• Hallo erfahrenere Imker


    hier nochmal eine Frage eines absoluten Bienen-Neulings. Seit Donnerstag sind wir also stolze Besitzer zweier Bienenvölker. Es sind sehr starke Ableger, und der Züchter, von dem wir sie gekauft haben, war spitze und supernett. Unser lokaler Vereinsvorsitzender ist ebenfalls super nett und hilfreich, aber ... ich habe mittlerweile den Eindruck, dass beide nicht ganz auf der Höhe der modernen Bienenhaltung sind. Beide stimmten überein, dass das Brutnest beim Aufsetzen der zweiten Zarge auseinandergerissen werden sollte und ein Absperrgitter drauf musste!? Die 'modernere' Literatur, mit der wir uns bis dahin befasst hatten, war da anderer Ansicht, und ich habe gestern die zweite Zarge DNM, die dringend erforderlich war, ohne Absperrgitter und mit drei Leerwaben in der Mitte, Drohnenrähmchen und ansonsten Mittelwänden aufgesetzt. Das scheint ja auch laut den verschiedenen Aussagen in diesem Forum der richtige Ansatz gewesen zu sein.


    Jetzt endlich zu meiner Frage: Der frühere Besitzer der Völker hat Ameisensäure und Perizin zur Varroabekämpfung eingesetzt. Perizin scheint ja Eurer Meinung nach eher sch... zu sein, oder? Dass heißt auch, dass ich die alten Waben aus dem Wachskreislauf rausnehmen muss, wenn es soweit ist, oder?


    Mein lokaler Verein scheint auf Thymol zur Varroabekämpfung zu schwören. Was ist das für ein Zeug?


    Vielen Dank vorab,


    Hedwig

  • Hallo Hedwig,
    ich möchte dir gratulieren zu deinem ersten Aufsetzen, du hast alles total richtig gemacht, das was du aber jetzt aufsetzt ist normalerweise der 2. Brutraum bei Verwendung von DNM. Man hängt keine Brutwaben in den Honigraum oder 2. Brutraum. 1. schmeckt Honig aus unberüteten Waben viel besser , außerdem ist es unhygenisch Honig aus mit schlüpfhäutchen versehenen Zellen zu schleudern. 2. Falls der Imker Perizin oder Bayvarol zur Varrobekämpfung verwendet hat, nimmst du vieleicht ausgerechnet dieses "verseuchte" Rähmchem zu deiner Honiggewinnung - Rückstände im Honig vorprogrammiert. 3. Weiß die Biene am besten, wann sie den Honigraum oder in deinem Fall den 2. Brutraum besiedelt und wird nicht vom Imker dazu " vergewaltigt" bei der nach oben gehängten Brut auszuharren, sie kann sich sonst nicht mehr bei schlechter Witterung aus dem Honigraum zurüchziehen , um bei der wichtigen Bruterwärmung bei kalter Witterung im Brutraum zu bleiben.
    M.E. Ist Thymol ein stinkendes Zeug, da früher zur Entfernung der Bienen aus dem Honigraum angewandt wurde, aber auch bei der Völkervereinigung wurde es angewandt um den Bienen den gleichen "Geruch" angedeihen zu lassen.
    Machs so weiter Hedwig, du bist auf dem besten Weg eine Imkerin zu werden, die ihre Bienen versteht, denn wie sagte der Dr. Liebig, wenn sich die Bienen ihre Halter selber aussuchen dürften, gäbe es nicht viele Imker in der BRD und lass dich nicht beirren, auch wenn du mal Rückschläge einstecken musst, es gibt da nämlich auch Faktoren wie Witterung und Trachteinflüsse, wo wir Imker nichts regeln können. Alles lesen, was dir in die "Finger" kommt, ist die wichtigste Grundvoraussetzung damit du und der "Bien" euch versteht.


    _________________
    MfG
    Franz Xaver
    www.honigmayerhofer.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: honigmayerhofer am 2002-04-29 17:14 ]</font>

  • Hallo Frank Xaver,
    und danke für die netten Worte.


    Die zweite Zarge ist als Brutraumerweiterung gedacht. Jetzt schon einen Honigraum mit Absperrgitter erschien mir etwas widersinnig, schließlich soll das Volk doch erst mal seine volle Stärke erreichen :smile:. Klar freuen wir uns auf den Honig, aber das hat noch was Zeit.


    Nochmal zum Thymol: Tut es außer stinken noch was anderes? Wie ist seine Wirkung auf die Varroa, und wieviel von dem Zeug bleibt im Honig oder Wachs zurück?


    Stürmische Grüße (hier toben die Sturmböen),


    Hedwig

  • Hallo Hedwig,
    natürlich hat jeder seine eigene Meinung bei der Imkerei. Ich habe mir, als ich vor 3 Jahren mit der Imkerei anfing, alle möglichen Bücher gekauft, war fast meine teuerste Grundausstattung damals, aber ich hatte dann wie du, schon eine eigene Meinung gegnüber Imkern, die noch etwas altertümlicher arbeiten. Mittlerweile habe ich Bücher, von denen ich als Anfänger so begeistert war, weggegeben, weil sie total unbrauchbar sind, was ich mittlerweile als fortgeschrittener Imker, was ich nicht im Zusammenhang mit der Zeit, die man schon imkert sehen möchte, erfahren habe.
    Deshalb mein Tip an dich, einschätzungsweise sind wir seelenverwandt in Bezug Imkerei, du willst guten sauberen, rückstandsfreien Honig erzeugen und die Bienen artgerecht halten, kaufe dir das Buch vom Dr. Liebig mit dem Titel "Einfach Imkern" das ist genau das Buch für Imker wie uns. Wenn du das Buch mehrmals gelesen hast oder fast auswendig kannst wie ich, bist du für alles gerüstet, was die moderne, ökonomische Imkerei mit dem Ziel einer rückstandsfreien Honigerzeugung betrifft.

  • Willkommen an Bord,


    machs genau so weiter. Du fängst gut an. Die Sache mit den Büchern , wie sie Franz-Xaver geschrieben hat, hätte ich genau so geschrieben.
    Thymol:
    Ist ein stark riechendes weißes Kristallpulver.
    Davon gibt man zb. in leeren Rähmchen oder in Tütchen eingeschweißt (Sieht aus wie Teebeutel)eine gewisse Menge in die Beuten.
    Die
    Wirkung ist wohl dadurch zu erklären, dass die Varroen den Geruch nicht vertragen und dadurch die offene Brut nicht mehr finden und sterben.
    Allerdings geht Thymol in Wachs und Honig über, ausserdem riecht dein Bienenstand wochenlang nach Mottenpulver.
    Ich habs vor 7-8 Jahren mal versucht, aber mich hat der Geruch auch so gestört, dass ich genug habe fürs Leben.


    Grüsse


    Michael

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Hedwig,
    da dich anscheinend das Thymol doch beschäftigt, untenan einige Tatsachen darüber:
    Paradichlorbenzol und Thymol
    Von den einheimischen Honigen wurden 137 auf Paradichlorbenzol und Thymol untersucht. Paradichlorbenzol ist die Wirksubstanz von Imker-Globol bzw. Styx und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Deshalb wurde der Imkerschaft schon vor vielen Jahren empfohlen, diesen Wirkstoff nicht mehr zur Wachsmottenbekämpfung einzusetzen. Thymol wird in verschiedenen Anwendungsformen als Varroabekämpfungsmittel verwendet. Paradichlorbenzol wurde in keiner Honigprobe gefunden, Thymol war in 18 Honigen nachweisbar.




    _________________
    MfG
    Franz Xaver
    www.honigmayerhofer.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: honigmayerhofer am 2002-04-29 21:21 ]</font>

  • Hallo Hedwig!
    Thymol ist ein natürlicher Bestantteil des Thymianöls und es hat tatsächlich, durch unterschiedliche Applikationen (in Form von synthetischem Thymol) in die Bienenbeute eingebracht, eine Wirkung auf die Varroamilben.
    Der Hacken an dieser Behandlungsmethode ist meiner Meinung nach, dass man/frau, um einen ausreichenden Behandlungserfolg zu erzielen, das Thymol auch während der Trachtzeit angewendet werden muss. Das sich im Honig und Wachs anreichernde Thymol ist zwar für den Menschen unbedenklich, ich möchte es jedoch dort nicht haben. Es sei denn meine Bienen haben Thymiannektar gesammelt.
    Sehr gute Infos über Thymol als Varroamittel findest Du auch unter http://www.apis.admin.ch/index_d.htm im Register Varroa.


    Weiterhin viel Freude an deinen Bienen
    Stefan Kahlert

  • Hallo Hedwig!
    Hier ein Zitat aus dem Bienenjournal 5/2002: "Ameisensäure, Milchsäure und Thymol sind geprüfte Substanzen, die in der MRL-Liste in Anhang II aufgenommen sind, d.h. sie gelten als weitgehend unbedenklich. Auf dieser Basis konnten für die genannten Substanzen die nationale Zulassung betrieben werden."
    Thymol ist ein natürlicher Bestandteil des Honigs- und nicht nur des Thymianhonigs.
    Die Wirkung des Thymols auf die Milbe besteht darin, daß es die Milben verwirrt. Die Milben fallen noch lebend von den Bienen ab. Auf der Einlage in der Beute kann man deshalb auch Milben verschiedenen Alters finden. Außerdem sind sie durch die Verwirrung nicht mehr in der Lage sich zu vermehren.
    Auch ich wünsche dir viel Freude mit deinen Bienen
    Gabi Freyer