auf- oder untersetzen?

  • Hallo!
    Als Neuling in der Imkerei habe ich eine Frage zur Betriebsweise mit Magazinbeuten. Ich arbeite mit einer Segeberger Beute. Mein Volkspender aus meinem Imkerverein arbeitet mit Blätterstöcken und hat mir empfohlen, eine Zarge mit Mittelwänden unter das Brutnest zu hängen, damit die Brut oben im Warmen bleibt. Das ist nun drei Wochen her. Bei meiner wöchentlichen Durchsicht hatte ich den Eindruck, dass die Mittelwände recht zögerlich ausgebaut werden, im Gegensatz zu einem Drohnenbaurahmen am Rande des Brutnestes. Nun habe ich gelesen, dass es günstiger sei, Mittelwände aufzusetzen, weil die Bienen ihr Brutnest nach oben schneller erweitern. Sollte ich das also tun?
    Ich habe außerdem noch drei Futterwaben im Volk hängen. Wann soll ich die herausnehmen?
    Freue mich über Antworten.

  • Hallo Malte !


    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, saß das Volk auf einer Zarge als Du es erweitert hast. Erweitert wird immer indem eine Zarge oben aufgesetzt wird (auf jeden Fall bei den Brutraumzargen). Diese ist im günstigsten Fall wie folgt bestückt: in der mitte ein Wabenkern aus drei hellbraunen Waben, dann daneben jeweils zwei Mittelwände, ein Baurahmen und nochmal jeweils ganz am Rand zwei Mittelwände.
    Hast Du keine ausgebauten Waben, einfach Mittelwäne geben und jeweils an zweiter Stelle vom Rand einen Baurahmen.
    Das bedeutet für Dich jetzt sinvoller Weise einen Zargenwechsel..........und Du wirst sehen, alles wird gut.


    Beste Grüße


    Frank


    http://www.imkerei-osterloh.de

  • Hallo Malte,
    dem Ausführungen vom Frank ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, aber nur soviel, es heißt bei einem Bienenvolk wirklich sinngémäß "Aufwärtsentwicklung". Die Königin geht zum Bestiften lieber nach oben, nicht nach unten, ist wie bei uns Menschen, wir wollen auch, dass es immer aufwärts geht!
    Aber wie Frank schon sagte, ein kurzer Zargenwechsel und bei deinen Bienen geht es auch wieder aufwärts.

  • Hallo Malte!
    Ich schließe mich Frank und Franz Xaver völlig an. Es gibt jedoch eine betriebsweise
    wo du untersetzen soltest.
    Während einer guten tracht bringen die bienen oft
    so viel nektar ein das du einen 2 honigraum
    benötigst.Dieser 2 honigraum wird untergesetzt(unter den 1 honigraum). Würde man ihn aufsetzen, tragen die bienen den honig wieder nach oben um, alle arbeit wäre doppelt.
    Mit imkerlichem gruß
    Andreas Hoppe

  • Vielen Dank für die Tips. Eure Antworten haben mein Vorhaben bekräftigt. Bei meiner nächsten Durchsicht stelle ich die untere Zarge nach oben.
    Was mache ich mit den Futterwaben? Ich wollte sie eigentlich jetzt herausnehmen. Die Bienen finden doch inzwischen genug Pollen und Nektar. Oder soll ich sie zur Entwicklungsförderung in der Beute lassen und evtl. anritzen?
    Mfg Malte

  • Moin, Moin


    Nimm sie ruhig heraus und ersetze sie durch Mittelwände.
    Du hast sicher vor, einen oder zwei Ableger zu machen, dann sind die Futterwaben gut zu gebrauchen.
    Zum Thema "aufsetzen":
    Es ist absolut richtig, eine Zarge aufzusetzen, die Bienen ziehen nach oben und bauen zügigst aus. Ein weiterer Grund ist:
    Dadurch hast du in der unteren Zarge immer die ältesten Waben, wenn du die Bodenzarge im Herbst komplett entnimmst, hast du die alten Waben aus der Beute geschafft. Das ist gerade für dich wichtig, da du garantiert nicht weißt, wie alt die Dinger sind, wenn du sie von jemandem übernommen hast.


    Grüsse



    Michael

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Malte! Bei Deinen "Volksspender" sieht man mal wieder, wie sehr ältere Imker noch in ihrem Denken der Hinterbehandlungsimkerei anhängen. Da werden deren Betriebsweisen auf "Magazin" umgemünzt und wenn es nicht klappt die Magazinbeuten und die Imkerei mit ihnen "verteufelt"! Aus eigener Erfahrung kann ich dazu ein Beispiel von einem Kollegen geben, der für seine Selbstbau-Magazine unterschiedlich breite Abdeckbrettchen fertigte, damit er wie gewohnt mit einzelnen Waben erweitern konnte. Weit verbreite ist es auch, nur mit zwei Zargen auskommen zu wollen. Es wird wohl noch mehr solcher Beispiele geben! Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,
    Ich statte die 1.Ho-Raumzarge immer mit Leerw-Mittelw-LW-MW-LW-MW.. aus.
    Jetzt sind alle MW ausgebaut und erstaunlich schon viel Honig eingetragen.


    Imkergruss v. E.Kerner

  • Hallo Malte,
    auch ich schließe der Meinung der Vorredner voll und ganz an.Was Deine Futterwaben betrifft,würde ich diese entfernen und für den/die Ableger aufbewahren.Ich würde sie aber auf keinen Fall aufritzen,da Du ja bestimmt kein Winterfutter im Honig möchtest.
    Mit imkerlichem Gruß
    Dieter

  • ...Interessant finde ich aber, das Du bei der Erweiterung UNTERsetzt und nicht nach oben erweiterst. Aus welchem Grund ?


    Dieser Beitrag bezieht sich auf ein andiskutiertes Thema zur Vermeidung einer Varroa-Sommerbehandlung an Jungvölkern durch deren Bildung aus 200g Bienen mit unbegatteter Jungkönigin im Mai. Dabei entstand die Frage nach Aufsetzen oder Untersetzen von Brutraumzargen in Juli/August bei solchen Völkern. Hier die Erklärung, warum ich untersetze:
    Das Jungvolk wurde in seiner Zarge kontinuierlich flüssig gefüttert, um maximal Brut zu erzeugen. Dabei wurde nur ein Teil verbrütet, der andere Teil wurde oberhalb gelagert, wodurch eine geschlossene Futterkappe entstanden ist. Gleichzeitig wurde der Platz zum Brüten immer mehr eingeschränkt.
    Wenn man jetzt aufsetzt, muss die Königin über die Futterkappe gehen, was sie meist nicht tut. Stattdessen lagern die Bienen oben weiter Futter ein. Das Brutnest kann sich daher nicht optimal mit dem wachsenden Volk vergrößern.
    Wenn man dagegen untersetzt, ist der Weg zu leeren Zellen für die Königin frei und das Brutnest kann jetzt mit dem wachsenden Volk optimal erweitert werden. Man kann auch jetzt stärker in Richtung Wintereinfütterung gehen, ohne das Brutnest zu beschränken. Die Bienen füllen mit dem gegebenen Futter die im Brutnest leer gewordenen Zellen und die Randwaben in der unteren Zarge, wodurch das Brutnest allmählig nach unten gedrückt und die Futterkappe immer mehr verbreitert wird, ganz so wie es für den Winter gebraucht wird.
    Außerdem muss dem Charakter der Bienen, die man hat, Rechnung getragen werden. Ich habe praktisch reinrassige Carnica, die sowieso schon dazu neigt, Futter im Brutnest einzulagern. Bei solchen Bienen ist eine Erweiterung des Brutnests nach unten sinnvoller.
    Ich verfahre in gleicher Weise auch mit Altvölkern nach der kompletten Wabenentnahme im Juli. Das Volk wird auf eine Zarge beschränkt und wird langsam 4 Wochen lang gefüttert, während es in dieser Zarge in Leerrahmen neue Waben baut (Das Fangwaben-Management lasse ich hier einmal außen vor). Dabei entsteht auch hier eine geschlossene Futterkappe. Danach wird eine Zarge mit Leerwaben untergesetzt, um den Ausbau des Brutnests zu beschleunigen. Die Leerwaben kommen aus den Brutsammlern, wo die Brut jetzt komplett ausgelaufen ist.
    Im Frühjahr lasse ich den Brutraum weitgehend unangetastet, sodass es in dieser Zeit das Thema "Aufsetzen oder Untersetzen" für mich nicht gibt. Die Bienen können jetzt die vom Vorjahr verbliebenen Leerräume in den Rähmchen ausbauen. Eine Halbzarge mit Leerrahmen wird aufgesetzt, um neue Honigraumwaben zu gewinnen. Hierbei stört die Futterkappe nicht, wie leicht einzusehen ist.


    Gruß Ralph

  • .... Hier die Erklärung, warum ich untersetze ....


    @ Bernhard
    ......Mit dem Untersetzen habe ich mich ja ausgetobt. Mein Fazit ist: im ersten Jahr untersetzen, im zweiten Jahr aufsetzen.


    hallo Ralph und Bernhard,
    danke für Eure Hiinweise ! Gut zu wissen, worauf man vorbereitet sein muss.


    Der Hintergrund meiner Frage war: Ich würde gern im nächsten Jahr UNTERsetzen und damit einem Hinweis von Schundau nachgehen, der in den 70er Jahren empfiehlt, jedem Wirtschaftsvolk eine Zarge mit Leerrähmchen unter zu setzen, um dort den Drohnenbau auszuleben. Wörtlich heist es : "Es tut den Völkern gut, selbst zu bestimmen, wieviel Drohnen sie großziehen wollen".


    Im nächsten Jahr werde ich also bewußt auf das Drohnenschneiden verzichten (ich hab es nie geliebt!) und es auf diese Weise sogar ausleben lassen. Natürlich ist mir bewußt, das ich dabei auf einen Standardbaustein der Varroabekämpfung verzichte. Das Risiko halte ich für kalkulierbar und mit Brutentnahme gibt es einen entsprechenden Ausgleich.


    Ausserdem halte ich die Beobachtung des guten alten Schundau tatsächlich für richtig: Es wird dem Volk gut tun !

  • Hallo Reiner , dir ist bewußt das wir das Jahr 2012 haben . 1970 = 40 Jahre vorbei . Zurück zu den Anfängen . Aufsetzen zur Erweiterung ist angesagt , aber kein untersetzen . Wird besser und schneller ausgebaut.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Ich würde gern im nächsten Jahr UNTERsetzen und damit einem Hinweis von Schundau nachgehen, der in den 70er Jahren empfiehlt, jedem Wirtschaftsvolk eine Zarge mit Leerrähmchen unter zu setzen, um dort den Drohnenbau auszuleben.


    Schundau meint damit folgendes (sinngemäß nachzulesen in "So imkern wir in der Segeberger Kunststoff-Magazinbeute" 4. Auflage, Abschnitt "Nach dem Reinigungsflug"): Der Brutraum besteht bei der Auswinterung aus 2 Zargen. Oberste Zarge mit 11 Waben, untere Zarge mit 9 Waben und je 1 Leerrahmen an den Rändern. Zusätzlich wird jetzt eine 3. Zarge untergesetzt, die nur 9 Leerrahmen mit Anfangsstreifen enthält (und wahrscheinlich 2 ausgebaute Leerwaben als Kletterhilfe). Ergänzende Angaben finden sich im Abschnitt "Die Drohnenzucht".
    Also nicht den Fehler machen, unter nur eine Zarge mit ausgebauten Waben eine zweite Zarge mit Leerrahmen zu setzen - das geht schief. Das Volk baut in der unteren Zarge fast ausschließlich Drohnenbau und hat dadurch zuwenig Arbeiterbau. Bei Naturbau kann man auf die untere 3. Zarge völlig verzichten, da sich ausreichend Drohnenbau im Brutnest befindet.
    Jörg : Bernhard meint vermutlich das Erweitern mit leeren Zargen im Frühjahr, da er bekanntlich Stabilbau betreibt. Ich meine aber das Untersetzen von Zargen mit ausgebauten Waben nach der Tracht, also etwas völlig anderes. Diese Dinge müssen auseinander gehalten werden.


    Gruß Ralph