbst mit ihren Ablegern in die Wirtschaftsvölker ein, dann geht Ihr mit 0-jährigen Königinnen und starken Völkern in die Frühtracht, und der Bien kommt i.d.R. gar nicht erst in den Schwarmdusel.


    Viele Grüße und volle Honigtöpfe


    Hartwig Steudte (Harry)