Carnicabienen und Brutkrankheiten

  • Habe gelesen, dass die Carnica in ihren Ursprungsgebiet keine oder kaum Krankheiten der Brut kannte.Macht es Sinn eine Biene einzuführen und/oder zu halten in einen Gebiet, wo es zumindest die europäische Faulbrut gibt? Hat man sich da nicht genug Gedanken gemacht? Wird eine "Bienenrasse" die in ihren Verbreitungsgebiet mit vielen Brutkrankheiten konfrontiert wird, nicht besser mit Faulbrut und Varroa fertig?

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ich würde sagen, es liegt in Bezug auf Brutkrankheiten nicht selten bis immer an der Betriebsweise. Eine Reduzierung auf eine Bienenrasse oder dergleichen wäre sicher nicht fair gegenüber dem Tier. Sicher gibt es züchterische Fehlleistungen (z.B. Kalkbrut), aber hier überwiegt dann sicher der falsche Ansatz einer Betriebsweise, wenn der Imker keine andere Königin zum Einsatz bringt. Hier würde ich dann aber nicht dem Tier die Schuld geben, sondern Versäumnisse beim Züchter sehen. Die Verantwortung des Imkers muß dann mindestens soweit gehen, dass dieser den Züchter über derartige Fehlleistungen informiert. In der Klärung der Punkte können dann aber auch Fehler in der Betriebsweise erkannt und beseitigt werden. Somit ist eine Entwicklung nach vorne möglich. Würde ich behaupten, dass meine imkerlichen Fehlleistungen alleine ein Rasseproblem wären, so wäre ich ein Lügner.
    Für ein freundlichen Miteinander und gute Betriebsweisen sollten sich verstärkt die Imkervereine engagieren und nicht damit begnügen Abgrenzungen und Fehleinschätzungen zu fördern.

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Zu ergänzen ist natürlich noch, dass die Ausrüstungsgegenstände oft nicht "faulbrutfeindlich" sind.
    Insoweit kann ich nur empfehlen, dass sich jeder Imker und jede Imkerin mit "Ätznatron" und "Flammgerät" auseinandersetzt.
    Normaler Dampfwachsschmelzer oder Sonnenwachsschmelzer haben nichts mit Hygiene zu tun!
    Hinzu kommt, dass wichtige Geräte zur Desinfektion viel Platz benötigen und zusätzliche Kosten verursachen.
    Aber jeder Kleinimker müßte diese dennoch haben!
    Also brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es Probleme gibt.
    Wie gesagt, ich würde die Zunahme von Brutkrankheiten nicht ausschließlich auf eine Bienenrasse reduzieren, sondern die Betriebsweise, zu welcher ja auch die Zucht gehört in den Vordergrund rücken.

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Nun habe ich in Bezug auf die Faulbrut sicherlich etwas ganz wichtiges vergessen!
    Die Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Krankheit.
    Die gesetzlichen Maßnahmen sind aber m.E. nicht geeignet die Faulbrut dauerhaft zu bekämpfen.
    Dies beginnt mit mangelhafter Ausbildung und endet damit, dass die zuständigen Behörden nur nach dem Lehrbuch bzw. ungeigneter Seuchenverordnung handeln. Ich begründe dies damit, dass die Faulbrut zunimmt, obwohl man eine Seuchenverordnung hat (~ Konzept falsch).
    Hier müßten die Verantwortlichen Rat in Dänemark suchen, wo eine völlig andere Sanierungsart betrieben wird. Dadurch könnte die Seuchenkasse entlastet und viele Imkerbetriebe erhalten bleiben. Es muß sich jeder im klaren sein, dass die Einbeziehung des Veterinäres das AUS der Imkerei sein kann. Dies wissen scheinbar die Imker und holen sich deshalb keinen Rat. Dadurch wird zur Vermehrung beigetragen und es bleibt dann natürlich oft wirklich nur noch die Abtötung übrig.
    Wer scheut sich nicht die Völker abzutöten? Also wird dann in aussichtlosen Fällen auch noch Mist gemacht. Ein klassischer Mist ist z.B. Kellerhaft oder das Abkehren auf Mittelwände. Wer so etwas in Gesetze einbaut, zeigt dass eine Wissensweiterentwicklung nicht stattgefunden hat. Die Bienen müssen auf eine "Zwischenlösung" (Karton mit Leisten und evtl. kleinen Anfangsstreifen [Mittelwandteil vielleicht 2 x 10 cm]) gesetzt werden. Hier erfolgt keine Fütterung. Nach ca. 5 Tagen werden die Bienen aus der "Zwischenlösung" abgestoßen in eine saubere Beute. Hier erhalten diese eine Zuckerlösung 1:1. Die Bienen bauen aus und marschieren. Die Imkerei ist saniert und die Faulbrut erfolgreich bekämpft. Im August/September setzt man eine neue Königin mit "gutem Putztrieb" zu. Wird ohne "Zwischenlösung" (diese wird übrigens komplett verbrannt) gearbeitet, so werden die Faulbrutsporen nur auf die neuen Materialien übertragen.

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • schaut da nochmals rein. Die Ausstellung des Seuchenzeugnisses ist nur unnötige Arbeit für den Seuchenbeauftragten, da die Verbreitung der Krankheit dadurch nicht unterbunden wird!


    Gruss Friedhelm



    Thema: Entseuchung von Wachs
    Name: Friedhelm
    Online: http://www.bienen.de/imkerforum/viewtopic.php?topic=51&forum=6



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    Erstellt am: 12.05.2002 09:33
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    Lieber Imkerfreund Toyotafan, lieber Imkerfreund Reiner


    stimme Dir Toyotafan voll zu, leider gibt es so viele Standimker oder illegal gewanderte Völker mit Faulbrut (FB), diese werden nur bei klinischen Symptomen erkannt. Bei einer nah verwandten Pflanzenkrankheit Feuerbrand (FB) treten Symptome erst bei 10 hoch 9 Bakterien / ml Waschflüssigkeit von Blättern auf! Mit PCR kann man aber schon 10 Zellen nachweisen. Auch da ist es leider so, daß Pflanzen die nicht klinisch befallen sind in der gesamten EU umhergekarrt werden dürfen, was wahrscheinlich ein Grund für die weite Verbreitung ist! Es sind halt doch noch Zellen auf den Pflanzen oder in den Völkern, die zur Verbreitung bei ungünstigen Stand- (Umwelt)-bedingungen führen können! Deshalb bin ich für die Aufgabe der Kontrolle, solange sie so durchgeführt wird wie bisher, da sie sehr wenig bringt, zumal es sehr viele Imker leider so machen, daß sie ihre Völker bevor der Seuchenwart kommt durchschauen und verdächtiges Material vernichten. Deshalb bringt diese Form wenig, wie auch bei der Pflanzenbeschau! Entweder PCR mit Schüttelmediumvorkultur, was aber zuviele Völker kosten wird, oder eine Entwicklung von Desinfektionsmethoden direkt auf den Bienen mit einfachen Mitteln!


    Gruss Euer FB (Nicht Faulbrut und nicht Feuerbrand, nur Zufall)
    _________________

  • Hallo,


    ich persönlich glaube, daß die Zunahme der AFB fälle mehr auf den misstand in der Imkerei allgemein zurrück zu führen ist. Dazu zählt einmal das Können und Wissen der Imker und aber auch die Tatsache, daß die Imkerei nichts mehr bringt und dadurch sehr viele Bienenstände schlicht weg vergammeln. Wenn mir heute ein Imker sagt er brauche nur 1-2 Mittelwände pro Volk im Jahr, dann weiß ich genau was da dem nächst auf seinem Bienenstand los ist! ich riech es schon förmlich, das hat mit Carnica oder anderen Bienenrassen nix mehr zu tun!

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo,
    bei uns im Kreis ist auch AFB aufgetreten. Dadurch sind eine Menge sachen ans Tageslicht gekommen. Zum ersten: die Große anzahl ältere Imker die Überhaupt keine Wabeerneuerung oder änlich Hygiene fördernde Maßnamen durchführen. Zum Zweiten das Veterinäramt ist völlig unfähig die sache zu managen, keine Aussage selbst nach über zwei Wochen der bekanntgabe des AFB Falls ! Die extrem hohe anzahl von Schwach oder Stark infiszierten Völker in Ständen, welche kein optische anzeichen für die Krankheit haten. Und als letztes die machtlosigkeit der jenigen "jung"-Imker die trotz allen bemühungen ein Stand vorbildlich zu führen duch den ausbruch ein Rückschlag erleben der nicht leicht zu verkraftzen ist. :sad:

  • Hallo zusammen, meine Fragestellung zielte mehr in die Richtung, ob eine Bienenpopulation, die mit vielen Brutkrankheiten konfrontiert wird, nicht nur imkerlicherseits, nicht besser mit solchen Situationen fertig wird, als eine, die nur wenig mit Brutkrankheiten zu tun hat. Von der Carnica weiß ich, das sie in ihren Ursprungsgebiet nur wenig Brutkrankheiten kannte und mit diesen gut fertig wurde. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Zitat


    Toyotafan schrieb am 2002-06-28 13:25 :
    Hallo,


    ich persönlich glaube, daß die Zunahme der AFB fälle mehr auf den misstand in der Imkerei allgemein zurrück zu führen ist. Dazu zählt einmal das Können und Wissen der Imker und aber auch die Tatsache, daß die Imkerei nichts mehr bringt und dadurch sehr viele Bienenstände schlicht weg vergammeln. Wenn mir heute ein Imker sagt er brauche nur 1-2 Mittelwände pro Volk im Jahr, dann weiß ich genau was da dem nächst auf seinem Bienenstand los ist! ich riech es schon förmlich, das hat mit Carnica oder anderen Bienenrassen nix mehr zu tun!


    Du hast sicherlich einen ganz wichtigen Punkt für die Verbreitung der Faulbrut angesprochen. Hierzu kommt, daß viele ältere Imker zunehmend schlechter sehen. Wer Probleme hat, die Königin im Volk zu finden, der sieht vermutlich auch keine eingefallenen Zelldeckel und keinen Schorf in den Zellen mehr. Zwar soll man Faulbrut am Geruch erkennen können, charakteristisch für Norddeutschland ist wohl, daß die Völker nach "schimmeligen Brot" riechen. Da aber der Befall schleichend einsetzt, gewöhnt sich der Imker anscheinend daran.


    Ich habe vor einigen Wochen den Vortrag eines niedersächsischen Fachberaters gehört. Der berichtete von einem Fall, bei dem die Bienenbestände eines Ortes allem Anschein nach schon jahre- oder gar jahrzehntelang von AFB befallen waren. Die Imker dort waren zwischen 60 und 90 Jahren alt. O-Ton eines Bienenhalters war: "Ich kann gar nicht verstehen, daß ich die Faulbrut haben soll. Meine Völker haben doch immer mehr als 15 Pfund Honig eingetragen".


    Wandert nun ein Imker mit vitalen Völkern diese Gegend an, so kommen seine Völker mit den Faulbrutsporen in Berührung. Einen geringen Eintrag kann ein gesundes Volk normalerweise problemlos verkraften, die Sporen werden einfach vernichtet.


    Problematisch wird es, wenn befallene Völker zusammenbrechen und es zu Räuberei kommt oder Bienen an aufgelassenen Ständen aus offenen "Faulbrutbeuten" Propolis in den eigenen Stock eintragen. Dann ist eine Infektion kaum noch aufzuhalten.


    Besonders ärgerlich ist es, wenn dann der aufmerksame Imker den Befall bemerkt und dann zu Unrecht den "schwarzen Peter" zugeschoben bekommt.


    Beispielsweise hat wohl eine niedersächsiche Berufsimkerin Futterkranzproben nach Celle eingeschickt, und als diese dann als "befallen" klassifiziert wurden den zuständigen Veterinär benachrichtigt. Sofort hieß es in der Gegend "Die hat die Faulbrut".


    Eine Untersuchung der Völker zeigte jedoch keinerlei klinischen Befall. Daraufhin wurden die Völker in der Nachbarschaft in Augenschein genommen und hier, bei einem der Imker die mit dem Finger auf die Kollegin gezeigt hatten, fand sich auch der Befallsherd.


    Ich befürchte, daß uns in West- und Norddeutschland die zunehmende Resistenz der Varroamilben gegen Bayvarol und neuerdings auch Perizin eine weitere Zunahme der Faulbrutfälle bringen wird. Solange sich nämlich ein von der AFB befallenes Volk verteidigen kann, ist es für seine Nachbarn relativ ungefährlich. Ganz anders sieht es aber aus, wenn es zusammenbricht und die Nachbarn kiloweise verseuchtes Futter nach Hause tragen.


    Grüße


    Ulrich