Naturbau nach TBE

  • Hi zusammen,


    ich mache jeden Sommer eine TBE zur Varroareduktion. Dieses Jahr hab ich im Rahmen der TBE auf Naturbau umgestellt, weil ich in den letzten Jahren mit dem Wachs ab und an Probleme hatte und keine Lust mehr drauf hatte.


    Ich benutze ungedrahtete Dadant Brutraumrähmchen mit Schiffsrumpf-Oberträgern. Im Vorfeld hatte ich einige Völker schon sukzessive (vor der TBE im Sommer) auf Naturbau umgestellt, das funktionierte perfekt. Nach der TBE hab ich aber folgendes Problem: Die Bienen haben überhaupt keine Waben mehr. Ich hänge mehrere leere Schiffsrumpfrähmchen rein und füttere gleichzeitig. Die Bienen fangen vom Rand aus (wieso auch immer) an die Waben auszubauen (perfekter Arbeiterinnen-Brutzellen um diese Jahreszeit). Nun haben sie aber zum nächsten Rähmchen ja erstmal keine Platzbegrenzung, sodass sie die Wabe stark ausziehen (wie Dickwaben im HR). Die nächste Wabe sitzt dann schon nicht mehr mittig unter dem Oberträger, wird auch stark ausgezogen, sodass die Waben immer weiter zur Seite abstehen. Prinzipiell kein Problem, aber man kann dann Rähmchen nicht mehr ohne weiteres vertauschen, da die individuell passend an die Nachbarrähmchen gebaut werden.


    Habt Ihr vielleicht Tips, wie ich die Bienen dazu bringen kann, etwas "ordentlicher" zu bauen?


    Danke und LG,

    Sebastian

  • Hallo Sebastian,

    ich habe zwar keine Erfahrung mit der Umstellung auf Naturbau. Aber aus dem Bauch heraus würde ich denken, dass Anfangstreifen die bessere Alternative gewesen wäre.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Paß doch Dein Vorgehen an die Realität an, anstatt umgekehrt? Spart viel Energie & Frust. Rähmchenabstände, Anfangsstreifen, gedrahtet etc....


    PS.: Was für Probleme hattest Du denn ab- und an mit dem Wachs?

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Mein Tipp:


    Mindestens Wachs an diese Schiffsrumpfoberträger wäre ein guter Startpunkt.

    Noch besser Anfangsstreifen - zwei Zentimeterchen dürften nicht das Problem sein.


    Und dann nach 3 bis 4 Tagen Baustart: gucken, Bautraube an den Beutenrand schieben, d.h. auch die am Rand nur schwach besetzten Rähmchen wieder wegnehmen, hinter das Schied setzen und das Schied an die Bautraube. Je nach Volksstärke dann diese ersten Rähmchen erst einmal runter bauen lassen, dann am Rand mit weiteren Rähmchen erweitern, immer wieder das Schied dran setzen.


    Trotzdem passiert es, dass die Futterkranzzonen dicker werden und die nächste Wabe daran angepasst wird. Damit muss der NAturbauler leben können. Rähmchen bleiben dann da, wo sie sind, nur am Rand ist was machbar.

    Bei Am Rand dann auftauchenden Speicherzellen kann man auch auf MW wechseln, denn diese Futterwaben kommen ggf im Frühling beim Schieden eh wieder weg - je nachdem, wie man die Völker führen möchte.


    Ungedrahtet in Dadant würde ich nie machen. Dicke, neu gebaute Waben mit schweren Futterkänzen und unten eine schwere Bautraube dran und/0der dann wieder Hitzewelle - und tschüss :oops:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Man kann auch, wenns denn unbedingt sein muss, in der anfänglichen Bauphase, wenns oben dick wird, das dicke mit dem Stockmeissel ganz vorsichtig eindrücken.

    Sprich: zurückdrücken auf das Niveau, das der Imker unbedingt haben möchte.

    Dann läuft zwar das schon hier eingetragene Futter zunächst mal runter und es gibt ein wenig Matscherei, aber Du könntest die Waben dann auf den richtigen Abstand zueinander zurechtrücken.

    Die Bienen flicken das zerstörte Wabenwerk wieder, das ist kein Problem.

    Aber, wie beetic schon meinte, man gewöhnt sich daran, dass der Naturbau nicht immer so schnurgerade ist wie bei MW.

    Ist eigentlich auch nicht so tragisch, die Bienen bekommen es immer so hin, wie es ihnen gefällt, die machen irgendwie immer das Beste daraus!

    Ansonsten kann ich Dir nur dazu gratulieren, auf NWB umzustellen.

    Ich selber bin mittlerweile aber soweit, dass ich in der Not, dh wenn es für einen Ausbau zeitmässig echt zu eng wird, schonmal auf eine MW zurückgreife.

    Bevor ein Volk eingeht, weil es zum Winter hin nicht schnell genug bauen konnte, wo möglich auch noch durch den Imker verschuldet, spendier ich lieber eine oder zwei MW.

    Die kann man, wie Marion auch erwähnte, gerne im Folgejahr ausscheiden. Und aufs drahten bei der Wabengrösse wirklich nicht verzichten!!!

  • Hi zusammen,


    sorry erstmal für die späte Antwort, da kam ein Urlaub dazwischen...


    Um es kurz zu halten, Ihr hattet mit eigentlich allem recht. Hab mich da offenbar nicht besonders gut beraten lassen (u.a. durch den Artikel im DBJ (Februar 2018 oder so), in dem ungedrahteter Naturbau beworben wird...).


    1) Schiffsrumpf statt Anfangsstreifen: Schlechte Idee. Schiffsrumpfoberträger funktionieren perfekt, wenn man das Rähmchen zwischen zwei bereits ausgebaute Waben hängt. Hatte das seit dem Frühjahr so praktiziert, eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht und dann gedacht, dass damit auch eine TBE gehen sollte. Falsch gedacht.


    2) Gleiches Thema bei ungedrahteten Rähmchen: Funktioniert, wenn die dann direkt bebrütet werden, denn das stabilisiert die Waben und sie brechen eigentlich nicht mehr. Frischer Naturbau voller Futter bricht zwar offenbar auch bei Hitze zwar nicht von alleine, aber sobald man irgendetwas am Volk macht, bricht alles sehr leicht ab. Und ein komplett abgebrochenes Brutbrett im September tut einem schon echt leid.


    3) Umstellung auf Naturbau durch TBE: Vielleicht funktioniert das bei Anfangsstreifen (ggf. + Drahtung), aber mit Schiffsrumpfrähmchen gehts nicht. Offenbar sind Anfangsstreifen ein viel stärkerer Anreiz, gerade entlang der Oberträger zu bauen, als Schiffsrumpfprofile. Die Bienen halten sich bei denen zwar ungefähr an den Oberträgerverlauf, aber eben nur ungefähr. In mehreren Völkern hatte ich Waben, die an einem Rähmchen los gingen, aber an einem Nachbarrähmchen endeten, also alle Waben schräg verliefen. Das ist dann kein Mobilbau mehr...


    Insgesamt ist das jetzt eine ziemlich doofe Situation. Ich habe Völker, die haben durch Wabenbruch noch Anfang September fast ihre gesamte Brut verloren haben. Zum Glück sind die Völker sehr stark und haben viele Bienen, ich hoffe, dass sie das jetzt noch kompensieren können.


    Ich habe jetzt die abgebrochenen Rähmchen raus genommen, die noch intakten drin gelassen, dazwischen Mittelwände gegeben und natürlich gefüttert. Ich hoffe, dass sie noch ausreichend ausbauen und genug Winterbienen aufziehen können, um gut über den Winter zu kommen.


    Ich werde berichten.


    VG

  • In mehreren Völkern hatte ich Waben, die an einem Rähmchen los gingen, aber an einem Nachbarrähmchen endeten, also alle Waben schräg verliefen.

    Kann es sein, dass die Beuten nicht "im Wasser" standen? Beuten,in denen Naturwabenbau errichtet werden soll, müssen ganz exakt mit der Wasserwaage ausgerichtet werden. Das hat nichts mit Anfangsstreifen oder Profilen zu tun.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • In mehreren Völkern hatte ich Waben, die an einem Rähmchen los gingen, aber an einem Nachbarrähmchen endeten, also alle Waben schräg verliefen.

    Kann es sein, dass die Beuten nicht "im Wasser" standen? Beuten,in denen Naturwabenbau errichtet werden soll, müssen ganz exakt mit der Wasserwaage ausgerichtet werden. Das hat nichts mit Anfangsstreifen oder Profilen zu tun.

    Die Beuten standen exakt im Wasser - das Problem war auch nicht, dass sie vertikal schräg bauten, sondern horizontal, sich also nicht an den Verlauf der Oberträger hielten.

  • Das kenne ich. Machen sie aber nur,wenn du mehr als einen leere Rahmen gibst. Dann ist Platz dafür vorm Schied.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Ja, die Damen sind immer für eine Überraschung gut.

    Mein erster Schwarm hat in den Rähmchen für die Einraumbeute (Dadant hoch; Schiffrumpfprofil) bilderbuchmäßige stabile gerade Waben (ungedrahtet) gebaut.


    Schwarm Number 2 vom letzten Jahr war schon etwas freier in seiner Architektur (einmal übersehen, ein neues Rähmchen zu geben, etwas zu viel Abstand zum Schied - schon war das Chaos begonnen - habe mehrmals nachgemessen, ob die Beute in der Waage ist -).


    Dieses Volk hat heuer - trotz zwischen 2 perfekten Waben eingehängten Leerrähmchen - wohl im Frühjahrsfutterrrausch erst mal nix Neues gebaut, sondern die Nachbarwaben im Futterkranzbereich gnadenlos ausgezogen. Es gab im Endeffekt neben viel Chaos, das ich abgeschnitten (s.o.) habe, auch eine reine Dadant-Honigwabe, die schräg begonnen und dann in 2 Rähmchen gebaut war, mit riesig langen Speicherzellen auf einer Seite (wusste gar nicht, dass die Bienen das können), die 5 (fünf!)Kg gewogen hat, ungedrahtet und echt stabil!


    Nachdem ich den Nervenkitzel aber nicht mehr möchte (reißen oder nicht reißen), gibt`s jetzt, wo nötig, Draht und die eine oder andere Mittelwand :-)


    Trotzdem liebe ich Naturbau und finde ihn beeindruckend und schön. Im Hobbybereich hat man ja auch mal die Zeit, ein bisserl rumzufummeln ;-)


    VG

  • Bei mir lief dieses Jahr auch ein Versuch mit TBE und wahlweise Schiffsrumpf, Anfangsstreifen und Mittelwände. Alle Varianten mit Drahtung, 32 mm Wabenabstand und Zellgröße 5,1.


    Schiffsrumpf ist dabei definitiv nicht empfehlenswert. Ein Volk hat, wahrscheinlich zufällig, so ausgebaut, dass der Imker etwas damit anfangen konnte. Die anderen haben mir und den Bienen viel zusätzliche Arbeit gemacht. Der jetzige Stand ist für den Imker (und bei einer Durchsicht auch für den Bien) immer noch suboptimal.


    Im Gegensatz dazu bereiteten mir die Anfangsstreifen richtig viel Freude. Es dauert etwas länger und benötigt etwas mehr Fütterung als bei den Mittelwänden, aber das Ergebnis finde ich als Imker super und werde ich wahrscheinlich zukünftig vermehrt einsetzen.


    Grüße vom Apidät

  • Ich kann auch bestätigen, dass eine TBE mit Anfangsstreifen problemlos klappt und wunderschönen Naturbau ergibt. :) Doof ist nur, wenn sich die Anfangsstreifen am Rand durch die Sommerhitze etwas gelöst haben, weil die Bienen dann schön brav dem Bogen folgend bauen … :| Abgesehen davon hat es bei mir bei drei von drei Völkern gut geklappt.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).