Nach AS Behandlung fallen extrem viele Varroen - wie gehts weiter?

  • Werbung

    Hallo Zusammen,


    ich habe vor 4 Wochen ein Volk von einem Bekannten übernommen. Wegen des warmen Wetters dann erst letzte Woche AS mit Liebig behandelt. Gestern nach 6 Tagen war alles verdampft und ich habe die Windel gesichtet. Uff. Ich kann nur schätzen, das waren aber in den 6 Tagen insgesamt sehr viele Varroen. 1.000 bis 2.000.


    Ich hätte jetzt aufgefüttert, dann in 2 Wochen nochmal den natürlichen Fall überprüft und eine 2. AS Behandlung durchgeführt.


    Allerdings bestünde auch die Möglichkeit, eines Kunstschwarms mit totaler Brutentnahme und MS oder OX Behandlung (Sprühen).


    Da nun auch schon recht spät im Jahr ist wollte ich mal Fragen, wie Ihr das handhaben würdet. Vielen Dank.


    Volk sitzt auf Dadant, 8 Waben davon 5 Brut.

  • Hallo R4lph,


    Ich hätte jetzt aufgefüttert, dann in 2 Wochen nochmal den natürlichen Fall überprüft und eine 2. AS Behandlung durchgeführt.

    So hätte ich das jetzt auch gemacht. Behalte den Milbenfall im Auge, da wird jetzt wahrscheinlich noch was fallen nach der AS-Behandlung. KS und totale Brutentnahme ist für meinen Geschmack jetzt schon zu spät im Jahr, Südpfalz ist ja mit meiner Region hier gut vergleichbar. Das mach ich wenn dann Anfang/Mitte Juli. Jetzt schau ich dass Futter in die Völker kommt.


    Gruß Chris

  • Allerdings bestünde auch die Möglichkeit, eines Kunstschwarms mit totaler Brutentnahme und MS oder OX Behandlung (Sprühen).

    Teilen und Behandeln macht man doch statt AS, also anstatt der von Dir durchgeführten AS Behandlung.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Teilen und Behandeln könnte man auch jetzt noch machen, wenn man die aus der Brut schlüpfenden Bienen dem Volk zurück gibt:

    Alle Brutwaben werden ohne Königin in eine Beute auf einem anderen Platz gesetzt. Dabei nur ca. 1/4 der Bienen mitnehmen, für einige Stunden Flugbienen abfliegen lassen, auf Räuberei achten. Damit sich der Brutling keine Königin zieht, kann man am Anfang BeeBoost einsetzen.

    Der Flugling mit Königin wird auf Mittelwände gesetzt und dünn gefüttert. Nach spätestens 4 Tagen wird er mit Oxalsäure behandelt.

    Der Brutling wird nach 9 Tagen durchgesehen und alle evtl. angezogenen Weiselzellen werden gebrochen. BeeBoost bleibt noch drin, um die Verteidigungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

    Nach 16 Tagen wird BeeBoost entfernt und einige Zellen mit Stiften/jüngster Brut werden eingesetzt, um das Volk ruhig und verteidigungsfähig zu halten. Nach 22 Tagen wird die Weiselprobe untersucht und der Brutling mit Oxalsäure behandelt. Normalerweise muss die Weiselprobe angenommen worden sein, wenn nicht, muss eine neue Weiselprobe eingesetzt werden. Nach 26 Tagen wird die Weiselprobe entfernt und die Bienen des Brutlings über das Flugloch den Flugling zugeführt.

    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    für einige Stunden Flugbienen abfliegen lassen,... wie meinst du das?


    Bienen des Brutlings über das Flugloch den Flugling zugeführ = abkehren vor dem Flugloch?


    Meinst du die Vorgehensweise wäre wesentlich besser um das Volk gut über den Winter zu bringen? Nächste Woche wirds kühler, die Bautätigkeit dürfte auch langsam zurück gehen...


    Danke Dir!

  • KS und die Brutwaben einschmelzen. Was soll da tolles schlüpfen? Klar geht das jetzt noch. Die Heideimker haben das getestet.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • KS und die Brutwaben einschmelzen. Was soll da tolles schlüpfen?

    ...lebens- und arbeitsfähige Bienen. Man darf die BrW nicht über einen Kamm scheren, sondern muß auch das gesunde Potential darin anerkennen. Die Kranken und Mißgebildeten verlassen den Stock, um draußen zu verenden. Die Gesunden bleiben im Stock wohnen. So verhalten sich Bienen wesensgemäß. Kein Grund, die Gesunden bereits als Brutlarven einzuschmelzen.


    Ich habe auch in diesem Jahr meine Wirtschaftsvölker mit TBE + 2maliger Fangwabenentnahme saniert - ganz ohne TAM, einen Ableger zum BrSammler gemacht, diesen ebenso saniert. Alle FangW des BrSa und seine RestBrW habe ich im Sammler vom Sammler bienenleer konzentriert und nach Brechen aller NZ gezielt nachschaffen lassen. Ich gehe davon aus, daß in den FangW des BrSa sehr viele Milben konzentrietr waren. Ergebnis der OX-Restentmilbung jetzt bei Brutfreiheit:

    127 Totenfall-Milben auf der Windel innerhalb von 3 Tagen, nach Kontrollbehandlung nochmal 24 Milben/3 Tagen. Ich sehe dieses Volk damit ebenfalls als saniert an. Es füllt 1 Zarge mit 10 W Zander gut und dicht besetzt und über ASG noch eine zweite Zanderzarge etwas lockerer besetzt.

    => Sowohl ethisch wie auch wirtschaftlich gefragt: Warum hätte ich die Brut, die da so zahlreich geschlüpft ist, vernichten sollen? Wieviele kranke Bienen den Stock verließen, um sich selbst draußen zu entsorgen, habe ich in diesem Jahr aus Termingründen allerdings nicht beobachtet.

  • ...lebens- und arbeitsfähige Bienen. Man darf die BrW nicht über einen Kamm scheren, sondern muß auch das gesunde Potential darin anerkennen. (...)

    Ich habe auch in diesem Jahr meine Wirtschaftsvölker mit TBE + 2maliger Fangwabenentnahme saniert - ganz ohne TAM, (...) Wieviele kranke Bienen den Stock verließen, um sich selbst draußen zu entsorgen, habe ich in diesem Jahr aus Termingründen allerdings nicht beobachtet.

    wieviel gesunde Völker bei Dir über den Winter kommen auch noch nicht. Bei einer Vorbelastung von 1000+ Milben ist die Brut ziemlich sicher ziemlich angestochen, ob ich das so aus dem Handgelenk mit Deinem Fall vergleichen würde ('über einen Kamm scheren') wo aus Fangwaben 150 Milben gefallen sind, sei mal dahingestellt. Aber jeder so wie er meint. Ich bin mir sicher, ich bekomme meine Jungvölker im Frühjahr gut an den Mann (oder die Frau) ;)


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Bei obiger Schilderung sehe ich da auch wenig "gesundes Potential":

    die sind angezapft, die sind infiziert mit von den Varroen somit übertragenen Viren, und die schlüpfen bei solch hoher Belastung mit.

    Damit hat man die gleich wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit im behandelten Volk. Ob die geschlüpften wirklich einwandfrei ihren Dienst tuen, das ist auch meist bloße Vermutung.


    Jedenfalls ist bei Varroabefall der überbleibende Rest auch einer weiselrichtigen Brutscheune am Ende tatsächlich viiiiel weniger als das, was es rechnerisch sein müsste.

    Mal drauf achten.


    Es fällt immer schwer von der Vorstellung her - im Falle oben würde ich die auch eher nicht schlüpfen lassen und die paar "gesunden" auf dem Altar der Gesamtgesundheit opfern.


    Aber steht ja schon da: jeder wie er mag

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • rase : Nun, meine Überwinterungsverluste überwache ich schon selbstkritisch. Meine Völker kamen bislang über die Winter außer in bisher 2 Fällen: Im ersten Winter 1 Verlust wegen Futterabriß (den Rat an Jungimker, sich auf die Hände zu setzen, hatte ich zu ernst genommen) und im letzten Winter 1 Verlust wegen drohnenbrütiger Kö. An Varroa ging mir bisher noch nie ein Volk ein. Der zuständige BSV ist bei der jährlichen FKP (freiwillig + auf eigene Kosten) bisher auch immer zufrieden gewesen. Jungvölker muß ich im Frühjahr ebenfalls verkaufen, weil sonst eheliche Eifersucht droht. Mit dreistelligen Völkerzahlen kann ich dagegen nicht prangen, da liege ich eine Zehnerpotenz zu niedrig...


    Aber damit geraten wir OT. Der Unterschied zu meiner Beobachtung liegt auf der Hand bzw. hier: auf der Windel: Bei meiner Beobachtungsweise haben die Kranken und Mißgebildeten Varroen mit hinausgetragen und gesunde Bienen Varroen auf dem Flugwege entsorgt. Die konnte ich also auf meiner Windel gar nicht sehen/zählen.

    Tötet man die Milben dagegen mit der AS-Handgranate und beeinträchtigt damit überdies noch die Pflegemannschaften (Zusatzbelastung zum Abschirmen von Brut und Kö. vor AS-Dämpfen, starke Veränderung der Stockluftzusammensetzung, Auskühleffekt durch AS-Verdunstung etc.), dann landen naturgemäß viel mehr Varroen zählbar auf der Windel.

    Ich vermute deswegen, daß auch bei den BrW von R4lph noch genügend rettenswerte Bienen schlüpfen könnten. Auch wenn sie keine starkes Volk ergeben sollten, könnte man sie - von Milben befreit ("saniert") - wenigstens anderen Völkern zu Verstärkung zugeben.

  • Das ist wieder mal Geschmacksache.

    Ich habe dieses Jahr, nach Test voriges Jahr, alle Völker brutfrei gemacht.


    Aus den Brutwaben habe ich bisher vier weiselrichtige Sammelabler gebildet.

    Immer mal ein Schwammtuch rein … je größer das Volk, um so geringer der Kollateralschaden. Auf alle Fälle sollte so der Milbenaustrag weitgehend unterbunden sein.

    Die Altvölker behielten eine offene Brutwabe, die dann als Fangwabe auch noch rauskommt.

    Voriges Jahr hat das prima funktioniert - ohne weiteren Ameisensäureeinsatz.


    Bin jetzt fast durch - zum Wochenende blüht hier der Efeu, da sind noch 10 Tage Action angesagt. Da gehen alle noch mal schön in Brut. Und dann wird’s hoffentlich ruhiger.


    Völker zählen wir dann im April 2019.


    Grüße Ralf