Was hilft, Völker in ihrer Überlebenskraft zu unterstützen?

  • Das ist ja das leidige Dilemma,

    Du kannst die kompletten Flubienen eines Volkes tot spritzen. Du kannst mit IGRs (Häutungshemmern) die komplette Brut von Völkern eliminieren. Genau das wird in PSM-Zulassungsverfahren nach EPPO- und OECD Guidelines gemacht um nachzuweisen, dass das Testsystem funktioniert und man potentielle Auswirkungen des zu testenden PSMs auch aufzeigen könne.

    diese Tests erfassen die subletalen Effekte nicht.
    Garstige Menschen meinen ja, das diese Verfahren genau wegen dieser Industriefreundlichkeit verwendet werden.

  • Diese Tests enthalten Verhaltensbeobachtungen auf dem Crop und am Flugloch + regelmäßige, vollständige Volksschätzungen und umfassen mittlerweile auch die Überwinterung. Dazu wird die Entwicklung von mehreren hundert Eiern je Volk bis zum Schlupf fotographisch dokumentiert und ausgewertet, meist in zwei aufeinander folgenden Brutzyklen. Besser gehts immer, aber hier wird schon immenser Aufwand getrieben.


    Bei sachgerechter Anwedung sind PSM ein vernachlässigbarer Risikofaktor, da ist mein Varroa-Konzepot weitaus entscheidender für das Überleben meiner Bienenvölker.

  • Bei sachgerechter Anwedung sind PSM ein vernachlässigbarer Risikofaktor, da ist mein Varroa-Konzepot weitaus entscheidender für das Überleben meiner Bienenvölker.

    Schön, das Du das so sicher sagen kannst. Ich kann das nicht. Allerdings sind einige 'PSM' ja auch inzwischen wieder vom Markt verschwunden. Erstaunlich, weil die auch mal total sicher waren. Man muß also auch nicht alles glauben, was die Industrie so behauptet. ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Leute, man kann über Vieles diskutieren und ich lese es mit Interresse und oft mit Verwunderung. Auf meine Betriebsweise, die auf dem aufbaut was ich von meinem Vater gelernt habe und was sich sich bewährte, hat das wenig Einfluss. Es gibt für mich seit lagem 3 Hauptprobleme der Imkerei, die heißen Varoa, Varoa und Varoa. Raffinadezuckerlösung als Winterfutter ist so mit das Letzte was dem Bien schadet.


    Hallo Georgie,

    bei der Varroa gehe ich mit.

    Dass ZuckerFutter schadet, wurde nicht behauptet.

    In den letzten 10 Jahren habe ich einen Teil der Völker mit, den anderen ohne Zucker überwintert und kann eigentlich keinen Unterschied feststellen.

    (Mein Problem ist eher: Wie Honig füttern?)

    Dieses Jahr will ich mehr Frühlingswaben lagern, um sie im Spätsommer zurückzugeben.

    Wenn ich hier so lese, welche Mengen gefüttert werden und das mit meinen Daten vergleiche, kann ich nur staunen. Wo bleibt da der ganze Zucker? Da wird dann vielleicht viel Zucker verbrütet. Das wiederum würde die Varroa-Produktion antreiben.

    Gruß vom Harry



  • Schön, das Du das so sicher sagen kannst. Ich kann das nicht.

    Du kennst meine Völker ja auch nicht ;)


    Ich hab viele Jahre direkt mit der Pflanzenschutzmittelzulassung zu tun gehabt und viele Studien gesehen und teils auch selbst durchgeführt, u.a. auch mit den verschwundenen Mittelcn. Da wir bei sachgerechter Anwendung nie Effekte finden konnten, ist deren verschwinden tatsächlich ein Stük weit überraschend für mich. Allerdings ist das natürlich auch nur ein Bruchteil der durchgeführten Studien, muss ich einschränkend dazu sagen. Und nein, ich stand nicht auf der dunklen Seite, gehörte und gehöre nicht zu den Bösen 8)


    Es ist gut und richtig, das viel und scharf geprüft wird. Viele Verbote gründen aber weniger auf Fakten als auf öffentlichem Druck, weswegen Grenzwerte enger gezogen und Sicherheitsfaktoren erhöht werden. Da wird regelmäßig eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Ein schönes Beispiel dafür ist Glyphosat, eine derart faktenfreie öffentliche Diskussion sieht man sonst nur im US-Wahlkampf ;(

  • Es ist gut und richtig, das viel und scharf geprüft wird. Viele Verbote gründen aber weniger auf Fakten als auf öffentlichem Druck, weswegen Grenzwerte enger gezogen und Sicherheitsfaktoren erhöht werden. Da wird regelmäßig eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Ein schönes Beispiel dafür ist Glyphosat, eine derart faktenfreie öffentliche Diskussion sieht man sonst nur im US-Wahlkampf

    das ist ja schön, dass es auch Stimmen aus der Umgebung von PSM-zulassungstests gibt.

    So ganz bin ich aber nicht mit der Positionierung des Glyphosat konform.

    Was meistens nicht beachtet wird und nicht in die Positionen einfließt ist, dass wir es mit einem Totalherbizid zutun haben.

    Dieses, über längere Zeit angewendet, dezimiert sehr stark die Unkräuter / Beikräuter in den agrarischen Pflanzenbeständen und nach der Ernte / in Folge im Aufwuchs. Damit werden die Pollen- und Nektarpflanzen für viele Insekten, und nichtnur für die Honigbiene, so stark vereinzelt, dass diese nicht leben und sich vermehren können.

    Das führt zu Populationszusammenbrüchen wie wir sie in den letzten Jahren und nochimmer erleben.


    Wenn uns dies alles nicht die Mühe wert ist, dann sollten wir uns nicht irgendwann über die Taten der Vergangenheit beschweren!

    Gruß

    Harald

  • Hallo Harry,

    Es sind nur einige Honige, bei mir ist es Heide, welche den Bien im Winter belasteten. Wollte 2018 den Rapshonig in Waben für die Heidevölker zurückstellen und diese nach der Heide darauf abfegen, damit sich die Winterbienen nicht abarbeiten müssen, außerdem kann ich dann gleich mit Milchsäure behandeln. Aber, 1. der Raps hat nicht gehonigt und 2. die Heide ist vertrocknet, so dass ich sie nicht abwanderte. 2019 ist der Raps im Herbst nicht aufgegangen. Alle anderen Honige möchte ich gern ernten. Lasse aber immer genug im zweizargigen Brutraum. Wenn ich Fehlinge bilde dann füttere ich sie mit Futterteig oder 1:1 Lösung damit sie zügig bauen. Habe wie fast alle desöfteren Flugbienenverluste wo man natürlich die üblichen Verdächtigen hinter vermutet. Wenn Zucker nicht schadet, wieso dan Honig füttern! Wenn dann in Waben aufheben. VG



  • Llecter schrieb:
    • Ein schönes Beispiel dafür ist Glyphosat, eine derart faktenfreie öffentliche Diskussion sieht man sonst nur im US-Wahlkampf .

    Wie schade, auch hier lohnte ein Blick über den Teich. Superweeds und Resistenzen sind das Stichwort.

  • ...

    Eine zweite Art von Imkern ist heute schon beinahe ausgestorben. Das waren Theoretiker, die von der Annahme ausgingen, daß es für ein Bienenvolk keine bessere Winternahrung geben könne als reinen Honig.

    ...

    Also ich kenne Imker, die nur den ersten Honig schleudern und den Sommerhonig für den Winter drinn lassen. Ich glaube nicht, dass die Aussterben. Aber ja sie sind in der Minderheit.

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Ich hab viele Jahre direkt mit der Pflanzenschutzmittelzulassung zu tun gehabt und viele Studien gesehen und teils auch selbst durchgeführt, u.a. auch mit den verschwundenen Mittelcn.

    Dann klär' uns doch mal auf, wie solche Studien prinzipiell angelegt sind - Zielsetzung vs. Ergebnisse. Vielleicht versteht man dann besser, warum einige Neonics nicht mehr genutzt werden dürfen. Insbesondere die Beobachtungsdauer der Studien dürfte interessant sein und die Stärke der eingesetzten Völker nach längerer Zeit.


    Und ob PSM nachrangig bei Varroa bedingten Schäden an den Völkern ist, wer vermag das schon mit direktem ursächlichen Bezug zu bewerten ?! Ich halte es für vorrangig.


    Insbesondere subletale Effekte können die Resilienz der Bienen sehr negativ beeinflussen, so dass ihnen die Fähigkeit zur Erholung fehlt. Und dann bedarf es nicht mehr so vieler Stressoren und sie sind hin.


    Vor 10 Jahren, als ich anfing, fielen bei den Varroabehandlungen 1000e Milben im Spätsommer und die Völker überlebten. Heute fallen bei einigen in Summe max. 2000 zwischen Juli und Dez. Diese Völker überleben nur bei konsequentem Varroam'ment.


    Woran liegt das ?


    Ja, die Viren und die Begleitinfektionen sind's und am Ende hat der Imker geschludert oder der Nachbarimker verteilt die Milben. Das ist

    mir (!) zu vordergründig und oberflächlich.


    Seit meine Völker aus der raps- und obstlastigen Umgebung in eine völlig andere, vielseitige Landschaft gewandert sind, fällt mir 'was auf. Das belegen die Studien bestimmt nicht - war sicher auch nicht deren primäre Zielsetzung.


    Und eine Randbemerkung zu Studien: Ich habe ausreichend Arzneim.Studien gesehen und deren Ergebnisse im Vgl. zur ursprünglichen Planung. Ich kann mir das Procedere bestens vorstellen.


    Beste Grüße vom Lande


    Rainer